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Amtliches Organ für Htaök- unö Landkreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

Nr. 204.

Freitag den 2. September

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1898

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AmMchss.

^an^Bret^ ^ana-u.

Ntlanumachuugek des Königlichen Landrathsamtes.

Die Herren Bürgermeister lade ich hiermit zu einer Konferenz auf

Freitag den 9. September er., nachmittags 2 Uhr,

in den Sitzungssaal des Kreisausschusses hier ein.

Hanau am 31. August 1898.

Der Königliche Landrath

A. 3498 v. S ch eu ck.

Dienstnachllchten aus dem Kreise.

Verloren: Ein kleines blaues Portemonnaie mit 2 Mk. Inhalt.

Entlaufen: Ein junger Foxterrier, weiß mit gelben Flecken, m. Geschl.

Hanau am 2. September 1898.

Sedan.

Vergessen kann und darf der Tag nicht werden, so lang die Freude am Reich des Volkes Herz erfüllt. Echt vater­ländische Gesinnung, wahres nationales Empfinden kann an den Tagen nicht vorübergehen, durch die der Grund gelegt zur Herrlichkeit des Reiches. Zu diesen Tagen zählt in erster Linie der 2. September 1870.

Deutscdland ist keine gegebene Größe, sondern eine ge­wordene Größe. Soll es eine Größe bleiben, mit der die Weltmächte rechnen müssen, dann dürfen die Grundlagen nie erschüttert werden, auf denen es geworden ist. Der Sedans- lag ruft diese Grundlagen uns ins Gedächtniß.Welche Wendung durch Gottes Fügung!" so drahtete der große unvergeßliche Kaiser an die Kaiserin. In diesen wenigen Worten ist die eine Grundlage zum Ausdruck gebracht: Gottes gnädiges Walten! Er, der Herr der Heerscharen, gab unseren Waffen Sieg. Er wollte, daß ein einiges, deutsches Reich werde, ein Hort des Völkerfriedens auf Erden. Der deutsche Ricke sonderlicher Art, der jüngst die Augen schloß in Fried:ichsruh, hochbetagt, Hot dieser Grundlage den anderen klassischen Ausdruck gegeben:Wir Deutschen fürchten Gott, sonst nichts in der Welt." Tie Gottesfurcht d-s deutschen Volkes ist die gegebene Grundlage des deutschen

fmiUeton.

Otynhauftn?)

Eine Skizze zum Besuche des Kaisers.

Von Eduard Wegrath.

(Nachdruck verboten.)

Wer vor 50 und mehr Jahren auf der Minden-Koblenzer Chaussee zwischen Herford und Minden da des Weges kam, wo heut ein vornehmes Badeleben sich entfaltet und Tausende von Kranken aus aller Herren Ländern Heilung suchen, dem bot sich ein gar idyllisches Bild dar. Da dehnten sich weite wohlbestellte Ackerfelder, in deren Mitte sich in erheblichen Abständen jene hinter Buchen und Eichen versteckten westfälischen Bauernhäuser erhoben, die durch Jmmermann'sOberhos" allgemein bekannt geworden sind und die man in einem charakteristischen Vertreter noch heut unweit Oeynhausen in Melbergen treffen kann. Die städtische Kultur war der Gegend noch völlig fern geblieben, vom industriellen Betriebe sprach nur die auf diesem Grunde schon lange bestebende Saline Neusalzwerk. Die Gegend bot freilich keine roman­tischen Reize, wohl aber eine große Fülle stiller anziehender Schönheiten. Da floß die liebliche Werra der Weser zu, die weiterhin ihr breites Silberband durch's Land zog, schön­bewaldete Höhenzüge umrahmten lachende fruchtbare Thäler, alte Wälder boten Kühlung und der Weserstrom führte bald auch zu großartigen Laudfckaflsbildern und felsigen Höhen und zu der vielbesungenen Porta Westfalika. Es war ein echtes Stückrother Erde", das der Wanderer da erblickte, und ein Stück urdeutscher Landschaft dazu. Sehr treffend hat Dingel- stedt diesen eigenthümlich deutschen Charäkter gerade der Weserlandschasten gekennzeichnet:Der Rhein (sagt er) endet niederländisch, die Donau wird türkischer Renegat, die Oder führt mehr slavische, die Elbe mehr czechische Elemente von ^hrer^Queüe aus in die Länder, die sie durchziehen; rem , *) Oeynhausen ist während der diesmaligen Kaisermanöver be- '^ntlich das Hauptquartier des Kaisers und seiner Gäste.

Reiches. Daran soll nicht gerüttelt, nicht gebohrt werden. Denn es ist ein altes, aber wahres Wort:Wo der Herr nicht das Haus bauet, arbeiten umsonst, die daran bauen; und wo der Herr nicht die Stadt behütet, wachet der Wächter umsonst."

