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Nr. 203.

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Dienstag den 31. August

1897.

Hierzu Amtliche Beilage" Nr. 60.

Amtliches.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Zwei Arbeiter-Wochenkarten von Hanau- Rückingen und Rückmgen-Hanau. Ein goldenes Kettchen.

Z u g e s l o g e n: Ein Lachtaube.

Zugelaufen: Ein brauner Dachshund. Ein weißer Foxterrier mit gelbem Abzeichen.

Vom Wasen meist er eingefangen: Ein Dalmantiner, m. Geschl. und ein grauer Pinscher.

Verloren: Ein Spazierstock mit gebogenem Horn­griff. Eine silberne Cylinderuhr mit breiter Nickelkette und zerbrochenem Uhrglas.

Hanau den 31. August 1897.

Zum bevorstehenden Sedanfeste.

Je ferner wir vom 2. September 1870 kommen, umso­mehr wird die Feier des Sedantages aus der breiten Oeffent- lichkeit in die Stille rücken. Umsomehr gilt es aber auch, jene glorreiche Heldenzeit unseres Vaterlandes unserem Volke in der Erinnerung stets wach zu halten. Wessen wir uns dabei erinnern, das ist weniger die Niederwerfung und die Besiegung des Erbfeindes, als vielmehr die Erstehung des deutschen Reiches, die an jene glorreichen Siege sich anschloß. Ohne Sedan kein deutsches Reich. Das ist und bleibt ja doch die größte Freude jedes Vaterlandsfreundes, daß wir nun wirklich sind ein einig Volk von Brüdern, die nimmer sich trennen, in keiner Noth und Gefahr. Der Grund zu dieser Einheit ist auf den Schlachtfeldern Frankreichs durch Blut und Eisen gelegt worden. Unter den gemeinsam er­rungenen Siegen siebt aber obenan der Sieg von Sedan.

Eine raschlebige Zeit vergißt schnell. Daß unser Vater­land im Rath der Weltmächte ein gewichtig Wort mitzureden hat und hervorragend an der Gestaltung der Weltpolilik be- theiligt ist, das dünkt uns heule selbstverständlich. Daß In­dustrie und Handel in ungeahnter Weise zu ungeahnter Höhe sich entwickelt haben, das meinen wir heute, könnte gar nicht anders sein. Daß der Wohlstand des Volkes sich im allge­meinen gehoben hat, gehört für viele heute schon zu den platten Alltäglichkeiten, die man kaum mehr der Erwähnung werlh findet. Daß wir im Innern des Reiches eine soziale Fürsorge haben, wie kein Reich der Welt, das will fast ver- gessen werden vor lauter Kritik an der Gestaltung dieser Für­sorge. Daß alle deutschen Stämme nun bald ein einheitliches bürgerliches Recht umschließen wird, daß dies ein imponiren- des Zeichen der inneren Einheit Deutschlands vorstellen wird, ;mmMWMOMI^MMaMMMIBMMMM^HMMM<aMWMMM Fèrrilletsn.

Der Wc.

Der Chic ist einer von jenen vielgereisten Begriffen, die in der Verkleidung einer ausländischen Schreibweise in ihr deutsches Vaterland zurückgekehrt sind, etwa in derselben Art, wie die deutscheKappe" als Cape in verwandelter Gestalt bei uns umhergeht. Der Chic war ursprünglich in den platt­deutschen Gegenden zu Hause, wo man von Sachen sprach, die keinenSchick" haben. Von einem mißrathenen Kleide, frei- einem schlecht geladenen Fuder Heu, einem uneben ge­pflügten Acker u. dgl. m. sagte man:Es hat seinen Schick nicht!" Eine entfernte Verwandtschaft zwischen dem fran­zösischen Chic und dem deutschenEs schickt sich nicht" ist ja auch keineswegs zu verkennen. In England hat man wohl zuerst angefangen, davon zu sprechen, daß eine Sache nicht chic ist. Jetzt ist der Ausdruck bei uns auch Mode geworren und wird vorwiegend auf Modedinge angewendet. Freilich, eine Dame kann hochmodern angezogen sein und ist doch nicht chic, d. h. es fehlt ihr jenes unnennbare Etwas, das erst den Zusammenhang zwischen all den hochfeinen, modernen Dingen herstellt, die sie trägt. Den Eingeweihten ist es bekannt sie haben unter sich ihre Zeichen und Merk­male.

