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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 233.
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Donuerstag den 6. Oktober
1898
AMMcheS.
^anO^r^i^ ^anau.
VekLMtmachullzev des Königlichen Landrathsamter.
Landwirthschastlicher Kreisverein Hana«.
Am Sonntag den 9. d Bits , nachmittags 3 Uhr, findet im Saale des Gastwirths Heinrich Hamburger zu Langenselbold ein Vortrag über „bte Anwendung der künstlichen Düngemittel und über Fruchtfolge" statt. Referent: Herr A. Wagner, Direktor der landwirth- schaftlichen Schule in Gelnhausen.
Der Vorstand.
Die Herren Bürgermeister in Langen selbold,, Langen- diebach, Ravolzhausen, Rückingen, Rüdtgheim, Hüttengesäß, Niederrodenbach, Oberrodenbach werden ersucht, obige Bekanntmachung des landw. Kreisvereins in ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt zu machen.
Hanau am 6. Oktober 1898.
Der Königliche Landrath.
I. V.: Dr. Becker, Reg.-Assessor.
Diellftillichrichtcil aus dem Kreise.
Gefunden: Eine Brille mit Futteral. Eine kleine Handsäge.
Verloren: Ein weißes wollenes Kinderunterröckchen.
Hanau am 6. Oktober 1898.
Aus Stadt- und Landkreis Hanau.
Nachdruck unserer Lokalartikel nur mit Quellenangabe „Hau. Anz". gestattet.
* Landtagswahl. In einer vorgestern in Cassel stattgehabten gut besuchten Zusammenkunft konservativer Delegirten aus dem ehemalige« Kurhesien wurde beschlossen, bei den bevorstehenden Landtagswahlen für folgende Kandidaten einzutreten: Im I. Wahlkreise (Rinteln) für Landrath von D i t s u r t h (kons.), im II. Wahlkreise (Hof- geismar-Wolfhagen) für den bisherigen Abgeordneten o o n Pappenheim - Liebenau (kons.), im III. Wahlkreise (Stadt Cassel) für Sanitätsrath Dr. Endemann (not.• lib.), im V. Wahlkreise (Eschwege- Schmalkaiden) für den bisherigen Abgeordneten von Christen-Werleshausen (freikons.), im VI. Wahlkreise (Rotenburg-Hersseld) für den bisherigen Abgeordneten Jsenburg- Ronshausen (kons.), im VIII. Wahl kreise (Ziegenhain-Homberg) für den bisherigen Abgeordneten von Baumbach -Ropperhausen (kons.), im IX. Wahlkreise (Frankenberg-Kirchhain) für den bisherigen Abgeordneten Laudrath Riesch (freikons.), im XIII. Wahlkreise (Schlüch- tern-Geluhausen) für den bisherigen Abgeordneten Awtsge- richtsrath Zimmermann (freikons.), im XIV. Wahlkreise (Stadt- und Landkreis Hanau) für den bisherigen Abgeordneten Rentier Jnughenu (vat.lib.) Weiter einigte man sich, in Bezug aus die Wahlkreise IV (Cassel - Land - Witz-n- Hausen), VII (Fritzlar- Melsungen) und X (Marburg) den Beschluß autzusetzen, bis nähere Mittheilungen auS diesen Kreisen selbst über die dort jedenfalls auszustellenden konser. vativen Kandidaten vorliegen. . .
* Freisinnige Kandidatur. Tre freisinnige Volks- Partei stellte in ihrer gestrigen Generalversammlung als Kandidaten für die bevorstehende Landtsgswahl den Rentner Herrn Aug. Leonbardt in Hanau auf.
