Erstes Blatt.
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Samstag den 2. April
1898
Diklisimchrichtcu aus dem Kreise.
Verloren: Ein Portemonnaie mit ca. 16 Mark; dem Wiederbringer eine gute Belohnung.
Gefunden: Ein großer Hundemanlkorb. Eine weiße Hornbrosche.
Hanau am 2. April 1898.
Der spanisch-amerikanische Konflikt.
Ein sicheres Urtheil darüber, in welcher Weise sich die kubanischen Verwicklungen lösen werden, ist noch nicht möglich. Die Auffassung der Lage in den Blättern verschiebt sich von Tag zu Tag, bald lauten die Nachrichten über die Ver- Handlusgen zwischen Madrid und Washington bedrohlich, bald wieder viel gürstiger. Kein Zweifel, daß bei dieser schwankenden BeEchterstetturg Börser-Jstereffen im Spiele sind. Es ist aber auch richtig, Laß in den betheiligten diplomatischen Kreisen selbst eine bestimmte Meinung darüber, ob der Konflikt friedlich geschlichtet oder mit den Waffen entschieden werden wird, nicht vorhanden ist.
Der Bericht der cruerikanffchen Untersuchungskomwission führt die Zerstörung des Panzerkreuzers „Maine" auf die Explosion einer unterseeischen Mine zurück, unterlaßt es aber, die etwaige Schuld spanischer Behörden zu erörtern. In mcr- Hin reicht dies Ergebniß hin, rm die kriegerische Stimmung in den Vereinigten Staaten zu befördern. Der Präsident Mc Kinlep ist jedoch bestrebt, den Ausbruch eines Krieges zu verhindern. Das Schlimmste be'bt die Fortdauer der anarchistischen Zustände auf der Insel Kuba. Mc Kinley hat vorgeschlagen, daß Spanien durch Einstellung der Feindseligkeiten seiner Truppen einen Waffenstillstand bewirke. Damit soll Zeit gewonnen und die Unabhängigkeit der Insel vorbereitet werden. Geduld zu haben, ist ja in diesem Falle für die Vereinigten Staaten gute Politik, weil Spanien finanziell erschöpft ist und viel Opfer für Kuba nicht mehr bringen kann. Ob aber einerseits Spanien im Gegensatz zu seiner bisherigen Haltung sich auf Vorschläge, die aus die Unabhängigkeit der Insel abzielen, einlassen und ob anderseits der amerikanische Kongreß nicht die Geduldspolitik durchkreuzen wird, ist sehr zweifelhaft.^
In den Blättern ist wiederholt von einem Jnterventions- Dorschlage einer oder mehrerer eurepischer Mächte die Rede gewesen. Namintlich ist es die französische Preffe, die eine Vermittelung befürwortet, nachdem der Minister des Auswärtigen, Honotaux, in einer Kammerrede zwar betont hat, daß Spcnien aus sich selbst angewiesen sei, sich aber gleichzeitig sehr wohlwellend für die lctcinische Schwesternation geäußert hat. Dies erklärt sich leicht aus der Besorzniß, daß die Interessen der Gläubiger SponierS gefährdet sind, und
Ferrittetsn
Ausstellung -es Aanauer Kunstverrins.
Hanarr, 2. April.
Der Kunstverein erfreute uns diesmal mit einer reich haltigen Ausstellung von Gemälden.
