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Amtliches Organ für Stsöt- unS LsnöKrers Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 177

Dienstag den 2. August

1898

menschlich nahe wie kein Anderer zuvor, weil in ihm die nationalen Eigenschaften des Deutschen wundersam plastisch hervortreten, weil hinter dämonischer Willenskraft ein tiefes Gemüth, weil hinter der Kraft zu hassen die Kraft zu lieben sich birgt. Der köstlichste Wein gedeiht auf Vulkanen, begeisternde Ideen erzeugt nur ein heller Kopf, der über glühendem Herzen stehl. Das warme Blut, das in Bismarcks Adern pulsirt, das menschlich uns Nahe in ihm, das menschlich Begreifbare lichtet das Geheimniß seiner Größe.

Der warm- und tiepfempfundene Nachruf derKöln. Ztg." lautet:

Mit Bismarcks letztem Athemzug ist ein Kapitel der Geschichte unseres Jahrhunderts, der Weltgeschichte, beendet, sinkt in's Reich des Gewesenen eine gestalten- und thatenvolle Zeit, deren Urheber er war, der Thatenvollste. Wir Deutschen aber, und selbst die von uns, die bei Lebzeiten des Mannes sein Werk bekämpfen zu müssen glaubten, fühlen bei diesem Tod etwas wie ein Zittern unserer Heimatherde und hören die Rüstung der erbebenden Germania klirren, denn wir Alle wissen, daß einer der Größten, die je eine deutsche Mutter geboren hat, auf der Bahre liegt, daß das Vater­land seinen herrlichsten Streiter verloren hat, und uns Allen ist's zu Muthe, als schaue uns noch einmal das brechende Auge des getreuen Dieners seines Herrn, des Junkers von Schönhausen, an, mahnend, an seiner Leiche zu schwören, daß wir das Erbe, das er uns hinterläßt, heilig halten wollen. Und so sei es!

DerHamb. Korrespondent" gibt folgenden Wünschen Ausdruck:

Zu seinen Vätern wurde er versammelt und seine Nachkcmmen werden wünschen, daß er bei seinen Ahnen auf dem Stammgut der Familie zur ewigen Ruhe bestattet werde. Aber ein Mann wie Bismarck gehört der Ration, und sein unsterblicher Ruhm gehört Deutschland. Dem einzigen Manne gebührt ein Grabmal, wie es kein zweites in der Welt gibt und das läßt sich nur im Sachsen­wald errichten, den er so sehr geliebt hat und wo ihn seit Jahren jeder Deutsche, ja die gesammte Welt in Gedanken aufzusuchen pflegte. Hier unter den stolzen Eichen, in denen der Wind rauscht, der vom Weltmeer herüberkommt, sollte er gebettet werden, damit sein Grab ein Wallfahrtsort für jeden Deutschen wird, der die Ueberzeugung im Herzen trägt, daß unser Vaterland niemals die Dankbarkeit erschöpfen kann, die es einem seiner allergrößten Söhne, dem Eisernen Kanzler, dem Wiederhersteller Deutschlands, schuldet.

DieHamb. Nachr." endlich schreiben:

Tiefe Trauer senkt sich herab auf unser Vaterland, das durch ihn aus Ohnmacht, Zerrissenheit und Schwäche durch unvergeßliche Thaten ohne Gleichen zu seiner jetzigen Macht, Größe und Wohl­fahrt emporgehoben worden ist. Der Verlust, den Deutschland durch diesen Todesfall erlitten hat, läßt sich auch nicht annähernd abschätzen und bestimmen. Das bloße Dasein des Fürsten Bis­marck war für uns ein Machtfaktor allerersten Ranges. So lange er lebte, so lange sein mächtiges Augenpaar offen stand und die Entwickelung des Reiches beobachtete, hatte jeder Deutsche die Em­pfindung, daß uns nichts geschehen könne, daß schließlich im letzten Moment der alte Held wieder auf dem Plane erscheinen werde, um ein etwaiges verderbliches Spiel der Feinde Deutschlands recht­zeitig zu zerstören. Sein Dasein allein aber reichte hin, die Geg­ner im Bann zu halten. Er war von größerer Macht, als viele Armeekorps. Und nun ist er todt. Niemals öffnet sich wieder das gewaltige Augenpaar, das einst eine ganze Welt in scheue Ehr­furcht bannte. Wie werden wir es ertragen! Gott schenke unserem Vaterland und den jetzigen Lenkern seiner Geschicke die Kraft, den schwersten Schicksalsschlag,lder es betroffen hat, ohne Schaden zu ertragen.

