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Rr. 28 Donnerstag den 3. Februar

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1898

Landwirthschaft nnd Handel.

Landwirthschaft, Industrie und Handel stellen die drei größten und wichtigsten Erwerbsgruppen dar. Das Heil der Zukunft beruht auf ihrer Verständigung und Einigkeit. Dazu aber ist es erforderlich, iMß ein Stand die Lebens- bedingungen des andern achtet, und daß über die gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnisse, über das wechselseitige Stützen und Getragensein völlige Klarheit herrscht. Während es nun er­freulicherweise den Anschein hat, als ob die Erkenntniß von der Jnteressenharmonie zwischen Landwirthschaft und In­dustrie bei den betheiligten Kreisen in täglich wachsendem Maße zunähme, macht sich zwischen Landwirlhschaft und Handel leider noch vielfach eine weitgehende Entfremdung bemerkbar. Daß hieraus nur den Interessen der Gesammtheit Schaden erwachsen kann, liegt auf der Hand, und Pflicht jedes Vater- landsfreundes ist es daher, an seinem Theile auf Besserung dieses Verhältnisses hinzuarbeiten.

Schuld an einer derartigen Sachlage trägt auch hier wie aus so vielen Gebieten unseres öffentlichen Lebens, vor allem die leidige Verallgemeinerungssuchl, die den Splitter im Auge des Nächsten zum Balken vergrößert und aus einzelnen Miß­bräuchen und Auswüchsen alsbald ein tadelndes Gesammt- urtheil begleiten zu dürfen glaubt. Daher auf der einen wie auf der anderen Seite die ewigen gegenseitigen Schlag­worte. Nichts erscheint unrichtiger, hüben wie drüben. Man fasse statt dessen doch lieber einmal die realen Zusammen­hänge zwischen Landwirthschaft und Handel ins Auge, man mache sich die Vortheile klar, die der Landwirth vom Handel­treibenden und umgekehrt hat, und man wird bald nicht mehr geneigt sein, in das fortdauernde Kriegs- und Kampfesgeschrei mit einzustimmen.

Zunächst das Verhältniß von Landwirthschaft und Klein- oder Binnenhandel. Je dichtmaschiger sich das Netz lokaler Verkehrsbeziehungen gestaltet, um so besser für beide, den Landwirth sowohl wie den Kaufmann. Der Handeltreibende der zahlreichen Landstädte bat ein unmittelbares Interesse an der Kaufkraft der ländlichen Bevölkerung, und dem Land­wirthe ist mit nichts mehr gedient, als wenn ihm für den Absatz seiner Produkte jeder Zeit die wirksame Vermittler­thätigkeit eines leistungsfähigen Kaufmannsstandes zur Seite steht. Denn sein Beruf erfordert fo sehr einen ganzen Mann, daß ihm jede Entlastung nach der Seite des Absatzes seiner Produkte, jede Befreiung von der Nothwendigkeit zeitrauben­den Aufsuchens günstiger Marktgelegenheit nur aufs höchste willkommen sein kann.

Aber auch Groß- oder Ausfuhrhandel und Landwirthschaft sind auf einander angewiesen und bedingen stch gegenseitig. Es ist eine weitverbreitete falsche Ansicht, daß die heimische Landwirthschaft gegenwärtig nicht mehr an der Waarenaus- fuhr betheiligt sei. Ganz das Gegentheil ist der Fall. Nur

iin dem verhältnißmäßigen Antheil der einzelnen landwirth- schädlichen Produkte an der Gesammtaussuhr ist eine Ver- l schubung eingetreten; die landwirthschaftlichen Nebenprodukte, !wie Zucker und Branntwein, nehmen heute gegenüber den ; Cerealien die entscheidende Stelle ein. Unsere landwinh- j schaftliche Gesammtausfuhr aber stellt noch immer einen i Werth von über 360 Millionen Mark jährlich dar. Dieser I Ausfuhr wollen doch die Wege geebnet und in dem erbitterten Konkurrenzkämpfe auf dem Weltmärkte die alten Absatz- ! gebiete erhalten und fündig neue erschlossen sein. Hier tritt jbie bahnbrechende Pionierarbeit des Großkaufmanns auch für die vaterländische Landwirthschaft in ihrer vollen segens­reichen Wirksamkeit zu Tage. Anderseits aber sind die großen Produktionsmengen des heimischen Ackerbaus auch |für den Ausfuhrhandel wieder ein Mittel des Gewinns, ein Hebel des Gedeihens.

