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Amtliches Organ für Staöf- unS LauSkreis Hanau

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Äl. 130.

Dienstag den 7. Juni

1898

HOB

Hierzu

Amtliche Beilage" Nr. 41.

Dicnstnachnchten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein silberner Damenring. Ein Korb mit Eßgeschirr. Ein Schraubenschlüssel. Ein kleines Packet, ent­haltend 2 Paar Handschuhe, 2 Haarkämme und 1 Halskette. Zwei Stück weißes Einsaßband. Ein Dutzend Knöpfe ver­schiedener Sorte.

Verloren: Ein weißseidener Gürtel. Ein schwarzes Portemonnaie mit Inhalt. Ein rother Nadelschirm. Ein Portemonnaie mit 1,20 Mk. Inhalt.

Entflogen: Eine gelbbraune Brieftaube (Täubin). Ein Kanarienvogel, am 26. v. Mts.

Zugeflogen: Eine blaue Brieftaube, am rechten Fuß ein silberner Ring mit Zeichen 120 V. 120.

Hanan am 7. Juni 1898.

Der Werth eines englisch-amerikanischen Bündnisses.

Die Amerikaner von 1898 sind nicht mehr die Amerikaner von 1863. Damals befanden sich die Vereinigten Staaten in einem mörderischen Bruderkampse; aber sie hatten trotzdem ein so trotziges Selbstbewußtsein, daß sie gleichzeitig sowohl den Franzosen, wie den Engländern die Zähne wiesen. Heute, wo sie mehr als doppelt so viel Einwohner haben, und wo sie nur mit einem Gegner zu thun haben, den sie anfangs gar nicht gering genug ein schätzen konnten, und dem gegenüber sie die rebellischen Bewohner seiner Kolonien aus- spielen können, sahen sie sich ängstlich nach einem Bundesge­nossen um. Seit dem Beginne des Krieges schon ist von einem Bündnisse der Vereinigten Staaten mit England ge­sprochen worden, und jetzt, wo es mit dem Kriege mit Kuba nicht vorwärts gehen will, ist mehr als je zuvor von diesem Bunde die Rede.

Wenn auf englischer Seite Neigung genug zu diesem Bunde vorhanden ist, so geschieht es aus demselben Gefühle heraus, aus dem die Amerikaner die Allianz wünschen: aus dem Gefühle der Vereinsamung. Beide Mächte fühlen sich nicht mehr wohl in der splendid Isolation, auf die sie früher fo stolz waren, und da sie Beide andere Verbündete nicht finden können, so suchen fie Anschluß aneinander. Eng­land soll den Vereinigten Staaten den Rücken decken gegen­über jeder Macht, die etwa den Spaniern zu Hilfe kommen möchte, und die Vereinigten Staaten sollen gehalten sein, den Engländern beizustehen, wenn diese in einen Konflikt mit Rußland gerathen.

Der Mangel dieses Bündnisses besteht nur in einem Punkte: in der alten arithmetischen Wahrheit, daß die Addi­tion zweier Nullen immer noch keine Eins ergibt. Beide Mächte leiden an demselben Mangel an dem Fehlen eines starken und brauchbaren, aus der Volkskraft hervorgegangenen Heeres. Beide Staaten verfügen nur über eine, aus ge­worbenen Truppen bestehende reguläre Armee und über Mi­lizen. Was die regulären Armeen der beiden Mächte an- langt, so sind sie, ganz abgesehen davon, daß die amerikanische Armee nummerisch sehr gering ist, an innerem Werthe nicht mit den aus der allgemeinen Wehrpflicht hervorgegangenen Truppen der europäischen Kontinentalmächte zu vergleichen. Und nun gar die freiwilligen Truppen? In dem spanisch­amerikanischen Kriege zeigt sich so recht die Werthlosigkeit der t militärisch ungeschälten Menschenmassen. Sechs Wochen sind ' v bereits seit dem Beginne des Krieges vergangen und noch * ist nicht ein einziges Armeekorps freiwilliger Truppen im ^Stande, die Aktion gegen die spanischen Truppen energisch zu beginnen. Dieselben Erfahrungen aber, die die Amerikaner *>it ihrenFreiwilligen" machen, würden im Kriegsfalle die ^/Hugländer mit ihrenvolunteers machen müssen. Bis [ jetzt hat England in seinen Kriegen immer mit seinen regu­lären Truppen auskommen können. Wenn es aber in einen Kampf auf Tod und Leben mit Rußland oder Frankreich verwickelt würde, dann würde es erst sehen, welche Unter- laffungSsünde es begangen hat, indem es sich her allgemeinen Wehrpflicht hartnäckig widersetzte.