Deutschland ist keine gegebene Größe, sondern eine ge­wordene Größe, geworden durch die Einigkeit der deutschen Stämme und der deutschen Stände. Dort bei Sedan kämpf- ten mit und neben einander Preußen und Bayern, Sachsen und Schwaben, Pfälzer und Hessen, Westfalen und Franken, Pommern und Rheinländer. Dort bei Sedan kämpften mit und neben einander Vornehme und Geringe, Hohe und Niedrige, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Reiche und Arme. Sie alle waren bereit zu sterben für des Reiches Herrlichkeit. Jeder stellte seinen Mann, woher er auch immer kam, jeder gab sein Bestes, was er hatte. Die Einigkeit der Stämme und die Einigkeit der Stände schuf das deutsche Reich. Heil den Männern, die das Zerrissene zusammenbrachten, die das Ge­trennte einigten, gesegnet sei ihr Andenken! Der Sedanstag mahnt uns aber: Seid einig! bleibt einig! Wie es von Anfang an Leute gab, die am Reiche keine Freude hatten, so auch heute. Die einen sind an der Wühlarbeit, die Einzel- staaten dem Reiche zu entfremden, und die anderen suchen auf listige und gewaltsame Weise die Kluft zwischen den Einzelständen immer tiefer zu machen, um das Zusammen­leben und Zusammenarbeiten immer mehr zu erschweren. Um so fester sollten diejenigen, die ihr engeres Heimathland wie ihr deutsches Vaterland lieb haben, sich znsammenschließen, auf daß die Frucht des Sedantages ungeschmälert uns er­halten bleibe und immer mehr sich entwickle zum Segen der Völker auf Erden. Nur ein in sich gefestigtes, in sich einiges Deutschland kann der Friedenshsrt bleiben, der es seit dem 2. September 1870 gewesen ist.

Scheidung der Geister.

Die öffentliche Meinung aller Kulturstaaten hat sich durch den Mund der Presse nunmehr über die von dem Herrscher Rußlands angeregte allgemeine Friedenskonferenz geäußert. Mit Befriedigung ist bervorzuheben, daß dieser schöne Ge- danke am wärmsten in Deutschland ausgenommen wurde, wo die Gewißheit besteht, daß der Vorschlag des Kaisers Niko­laus in keiner Weise die Interessen unsers Vaterlandes be­einträchtigen will und daher durch die deutsche Politik, soweit es die unabänderlichen Grundbedingungen unserer Welt- stellung zulassen, bereitwillig unterstützt werden kann. Da­

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deutsch, Vollblutrasse, ist und bleibt nur die Weser, deren beide Arme, die Werra und die Fulda, den eigentlichen schönen Kern norddeutscher Lande, das Thüringer- und Frankenland, liebend umfassen." Alte geschichtliche Erinnerungen gesellen sich dazu, um den stillen Winkel an der Werra interessant zu machen; in dieser Gegend hatte Hermann das Römerjoch zer­brochen, halte der zum Christenthum bekehrte Wittekind die ersten Kirchen errichtet, hatten im siebenjährigen Kriege blutige Schlachten getobt. Kurz, das Fleckchen Erde entbehrte weder der Schönheit noch des Interesses.

Aber da stand kein Dorf, keine geschlossene Ansiedelung. Nur einzelne Gehöfte waren sichtbar. Zur Bezeichnung der Gegend mußte der Name des nächsten Dorfes, des uralten Nehme an der Werramündung, bienen. Mitten durch das Thal schnitten die Grenzen der Kreise und Gemeinden, und L. Lehmann erzählt als scherzhaften Beleg für die damalige politische und kirchliche Zerrissenheit des Bezirkes das Wort, daß einer seiner Bewohner, wenn er in Minden verklagt worden sei, nur hinter seinen Schreibtisch zu treten brauchte, dann stand er in dem Gerichtsbezirke Herford.

So einsam und entlegen die Gegend war, so genoß sie feit Alters eine gewisse Beachtung um der mineralischen Schätze ihres Bodens willen. Als im ersten Drittel unseres Jahrhunderts das industrielle Leben in Preußen sich allge­mein wieder zu heben begann, da richtete sich die Aufmerk- samkeit auch auf den Reichthum des Werrabezirks und im Jahre 1830 wurde in der Hoffnung, Steinsalz zu finden, eine Bohrung angestellt. In 15 Jahren war man bis zu einer Tiefe von 696 Metern gelangt; statt des erhofften Steinsalzes aber hatte man unerwarteter Weise eine warme Salzquelle mit Kohlensäuregehalt gesunden. Zunächst wurde auf diese Quelle nicht viel Werth gelegt; wohl aber entschloß sich der Kolon Meier, auf dessen Grund und Boden das Bohrloch lag, einige Wannen zu Badezwecken aufzustcllen, und da der Heilerfolg der Bäder ein auffälliger war und infolge des steigenden RpfeS des Werthes der Quelle nicht allein Meier sich veranlaßt sah, die Zahl der Wannen zu vermehren, sondern auch einige andere wackere Erdbebauer