Aus Frankreich liegt eine Aenderung desFigaro" vor, der in einem haß- und giftgefchwollenen Artikel alles Böse ist ein altmärkischer Uradel, der mit Herbert von Bismarck 1720 zuerst erscheint. Der Verewigte war mit Johanna Friederike Charlotte Dorothea Eleonore von Puttkammer (geb. 11. April 1824, gest. 27. November 1894) vermählt. AuS der Ehe sind entsprossen; 1. Marie Elisabeth Jchünua, Gräfin von Bismarck-Schövhausen, geb. 21. August 1848 zu Schön- Hausen, vermählt am 6. November 1878 mit Kuno Grafen M Rantzau. 2. Nikolaus Heinrich Ferdinand Herbert, Graf von BiSmarck-Schönhausen, geb. zu Berlin 28. Dezember 1849, vermählt zu Wien am 21. Juni 1892 mit Marguörite Gräfin Hoyos, geb. 20. September 1871. Dieser Ehe sind zwei Töchter entsprossen; a) Gräfin Hanneh Leopoldine Alice, geb. 22. Novcuber 1893 zu CSönhavsen, b) Gräfin Maria Goedela, geb. 4. März 1896 zu Schönhausen, 3. Wilhelm Otto Albrecht, Graf von Vismarck-Schönhausen, geb. 1. August 1852 zu Frankfurt a. M., vermählt am 6. Juli 1885 mit Sybille Malvine, Tochter des Oskar von Arnim auf Kröchlendorf und seiner Ehefrau Malvine^ geb. von Bismarck. Deren Kinder sind: a) Gräfin Hertha Johanna Marie, geb. 10.Mai 1886 zu Hanau. b) Gräfin J"ne Ottilie Malvine Marie, geb. 7.März 1888 zuHanau. e) Gräfin Dorothee Cikylle Katharina, geb. 9. Dezember 1802 zu Hannover, d) Graf Wilhelm Nikolaus Otto OSkar, geb. 26. Mai 1896 zu Königsberg i. Pr.

Kismarck's geflügelte Worte.

Eine ganze Anzahl Bismarck'scher Aussprüche wurde zu geflügelten Worten", die dauernd in unseren Sprachschatz übergkgongen sind. Es seien nur einige Beispiele angeführt. So schrieb er in einem Briese an seine Schwester (1853), er

Dicustuachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Revolver nebst Patronen. Drei Stem­pelmarken im Werthe von 13,50 Mk. Eine Bauzeichnung, auf den Namen Michael Ries zu Sand lautend. Ein weißes Hemd.

Verloren: Ein mattgoldnes Armband, auf dem Wege von Windecken, Kilianstädten, Ober- und Niederdorfelden, Bergen nach Station Mainkur; dem Wiederbringer eine Be­lohnung.

Zugelaufen: Ein weißer Foxterrier mit braunen und schwarzen Abzeichen am Kops, w. Geschl.

Hanau am 2. August 1898.

Bismarck f*

Von allen Seiten laufen telegraphische und briefliche Nach­richten über den erschütternden Eindruck ein, den die ersten Berichte über das schwere Erkranken und den Tod des gewaltigen Staatsmannes hevorgerufen haben, dessen Namen der Genius der Geschichte als den des Begründers des neu­geeinten Deutschen Reiches der dankbaren Nachwelt überliefert. Wir können aus der überreichen Fülle des unS zuströmenden Materials nur einige der wichtigsten Momente hervorheben, wie wir uns auch bei der Mittheilung von Preßäußerungen einige Beschränkung auferlegen müssen.