Immerhin würden die Amerikaner von einem Bündnisse mit England einigen Vortheil dadurch haben, daß die eng­lische gewaltige Flotte die Aktion einer jeden Macht gegen Amerika unwirksam machen könnte. Auf Englands Seite aber wäre im Falle eines Kampfes mit Rußland oder Frank­reich gar kein Vortheil von einem Bündnisse mit den Ver- i einigten Staaten zu erwarten. Ueber eine große Flotte ver­

fügt England selbst, und was den Werth eines Bundesge­nossen für England aus machen würde, ein großes und tüchtiges Heer, das könnten die Amerikaner den Engländern nicht zur Verfügung stellen. Und deshalb sollte man eigentlich kaum annehmen, daß es den Engländern mit dem Bündnisse mit: den Vereinigten Staaten wirklich ernst ist.

Für die europäischen Mächte kann ein Bündniß zwischen John Bull und Uncle Sam ziemlich gleichgiltig sein. Keiue der Mächte hat die Absicht, den Spaniern zu Hilfe zu eilen, und deshalb würde für den gegenwärtigen Augenblick der Bündnißfall nicht in Frage kommen. Was aber die Diffe­renzen anlangt, die England mit Frankreich in Afrika und Südasten, mit Rußland im europäischen Orient, an der in­dischen Grenze und in Ostasien hat, so kann man versichert sein, daß weder Rußland noch Frankreich sich dmch ein eng­lisch amerikanisches Bündniß daran hindern lassen würden, ihre Interessen mit demselben Nachdrucke zu vertreten, als wenn ein solches Bündniß nicht bestände. Denn, wenn Ruß­land oler Frankreich glauben, mit England fertig werden zu können, so werden sie gewiß vor den minderwerthigen ameri­kanischen Truppen keine Furcht haben.

Für England könnte nur ein Bündniß mit einer starken Militärmacht von Werth fein. In dieser Hinsicht war die Entente mit Frankreich in der Mitte dieses Jahrhunderts ein idealer Zustand für England. Aber dieser Zustand wird, nachdem allenthalben Differenzen mit Frankreich ausgetaucht sind, nicht wieder eintreten. Und wenn sich England durch ein Bündniß mit den Vereinigten Staaten einen Ersatz schaffen will, so ist dieser Ersatz ebenso kläglich, wie dir ganze englische Politik seit zwei Jahrzehnten.

L-rgesschau.

Von der Marine. Laut telegraphischer Meldung an das Ober-Kommando der Marine ist S. M. S.Kaiserin Augusts", Kommandant Kapitän zur See Koellner, am 5. Juni von Kiautschou nach Nagasaki in See gegangen.

Kommnnalbeamtengefetz Berlin, 6. Juni. Die Ausarbeitung des in Aussicht gestellten preußischen Kommu- nalbeamtengesetzentwurfes ist, nach einer offiziellen. Mit­theilung, vor einiger Zeit beendet worden. Der Entwurf bringt eine Regelung der Gehaltsfrage der Kommunalbeamten! und der Wittwen- und Reliktenversorgung derselben, Maß­regeln, nach denen die Kommunalbeamten, insbesondere der kleinern Städte, sich seit langem gesehnt haben.

Politische und unpolitische Nachrichten.

(Depescheu-BujreauHerold".)