* Postalisches. Die Annahme von Postgehllfen erfolgt künftig nur in beschränktem Maße. Die Bewerber müssen im Besitze des Einjährig-Freiwilligen-Zeugnisses sein. Sie legen nach 4 Jahren die Sekretär-Prüfung ab, werden dann zunächst als Assistent diätarisch beschäftigt, später etatmäßig angestellt und schließlich nach Bedarf in Obersekretär-, Post- weister- und Oberpostdirelttonssekretärstellen befördert. Dre bereits im Dienst befindlichen Assistenten sollen zur Sekretär- Plüsung zugelassen werden. Für die älteren Beamten werden Erleichterungen in den Prüfungsvorschriften eintreten Darüber, wer zu den älteren Beamten zu rechnen ist, steht die Entscheidung noch aus. Von dem ursprünglichen Plan, llnterbeamten mit einem Gehalt bis zu 1800 Mk. zu Waffen, 'st man neuerdings zurückgekommen, weil dadurch viele Berufungen der Unterbeamten anderer Verwaltungszwelge zu erwarten wären und eine Schädigung des Ansehens der ^ubalternbcamten befürchtet wird. Dagegen soll in verehrtem Maße die Heranziehung weiblicher Kräfte er olgen. Die vom Reichspostamte beantragte anderweitige Festsetzung der Gehaltsstufen für die Assistenten auf Mk. 1500, 1800, 8000 u. s. w. hat die Finanzverwaltung für das nächste
Etatsjahr abgelehnt. Es soll dem Postamte aber anheim gc stellt worden sein, die Forderung für das Etatsjahr 1900 zu wiederholen, da dann auf Berücksichtigung derselben zu rechnen sei.
* Verstorben. Im besten Mannesalter wurde vorgestern Vormittag der Königliche Landrath des Kreises Roten- barg, Herr Werner von Trott zu Solz, nach langem Kranksein durch den Tod dahingerafst. Der Verstorbene wurde als Sohn des Königl. Preußischen Kammer Herrn und ritter schaftlichen Obervorstehers Bodo von Trott zu Solz am 26. November 1849 zu LamboldShausen in Württemberg geboren. Nach Ablegung seines Staatsexamens als Assessor in Hannover und Aurich beschäftigt, wurde er als Lanvroth in Jülich a. Rh. angestellt und bewarb fich im April 1892, nach Versetzung des Herrn Landraths von Altenbcckum als Ober- regierunzsrath nach Cassel, um die in Rotenburg freigewordene Stelle. Vom April 1892 bis zum Dezember 1892 hat der Verschiedene als kommissarischer Landrath dort gewaltet. Seine definitive Anstellung erfolgte im Monat Dezember 1892. Als rechtschaffenen, begabten Beamten haben ihn seine Vorgesetzten und Untergebenen stets geachtet und trotz seiner langwierigen Krankheit ist der Verschiedene stets bemüht gewesen, seinem Dienst nachzukommen. Im Herbst 1895 erlin er einen linksseitigen Schlaganfall; ziemlich von diesem Leiden geheilt, gesellte sich in diesem Frühjahr eine weitere innerliche Krankheit hinzu, welche den Tod als Ausgang hatte.
* Konkursverfahren. In dem Konkursverfahren über den Nachlaß des Fürstlich Jsenburg-Birstein'schen Hop marschallS Freiherr Friedrich von O e r aus Birstein soll die Schlußvertheilung stattfinden. Bei derselben sind zu berücksichtigen 32 235,69 Mark nicht bevorrechtigte Forderungen, aus welche bei der vorgenommenen Abschlagsvertheilung bereits 7 pCt. zur Auszahlung gelangt sind. Der zur Ver- theilung verfügbare Maffebestand beträgt 644 Mark.
* Das finanzielle Ergebniß des 9. deutschen Turnfestes in Hamburg. Wie zuverlässig verlautet, hat der Finanzausschuß des 9. deutschen Turnfestes seine Rechnung abgeschloffen. Das 9. deutsche Turnfest schließt mit einem Defizit von 64 000 Mark ab. Der Garantiefonds hatte bekanntlich eine Höhe von 200 000 Mk. erreicht. Zu dieser Summe waren 30 000 Mk. aus Staatsmitteln betgesteuert worden, während der größte Theil des Restbetrages aus Turnerkreisen geflossen war. Unrettbar verloren ist der Staatsbeitrag, da diese 30 000 Mk. zuerst in Anspruch genommen werden, bevor die Garanten zur Deckung des DesizirS heranzuziehen sind. Der Finanzausschuß hat be- schlossen, von den nach Abzug des Staatsbeitrages verbleibenden 17 000 Mk. des Garantiefonds 20 pCt. des gezeichneten BeitrageS zu erheben. Diese 20 pCt. ergeben den Betrag von 34 000 Mk. Hierzu den Beitrag der Stadt Hamburg in Höhe von 30 000 Mk. macht zusammen 64 000 Mk., welche der Finanzausschuß zu den Einnahmen deS Festes zugeben muß, um die Ausgaben mit den Einnahmen balanciren zu lassen.
