Abonnements. Preis:
Jährlich 9 »M. Halbjährl. 4 ^ 50 ^.
Vierteljährlich 2 <* 25 ^5.
Für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenben Postaufschlag.
Die einzelne Kummer kostet
10 -A
EinrücknngS- gebühr
für Stadt- und Landkreis Hanau 10 ^ die ^gespaltene Garmond- zelle oder beten Raum, für Auswärts 15 ^.
Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für
Auswärts 30 ^.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 154
W'-'^m«®»»!«:??«®«»®^^
Mittwoch den 6. Juli
1898
Hierzu
Amtliche Beilage" Nr. 46
I Handelskammer Hanau
Oeffentliche Sitzung der Handelskammer am
I Besatzung focht äußerst tapfer, 6000 spanische Soldaten unter Pando rückten vom Norden her zum Entsatze heran.
Dicustuachrichten aus Dem Kreise.
Gefunden: Ein gelbes Körbchen mit Kinderpielzeug. Mn Anhängsel (Kreuz). Ein rother Damensonnenschirm mit gelbem Metallgriff. Ein Zwanzigmarkstück.
Verloren: Ein schwarzes Sammtportemonnaie nebst 2 Mk. Inhalt.
Zugelaufen: Ein weißer Foxterrier mit schwarz- und rehbraunen Flecken.
Entflogen: Ein Kanarienvogel.
Polizeiverordnnng.
Auf Grund des § 137 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30./7. 1883 (G. S. S. 195 ff.) und der §§ 6, 12 und 13 der Allerhöchsten Verordnung vom 20./9. 1867 (G. S. S. 1529) werden die Bestimmungen der Baupolizeiordnung für die Residenzstadt Cassel, die Stadt Hanau und für einzelne Tbeile der Gemeindebezirke Wehl- Heiden, Wahlershausen und Kirchditmold vom 1. Juli 1885 nach Zustimmung des Bezirksausschusses bezüglich folgender Theile des Stadtbezirks Hanau aufgehoben:
1. bezüglich des Geländes, welches begrenzt wird:
a. im Norden und Nordwesten durch die Kinzig,
b. im Südwesten durch den Bahndamm der Hanau- Friedberger Eisenbahn,
c. im Südosten durch die Hanauer-Gelnhausener Landstraße;
2. bezüglich des Geländes, welches begrenzt wird:
a. im Nordwesten durch den Bahndamm der Hanau- Bebraer Eisenbahn,
b. im Südwesten durch den Main,
c. im Süden durch die Auheimer Gemarkungsgrenze, ä. im Osten durch den Kinzigheimer Feldweg.
Für dieses Gelände treten an Stelle der bisherigen Baupolizeiordnung in ganzem Umfang die Bestimmungen der Baupolizeiordnung vom 1. August 1885.
Diese Polizeiverordnung tritt mit dem 15. Juni 1898 in Kraft.
Cassel, 27. Mai 1898.
Der Regierungs- Präsident
(Nr. 4401.) gez. Haussonville.
Vorstehende Polizeivelordrung wird hiermit veröffentlicht. Hanau den 2. Juli 1898.
Städtische Polizeiverwaltung.
Der Oberbürgermeister.
10000 I. V.: Georg Bode.
FeuMstsir.
im
Donnerstag den 7. Juli 1898 nachm. 4^2 Uhr, Bureau derselben (Stadtschloß).
Hanau den 6. Juli 1898.
Die Handelskammer.
Canthal.
Santiago
10038
Da machte Cervera, besten Schiffe den Kampf zu Lande unterstützt hatten, den Versuch, aus dem Hafen zu entkommen, einen Versuch, der mit der Vernichtung des gesammlen Geschwaders auf hoher See und an den Küsten eudigte. Cervera ist mit 1300 Mann in die Gefangenschaft der weit 1 überlegenen Schiffsmacht Sampsous gerathen. Nunmehr wird auch die Stadt Santiago nicht mehr zu halten sein; ; am 6. Juli sollte das Bombardement aus die Stadt be- ; ginnen, falls sie sich bis dahin nicht freiwillig ergeben habe.
Unterdessen segelt ein spanisches Geschwader unter Camara durch das rothe Meer — nichts kann besser die Vlanlosig- keil der spanischen Kriegführung veranschaulichen. Statt seine [ Seemacht zwammenzuhatten und zu vereinten kräftigen Vor-
Der erste Erfolg der Amerikaner in dem Kriege gegen Spanien war die Vernichtung der kleinen spanischen Flotte in der Bucht von Manila durch den Admiral Dewey. Es war kein großes Heldenstück, da die spanische Flotte nur aus „,, - -, , , _ . - _ _ ,
kleinen, meist hölzernen Schiffen bestand, zu deren Ver- ^«t gu benutzen, hat Spannn sie ^rzettelt. Peilousiche nichtung ein Panzer genügt hätte. Die Folge aber war, daß DermaS J°^e Mangel der Kriegführung und die
nun der Aufstandsführer Aguinaldo die Bekämpfung der ^roortretenbe Unwerthrgkeit des L^iffS- uns Artillerw-
spanischen Truppen zu Lande organiuren und der Fall von -^ermls nicht zu ersetzen, scheint es doch Cervera mchr Manila erzwungen werden konnte. Inzwischen sind auch die gelungen M fein, ein einziges schiff der feindlichen amerikanischen Truppen-Transporte angekommen, sodaß das Wtte erlisch zu bejchavigen. ^o nach dieserneuen Nieder- ------ — - - - p läge der Spanier Friedensverhandlungen in Gang kommen werden, — wer weiß es ? In Madrid selbst versichert man,
Schicksal Manilas besiegelt ist.
