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Amtliches Organ für Stadt- unS Lauökrers Härmn
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 152
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Vom Baume der Erkenntniß.
Gpt Ding will Weile haben. Auch die Früchte auf dem Baume der Erkenntniß, daß es in der bisherigen Weise mit der Sozialdemokratie nicht fortgehen könne, brauchen Zstt zum Reifen. Wir möchten annehmen, daß, wenn heute die Reichstagswahlen nochmals zu vollziehen wären, die Geschlossenheit der bürgerlichen Parteien dem Umsturz gegenüber ungleich energischer sich bethätigen würde als es noch ganz vor kurzem der Fall gewesen ist. Beispielsweise ist es doch nahezu undenkbar, daß nach der unzweideutigen Bekundung der Reichsregierung über ihre Stellung zur Sozialdemokratie ein Königlicher Landgerichtsrath in Bayern nochmals zu den Stichwahlen in öffentlicher Versammlung wie folgt auffordern konnte: „Ich gehe weiter als unsere Zentralleitung und fordere Sie auf, sozialdemokratisch zu wählen!"
Schachergeschätte mit den Sozialdemokraten, wie solche bei den letzten Wahlen vielfach gemacht worden sind, müssen der
öffentlichen Meinung als unbedingt verwerflich gelten. Hat diese Auffassung sich erst Bahn gebrochen, dann kann es auch nicht ausbleiben, daß die staatserhaltenden Pai teien von den verlangt, man müsse, wenn man vielleicht auch den Schutz Männern der Internationalen weiter abrücken. Und es fehlt
nicht an Zeichen, daß wir auf dem Wege zu diesem Ziele vorgehen. „Das Centrum darf sich nirgends und in nichts mehr der Sozialdemokratie verpflichtet fühlen" — schreibt der ultramontane „Bayerische Kurier". Selbst im Freisinn weht ein schärferer Wind. Der in Kiel soeben in den Reichstag gewählte Professor Hänel, Mitglied der Freisinnigen Ver- ■ einigung, ist in einer beachtenswerthen Rede am Abend des i Stichwahl-Tages auf die Stellungnahme der bürgerlichen Par- ' teien gegenüber der Sozialdemokratie zu sprechen gekommen und hat sich dabei u. a. wie folgt geäußert:
Den Sozialdemokraten gegenüber wird es fernerhin nicht mehr zweifelhaft sein können, daß jede der bürgerlichen Parteien nicht mehr die Metdode befolgen darf, nur von Fall zu Fall, von Zeit zu Zeit, je nachdem es der Vortheil oder der Augenblick mit sich bringt, Stellung zur Sozialdemokratie zu nehmen, nicht nur Stellung zu nehmen in grundsätzlicher Weise, sondern auch in praktischer Weife. Und ich nutne, sämmtliche bürgerliche Parteien sollten zusammenstehen, um das zur Wahrheit zu machen, was bisher nur eine falsche Anschuldigung seitens der Sozialdemokratie war, nämlich es zur Wahrheit zu machen, daß wir, das deutsche Bürgerthum, der Sozialdemokratie gegenüber in der That eine einige, feste Masse sind".
An einer anderen Stelle sprach sich Professor Hänel über die Gefährlichkeit der So ialdemokratie in folgender Weise aus: „Streiten wir, wie Männern geziemt; aber dann, wenn die Grundlagen erschüttert werden, wenn sie unterwühlt und unterhöhlt werden, sie angegriffen werden in ihrem inuerpen
Montag den 4. Juli
Kern, wie es von der Sozialdemokratie geschieht, dann lassen- Sie uns eng und fest zusammenstehen".
Wenn erst das liberale Bürgerthum zu dem Bekenntniß gewonnen ist, daß wir der Sozialdemokratie gegenüber eine feste, starke Masse bilden müssen, dann eröffnet sich uns die erfreuliche Aussicht, daß wir den Boden des Vaterlandes von den auf ihm wuchernden Giftpflanzen allmählich werden befreien können.
