Erstes Blatt.
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Nr. 151.
Amtliches Organ für $iaöf~ unö LanöKreis Hanau
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Samstag den 2. Juli
1898
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Nmttiches.
^faöt^rei0 ^anau.
Ein holländisches Syndikat beabsichtigt Bergleute zur Auswanderung nach den Golddistrikten von Alaska und Britisch-Columbien zu verleiten.
Vor derartigen nach dem Reichsgesetze über das Aus- wanderungswesen vom 9. Juni v. Js. unstatthaften Werbe- versuchen wird hierdurch um so dringlicher gewarnt, als aller Wahrscheinlichkeit nach die den Verlockungen Gehör schenkenden Auswanderer während des langen Polarwinters den größten Entbehrungen und Gefahren für Gesundheit und Leben ausgesetzt sein werden.
Hanau am 29. Juni 1898.
Königliche Polizeidirektion.
P. 6853 I. V.: vr. Becker, Reg.-Assessor.
i-Sanö^r^ts ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Unter dem Rindviehbestande des Landwirths und Bullenhalters Michael Weckmann in Rüdigheim ist die Maul- vnd Klauenseuche ausgebrochen; es wird daher bis auf Weiteres die Orts- und Gemarkungssperre für den Gemeindebezirk Rüdigheim hierdurch angeordnet. Das Durch- treiben von Wiederkäuern (Rindvieh, Schafen, Ziegen) und Schweinen durch den Ort und die Gemarkung Rüdigheim ist sonach verboten.
Die Bestimmungen der Bundesraths-Jnstruktion zur Ausführung des Reichsviehseuchengesetzes (Reichsges.-Blatt für 1895, Seite 358 ff.) — §§ 58, 59 ff. — sind genau zu beachten.
Die Herren Ortsvorstände wollen Vorstehendes sofort ortsüblich bekannt machen.
Hanau am 2. Juli 1898.
Der Königliche Landratb.
J. V.: Schneider, Kreissekretär.
Dienstuschnchten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Zwanzigmarkstück. Eine Heugabel ohne Stiel. Ein schwarzer Regenschirm.
Hanau am 2. Juli 1898.
§faötßret0 ^banau. BLiM^ÄLchrmgen beS Oberdörgermeisteramtes. Bekanntmachung.
Zur Instandsetzung des Schloßgartens sind 100 cbm Mutterboden nöthig. Lieferungslustig? werden eingeladen,
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Feuilleton
Licht- und Schattenbilder aus Norwegen.
(Zur Nordlandsreise des deutschen Kaisers, 2. Juli).
Von Klaus Hennings. <Nachdr. Verb.)
Die regelmäßigen Kaiserreisen nach Norwegen haben das herrliche Land der Fjorde und Fjelde auch bei uns zu einem Gegenstände steigenden Interesses gemacht, und die Zahl der deutschen Reisenden, die Norwegen besuchen, dürfte jetzt der der englischen Touristen, die eine Zeit lang das touristisch von ihnen entdeckte Land fast ausschließlich beherrschten, gleich kommen, vielleicht sie bereits übertreffen. Damit wird nun wohl auch die Ansicht der Norweger über die Deutschen allmählich einen Umschwung erfahren. Wir haben bei ihnen lange in keinem gutem Rufe gestanden; ein häßliches norwegisches Wort sagte von den Deutschen: „Was thut der Deutsche nicht für Geld!" Vielleicht hat man in dieser Auffassung einen Nachhall der Erinnerung an die letzten Zeiten des hanseatischen Regiments in West-Norwegen zu erblicken, an die Habsucht und Gewaltthätigkeit, mit der die hansischen Kaufleute in jener Epoche des Niedergangs ihrer Macht allerdings den (Singt bereiten begegneten. Heut kann man bereits vielfach in Norwegen hören, daß gerade der Vergleich zwischen den englischen und den deutschen Reisenden die Meinung über die Deutschen recht sehr, und zwar zu unseren Gunsten, geändert hat. Denn der Engländer sieht die Leute, die ihn beherbergen und bedienen, überall als Personen an, die er bezahlt und die er daher nach Gutdünken anspruchsvoll und hochmüthig behandeln kann. Das empfindet der freie Bauer, der im Innern Norwegens die Skydsstation und die damit! verbundene .Cerberae b. die Bäuerin, die in Stelluna ae-1
Jahr für Jahr ein großer Theil der Blüthe ihrer Jugchd t?;«rw»r . - r Ä - , .
ins Ausland zieht, um sich dort eine Existenz zu gründen, den pflegt, sind eme norwegisch. Spezialität, mit der.auch der spricht freilich für diese Ansicht. Die skandinavische Kolonie Deutsche sich befreunden kann, während er dem geräucherten von Chicago ist größer, als die Zahl der Einwohner und monatelang in bte Erde eingegrabenen spegekjöd und ________ ______ ... , , Bergen's! Jedenfalls aber bemerkt man im Leben des dem von den Norwegern zumeist leidenschaftlich geliebten
verbundene Herberge h..r> die Bäuerin, die in Stellung ge-! Bürgers und des Bauern in den bevölkerten und kultivirteren
Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhaltungsblatt 12 Seiten.