Seit dem Seegefecht des Admirals Dewey hatte der Krieg
keine besondere Waffenthat mehr g-bracht. Zwar ist das der Einlaufen des spuT^schüi Geschwaders unter Cervera in den ■ ^^ Hafen von Santiago de Kuba als ein Heldenstück gepriesen
worden, in Wirklichkeit aber war es nur ein Glücksfall, daß < vUUUa । Cervera bei seiner Fahrt nach Kuba dem ihm auflauernden aud
amerikanischen Geschwader unter Sampson entgangen war. Von da ab richtete sich alle Spannung darauf, ob es Samp
son gelingen werde, in die stark befestigte Bucht von Sau
nicht.
Krieg trotz alledem fortgesetzt werden müsse, hänge Besitz von Kuba von dem Besitze der Stadt Ha- und stände hier noch eine Armee von mindestens Mann! Aber ohne Schlachtflotte wird Spanien den Niederlagen herauskommen und die hat es
Tagesscharr.
tiago einzudringen. Die Amerikaner zogen ihre besten Schiffe Von der Marine. Laut telegraphischer Meldung auf der Höhe von Santiago zusammen, es gelang aber nicht, an das Ober-Kommando der Marine ist der Dampfer „Darm-
die beiden den Eingang zum Hafen schützenden Forts zu stadt" des Norddeutschen Lloyd mit den abgelösten Besatzungen zerstören. von Ost-Asien, Transportführer: Kapitän zur See Becker,
, Nur ein gleichzeitiger Angriff zu Lande bot Aussicht auf am 4. Juli in Manila anoekommen und hat am 5. Juli die Erfolg. Mit großer Energie wurde der Transport von Reise nach Colombo auf Ceylon fortgesetzt.
17 000 Mann von der Küste Floridas nach Santiago be- j Gefälschte Wahlflugblätter Wie der „D. T. A." werkstelligt. Die ersten Landungsversuche westlich vom Hafen hört, wird im Wahlausschuß für die Kandidatur Nodnagel mißglückten, darauf gelang es unter Mitwirkung der Jnsur- gegenwärtig die Frage der Anfechtung der Reichstagswahl für genten Unter Garcia, die Truppen ShafUrs östlich vom Ha- Darmstadt-Groß-Gerau erwogen. Es handelt sich, abgesehen fen anS Land zu setzen. Obgleich Klima, schlechte Wege, von mehreren anderen Anfechtungsgründen, namentlich um die bergiges Gelände die größten Schwierigkeiten bereiteten, drang Täuschung der Wähler, die durch Verbreitung zweier Flug- Shafter doch bis zu den Höben von Santiago vor. Hier blätter am Tag der Stichwahl durch die Sostaldemokraten
zerstören.
wurde in der vorigen Woche erbittert gekämpft. Die Ameri- unternommen wuree.
Das eine der Flugblätter war unter-
kaner selbst gaben ihre Verluste auf 1000 Mann an, wahr- zeichnet „Mehrere israelitische Wähler"; es richtete sich „An scheinlich aber werden noch mehr bei spanischen Kugeln und die israelitischen Wähler" und fordert die „Glaubensgenossen" Fieberkrankheiten erlegen sein. Am Sonntag noch schien es, auf, für Balthasar Cramer zu stimmen. Das zweite Flug- als ob alle diese Anstrengungen vergeblich gemacht seien. Die Hatt, unterzeichnet „Mehrere antisemitische Wähler" wendet Stadt Santiago selbst erwies sich als sehr stark befestigt, die sich „An die antisemitischen Wähler" und fordert dieselben auf,
e»
Was der Matd erzählt.
Eine Studie zur Reisezeit.
Von Georg Seeger. Machdr. »erb.)
I.
Unser deutscher Wald — ja, so dürfen wir von ihm sagen und singen! Was dem Skandinaven die See, was die Berge dem Schweizer sind, das ist uns der Wald: die charakteristischste Erscheinung unserer Landschaft. Unlösbar ist er mit unserem Geschichts- und Geistesleben verwoben. Im Walde standen die Tempel der alten Germanen; durch die dichten Wälder des Harzes floh der junge König Heinrich IV. drei Tage lang vor den ihn verfolgenden Sachsen; der thüringische Bergwald barg Dr. Martinum Luther vor feinen Feinden. An ver Quelle im Walde endet Jung-Sieg- fried, im Walde sucht die gescheuchte Genovefa eine Zuflucht, in den Wald führen uns schier unzählige unserer Märchen, den Wald besingen unsere Dichter von den Minnesängern bis zu den Jung- und Jüngstdeutschen, und dem Walde ziehen alljährlich Tausende und Abertausende zu, sich rein zu baden von Staub und Sorge, sich Frieden zu holen im Waldesfrieden und Weihe im Waldesdome. Ihnen allen hat Arndt aus der Seele gesungen:
Wenn Kummer Dich befallen» Geh' bin zum grünen Wald, Da triffst Du Tempelhallen In ihrer Urgestalt.... Er ist die stille Kammer, Wo Aeolsharfenklang Verscheuchet jeden Jammer» Womit die Seele rang.