Amerikanische Verstimmungen.
Englische und amerikanische Blätter haben sich in der letzten Zeit wieder einmal eifrig mit der Haltung des Deutschen Reiches gegenüber dem spanisch-amerikanischen Kiiege beschäftigt. Namentlich bildet die Anwesenheit von vier deutschen Kriegsschiffen in der Bucht von Manila den Gegenstand von allerlei Gerückten und Vermuthungen über die Absichten der deutschen Politik. Auch im Senate der Vereinigten Staaten haben sich zwei Redner bei dem Gedanken an das deutsche Geschwader vor Manila erhitzt und mit einer heroischen Pose
fremder Staatsangehörigen durch Schiffe ihres Heimathlandes
erlauben könne, Europa klar machen, daß Amerika keine Einmischung dulde.
Dem deutschen Admiral wird es nicht einfallen, eine fremde Erlaubniß dafür einzuholen, daß er bedrängten deutschen Landsleuten und fremden Staatsangehörigen, die sich unter deutschen Schutz erstellt haben, auch wirklich Schutz gewähre. Das ist seine Aufgabe, und nur dazu ist er da. Auch England ist zu gleichen Zwecken mit vier Schiffen in der Bucht vertreten. Wie wenig an einer Einmischung in die Kämpfe zwischen der spanischen Garnison und den Aufständischen und in die von dem Admiral Dewey a»sgeübte amerikanische Blokade des Hafens gedacht wird, geht am schlagendsten daraus hervor, daß Admiral v. Diederichs den Vorschlag des spanischen General-Gouverneurs, Manila zu besetzen und in Aufbewahrung zu nehmen mit Rücksicht auf die amerikanische Blockade obgelehnt hat.
Wir müssen dem Unmuthe amerikanischer Zeitungen und Redner einiges zu gute halten. Selbst der Krieg ist dort zum Theil Geschäftssache, und die Abwicklung dieser Spekulation dauert länger und verschlingt viel größere Kosten, als wohl die meisten Kriegsanhänger gedacht hatten. Das macht nervös. Wenn aber die bisherigen militärischen Leistungen der Union viel weniger überwältigend waren, als man sich versprochen hatte, so können auch polternde Proteste gegen eingebildete Einmischungsgelüste in Europa erst recht keinen ernsten Eindruck machen.
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Politische und unpolitische Nachrichten.
(Deveschen-Bureau „Herold".)
Berlin, 3. Juli. Dem „Berliner Tageblatt" zufolge verlautet in parlamentarischen Kreisen, daß mit Rücksicht auf die großen englischen Handelsintercffen in China die Errichtung eines besonderen kommerziellen Departements, welches der Pekinger Gesandtschaft unterstellt sein soll, in Aussicht genommen ist. Die neue Abtheilung wird in Verbindung mit dem britischen Konsulat in China und nur mit Leuten besetzt werden, die eine genaue Kenntniß der Provinzialregie- rung, sowie eine Kenntniß der gebräuchlichsten chinesischen Idiome haben. Man verspricht sich hiervon einen großen Aufschwung der anglo-chinesischen Beziehungen.
Wien, 3. Juli. Die „Reichswehr" meldet, daß der bekannte Rechtsstreit dieses Blattes mit der Regierung durch Vergleich beigelegt sei.
Krakau, 3. Juli. Im Laufe des gestrigen Tages fanden bei 12 sozialistischen Führern Haussuchungen statt. Es wurdet hauptsächlich Privatbriefe beschlagnahmt. Seit dem bekannten Ueberfall auf die Militärpatrouille sind in dem hiesigen Bezirk keine Unruhen mehr vorgekommen. Trotzdem beabsichtigt die Regierung den Ausnahmezustand auch über die Stadt Lemberg auszudehnen, um die antisemitische Presse zum Schweigen zu bringen.
Budapest, 3. Juli. Der Finanzminister berief für den 14. d. M. eine Enquetekommission ein zur Berathung über die Modalitäten der Errichtung eines selbstständigen ungarischen Zollgebietes.
