W»>»«ementS.
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für Stadt- und Landkreis Hanau 10 ^ die 4gespaltene Garmondzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^
Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für
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Nr. 284
Dienstag den 6. Dezember
1898
Amtliches. SIcrötKveis Kcrrrar».
Ausschreiben.
Dahier gestohlen:
a. Am 26. November d. I. mittelst Aufbrechens von Behältnissen: Eine kleine eiserne Geldkassette mit 200 bis 250 Mark, drei Sparkassenbüchern der städt. Sparkasse hierselbst, ausgestellt auf die Namen: a. Susanne Launhardt, Nr. 6397 A., über 1000 Mark, b. Jean Launhardt, Nr. 8070, über 500 Mark, und c. Margarethe Dietz, Nr. 1822, über 301,50 Mark Einlage, eine Versicherungspolice der Aachener Feueroer- sicherungSgesellschaft und verschiedene andere Papiere, auf den Namen der Familie Launhardt lautend.
b. Vom 28. bis 30. November d. I. aus einem unorr schlossenen Zimmer: Ein Schmuckkästchen, mit grünem Plüsch überzogen, enthaltend eine gold. Damen-Remon- toiruhr mit gold. breitgliedriger Kette im Werthe von 145 Mk., eine Doublähalskette, mit einem Herzchen versehen, Werth 11 Mk., eine silberne Halskette, Werth 9 Mk., ein gold. Damenring mit einem rothen und weißen Stein, Werth 10 Mk., ein desgl. mit weißem Stein, Werth 6 Mk., eine silberne vergold. Brache im Werthe von 5 Mk. und 5,50 Mk. an baarem Gelde.
c. Am 17. November d. I.: Ein Avlerfahrrad, Marke 42, mit der Fabrik Nr. 94933, schwarzen Rahmenbau, weiße Felgen, Korkgriffen, Peters Union Pneumatiklustreifen, Sattel mit Spiralfedern und gewöhnlichen Pedalen, im Werthe von 200 Mk.
Um Nachforschung und eveutl. Nachricht wird ergrbenst ersucht.
Hanau am 3. Dezember 1898.
Königliche Polizeidirektion.
P. 12049 v. Schenck.
DienßuachnStc» aus dem Kreise.
Gesunden: Ein Messer. Eine Peitsche. Ein braunes Knabenrädchen. Eine Raumlehre für die Oberklassen der Volksschulen. Ein kath. Katechismus. Ein blauer Brusteinsatz von einem Knabenanzug. Ein dünner Gummireifen. Ein Portemonnaie mit verschiedenen Konsummarken.
Verloren: Eine silberne Damenuhr. 3000 Mark in Hundertmarkscheinen; gegen gute Belohnung abzugeben. Ein großer Schildkrothaarkamm; gegen Belohnung abzugeben.
Zugelaufen: Ein schwarzbrauver Hund w. Geschl.
Entlaufen: Ein junger Bernhardinerhund, weiß mit gelben Flecken, w. Geschl.
Hanau am 6. Dezember 1898.
Politische und unpolitische Nachrichten.
(Depeschen-Bureau »Herold".)
Berlin, 5. Dezbr. Heute Morgen von 9 Uhr hörte der Kaiser den Vortrag des Chefs des Civil-Kabinets v. Lucrnus und nahm später Marine-Vorträge entgegen. ।
Berlin, 5. Dezbr. Der Kaiser hat, wie die National- Zeitung hört, dem Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, General- Major Liebert, persönlich den Rothen Adlerorden 2. Klaffe mit Krone und Schwertern verliehen.
Berlin, 5. Dezbr. Bei der heutigen LandtagS-Ersatz- wahl im 2. Berliner Wahlkreise wurde Redakteur Goldschmidt mit 991 von 998 abgegebenen Stimmen gewählt.
Berlin, 5. Dezbr. Wie verlautet, werden im Reichstage die Konservativen als erst n Vizepräsidenten den Abgeordneten von Frege, die Nationalliberalen als zweiten Vizepräsidenten den Abgeordneten Wassermann aufstellen.