Adolf Schabitz, Berlin, eröffnet mit „Ein ®£10" den Reigen von einer Reihe von Bildern. Das „Solo ist ein Bild von unmuthiger Lebendigkeit, aus dem ^eden geschöpft, der Natur bis in die kleinsten Details ab • ^ ’” der Perspektive und fein in den Farben, kt-iA em 8 zu fein in der Ausführung,um nicht pe- dantrsch zu wirken. Des Künstlers „Heimkehr" scheint, wie auch dre folger den Arbeiten, einer jüngeren, etwa der jüngsten Zeitepoche anzugehoren, d nn sie zngt mehr Farbe, ist sehr gut in den W' und Schattenreflexen, wie bei allen anderen Arbeiten, sehr gut in der Zeichnung, vielleicht wieder ein wenig zu viel in die Details eingegangen. — Seine „Käruth- nerin" entzückt uns weniger und vermag das Bild uns kaum über eine störend wirkende Flachheit hinauSzutäuschen. Schabitz' „Zillerthalerin" ist entschieden besser zu nennen, besonders ist hier der Ausdruck der Bäuerin mit einer gewissen Blödigkeit sehr gut zur Ausführung gebracht.
Resi Borgmann, Karlsruhe, hat diesmal mit ihren weißen Rosen und Azaleen den Meisterschuß für Blumenstillleben gethan. Hier ist alles, was einen Blumenliebhaber begeistern kann, vorhanden: Duft, Farbeuschönheit, Glanz und Tchnik. Beide Blumenstücke haben noch den großen Vorzug, daß sie mit sehr viel Geschmack und Chic arten gilt sind und die Zusammenstellung der Farben eine
außergewöhnlich schöne ist.
man berechnet den Antheil Frankreichs an der über 8 Milliarden betragenden Staatsschuld Spaniens auf 2'/, Milliarden, Wir wissen, daß an die deutsche Regierung kein Vermitt- lungs Vorschlag herangetreten ist. Ein solcher ist auch bei der mangelnden Aussicht auf Erfolg, zumal so lange nicht beide streitenden Theile eine Bei mittlrer g wünschen, nicht zu erwarten.
Die Attentäter Karditzi und Georgis zum Tode veruriheilt.
In Athen fand vorgestern der Prozeß fegen Karditz und Georgis wegen des Attentats gegen den König Georg von Griechenland statt. Die Verhandlung spielt sich ab im großen Saale deS städtischen Gymnasiums unter Vorsitz des Appel- lations-Eerichtspräsidenteu Spitakis. Karditzi äußerte zu seinem Vertheidiger: „Ich that mein Möglichstrs, man möge mit mir nach Belieben verfahren. Ich ledauere nur das Mißlingen des Attentats." Seine Bitte, vor dem Gerichtshof in eigenen Kleidern erscheinen zu dürfen, war ihm versagt worden, und so nahmen die Angeklagten in ihrer grauen Gefängniß- kleidung, an den Händen mit einem Eisenring areirander- geschlossen, auf einer Dank hinter einem hölzernen Gitter Platz. Unter den Zuhörern wurde der türkische Gesandte bemerkt. Auch die Damenwelt war reich vertreten. Nach Auslassung der Geschworenen erfolgte durch den Gerichtssekretär die Verlesung der schriftlichen Zeugenaussage der Prinzessin Maria, darauf die Vernehmung der übrigen Zeugen, von denen 15 ^vernommen wurden. Der verwundete und jetzt wieder ge ! heilte Leibjäxer, sowie der königliche Kutscher gaben eine nichts Neues bietende Darstellung des Attentats. Der Leibjäzer legte dem Gerichtshöfe seine Uniform mit den silbernen Epauletten vor, woran erkennbar war, daß eine Kugel den Aerwel durchbohrt hatte. AuS der Aussage des Kadetten, der dem königlichen Mäzen nach dem Attentat begegnet war, und der König mit der Verfolgung der Attentäter beauftragt hatte, ging hervor, daß der König zu ihm nur von wiederholten Schüssen gesprochen, nicht aber, wie bisher irrthümlich verbreitet wurde, geäußert hatte, daß schon früher ein Attentat auf ihn versucht worden sei. Nach der Vernehmung der Schildwache vor dem Pulverthurm, welche den nahm Attentäter bemerkt hatte, gaben dir beiden Aerzte, in deren Behandlung sich der verwundete Leibjäger befunden hatte, ein autführliches, fachmännisches Gutachten ab. Ein Zeuge be^ richtete vom Patriotismus Karditzis, der unter seinen K-llcgen patriotische Sammlungen veravsialtet hatte und nach dem Arsgange des Krieges melancholisch geworden war. Der Präsident leitete die Verhandlungen mit großer Strenge. Die Angeklagten waren bleich, aler ruhig. Sie unterhielten sich
Auch die „Paernien" von Lydia Krämer, Berlin, stellen sich ersterem würdig zur Seite in ihrer srischen, geschickt gemalten Manier.