Rom, 3. Juli. Der Belagerungszustand über Neapel soll am 6. d. Mts. aufgehoben werden.
Der spanisch-amerikanische Krieg.
Newyork, 2. Juli. Der Korrespondent des„Newyorker Herald" in Playa del Este meldet über den gestrigen Kamps folgende Einzelheiten: General Shafter griff am Vormittag die Außenwerke von Santiago mit Nachdruck an und ging nach brei Richtungen hin vor. Die Generale Lawton und Wheeler griffen El Ganey an, während General Kent gegen Aguadores hin vorrückte. Garcia näherte sich gleichzeitig mit den Kubanern El Gancy. Die übrigen amerikanischen Divisionen bildeten von der Küste bis zu den nördlichen Ver- theidigungswerken des spanischen Generals Linares eine starke Frontlinie. Die Flotten der Amerikaner und Spanier be- theiligten sich von An'ang an am Kampfe. Während die Schiffe Sampsons die Batterien von Aguadores zu zerstören suchten, richteten die Schiffe C-rveras ihre Granatschüsse gegen die Angriffslinie der Kubaner und Amerikaner. Den Kampf eröffneten an der Spitze der Truppen zwei Batterien leichte Artillerie unter dem Befehle des Generals Shafter, indem sie
Feuilleton
Neue Entdeckungen in der Just
Die Entdeckung zweier bisher unbekannter Bestandtheile unserer Atmosphäre schildert ein ausführlicher Bericht eines am 16. Juni vor der Royal Society in London vom Ramsay und Travers gehaltenen Vortrages. Nachdem die Wissenschaft schon durch die Entdeckung des Argon in das höchste Staunen darüber versetzt wurde, daß sich in d-r so unzählige Male untersuchten Luft noch ein unbekannter Bestandtheil Nachweisen ließ, muß sich jetzt die Aufnahme auf- drängen, daß- wir die Zusammensetzung unserer Atmosphäre. bisher überhaupt nur ganz unvollkommen gekannt haben; denn die letzten Wochen haben nicht weniger als drei neue in der Luft enthaltene Elemente zur Kenntniß gebracht: zuerst das Krypton und bald darauf das Neon und das Metargon. Die Entdeckung der beiden letzten Stoffe war erst dadurch möglich geworden, daß vor einigen Monaten von Ramsay ein Verfahren ersonnen worden war, das Argon in großen Mengen zu gewinnen. Es standen ihm nicht weniger als 18 Liter dieses seltenen Gases zur Verfügung. Ramsay und Travers beschlossen nun, mit Hilfe flüssiger Luft neue Versuche zur Zerlegung des Argon vorzunehmen. Dieselben verliefen folgendermaßen: Indem man die flüssige Lust unter vermindertem Druck verdampfen ließ, verwandelte sich das Gas Argon leicht und schnell in eine Flüssigkeit. Gleichzeitig wurde die Ausscheidung einer beträchtlichen Menge eines festen Körpers beobachtet, der sich theils an den Wänden des Apparats theils unter der Oberfläche der Argonflüssigkeit ab- setzte. Nun wurde das flüssige Argon in einen besonderen Gasbehälter überdestillirt, und dann ließ man diesen festen Körper in besondere Gasbehälter verdunsten, was sehr langsam vor sich ging und schließlich zwei Proben des Stoffes
in gasiger Form von je 70—80 cm ergab. Es waren nun also außer dem Argon zwei Stoffe in gasigem Zustande in größeren Mengen gewonnen worden, und man konnte an die Untersuchung derselben gehen. Zunächst wurde das leichtere Gas in eine luftleere Röhre gebracht, durch den elektrischen Wechselstrom ins Glühen versetzt und sein Spektrum untersucht. In diesem Spektrum fielen besonders mehrere Helle
des Spektrums. Did Linien im Roth waren sehr schwach und wurden noch nicht gemessen. Die Dichte wurde zu 18,97 ermittelt. Durch Bestimmung der Wellenlänge des Schalls in diesem Gase wurde nachgewiesen, daß dasselbe einatomig ist. Wegen des sehr bedeutenden Unterschiedes des Spektrums vou dem des Argon und seinem abweichenden Versalien bei niedrigen Temperaturen (fester Zustand bei der Temperatur
flüssiger Luft) muß >s als ein neues Element betrachtet
rothe Linie auf, darunter eine ganz besonders glänzende, und j v r4
eine Helle gelbe Linie, welche die größte Aufmerksamkeit auf inerten, das wegen der nahen Verwandtschaft zu Argon von sich lenkte, da sowohl das Natrium als die beiden Elemente den Entdeckern Metargon genannt wurde.