Zahlreiche Zeitungen haben am Sonntag Extrablätter herausgeben müssen, um ihren Lesern das erschütternde Er- eigniß mitzutheilen, zum Theil schon mit Beifügung einer kurzen Würdigung der Verdienste des großen Todten. ^n dem vomSchwab. Merkur" herausgegebenen Extrablatte heißt eS:

Der letzte der großen Männer, die, mit prophetischem Blick die kommende Cntwiaelung der Dinge vorausschauend, in zäher Energie durch stürmische Tage dos Ziel der Neubegründung des Deutschen Reiches verfolgend, mit Weisheit und nie ermattender Ausdauer die Einigung des deutschen Vaterlandes vorbereitend und vollendend, dem großen Kaiser Wilhelm I. zur Seite standen, ist mit dem Fürsten Bismarck dahingegangen, der letzte und der größte unter den Begründern des Deutschen Reiches. Die ganze Kraft eines voll ausgereiften Lebens hat er in den Dienst der deutschen Volkes gestellt: den feurigen Muth der Jugend, die Willenskraft des Mannes, die abgeklärte Weisheit des Greifen- alters. Schmerzbewegt trauern wir um den großen Mann, der das Sehnen der Besten unseres Volkes erfüllt hat und der als echter deutscher Mann unserem Herzen und Empfinden so nahe stand, und in ehrfürchtigem Schweigen vernimmt die ganze Welt die Kunde von dem Hinscheiden des größten Staatsmannes des zu Ende ge- ^Schön°und"^ireffend schreiben dieLeipz. Neuest. Nach­richten" :

Man wird einst sprechen von einem Jahrhundert Bismarcks. Denn nicht mit dem Tage, da er sein Amt antrat, und nicht mit dem Tage, da er es verlassen mußte, sind die Grenzen seines Wirkens gezogen. All' die Kräfte, die frei geworden in den Siegen von Leipzig und Waterloo, fassen in ihm sich zusammen, die ge­schichtlichen Ideen eines ganzen,Zeitalters sind in M verkörpert. Und noch ein Anderes ist ut ihm sichtbar: Er steht dem Volke

^eniUetsn.

Marksteine in Msmarcks Kebensgang.

Geburt: 1. April 1815,

Erstes politisches Auftreten als MitMd des veriinigten Land­tages : 17. Mai 1847.

Vermählung mit Johanna von Pl'"lavier; 28. Juli 1847. Bundestagsgesankter in Frankfurt: 18. August 18<)1. Gesandter in Petersburg: 5. März 1859.

Gesandter in PariS: 24. Mai 1862.

Staatsminister und Ministerpräsident; 8. Oktober 1862..

Infolge des Gasteiner Vertrags zum Grafen ernannt: 15. September 1865.

Abschluß des Präger Friedens: 23. August 1866.

Errichtung des Norddeutschen Bundes: 16. April 1867. SS d-- Hirten R-ich-j 18 3°M« 1871.. Abschluß des Frankfurter FriedenS: 10. Mai 1871. In den Fürstenstand erhoben: 21. März 1871.

Abschluß deß Dreibundes: 7. Oktober 1879. Rücktritt des Reichskanzlers: 20. März 1890.

Des Fürsten Kismarck Familie.

Otto Eduard Leopold Fürst von Bismarck, Herzog, von Layenburg, ist am 1. April 1815 als Sohn des Rittmeisters Ferdinand von BiSwarck (geb. 13. November 1771, gest. 22. November 1845) und seiner Gemahlin Wilhelmine Luise, geb. Mencken (geb. 24. Februar 1790, gest. 1. Janu^ 1839) zu Cchönhavsen geboren. Das Geschlecht derer von Bismarck

sammelt, das ein Franzose dem Demüthiger seines National­stolzes nachsagen kanu, gleichwohl aber das Zugeständniß machen muß;

.Im Laufe des ersten Theiles seiner Thätigkeit war er vor- trefflrch, unvergleichlich und man müßte bis Richelieu und Mazarin zurückgehen, um seines Gleichen auf diplomatischem Gebiet zu finden. Weder England, noch Spanien, noch Oesterreich haben einen Namen, den ste ihm an die Seite stellen könnten. Seine vornehmste Eigen­schaft scheint ein untrügliches Gefühl für Das zu sein, was Preußen mrt einer starken Armee und geordneten Finanzen inmitten eines steuerlosen Europas vermag."

Die Grundzüge von Bismarcks Wesen.