Wozu also die gegenseitige Befehdung? Landwirthschaft und Handel sind beides nothwendige und wahlberechtigte Glieder der nationalen Produktion. Ihr Verhältniß zu einander aber ist nicht dasjenige des einseitigen Gebens oder Nehmens, sondern das einer gegenseitig befruchtenden und fördernden Wechselwirkung.

Lagesschsu.

Die B«-getkommisfion des Abgeor-neten- Hauses unterzog am Montag Abend in Gegenwart der Minister für öffentliche Arbeiten, Thielen, und für Finanzen, Dr. v. Miquel, den Etat der Bauverwaltung ihrer Berathung. Die Einnahmen mit 9,629,066 Mark und die ordentlichen Ausgaben mit 29,053,432 Mark wurden ohne wesentliche s Debatte bewilligt. Die einmaligen und außerordentlichen ! Ausgaben sind mit 20,397,837 Mark angesetzt. Bei den Positionen zur Regulirung der Wasserstraßen und Förderung der Binnenschifffahrt wurden 5,104,600 Mark ohne Dis­kussion genehmigt. Zur Verwaltung und Unterhaltung des Dortmund-Ems-Kanals, einschließlich der aus dem Kanalbau­fonds hergestellten Anlagen im Emder Hafen, werden 710,000 Mark gefordert. Hier wurde vom Minister der öffentlichen Arbeiten, Thielen, angeführt, daß zwar im laufen­den Jahre eine Rentabilität des Dortmund-Eins-Kanals nicht zu erwarten sei, aber die Unterhaltungskosten voraussichtlich jin nächster Zeit aus den Einnahmen gedeckt werden würden, i $on einem Mitgliede der Kommission wqrde dieser Ansicht beigetreten. Ein anderes Mitglied glaubte, daß in abseh­barer Zeit der Kanal keine Rente abwerfen würde. Von Seiten der Staatsregierung wurde eine Nachweisung über die für die einzelnen Kanäle festgesetzten Tarife zugesagt. Auf ^Anfrage aus der Mitte der Kommission, ob einer Privatge- : fellschaft zur Kanalisirung der Lippe die Konzession gegeben 1 werden würde, erklärte der Minister Thielen, daß der Staats­

regierung Anträge noch nicht eingereicht seien und er daher darüber keine Auskunft geben könnte. Die für den Dort- mund-Ems-Kanal ausgeworfenen 710,000 Mark werden be­willigt, ebenso 520,000 Mark zur Herstellung beschädigter Strombauwerke an der Weichsel und Nogat als erste Rate. Zu Seehäfen und Schifffahrtsverbindungen werden 6,332,385 Mk. verlangt. In dieser Rubrik sind 560,000 Mk. zum Schutze und zur Erhaltung der Dünen bei Helgoland angesetzt. Es wurden Bedenken dagegen erhoben, daß die Gemeinde Helgoland und der deutsche Marinefiskus nichts zur Erhaltung der Dünen beitragen. Nach den Erklärungen der Minister Thielen und v. Miquel, daß ein Beitrag von der Gemeinde Helgoland und dem Deutschen Reiche nicht zu erreichen sei, daß aber der Schutz der Dünen zur Erhaltung der Insel dringend erforderlich sei, wurde die verlangte Summe genehmigt. Ein Gleiches geschah mit den anderen Positionen zu Seehäfen und Schifffahrtsverbindungen. Zum Bau von Straßen, Brücken und Dienstwohnungen sind 7,730,852 Mark ausgeworfen. Zum Neubau der Geschäfts­gebäude für beide Häuser des Landtags werden 804,134 Mark als 7. Baurate gefordert. Für die Präsidialgebäude sind 1,460,850 Mark in Aussicht genommen. Auf Antrag des Grafen Limburg-Stirum wurde diese Position ausgesetzt, weil die Pläne nicht vorlagen. Zum Neubau eines Dienstgebäudes für das Geheime Zivilkabinet sind als erste Rate 350,000 Mk. ausgesetzt. Der Antrag auf Aussetzung dieser Position wurde abgelehnt und die geforderte Summe mit 9 gegen 7 Stimmen bewilligt. Der Rest des Extraordinariums blieb unbean­standet. Damit war der Etat der Bauverwaltung durchbe­rathen. Die Budgetkommission des Abgeordnetenhauses ist über Petitionen um einheitliche Regelung der Gehälter der Sekretäre bei den Amtsgerichten, Landgerichten, Oberlandes­gerichten und bei den Verwaltungsbehörden, Gewährung einer pensionsfähigen Zulage für die Einnehmer bei der Gerichts­kasse I in Berlin und Einordnung der betreffenden Stellen in den Etat, Gleichstellung der Gerichtsassistenten .mit den Gerichtssekretären, Gehaltsverbefferung für die Justizkanzlei­beamten zur Tagesordnung übergegangen, hat dagegen Petitionen von Gerichtsvollziehern um Erhöhung ihres Mindesteinkommens, sowie andere Regelung ihrer Einkommens-, Dienst- und Pensionsverhältnisse, von Justizunterbeamten in Berlin um Erhöhung des Einkommens, Verbesserung der An­stellungsverhältnisse u. s. w. der Staatsregierung als Material überwiesen.