Helium und das eben erst entdeckte Krypton ebenfalls helle Es ist durchaus nicht unwahrscheinlich, daß die weiteren gelbe Linien in ihrem Spektrum aufweisen. Es wurde aber Untersuchungen die Zahl der in der Atmosphäre vorhandenen sofort nachgewiesen, daß die gelbe Linie des neuen Gases Elemente noch weiter vermehren werden; denn wer kann von allen jenen verschieden war, obgleich von gleicher Hellig- sagen, daß in der zweifellos nicht reinen Probe des Neon, keit wie jene (die Wellenlänge wurde zu 5849,6 bestimmt.) die bisher erhalten wurde, nicht noch ein oder mehrere andere Die Dichte des Gases wurde diesmal zu 14,67 bestimmt, neue Elemente versteckt waren? — — — Diese großartigen Daß dieses Gas wirklich ein neues Element ist, ist genügend Entdeckungen der leiten Wochen sind übrigens ein glänzender bewiesen, nicht nur durch die Eigenart seines Spektrums und Beweis für die ungeheuere Bedeutung,,die die ^erflussigung durch seine ibm eigenthümliche Dichte, sondern auch durch sein der Gase und besonders der Luft für die wgiernchm .icye Verhalten in der luftleeren Röhre. Ganz im Gegensatz zu Untersuchung gehabt hat nnb haben wird. Wenn man erji
Helium, Argon und Krypton wird das neue Gas, das Neon, flüssigen Wasserstoff in größeren Mengen wir erze g
wie es von den Entdeckern getauft wurde, in der Röhre von dadurch noch tiefere Temperaturen erhalten on , *•
den Aluminium-Elektroden mfch absorbirt, und die Licht- noch eine weitere Reihe von Überraschungen ersten Ranges
erscheinung beim Durchgang des elektrischen Stromes geht bei zu erwarten haben. _________ abnehmendem Druck von Karminroth in ein äußerst glänzendes Orange über, das noch bei keinem anderen Gase gesehen
Aus Kunst und Leben
wurde.
Fürst Hohenlohe als Radfahrer. Einen neuen ’ ’ “ -' “-*■ “ “J^ k- * * verbürgt mit-
Nun wurde das zweite Gas, das aus dem erwähnten Freund hat das Radfahren, wie der „L S * i festen weißen Körper gewonnen worden war, in eine luftleere getheilt wird, m keinem Genug ^ j em jptfjbetagten
Röhreeingeführt. Dasselbe zeigte ein sehr mannigfach zu-
Reichskanzler Fürsten Hohenlohe gewonnen. Als „Sports-
ordnung dem des Argon ähnlich, in allen Einzelheiten aber Radier darum frt. id) noch stickt für nch m Anspruch nehmest, vollkommen von demselben verschieden war. Es wurden nicht Denn auiu ^obenlobe beschrankt seine Fahrten auf die weniger als elf Helle Linien bestimmt und ihre Wellenlängen schattigen Wege deS verschwiegenen Parkes seines Reichs- g< messen, fünf davon lagen im grünen, sechs im blauen -Heil kanzlerpalanes an der Wilhelmstraße in Berlin.