So z. B. war es vor etwa drei Jah,en chic, das Kleid auf der Straße hochzuheben, was bis dahin nicht für zulässig galt. Dann wurde es chic, das Kleid nicht nur mit einer Hand zu heben, sondern mit beiden. Jetzt endlich ist es wieder nicht chic, das Kleid überhaupt hochzuheben. Man trägt den vom Schneider gearbeiteten Kleiderrock fußfrei. Im Hause dagegen werden die Kleider sehr lang getragen, und die Prinzeßform erhäst wieder vielfach den Vorzug. Der

wird schon jetzt hinter die Meinungsverschiedenheiten zurück­gestellt. Und doch die große, herrliche Entwicklung, in der wir stehen, die vielen selbstverständlich scheint wäre sie möglich gewesen in den deutschen Landen ohne den Tag von Sedan ? Niemals. Darum deutsches Volk, vergiß des Sedan­tages nicht!

Aber vergiß auch nicht, was damals zum Siege verholfen hat. Es war ein Dreifaches: Gottesfurcht, Königstreue und Vaterlandsliebe. In dieser Dreiheit lag die Sicherheit des Sieges, auf diesem dreifachen Grunde ist das neue deutsche Reich gestellt, auf diesem dreifachen Grund allein wird es be­halten. Wir stehen mitten in der Entwicklung. Unsere Macht und Größe nach außen muß festen Rückhalt bekommen durch die innere Größe. Groß wird ein Volk auf dem Fundament d:r Gottesfurcht. Die Pflege der Religiosität als eines der edelsten Güter der Nation führt zu sittlicher Größe. Wo es gelingt, unser Volk zu sittlicher Größe emporzuheben, da werden dann die Aufgaben der fo aalen Fürsorge, wie der sozialen Versöhnung um )o leichter gelöst werden können, und aufgehalten wird die Spaltung in Klaffen, deren eine die andere nimmer versteht. Denn sittliche Größe ist undenkbar ohne die Macht heilender Liebe.

Die andere siegreiche Macht des großen Krieges war die Königstreue. Der König voran, ihm nach seine Getreuen. So ging's von Sieg zu Sieg. Zu sieghafter Höhe kann unsere innere Entwicklung nur kommen, wenn es auch hier geht nach dem Lied: Der König rief, und alle, alle kamen. Jeder komme zum Throne unseres Kai ers, jeder komme zum Throve seines Fürsten und bringe sein Bestes mit für die Wohlfahrt des Reiches. Deutschlands äußere wie innere Größe ruht auf der Festigkeit seiner Fürstenthrone. Darum ruft jeder Sedanlag das deutsche Volk heran an die Throne seiner Fürsten und seines Kaisers. Mit unseren gottbegna­deten Fürsten wollen wir arbeiten an des Reiches Größe, sie haben uns zum Sieg geführt im Kampfe draußen, sie werden uns zum Siege führen in den inneren Nöthen. Wer auch sein Vaterland lieb hat, der kann nicht anders als: Mit Gott für König und Vaterland! Ja, Vaterlandsliebe daß wir sie denen ins Herz gießen könnten, denen sie durch Verführung und Druck aus dem Herzen entwichen ist! Wenn erst die Vaterlandsliebe in allen deutschen Herzen er­glüht, wenn's durch die Massen brausend zieht,Deutschland, Deutschland über alles", dann werd auch unsere innere Ent­wicklung zu jener sieghaften Höhe emporsteigen, daß man be­wundernd ausrufen wird: Das Volk der Deutschen ist ein Volk von Gottes Gnaden.