Berlin, 6. Juni. Der Kaiser erledigte gestern Vor­mittag an Bord der Hohenzollern im Hafen von Swinemünde nach dem Gottesdienst laufende Regierungsgeschäfte. Heute früh begab sich der Kaiser nach Bredow, besichtigte auf der Werft des Vulkan den Neubau der Hertha und nahm um 12^2 Uhr mittags in Stettin die Parade über das Grena­dier-Regiment König Friedrich Wilhelm IV. ab.

Berlin, 6. Juni. Dem heute vor 25 Jahren ver­storbenen Prinzen Adalbert von Preußen widmet dieNord­deutsche Allgemeine Zeitung" in ihrer heutigen Nummer einen kurzen Gedächtniß-Artikel, in welchem sie den Prinzen als den Begründer der deutschen Flotte feiert. Am Sarge des Verstorbenen im Juterimsdom wurde heute Mittag durch eine Deputation des Oberkommandos der Marine und des Reichs­marineamts ein Kranz niedergelegt.

Wien, 6. Juni. In der Konferenz der Klubs der Linken wurde beschlossen, vor Aufhebung der Sprachenver- ordnungen nicht in eine Berathung irgend welcher Regierungs­vorlagen zu willigen.

Vozen, 6. Juni. Auf dem gestrigen Hauptgautage in Brixen erfolgte die Auflösung des Tyroler Turngaues, weil der Antrag des antisemitischen Jnnsbrucker Turnvereins, nur Arier aufzunehmen, bei einem Theile des Turnvereins auf Widerstand stieß.

Lemberg, 6. Juni. In Jaroslaw fanden am Sonn­abend und gestern arge Ruhestörungen statt, weil ein Polizist einen wegen Diebstahl-Verdachts verhafteten Kaufmanns­lehrling mißhandelt hatte. Die aufgeregte Volksmenge ver­langte die Auslieferung des Polizisten, um ihn zu lynchen. Da man die Auslieferung verweigerte, wurde das Haus des Polizisten demolirt und das Rathhaus mit Steinen bombar- dirt. Die einschreitende starke Militärmacht und das Polizei­aufgebot wurden thätlich angegriffen. Auf beiden Seiten gab es zahlreiche Verwundete. Ein Polizist und ein Tumultant sollen gelobtet sein.

Brüssel, 6. Juni. Die Provinzialrathswahlen sind gestern ruhig verlaufen. Die Liberalen haben ihre Kandidaten

überall durchgebracht. Die Sozialdemokraten werden zahl­reiche Kandidaten mit Liberalen und Katholiken in die Stich­wahl bringen.

Brüssel, 7. Juni. Im Vorstadt-Theater Auderlecht er­eignete sich ein großes Unglück; bei der Darstellung eines Militärstückes feuerten Komparsen geladene Flinten ab, wo­durch ein Zuschauer getödtet wurde. Mehrere andere sind schwer verwundet.

London, 6. Juni. DerStandard" meldet aus Rom, daß der Papst ein Schreiben an den deutschen und öster­reichischen Kaiser richtete, in welchem er deren gute Dienste zur Regelung der Beziehungen des Vatikans mit der italienischen Regierung nachsucht. Der Papst beansprucht volle Freiheit und Unabhängigkeit. Er betont, dadurch würde die Einigkeit Italiens befestigt und eine neue Aera des Friedens und der Wohlfahrt herbeigeführt werden. Die gegenwärtigen Zustände Italiens schreibe er der irrigen Poli­tik zu, welche die Katholiken von der Betheiligung an der Landesverwaltung fern halte.

Zentralstelle der preußischen Land­wirthschaftskammern.

6. Juni 1898.

a) Für inländisches Getreide ist in Mark per Tonne gezahlt worden:

Uckermark Mittelmark, Prignitz Neumark

Lausitz Magdeburg Altmark

Merseburg, östlich

, westlich d.M, Erfurt

Stettin (Bez.) Stolp (Platz) Anklam (dto.) Greifswald (do.) Danzig Thorn Tilsit Allensiein Breslau Striegau Brieg Namslau Loewenberg Posen Bromberg Graetz Kempen Lissa Norderdithm. Oldenburg Kiel Diez

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Wetterbericht.

Voraussichtliche Witterung: Bei wechselnder Bewölkung Neigung zu Gewittern und Strichregen.