* Feldbergthurm. Dem „RH.Kur." wird geschrieben: Während alle deutschen Mittelgebirge bereits mit einem Thmm gekrönt sind, fehlt ein solcher bis jetzt auf dem höchsten Gipfel des Taunus. Nicht weniger als drei Wirthe haben sich da oben angesiedelt, aber von keinem der Häuser ist eS möglich, nach allen Richtungen hin Umschau zu halten. Vielmehr muß der Feldbergbesteiger, wenn er erhitzt oben an- gekömmen ist, auf dem zugigen Plateau einen Rundgang machen, um die zn seinen Füßen liegende Landschaft nach allen Seiten hin beschauen zu können. In immer breiteren Schichten der Bevölkerung wurde daher von Jahr zu Jahr der Wunsch laut, der Taunusklub als der hierzu berufenste Verein möge der Ausarbeitung eines Feldbergthurm-ProjekteS näher treten. Dem Vorstände gelang es, den Architekten Hänle zur Ausarbeitung zweier Entwürfe zu gewinnen. Man entschied sich für einen Entwurf mit viereckigem Thurm. Dieser steinerne Thurm ist als burgartiger Bau gedacht, bei dem auch architektonische Motive Anwendung finden, wie sie bei mancher TaunuSburg vorkommen. Der Thurm ist von einem Zwinger umgeben, durch dessen Ueberbauung eine gewölbte Halle von bedeutender Größe geschaffen werden kann. Diese wird, wohnlich eingerichtet, ein paffendes UnterkunftS- lokal für Versammlungen werden. Ueber der Halle befindet sich nach dem vorliegenden Plane eine Terraffe in einer Höhe von 8 Metern über dem Feldbergplateau, die für etwa 120 Personen Raum gewährt und schon einen ganz hübschen Rundblick bieten wird. Durch den 5 Meter breiten Thurm gelangt man auf breiten Steintreppen zu einem in der Höhe von 24 Metern liegenden geschlossenen Turmzimmer mit Ausblick nach allen Himmelsgegenden. Darüber liegt, 27 Meter
hoch, die oberste Plattform, die noch Raum für 30—40 Personen bietet. Der Thurm wird auf die Homburg und Frankfurt zugekehrte Seite des Feldberges zu stehen kommen, weil hier wegen des rasch abfallenden Terrains ein Vorbauen anderer Gebäude ausgeschlossen ist. Was die Genehmigung des Bauwerkes betrifft, so war gemeldet worden, die Kaiserin Friedrich habe sich mißbilligend über das Projekt deS Feldbergthurmes geäußert und wolle ihre Genehmigung versagen. Diese Mittheilung beruht auf Unkenntniß der Thatsachen. Da die Kaiserin ihren Wittwensitz im Taunus aufgeschlagen hat, so ist anzunehmen, daß diejenigen behördlichen Organe, welchen die Genehmigung zur Ausführung eineS Feldbergthurmes zusteht, sich mehr oder weniger in ihren Entschließungen nach den Wünschen der Kaiserin richten, und deßhalb hat es der Vorstand des Tauvusklubs für gut befunden, der Kaiserin Friedrich zuerst den Plan des Thurmes vorzulegen. Die Kaiserin hat bei bhfer Gelegenheit Wünsche in Bezug auf den architektonischen Ausbau des ThurmeS geäußert, die — so weit thunlich — berücksichtigt werden. ES steht zu hoffen, daß die einzuholenden behördlichen Genehmigungen nicht ausbleiben werden und mit dem Bau im nächsten Jahre begonnen werden kann. Die Kosten des monumentalen Thurmes werden sich auf 30 000 Mark belaufen. Außer einem Legat von 5000 Mark stehen dem Komitee bereits weitere ansehnliche Mittel zur Verfügung.