Berlin, 5. Dezbr. Die Meldung süddeutscher Blätter, daß der bekannte Centrums-Abgeordnete Freiherr v. Hertling in München einen Ruf als ordentlicher Professor an die Universität Bonn erhalten habe, wird der National-Zeitung bestätigt. Ob er den Rnf aunehmen wird, ist noch zweifelhaft.
Kiel, 5. Dezbr. In Neu-Münster fanden gestern Abend Zusammenrottungen statt. Die durch die Polizei nicht zu bewältigenden Tumultavten demolirten die Tonhalle und die Reichshallen. Dann zogen sie nach dem Tivoli. Es wurde schließlich Militär requirirt, welche- mit blanker Waffe ein- schritt, sodaß zahlreiche Verwundungen erfolgten.
Fleosbttrg, 5. Dezbr. Aus dem Kreise Hadersleben wurden wiederum 15 Personen ausgewiesen, darunter ein schwedischer Unterthan. Im Ganzen wurden ungefähr 30 Personen im Laufe der letzten Woche aus dem genannten Kreise des Landes verwiesen.
Bremen, 5. Dezbr. Der Norddeutsche Lloyd hat seine Dampfer München und Darmstadt an die Transatlantische Compagnie verpachtet, um auf diesen Schiffen spanische Truppen von Kuba nach Spanien zu bringen.
Rom, 5. Dezbr. Wie gemeldet wird, soll sich die AnarchistersiKonferenz gegen die gegenseitige Verpflichtung zur Auslieferung ausländischer Anarchisten ausgesprochen haben. Dagegen sollen scharfe Maßregeln gegen die anarchistische Presse acceptirt worden sein.
Rom, 5. Dezbr. In vatikanischen Kreisen verlautet, daß Don Carlos das vom Papste unterstützte Anerbieten der Königin-Regentin von Spanien, durch eine Heirath seines Sohnes mit der Jusanrin von Astnrun eine Versöhnung der beiden Dynastieen herbeizusühren, abgelehnt habe.
Rom, 5. Dezbr. Der Marine-Minister wird in der Kammer den Ban von 9 Torpedojägern und drei Hilfs
kreuzern beantragen. Die Fertigstellung der bereits vom Stapel gelassenen Panzerschiffe soll mit all-m Eifer betrieben werden.
Rom, 5. Dezbr. Hier verlautet mit Bestimmtheit, daß ; die Abrüstungs-Konferenz erst im April statlfinden wird.
London, 5. Dezbr. Daily Mail meldet aus Biarritz: In Voraussetzung einer karlistischlir Bewegung habe die Regierung beschlossen, alle Priester in Madrid zu überwachen. Vor allem wird das bischöfliche Palais von geheimen Agenten aufs Strengste überwacht.
London, 5. Dezbr. Daily News melden aus Rom: Der Papst habe einen Brief au Pater Martin gesandt, welcher augenblicklich in Spanien einen großen Einfluß auf das Volk ausübt, und ihm anempfohlen, dem Volke die Beobachtung des Friedens zu predigen.
London, 5. Dezbr. Daily Graphic meldet aus Kairo: Der Plan der Herstellung von neuen Docks im Hafen von Alexandrien ist fertig und werden die Arbeiten binnen Kurzem beginnen.
Paris, 5. Dezbr. Eine unter dem Vorsitz von Cavaig- nac stattgehabte Versammlung beschloß, idie jetzige Situation zu Gunsten des Prinzen Victor Napoleon auszunutzen.
Konstantinopel, 5. Dezbr. Nach einer Blätter- meldung wurden die Ausständigen in der Provinz Demen von türkischen Truppen vollständig geschlagen. Die befestigten Platze Schafil und Fasuch wurden eingenommen.
Aus Stadt- und Landkreis Hanau.