Und Geibel mahnt im gleichen Sinne:
Kommt her zum Frühling? Wald, ihr Glaubenslosen, Das ist ein Dom» drin prcd'gen tausend Zungen.
Wenn die Dichter hier von den Stimmen des Waldes reden, so ist dies mehr als ein Bild. Ja, der Wald spricht. Das Rauschen der Bäume, das Summen der Käfer, der Sang der Vögel — Jedem sagen sie etwas. Wer aber des Waldes Stimme besser ver steht, dem erzählt er noch von Vielem mehr, als von Frieden, Sommerschönheit und Vogelfang; dem spricht er von Vergangenheit und Zukunft, von Thaten und Sitten, von Kampf und Versöhnung.
II.
Was der Wald erzählt?
Er erzählt von einer Geschichte, die weit über alle Erinnerung des Menschengeschlechtes hinausreicht. Noch lebte der Mensch nicht, noch bespülte den langsam aufsteigenden Nordfuß der Alpen ein Binnenmeer, da bedeckte — es war in der Braunkohlenepoche — Deutschland schon der Wald, und er war weit herrlicher, als wir ihn heut kennen. Fast alle Arten von Bäumen und Sträuchern setzten ihn zusammen; „lichte Mimosen mischten sich mit zartem Spitzenlaub und schön gefiederte Johannisbrot-, Götter- und Terpentinbäume unter die spiegelnden Laubmassen immergrüner Eichen, großblättriger Magnolien und Aradien, Sassafras-, Lorbeer-, Zimmt- und Kampferbäume" (Ferd. Cohn). Mit unseren heimischen Laub- und Nadelbäumen vereinigte sich der kalifornische Mammuthbaum, Chile's Liboceder, die Widdriugtonia vom Kapland, der japanische Gingko und Glyptostrophus. Damit verglichen erscheint freilich schon der Urwald dürftig, in dem unsere ältesten Vorfahren Hausten; doch dem Römer dünkte er in seiner Macht und Größe überwältigend, und furchtsam berichtete er von diesen Wäldern, „die das Land mit Kälte und Dunkel füllen". Was er von ihren Riesenbäumen erzählt, ist ersichtlich zum Theil Uebertreibung; doch zeigt uns ein aus einem Eichenstamm von 50 Fuß Länge
herg'stellter Kahn, den einst Pfahlbauern auf ihren Fahrten im Vieler See verwandt haben, drß es in Wahrhe t ein gewaltiger Urwald gew-sen sein muß, der damals ganz Germanien mit Ausnahme des Marsch- und Geestlandes des Nordwestens bedeckte. Gern machten wir uns von diesem Urwalde der Germanen eine anschauliche Vorstellung, doch reichen unsere Kenntnisse dazu nicht aus. Nur so viel wissen wir, daß damals das Laubholz das Nadelholz weitaus über- wog und den deutschen Wald so recht eigentlich bevölkerte. Die Eichen, von denen Plinius ehrfürchtig sagt, daß sie „von den Jahrhunderten unberührt und gleichaltrig mit der Welt, durch ihr fast unsterbliches Lebensloos alle Wunder der Erde übertrasen", sind rar geworden in Deutschland, und kein Baum mehr steht in unser em Walde, der noch über den Holztempeln der Germanen gerauscht und her Winfrieds begeisterte Predigten gehört hat. Denn Deutschlands ältester Baum, die berühmte Linde zu Neuenstadt am Kocher, ist höchstens auf ein Alter von 700 Jahren zu schätzen.
Das mag also um's Jahr 1200 gewesen fern, als diese Linde das liebe Licht sah, und dazumal hatte sich schon gar Vieles mit dem deutschen Walde ereignet D«- Mm chen waren seßhaft geworden, hatten Acker- und Weldelarck zu gewinnen gestrebt und darum einen Krieg gegen den Wald besonnen Es sielen die Stämme, es lichteten sich ganze Besirke, der Wald wich. Die Wälder, die einst als heilige im gemeinen Besitz des Stammes gewesen waren, gingen in die ^anb einzelner Herren über, in die Hand des Kaisers, des Landesherrn, des Grundherrn, und sie erhoben Tribut von denen, die den Wald zur Schweinemast oder zur Weide benutzten. Auch wurde viel Bienenzucht im Walde getrieben, die Holznutzung aber stand noch zurück, und Niemand dachte noch an einen Ersatz des geschlagenen Holzes. Das waren keine guten Zeit für den Wald, der mit der Axt der kleinen Menschlein einen aussichts-