Preisangebote pro 1,00 cbm und Proben bis Mittwoch den 6 N Mts. aus dem Stadtbauamt II (Langstraße 41) abzugeben.
Hanau den 29. Juni 1898.
Der Magistrat
vr. Gebeschus. 9836
Bekanntmachung.
Die Herren Kaufmann Georg Bode und Rentner Karl Pannot sind als erster und zweiter Beigeordneter gemäß § 37 Abs. 1 der Städteordnung in ihr Amt eingeführt und tn Eid und Pflicht genommen.
Hanau den 1. Juli 1898.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 9802
Tagesscha«.
Von der Marine. Laut telegraphischer Meldungen an das Oberkommando der Marine ist S. M. S. „Hrbicht", Kommandart Korvettm-Kapitän Schwartzkopff, am 29. Juni in Sao Thowö eingetroffen und beabsichtigt am 2. Juli nach Kamerun in See zu gehen; der Reichs-Postdampser „König" mit der Ablösung von S. M. S. „Condor" an Bord, Transportführer Lieutenant zur See Mommsen, ist am 29. Juni in Port Said eingetroffen und hat vorgestern die Heimreise fortgesetzt.
Keine einzige Nachwahl hat diesmal stattzufinden. Dies ist noch niemals bisher b.i den Reichstagswahlen dagewesen. Alle Parteien haben sich diesmal mit Rücksicht auf die Unsicherheit der Wahlergebnisse und die Erschwerung der Wahl durch mögli^e Stichwahlen gehütet, Doppelkandidaturen aufzustellen.
Wahlpflicht und Diäten an Reichstagsabge- ordnete. Im Anschluß an die Betrachtungen über drs Fernbleiben so vieler Wahlberechtigter bei den Reichstagswahlen wird im „Schwäb. Merkur" der Vorschlag gemacht, das Wahlrecht zur Wahlpflicht zu erheb-n und zugleich aus Gebühren für Versäumniß der Wahlpflicht die Mittel für die schon lange geforderte und von den verbündeten Regierungen nicht gewährte Verabreichung von Diäten zu gewinnen. Zur Begründung dieses Vorschlages wird ausge- führt: „Wenn jeder der Wahlberechtigten, die in Württemberg bei der Reichstagswahl vom 16. Juni 1898 nicht abgestimmt haben, eine Sportel (nicht eine Strafe) von 1 Mk. bezahlen müßte, so würden 137 6C3 Mk. eingegangen sein. Da wir 17 Abgeordnete haben, die auf fünf Jahre gewählt sind, so häcke auf diese Weise ein Betrag aufgebracht werden können, der sür jeden Reichstagsabgeordneten die Summe
gangen ist, sehr deutlich und sehr peinlich, und ebenso klar fühlen sie, daß der Deutsche ihnen menschlich gegenübertritt, gemüthlich mit ihnen, wenn es irgend angeht, in ihrer Sprache zu verständigen sucht, was dem Engländler nie einfällt und dem Norweger besonders wohlthut. Darum ist der deutsche Tourist in Norwegen, obgleich er weniger Geld im Lande läßt, als der englische, der beliebtere von bdben und die Stimmung der Norweger schlägt allmählich zu Gunsten ihrer germanischen Vettern um.
Uebrigens sollten die Norweger sich besonders in Acht nehmen, andere Völker einer übergroßen Anhänglichkeit an den Mammon zu verdächtigen. Sie sitzen da selber im Glashause! Sie wissen den Werth des Geldes recht sehr zu schätzen und sind im allgemeinen keine Freunde davon, das Erworbene leicht fortzugeben. Werfen sie doch selbst ihrem berühmtesten Dichter vor, daß er die Hand zu fest auf dem Beutel halte; und der gefeierte Forscher, dem seine kühne Reise zum Pol ein in die Hunderttausende gehendes Vermögen eingetragen hat, hat durch b-e recht geringe Freigebigkeit, die er den Genossen seiner Fahrt gegenüber an den Tag legte, bei seinen eigenen Lands- leukn an Beliebiheit eingebüßt. Als Erklärung oder Entschuldigung dieses Charakterzuges kann man vielleicht anführen, daß in Norwegen — selbst in den" wohlhabenden und verkehrsreichen Hafen- und Handelsstädten — Vermögen im allgemeinen schwerer und mühsamer erworben werden, als bei uns; wenigstens werden die Norweger selbst nicht müde, die „Armuth" ihres Land zu beklagen, und der Umstand, daß
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von etwa 1660 Mk. für jedes Jahr feines Mandates ergäbe. Durch Hereinbeziehen der Stichwahlen würde dieser Betrag sich noch namhaft erhöhen und auf etwa 2000 Mk. anwachsen. Berücksichtigt man, daß der Reichstag wohl nie über 150 Tage im Jahre tagt, ferner, daß die Diäten wohl nach „nicht geschwänzten" Anwesenheitstagen zu berechnen wären, so kommt man zu dem Ergebniß, daß auch die weggebliebenen Wähler auf diese Weise nutzbringend wenigstens indirekt an dem Deutschen Reichstag betheiligt wären, ja sogar sich ein Verdienst um beffen Mitglieder erwerben könnten. Von Schmälerung der Vorrechte ist dabei keine Rede, noch weniger von einer neuen Steuer, da erfahrungsgemäß die Arbeiter fast ausnahmslos wählen. Daß dabei die Kranken nnd sonst wirklich verhinderten Wähler wegfallen müssen, ist selbstverständlich, ebenso jedoch, daß giltige Entschuldigungen nur am Wahltag selbst und zwar genügend bezeugt, dem jeweiligen Wahlvorsteher schriftlich während des Wahlakts selbst übergeben werden müßten, um Berücksichtigung erfahren zu können. Die Zahl der eingeschriebenen Wähler zum Reichstag dürste am 16. Juni zwischen 11 und 11,5 Millionen
betragen haben. Die Wahlbetheiligung bei den einzelnen
Wahlen war
folgende:
Wahl
giltige
berechtigte
Stimmen
pCt.