Nun kommen wir zu vier Oelgemälden von Ottonie von Rentink, Frankfurt a. M.: drei „Blumenstücke" und „Der BlummRache." Der „BlumenRache" ist eine wahrhafte Rache an der Künstlerin, da es als eine entschiedene Keckheit zu bezeichnen ist, sich an Stoffe, denen man nicht gewachsen, und seien es auch rächende Blumen, zu wagen.
E. Lentz, Karlsruhe, „Epheu." Eine Arbeit, welche mit möglichster Härte und geradezu unschön gemalt ist, wenn wir auch eine gewisse fertigtest des ernsten Epheu gut personisizirt finden.
„Am Todestag" nennt Olga Lehman«, Ham» bürg, ihr Produkt, welches uns auch in Nichts auch nur einen 'Moment zu fesseln vermocht hätte.
Er is Holm, Neuen Heim, überrascht uns mit zwei kleineren Oelgemälden, „Motiv aus Nürnberg und Indien", bei welchen wir nichts als eine außergewöhnliche Naivetät bewundern können, dem Kunstverein solche Sachen geboten
zu haben. , ~
Minna Bartels, Hanau, mit „Frühlingstag im bayrischen Gebirge", kann, wenn man nicht künstlerische Anforderungen und hohe Ausprüche macht, für eine sehr nette Dilettantenarbeit gelten.
Nun kommen wir zu den drei Landschaften von M a r - tha Susemihl, Kehl, welche in denselben viel Talent und eine schöne malerische Auffassung verräth. Die Malerin versteht es, selbst einer bescheidenen Landschaft einen eigenen intimen Reiz auszudrücken.
Ein schöner Kunstgenuß ist es auch diesmal, E. Heyne- manns (Dresden) „Morgennebel an. der Elbe zu sehen. C. Heynemunn ist uns noch von früher her durch seine „Harzgemälde" in gutem Gedächtniß, welche uns damals
Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhaltuugsblatt 16 Seiten.
oft lachend miteinander und licß-nihre Blicke unbefangen über den überfüllten Zuhörerraum schweifen. An Karditzi, einer schmächtigen, unscheinbaren Erscheinung, ließen doch die blitzenden Augen und die tief gefurchte Stirn Intelligenz und Willensstärke erkennen, während Georgis mit seinen kleinen Augen, seinem langen Halse und offenem Munde den Eindruck eines beschränkten Menschen macht. Karditzi verfolgte mit gespannter Aufmerksamkeit die Zeugenaussagen und machte seinen Vertheidiger mit ruhiger, aber verschleierter Stimme auf Punkte aufmerksam, über die er anderer Meinung war. Eine Zeuge, der städtischer Beamter ist, fand in Karditzis Schränk einen Tdg vor dem Attentate eine Dy«a- mitbrw.be. Diese Aussage erregte allgemeine Sensation. Darnach ergriffen die Angeklagten das Wort. Georgis versicherte, unter dem Einfluß Karditzis gehandelt zu haben. In seinem Auftrage habe er am Schloß den Ausfahrten des Königs Georg aufgepaßt und sei, sobald er dann den königlichen Wagen habe fortfahren sehen, zu Karditzi ins Rath- Haus geeilt, mit dem er sich sofort auf den Schauplatz des Atteutates Segel. Er habe anfangs keine Schüsse abgegeben, nur zuletzt aus Furcht vor Karditzi in die Luft geschossen. Karditzi erklärte, daß er geschossen habe. Außer der Ermordung des Königs hübe er auch die Sprengung des Hauses von Delyannis durch eine Bombe beabsichtigt. Der Vertheidiger hob hervor, Karditzi habe in einer fixen Idee gehandelt. Die Geschichte seiner Familie stelle erbliche Belastung fest, und da ein politisches Verbrechen vorliege, seien mildernde s Umstände zuzuerkennen. Der Gerichtshof erkannte in ein« ständiger Berathung auf schuldig und verurtheilte dann dem Anträge des Staatsanwalts gemäß Karditzi und Georgis zum Tode. Die Angeklagten hörten das Urtheil mit absoluter Gleichgiltigkeit an. Zufolge des ungeheueren Andranges wurden zwei Menschen verwundet.