gegen hat sich in der französischen Presse ein wüster Lärm erhoben, der wohl kaum geeignet ist, auf die zart empfindende Natur des jungen russischen Fried ensfürsten angenehm zu wirken. In allen Tonarten, von feigen Anspielungen bis zur unverschämtesten Drohung, wird die Herausgabe Elsaß- Lothringens gefordert. Wir können diesem Geschrei dieselbe ruhige Verachtung entgegensetzen, wie fett siebenundzwanzig Jahren. Wenn es jenseits der Vogesen noch besonnen ur­theilende Leute gibt, so sollten diese sich selber sagen, daß wer zu einer F r i e d e n s - Konferenz einladet, wohl an alles andere eher gedacht hat, als an dieRevision" des Frank­furter Vertrages, wie auch, daß Deutschland nicht gewillt sein kaun, am grünen Tische diplomatische Unterhaltungen über eine Sache mitzumachen, die nahezu vor einem Menichenalter endgültig entschieden worden ist. Durch das im gegenwär­tigen Augenblick wie für die Zukunft ganz zwecklose Ableiern des alten Liedes von derRevanche" haben die Franzosen nur abermals bewiesen, daß sie nichts lernen und nichts ver­gessen können. Desto schlimmer für sie. Die ernste, auf­richtige Botschaft des Zaren war ein trefflicher Prüfstein zur Erkundung der wahren Gesinnungen Frankreichs. Es steht schon wieder als europäischer Störenfried in der Ecke und sorgt durch Preßgezeter dafür, daß Deutschland und Ruß­land zu aufmerksamer Beobachtung des Kommenden zu­sammenhalten.

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^Hdnck «stetes ZskrlLrtike! nur Ast O«LLrEtz»kk ,Hrw gs$ gestattet

* Sedan. Der heutige Sedanstag gibt uns Deutschen Anlaß zu besonders ernsten Betrachtungen. Die gegenwärtige Situation in Europa läßt uns so recht empfinden und wür­digen, waS heute vor 28 Jahren Deutschlands Söhne auf blutigem Schlachtfelde gewonnen haben. Chauvinismus und nationale Eitelkeit sind dem deutschen Charakter fremd und deshalb ist der Sedanstag für uns nie ein Triumphfest über den im gewaltigen Ringen niedergeworfenen Feind geworden, sondern ein Gedenktag, an dem wir uns selbst Rechenschaft geben über die Größe der Opfer, die Deutschlands Einigung gefordert, an dem wir uns über die Macht und Größe unseres Vaterlandes, das die Rolle des Aschenbrödels im Rathe der Völker mit der des ehrlichen Maklers vertauscht hat, freuen und das Gelöbniß feierlich erneuern, mit eisernen Klammern an dem fesizuhalten, was wir besitzen. Fast ein Menschenalter ist seit dem welthistorischen Tage von Sedan verflossen. Das Deutsche Reich hat sich seit dieser Zeit als

und anschlägige Köpfe, Ottensmeier, Peitzmeier und Tilke- meier seinem Beispiele folgten, so richtete sich nun auch die Aufmerksamkeit der Bergverwaltung auf die Quelle und sie beschloß, sie selber zu verwerthen. Als sie jedoch die Absicht zeigte, das Terrain zu expropriiren, kam sie bei dem hart­köpfigen Westfalen schön an. Zu salinischen Zwecken hätte er das Terrain abtreten müssen, zu einer Badeanlage gab er es nicht her, und alle Künste der Neberredung, selbst ein glänzendes Kaufangebot scheiterten an dem eigensinnigen Willen des Kolonen. So begann die Geschichte des neuen Bades mit jenem historisch denkwürdigen Prozesse gegen Meier, in dem der Staat erst in letzter Instanz das Recht erstritt, die Quelle zum Wohle der leidenden Menschheit anzukaufen und zu verwerthen, während der Kolon Meier schließlich in sehr befriedigender Weise abgefunden wurde. Der Prozeß, während dessen es gelegentlich auch zu drama­tischen Episoden, z. B. zur Jnhaftirung des zur Selbsthilfe greifenden Bauern, gekommen war, und den man freilich unzutreffend mit dem Rechtsstreite des Potsdamer Müllers Arnold gegen Friedrich den Großen verglichen hat, hatte nun aber die Entwickelung des Bades sehr gehemmt; jetzt erst setzte die Bergverwaltung mit voller Energie ein und speziell der Berghauptmann von Oeynhausen widmete sich der Sache mit großer Hingebung. Die ersten Baulich­keiten wurden aufgeführt, die ersten Wohnhäuser ent­standen; schon 1848 suchten 1216 Kranke das neue Bad auf. Bis damals hatte es noch immer den Namen des nahen Nehme geführt; im genannten Jahre aber taufte des König Friedrich Wilhelm IV. nach fernem eigentlichen Be­gründer und wärmsten Förderer, und Bad Oeyn­hausen war in die Welt getreten.

Nun entfaltete sich ein reges Leben in dem lieblichen Thale. Kursaal, Douchethurm, Wellenbad usw. entstanden. Der Weltverkehr erfaßte den neuen Ort, durch dessen Terrain in gerader Linie querdurch die Köln-Mindener Eisenbahn schnitt, die vermuthlich den aufblühenden Badeort anstatt deS gänzlich unbedeutenden nahen Dorfes Löhne zum Knotenpunkt gewählt hätte, hätte sich Oeynhausen nur etwas früher ent-