Drei leitende Faktoren trafen im Fürsten Bismarck in der denkbar glücklichsten Vereinigung zusammen: der Diplomat, der Staatsmann und der Soldat. AlSDiplomat hatte der Altreichskanzler wie keiner vor ihm die Gabe, im rechten Augenblick ohne jedes Besinnen, wie auf höhere Ein­gebung, selbst in den verwickeltsten, scheinbar gar keinen Aus­weg bietenden Lagen den richtigen rettenden Gedanken zu er­fassen und ihn mit beispielloser Energie auszuführen, nöthigeu- falls unter rücksichtsloser Einsetzung der militärischen Kraft.

So kam, wenn es sein mußte, die s o l d a t i sche Natu r des Fürsten seinem diplomatischen Genie zu Hilfe; niemals aber überwog die soldatische Natur das Genie. Dadurch wurde der Altreichskanzler vor der Versuchung bewahrt, mili­tärische Erfolge weiter als unbedingt nöthig auszunützen. Gerade die Mäßigung nach der Entscheidung zu seinen Gunsten war ein hervorstechendes Merkmal der diplomatischen Kunst des Fürsten Bismarck; stets war er darauf bedacht, dem Feinde goldene Brücken zu bauen, wenn er ihn geschlagen hatte.

Als Staatsmann endlich, der das mit Hilfe der diplomatischen Kunst und der militärischen Kraft Errungene auszubauen unb zu befestigen hatte, befolgte Fürst Bismarck den Grundsatz, den einmal erfaßtm Plan Mit aller Kraft und ohne Zögern auszuführen.Jede Politik halte ich für eine bessere als eine schwankende", schrieb der Fürst am 24. Dezember 1863 an den Grafen v. d. Goltz. Nach dieser Richtschnur hat der große Staatsmann Zeit seines Lebens gehandelt und damit sein gewaltiges Werk gegen alle Angriffe und Nntcrwühlungen sicher gestellt. Man darf also die Bismärckische Politik als eine geniale Mischung von Kraft und Mäßigung, gewonnen aus der harmonischen Vereinigung der höchsten diplomatischen, staatsmännischen und militärischen Fähigkeiten, bezeichnen.

Damit aber ist Bismarcks Wesen noch nicht erschöpft. Es kommt noch etwas anderes zur richtigen Kennzeichnung hinzu, ein Umstand, der alle anderen überragt: die reine, hingebende Vaterlandsliebe des Fürsten, die ihn ganz beherrschte, die der lebendige Springquell war, aus dem er die sittliche Kraft zu seinen ungeheuren Thaten schöpfte, die ihn vor jedem Abirren auf die Pfade deS per- fönlichen Ehrgeizes behütete und ihn seine gewaltige Geistes-

gewöhvc sich daran, die Stimmunggänzlicher Wurschtigkeit" in sich vorherrschend werden zu lassen. Am 30. Sept. 1862 sagte er im Abgeordnetenhause, es gäbe zu vielekatilinarische Existenzen", die ein Interesse an Umwälzung haben. Be­rühmt ist auch der Ausspruch vonEisen und Blut", dm er in derselben Sitzung that. Am 11. März 1867 schloß Bis­marck eine Rede im Norddeutschen Reichstage mit den Worten: Setzen wir Deutschland, sozusagen, in den Sattel! Reiten wird es schon können." Im Zoll-Parlament äußerte er am 18. Mai 1868;Dem Herrn Vorredner gebe ich zu bedenken, daß ein Appell an die Furcht im deutschen Herzen niemals ein Echo findet." Am 13. Februar 1869 sagte Bismarck tm Herrenhause:Er lügt wie telegraphirt." Auch die Worte dilatorische Behandlung" undNach Kanossa gehen wir nicht" sind von ihm; ebenso ist er der Urheber der ^orte vomehrlichen Makler" (19. Februar 18/8 im Stei^ätas gesprochen) und des Ausspruches: ^,Wir Deutsche fürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt, den er in der be­rühmten Sitzung des Reichstages am 6. Februar 1888 that.

Kismarck's Stern.

Es ruht jetzt von der Arbeit seines Lebens, Er, dessen Namen trägt einst unsre Zeit.

So laßt uns sorgen, daß er nicht vergebens Dem Vaterlande seine Kraft geweiht!

Unsterblich glänzt am Himmel der Geschichte, Der uns das Reich gab, einst so sehnsuchtsfern. Den rechten Weg ihn zeigt im Strahlenlichte Dem deutschen Volke Bismarcks Heller Stern.