* Stadttheater. In der morgenden Erstaufführung deS sehr lustigen Schwankes „Die Wunder quelle" von Philippi, dem begabten Autor von „Wohlthäter der Menschheit" und „Dornenweg", sind hervorragend beschäftigt die Damen Krause, Lehman» und Schlomka, sowie die Herren Hille und Steivgötter. Das heitere Stück hat überall sehr gefallen und befindet sich auf dem Spielplan der meisten Bühnen.
r. Ausflug. Gestern herrschte auf der „Schönen Aussicht" am Salisweg ein munteres Leben und Treiben. Frau E i l b e r, die beliebte Musiklehrerin, hatte mit ihren zahlreichen Schülern und Schülerinnen den schon lange versprochenen und sehr herbeigesehnten alljährlichen Ausflug unternommen. Das schönste Oktoberwetter begünstigte das Unternehmen, sodaß theilweise die große Veranda von den Eltern, Geschwistern und Freunden der Eltern besetzt war, während sich die Vergnügungen der munteren Schaar im Saale abwickelten. Diese bestanden in Verloosungen, in musikalischen Vorträgen, Tanzbeluftigangen, Topfschlagcv, Eierlaufen, Blindekuhspiel n. s. w. Ein riesiger Zwetschen- kuchen wurde verloost; der glückliche Gewinner aber mußte ihn der Gesellschaft zum besten geben, der dann mit vielem Behagen zum Kaffee verspeist wurde. Au der Polonaise be- theiligten sich nur die jüngeren Schüler, während an dem nachfolgenden Tänzchen auch Erwachsene theilnahmen. Die hübschen Gesänge, Reigen rc. fanden lebhafte Anerkennung, wie denn überhaupt das Ganze deS Lobes verdient. Die vergnügten Stunden flossen rasch dahin und höchst befriedigt verließen alle die „Schöne Aussicht." Lange noch werden sich die Theilnehmer über diesen Tag unterhalten und mit Sehnsucht werden sie den Abend herbeiwünschen, der ihnen in diesem Winter in Aussicht steht. Frau Eilber aber sagen wir im Namen ihrer Zöglinge auch an dieser Stelle herzlichen Dank für ihre freundliche Bemühung und die so wohlgelungene Veranstaltung am gestrigen Tage.
X Schöffengericht. (Sitzung vom 5. Oktober.) Der Schneider St. von Dörnigheim soll sich wieder einmal wegen Beleidigung des LandwirthS I. daselbst verantworten, da er ihn erneut des Meineids beschuldigt hat. Jedoch wird die Sache bis zur Erledigung der neuen Anzeige, die St. gegen I. wegen Meineids eingereicht hat, auZgesetzt. — Ein schier endloses Strafregister wird dem Bildhauer St. von Solingen vorgelesm, der sich wegen Bettelns, Beamtenbeleidigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt verantworten soll. Er wurde von dem Schutzmann B. in einer Wirthschaft in der Schirnstraße bettelnd betroffen und als ihn dieser deshalb anhielt, spielte er den Taubstummen. Der Schutzmann wollte ihn darauf mit zur Polizei nehmen, dem leistete er jedoch energischen Widerstand, stieß dem Schutzmann vor die Brust und war nur mit Gewalt fortzubringen. Auf dem Weg nach dem Polizeigefängniß vertauschte er die Rollen und seine Zunge wurde auf einmal wunderbar geläufig. Er sagte dem Schutzmann, er werde sich seine „Photographie" merken und ihm nach seiner Rückkehr einen Bruch treten. Diese Rückkehr wird sich nun etwas verzögern, denn er erhält wegen Betteln 3 Wochen Haft, wegen Beamtenbeleidigung und Widerstand 4 Wochen und 3 Tage Gefängniß und nach Der- büßung dieser Strafe wird er der Landespolizeibehörde über- wiesen. — Der Korbmacher W. von hier ist nach langer