Von ver Strafexpe-ition, die unter der Führung des Slationschess von Lolodorf Premierlieutenants Freiherrn von Stein, gegen die Bane in Kamerun im Oktober v. J3. unternommen worden ist, waren aus englischen Quellen Meldungen eingetroffen, welche eine Schlappe der deutschen Schutztruppe konstatirten. Bald darauf erging ein Bericht

Feooilletsn.

Karnevalsfreuden.

Eine Studie aus vielen Ländern und Zeiten.

Von Heinrich Geller.

(Nachdruck verboten.)

Kein wahreres Wort hat der alte Horaz ausgesprochen, als das klassischeDulce est desipere in loco süß ist's, ab und zu toll zu sein. Ja, sie liegt tief im mensch lichen Charakter, die Neigung zu gelegentlicher Tollheit, daS unwiderstehliche Verlangen, die Sorgen deS TageSlebenS und des BerufeS einmal ganz abzuwerfen und sich selbst in über­müthigem Treiben zu vergessen. Darum finden wir bei allen Kulturnationen den Karneval, das Fest der Tollheit, von den Naturvölkern hier nicht zu sprechen, denen ja die Ge­sittung noch kein so unbequemes Staatskleid von Ernst und Mühsal aufgenöthigt hat. Selbst der Zeitpunkt dieser Feste ist bei den meisten dieser Nationen derselbe. Wenn die erste Ahnung des kommenden Frühlings hoffnungsreich in die Seele einzieht und das Blut schneller im Kreise treibt, dann sprengt der Kebermuth alle Festeln und verlangt nach rauschen­der Bethätigung. Der Karneval ist so ein Winterfest, und doch zugleich das erste der Frühlingsfeste. Hat er sein Amt gethan, dann empfindet jeder, daß des Winters Herrschaft eigentlich bereits gebrochen ist. Der Karneval ist eine erste Huldigung an die stärker werdende Mutter Sonne, der erste Gruß des Lenzes und der Jugend. ,

Die Jugend in mancherlei Sinne hat ihm eigentlich auch stets den Charakter ausgeprägt. Schon bei den römischen Saturnalien finden wir den Zug, daß mit diesem Feste und für seine Zeit gewissermaßen die Jugend der Welt wieder- kehrt, jenes goldene Zeitalter, von dem alle Völker träu­men, da alle einander gleich waren und alles eitel Glück und