Nachdruck unserer Lokalartikel nur mit Quellenangabe »Hau. ? nz" gestattet.
* Entscheidung. Der Herr Finanzminister hat am 24. Oktober d. Jhs. folgende Entscheidung getroffen: Ueber die Anwendbarkeit des § 12 Abs. 2 des Reichsstempelgesetzes sind Zweifel entstanden. Bei der Berathung im Ausschuß des Bundesraths für Zoll- und Steuerwesen herrschte allseitiges Einverständniß darüber, daß die Gesetzesbestimmung auch Anwendung zu finden habe, wenn der Börsenbankier den von seinem auswärtigen Kommitenten (meistens einem Provinzialbaukier) empfangenen Auftrag durch Selbsteintritt im Sinne des an die Stelle des Artikels 376 des Allgemeinen Deutschen Handelsgesetzbuchs getretenen § 71 des Börsengesetzes vom 22. Juni 1896 (künftig § 400 des neuen Handelsgesetzbuchs vom 10. Mai 1897) derart aus- führt, daß er die Werthpapiere oder Waaren, die er einkaufen soll, selbst als Verkäufer liefert oder die Werthpapiere oder Waaren, die er zu verkaufen beauftragt ist, selbst als Käufer übernimmt. Die Zweifel bezogen sich nur auf die Frage, ob die angeführte Gesetzesbestimmung auch dann anwendbar sei, wenn nur zwischen dem Provinzialbaukier und seinen
FeuMetsir
Das Gebiet der Kahlthalbahn in mineralogischer n. geognostischer Betrachtung. Vortrag, gehalten in der gestrigen Monatsversrmmlung der Wetteramschen Gesellschaft, von Herrn Jac Fritz.
Hanau, 6. Dezember.
Die Ende d. I. eröffnete Kahlthalbahn sührt uns in eine Landschaft des Vorspessarts, die ebenso, reich an Naturschönheit, wie ergiebig an Bodenerzeugnissen ist, und deren Felsarten mit zu bm Interessantesten des ganzen Spessartgebirges zu zählen sind. — Wir lernen auf einer verhältnißmäßig kurzen Strecke fast sämmtliche Artendes Gneiß-Gebirges kennen. — n .
»ur besseren Orientirung sei eS mir vorerst gestattet, einer kurzen Betrachtung die geognostischen Verhälin'sse des Vor- speffarts zu unterziehen, der in seinem krystallmischen Aufbau grundverschieden ist zu dem aus Buutsandstem bestehenden ^Vlx^r Mineralien sind es, welche die Felsartm des Vorspessarts zusammensetz n: Quarz, Feldspath und Glimmer, zu welcher sich auch noch Hoinblende gesellt ! Diese Gemcngcheile sind immer deutlich zu erteilten: bald übernimmt das Eine, bald das Andere dieser Grundmineralien ^e Führung, durch- weg mit einigen Verwerfungsausnahmen sind die Mineralien zu einander geschichtet, und das Gebirg ist daher als ein Gneißgebirge zu bezeichnen! —Dasselbe stellt eine aufgebogene Falte des Grundgebirges dar, dessen Schichten bet vorwiegend südwestlichem Einfällen in Nord-Ost-,Richtung "erlaufen, wobei die dem Odenwald zugewandten Schichten die untersten und ältesten erweisen; nach der anderen Richtung ym, legen
sich im bunten Wechsel der Gesteinsbildung die jüngeren an, die dann kurz vor Gelnhausen unter sedimentären Ablagerungen verschwinden.