Preußischer Landtag. Ahgeor-rretenhemS. (Sitzung vom 1. April.)
Das Abgeordnetenhaus erledigte heute Petitionen. Diejenige des 6. westpreußischen Städtetages um Abänderung des § 56 der Städteordnung wurde der Staatsregierung znrBe- rücksichtiguuz, diejenige des G-afen v. Schmising-Kerßcnbrock um Abänderung des Jagdpolizeigesetzes als Material über- wiesen. Zu einer Anzahl von Petitionen, welche auf Errichtung von Amtsgerichten abzielen, bemerkt Justizminister Cchönstedt, daß das Gesetz von 1878 für die Errichtung und Abgrenzung von Amtsgerichten eine dauernde Organisation habe schaffen sollen, an der nicht ohne Noth geändert werden 1 türfe; die Bewilligung eines Gesuches würde sogleich viele 81 ■l^■■^lW'■ll^«aMMMg»ll im ll^ll.lM■■■■ll■3^■^■■■^^■■^■^w^^
so sehr entzückten. Dieses Bildchen zeigt wieder jene duftige, seuchte Atmosphäre, mit der feinen granbammerigen Luft, welche den Hauptreiz des Bildes bildet und die Leistung zu einer vsllerrdeten macht.
Sehr schön ist auch „Die Waldpfütze" von S a l l y Wüst. Eine herrliche Waldparthie mit schönen Sonnen- reflexen und guter Wasserspiegelung.
Gottfried Hofer, Bremen: „Alpenrose". Ein zierliches Pastellbild, mit der Lieblichkeit der Alpenrose und dem eigenen reinen Reiz dieser Blume, obwohl die Technik dem vorigen Jahrhundert angehört. Derselbe Künstler zeigt unS noch eine Landschaft „Leipziger Hütte", eine noch ziemlich ungeschulte und unvollkommene Arbeit; dennoch ist die Farbe hübsch und nicht ohne Geschmack gearbeitet. Hingegen ist seine „Tragoh" eine hübsche Leistung; ein in strahlenden Sonnenlicht gemaltes Kinderköpfchen auf leuchtendem Land- schastsgrund, einen Strauß blauer Blumen im A-m, welche einen eigenen Contrast zu dem röthlichen Blond der Haare bilden.
Ein sehr gutes Stillleben von Karl Schaupert, Nürnberg, sehen wir in seinen „Orangen." Obwohl nun gerade die Orangen wenig Schönheiten aufzuweisen haben, so sind doch so viel andere thatsächlich schöne Wirkungen hervorgebracht, welche uns mit allem auSsöhnen. Hauptsächlich geschickt gemalt ist ein altdeutsches Essig- und Oelfläschchen, welches mit seinen grünen L'chtchen auf dem kugeligen glänzenden Glas eines der schönsten Momente bildet.
Eines der niedlichsten Bildchen bringt uns Karl Heini sch, München, mit „Im Heu." Zierlich und klein, ohne nur im geringsten kleinlich zu wirken, bietet dies Bildchen ein idyllisches Ganzes. Ein angenehmer Duft von getrocknetem Heu scheint über der ganzen harmonischen Landschaft zu schweben während eines sonnighellen heißen Sommertages.