3. März
1871:
7,656,273
3,886,515
5,190,254
50,7
10. Jan.
1874:
8,523,446
60,9
10. Jan.
1877;
8,943,028
5,401,021
60,4
30. Juli
1878;
9,124,311
5,760,947
63,1
27. Okt.
1881:
9,090,381
5,097,760
56,1
28. Okt.
1884;
9,382,792
5,662,957
7,540,938
60,4
21. Febr.
1887;
9,769,802
77,2
20. Febr.
1890.
10,145,877
7,228,542
71,2
15. Juni
1893:
10,628,292
7,673,973
72,2
Obschon also, wie man sieht, die Wahlbetheiligung ständig gewachsen ist, muß man doch zugeben, daß 25 bis 30 pCt. Nichtbetheiligung in keinem richtigen Verhältniß zu der Wichtigkeit dieses Aktes für die Gegenwart und Zukunft des deutschen Volkes stehen, und es wäre wohl eine verdienstliche That, wenn man den „Volkswillen" wirklich vollständig in Erfahrung zu bringen suchen und damit zugleich sozusagen auf die Selbstkosten für den Deutschen Reichstag kommen wü-de, ohne irgend jemand unnöthig zu belästigen. Dabei kandelt es sich hier durchaus nicht um irgend welche Partei- sache; im Gegentheil, alle Parteien haben sich dagegm verwahrt, daß sie das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht gefährden lassen wollen: möchten sie vor Allem dazu beitragen, daß dieses Wahlrecht vollkommen und ehrlich durchgeführt werde I"
Gegenden des Landes wenig von dieser Armuth, vielmehr ist der Zuschnitt des Lebens im norwegischen Bürgerheime im allgemeinen behaglich, solide und reichlich. Ja, wenn man die Thätigkeit der norwegischen und der deutschen Hausfrau miteinander vergleicht, so findet man als die Regel, daß. jene die Zuthaten eher reichlicher bemißt, und vor allem die Stoffe und Reste nicht so mannigfaltig und sparsam. zu verwenden versteht, wie unsere wirthschaftlichen Landsmänninen. Diese Sparsamkeit der Ausnutzung der Dinge auf diesem Gebiete, wie auf anderen, verbunden mit der Gründlichkeit und dem Fleiße der Deutschen sind die Eigenschaften, die an uns gewöhnlich auch der uns wenig geneigte Norweger zuerst und zumeist bewundert. Um jedoch nochmals zum Küchmdepartement zurückzukehren, so unterscheidet sich die norwegische Küche von der unsrigen in mehrfacher Beziehung. Unser Hausgeflügel ist — besonders im Westlande — viel seltener, und manche norwegi'che Hausfrau kann die Gelegenheiten, bei denen sie die Schönheiten eines Gänsebratens schätzen konnte, leicht aufzählen. Dafür hat man im Winter das Schneehuhn, das, besonders kalt genossen, eine große Delikateste bildet. tfW und Gemüse sind in der Regel theurer, und daher anch en . sprechend seltener, als bei uns, werden ^ /ehr ichmackhast zubereitet. Die Force der norwegischen Küche abe. ist ber Fisch, wie jeder Tourist aus seiner Ermnerung an Nor- weaen's Lachse und Oerreter (Forellen) bestätigen kann. Auf diesem Gebüte hat sich auch eine große Mannigfaltigkeit der Zubereitung entwickelt, die Reste der Fische werden, ähnlich wie bei uns Bratenreste, zu neuen Gerichten verwandt, und Fischklöße (fiskeboller), zu denen Hummer genossen zu wer-
alten Käse", einem Greuel sür Auge und Nase, in der