Wir können diesen Gneiß - Zug des Vor-Spessarts in drei Haupttheile gliedern! Zu Unterst mit dem Mittelpunkt Sodenthal-Gailbach, eine Zone, reich an Hornblende, mit wenig Glimmer; der Dioritguciß mit einem Durchbruch erup- tifen Gesteins in der Mittelzone mit dem Mittelpunkt Aschaffenburg, Haibach; der körnige Normal- oder Hauprgneiß als oberste Zone, beginnend am GottelLberg mit ausgestreckten Dimensionen bis Oberefferbach einerseits, und Grobkahl-Klein- Ostheim andererseits, der 2glimmerige Gneiß, in welchem der Feldspath eine sehr untergeordnete Rolle spielt. In allen diesen Bildungen kommen nun, natürlich in ungleicher Masse eine Menge theils sehr seltener Mineralien vor, die speziell für den Mineralogen den Vor^pessart eben so sehr anziehend machen.
Was nun die Geologie des Gebirges betrifft — wie sind diese Felsarten entstanden? so ist dieS eine rein geologische Frage, die trotz des eifrigsten Studiums der Fachgelehrten heute noch zu keinem abschließenden Resultat gekommen zu sein scheint. Einerseits wird daS Gebirge als durch eruptife Kräfte gehoben hingestellt, andererseits als ein metamorphes angesehen, entstanden aus sedimentären Gebilden! Manches hat die erstere Ansicht für sich, vieles die Letztere. — Die Bahntrace selbst liegt meist im Löß, im eigenen Thalgrund der Kahl, während die Berge koulissen- förmig das Gelände flankiren.
Beginnen wir nun die Fahrt!
Bei Kahl a. M. biegt die Kahlbahn von der Hauptlinie Frankfurt—Aschaffenburg ab und läuft vorerst durch eine uninteressante bewegliche sandige Ebene, die an den sogen. Kahler Steinbrüchen, kurz hinter Kahl, durch einen getro- graphisch zu dm Anamesiten deS unteren MainthalS zu
zählenden Basalt-Laoaftrom unterbrochen wird. Dieser Basalt hat mit dem Steinheimer Vorkommen die größte Aehnlichkeit. Korn und Zusammensetzung sind dieselben; beide sind mittel- körniger Basalt (Anamestt) und bestehen aus Augit, Magnet- ei'en und Feldspath- Accessorien, wie in Steinheim habe ich jedoch in dem Gestein noch nicht gefunden, auch sollen (auf Befragen) solche sehr selten, fast gar nicht vorkommen. Dagegen hat dieser Anamestt eine Eigenthümlichkeit, die an dem Steinheimer Vorkommen nur vereinzelt beobachtet wird; in den Poren hat sich nämlich phosphorsaures Eisen als Bivianit in kleinen mikroskopischen Niederschlägen abgei^t; auf sehen Fall steht dies mit dem Limonit, RaseneisenerMdung in der nahen Bulau in Zusammenhang.
Kurz hinter Station Alzenau durchbricht die Bahn in einem 11 Meter tiefen Einschnitt das Grundgebirge, das sich hier in einem interessanten, fast bizarren Aufbau darstellt; es ist ein dichter, äußerst harter und stengeliger Hornblende- gneiß, in der Grundfarbe dunkel, doch auch hellere lauch- grüne Schattirungen zeigend, dabei schön gebändert — Quarz ist wenig vorhanden. Feldspath und Hornblende betheiligen sich vorzüglich an der Bildung und letztere bedingt das schon erwähnte bizarre Aussehen des Fels; die Hornblende durchsetzt nämlich in parallel und dicht gedrängt liegenden Prismen den Feldspath und bringt auf diese Weise im Anschlagen ein stengeligeS und starres Ausbrechen hervor, das im ersten Augenblick der Betrachtung frappirt.
Mitten durch diesen Hornblende gneiß fällt nun in unregelmäßigen Masten, theils in Butzen, theils in Lagen, ein grobgranitisches Ganggestein ein. — Kalifeldspath ist es größtentheilS, in welchem Quarzbrocken hier und da eingekeilt sind, Glimmer ist wenig vorhanden, dagegen findet sich in dem feldspathischen Theil öfters der sogen. Mikroklin, eine zwillingSgestreifte, Ariklin krystallistrende Abart deS Ersteren; ich brächte hiervon ein schönes Stück heim, das auch, mit Wasser