Dazu aber frischen wir alle Jahre die Erinnerung an den Tag von Sedan auf, daß sich unser Volk die führenden Siegesmächte stets vor Augen halte: Gottesfurcht, Königs treue, Vaterlandsliebe. Diese drei Mächte haben das deutsche Reich geschaffen, sie allein erhalten es auch.

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Chic schreibt auch vor, daß man für jede besondere Gelegen­heit ein für diese Gelegenheit passendes Kleid trägt, daß man alle Besuche rechtzeitig macht und erwidert, daß man den neuesten Modehund hält, ihm Visitenkarten drucken läßt und ihn in der Equipage des hohen Hauses bei andern Kötern auf Visiten schickt. Kurz und gut, es ist, als ob die Mode­dame vor lauter Chic niemals zur Ruhe kommen, als ob sie sich um seinetwillen bis ins Endlose abmühen und abwirbUn müßte. Und bei aller Unruhe und Aufregung bleibt dann noch immer das unsichere Gefühl, ob es auch alles richtig gemacht wurde, und oo nicht Frau K. A. Z. noch irgend et­was entdecken wird, was nicht ganz chic war.

Bei uns in Deutschland ist es mit dem Chic nicht gar so arg; wir machen uns aber auch aus hunderterlei Nichtig­keiten eine Zwangsjacke zurecht, in der sich keins von uns recht behaglich fühlt. So ist es gewiß um die neueste Vor­schrift, daß man die Kleiderröcke nicht bochheben darf, eine mißliche Sache; die Kleider müssen sehr kurz, geradezu un­schön kurz sein, wenn sie bei nassem Wetter auf der Straße durchaus keinen Schaden leiden sollen. Vor allem wird man ihren Schnitt ändern müssen, wenn die Hand beim Gehen entbehrlich werden soll. So hat man denn nur die Wahl, ob man auf den Chic verzichten ober die Kleider rücksichtslos verderben soll. Für chic gilt es, im Hochsommer eine dicke Straußevsederboa nm den Hals zu wickeln, chic soll es auch sein, im kältesten Winterauf Taille", d. h. ohne jegliche wärmende Umhüllung ins Freie zu gehen. Im Sommer ver­wöhnt man den Hals, im Winter härtet man ihn ab weil es chic ist. Dann stellen sich später Lungenkatarrh und eine lange Reihe verwandter Beschwerden ein. Die reichen Modedamen haben Zeit und Mittel, sich in Bädern und Sommerfrischen davon zu erholen. Die armen, kleinen När­rinnen aber, die fürs tägliche Brot arbeiten und doch auf die Thorheiten des Chic nicht verzichten wollen, reiben ihre

Lagesschau.

Von der Marine Laut telegraphischer Meldungen an das Oberkommando der Marine ist S. M. S.Cor- moran", Kommandant Koroetten-Kapitän Brussatis, am 28. August in Chefoo angekommen; S. M. S.Arcona", Kommandant Kapitän zur See Becker, ist am 28. August in Wladiwostok anoekommen und beabsichtigt, am 31. d. Mts. wieder in See zu gehen.

Der Kaiser «nd die Landwirthschaft. Auf das Telegramm des Vereinstages des Allgemeinen Verbandes der deutichen landwirthschaftlichen Genossenschaften an den Kaiser ist folgende Antwort ergangen:Ich erblicke in den hul­digenden Worten Ihres Telegramms zugleich den Ausdruck eines mich hoch erfreuenden Vertrauens zu meiner nie er­müdenden Fürsorge für alle Berufe, insonderheit aber für die­jenigen, welche unter schwierigen und nur allmählig zu bessern­den Verhältnissen zu leiden haben und spreche Ihnen hierfür meinen Dank aus. Wilhelm I. R."