Freude war. Darum fielen für diese Tage alle sonstigen Klaffen schränken; die Sklaven gingen wie i^reie gekleidet und speisten mit ihren Herren am selben Tische. Dieser schöne Zug hat Jahrhunderte und Jahrtausende überdauert und kehrt noch heute vielfach wieder. Beim Karneval zu Mainz oder Köln oder sousiwo am schönen Rhein und Main ist jederBruder Narr" dem anderen gleich, und in manchen Gegenden Deutschlands speisen zur Zeit des Karnevals noch immer die Knechte mit ihren Herren zusammen. Und wenn dort und hier, in mehre ren vlämischen Städten z. B. und in der Eifel, in dieser Zeit die Frauen an gewissen Tagen besondere uralt geheiligte Vorrechte auSüben oder gar eine kurze Eintags^enschaft be­sitzen, sollte hierin nicht der Sinn liegen, daß das im allge meinen schwächere Geschlecht auch einmal als stärkeres aner kannt wird, daß die Frauen, die sonst der Herrschaft der Männer unterworfen sind unterworfen war ev, müssen wir wohl sagen; denn die Zeiten haben sich gar sehr geän­dert, nun auch einmal die Rolle ihrer Gebieter überneh­men? Wozu sie denn freilich nicht immer erst auf den Karneval warten.

ES steht außer Zweifel, daß unser Karneval in direkter Linie mit den entsprechenden Festen der Alten, der Satur­nalien, Bacchanalien u. s. w., zusammenhängt. Die Bekenner der Christenlehre waren von diesenteuflischen Festen" nicht abzubringen, und selbst Gregor der Große konnte nicht mehr erreichen, alS daß er ihnen durch die Einführung deS Ascher­mittwochs ein Ende setzte. Aber auch abseits dieser histori­schen Entwickelung finden wir den Karneval und karneval- artige Feste. So begehen die Japaner zu gewissen Zeiten deS Jahres ausgelassene MaSkenfeste. Die Türken haben ihren Karneval mit dem Beginne des Monats Ramesan. Dann sind alle Stiaßm festlich erleuchtet' und mit Blumen geschmückt; im Lichterglanze prangen auch die Moscheen und die schlanken Minarets sind von einem Kranze vonLich-

teru umgeben. Ist der Mond aufgegangen und hat damit die Fastnacht begonnen, so erscheint in den Straßen ein Auf­zug, den tanzende, singende, schreiende, brüllende Männer eröffnen und dessen Kern Maskierte bilden, die zwischen dem Volke hin und her tanzen und Schwärmer in die Reihen der Zuschauer werfen. Masken und Licht, ausgelassene Streiche, Lärm und Gelächter alle Requisiten des Karnevals sind da bei einander. In veredelter Form lebte der türkische Karneval bei dem adligsten Knlturvolke der mohammedanischen Welt, den spanischen Mauren, auf. Da trat liebliche Musik an die Stelle deS wüsten LärmeS der Pauke» und Trommeln, sinnvolle Vermummungen an den Platz der primi­tiven Maskirung, und Alles gewann einen überaus poetischen Charakter. Die Jungfrauen und die Jünglinge tanzten durch die Straßen und führten pnen Scherzka^pf, der noch heut einen cha- akteristischen Zug des Karnevals bildet. Wohl­riechende Wasser, Pomeranzen und andere feine Früchte dien­ten als Waffen, und auch die Dichtung wurde herangezogen. Es gab scherzhafte Aufzüge, die mit feinen poetischen An­sprachen und Reden verbunden waren. Die Geschichtsschreiber haben farbensatte Bilder vom maurischen Karneval entworfen; und in der That: denkt man sich die Feenstädte des Mauren­volkes, denkt man sich Granada und Cordova mit ihren pran­genden Marmorkirchen und ihren' graziösen Palästen, ihren rauschenden Brunnen und ihrem üppigen Blumenflor, durch- wogt von einer heiteren, singenden, tanzenden Menge, die bunten Gewänder lachen und flattern, Harfenklang durchtönt die milde Nacht und ein neckischer Uebermuth, eine liebens­würdige Freiheit herrscht, die nie das Maß deS Schönen überschreitet, so darf man wohl sagen, daß diese versunkene Herilichkeit, von der nur noch melancholische Trümmer erzäh­len, doS Ideal des Karnevals darstellt.

Ganz spurlos scheint der maurische Karneval allerdings insofern nicht geblieben zu sein, als er auf die Gestalttung