Besuch des Königs von Siam am Schweriner Hofe. Sonntag Abend fand zu Ehren des Königs von Siam im Goldenen Saale des Schlosfes ein Galadiner statt. Herzog Johann Albrecht brachte einen Trinkspruch auf seinen hoben Gast aus, in dem er der Freude Ausdruck gab, die einst bei demselben genossene Gastfreundschaft in bescheidenem Maße vergelten zu können. Der König von Siam dankte und sagte, er sei überrascht von dem schönen Empfang und erfreut, nach vierzehn Jahren die Freundschaft erneuern zu können. Abends 9 Uhr fand ein Wafserkorso auf dem See am Schloß sowie ein Feuerwerk statt. Der König und der Herzog wurden bei ihrem Erscheinen von der Menge mit großem Jubel begrüßt.

Große Parade des vni. Armeekorps.

(Korrespondenz desHanauer Anzeiger".)

Coblenz, 30. August. Ungezählte Tausende drängten heut seit dem frühesten Morgen durch die Straßen der Stadt und nach dem Paradefelde hinaus, des Kaiserbesuches harrend. Der neun Wagen starke kaiserliche Sonderzüg traf, von Wildpark kommend, um 1 Uhr 50 Min. früh auf Bahnhof Urmitz, der hübsch dekorirt worden war, ein. Hier hatten sich Prinz Adolf zu Schaumburg-Lippe nebst Ge­mahlin, der Kreistag und Kreisausfchuß des Landkreises Coblenz mit dem Landrath von S t e d m a n n, der Ober­stallmeister Graf Wedel, sowie' die hier bereits angekom­menen Flügeladjutanten des Kaisers eingefunden. Seine Majestät der Kaiser, in Generalsuniform und Ihre Majestät die Kaiserin, im weißen Reitkleid mit schwarzem silberbetreßten Dreispitz, beide Majestäten mit dem Bande des Schwarzen Adlerordens, begrüßten Die Anwesenden und stiegen sogleich zu Pferde, um sich auf das zwischen Urmitz, Mühlheim, ^^

Gesundheit, der verkehrten Bekleidung zu Liebe auf und setzen nachher auf Rechnung der Arbeit und Ueberanstrengung, was doch nur durch eigenes Verschulden herbei geführt wurde. Darum weg mit dem thörichten Chic!n

Vermischte Nachrichten.

Ein edlerPole." Vom Moskauer internationalen Aerztekongresse begab sich das aus 35 Mitgliedern bestehende Präsidium nach Sch! Peterhof, wo der Zar die Mediziner sehr liebenswürdig empfing. Die ösikneichisch - ungarische Gruppe hatte unter Anderem drei Delegirte, einen tschechischen, einen polnischen und einen slovenischen. Der polnische war b-T Professor Dr. Ry dygier aus Krakau. Bei der Vorstellung sagte nach polnischen Blättern der Professor Rydygier, als er vom Zaren angesprochen wurde:Ich erlaube mir, mich Ew. Majestät als den polnischen Delegirten vorzustellen." Darauf bemerkte der Zar (nach polnischen Blättern):Er freue sich, einen polnischen Delegirten zu sehrn, denn er habe in seinem Reiche auch viele polnische Unterthanen." Alsdann soll sich der Professor Rydygier bei dem Zaren bedankt ha­ben für die Gnode und Huid, die jetzt der Zar den russischen Polen zu Theil werden lasse, und die Versicherung gegeben haben, die Polen würden für jeden Akt der kaiserlichen Hula sehr dankbar sein. Soweit polnische Blätter. DerPole" Universitäts-Professor Rydygier in Krakau war früher bis 1887 in Culm (Westpreußen) praktischer Arzt. Seine Vor­fahren, Deutsche, schrieben sich Rüdiger, und Rüdiger schreiben sich auch heute noch die meisten Verwandten des Herrn Pro­fessors aus Krakau.