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Amtliches Organ für Klaöt- unS Landkreis Hanau.
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Nr. 201. Samstag den 28. August 1897.
Amtliches.
^anö&ret# ^anau. ___
Bekanntmachungen des Königlichen Landralhsamtcs^
In der tätigen Kreistag s-Eitzung wurde außer einer Kommissions-Wahl der Landwirth Peter Stein von Hochstadt an Stelle des verstorbemn Heinrich Jung als Mitglied in die Landwirthschaftskamwer für den Regierungsbezirk Casfi l gewählt, alsdann die fernere Uebernahme der Unterhaltung der Landwege vom Jahre 1898 ab beschlossen, während ein Antrag Königl. Regierung auf Uebernahme sämmtlicher Landwege in forstfiskalischtN Gutsbezirlen abgelehnt wurde. 8600 Mark wurden zur Instandsetzung besonders schadhafter Land- wcgestrecken nachbewilligt und der Landwegebau-Etat für das Jahr 1898 gemäß § 116 Kr. O. begutachtet. Einem Projekt zur Errichtung einer Sammelwasenmeisterei wurde im Prinzip zugestimmt.
Hanau am 27. August 1897.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
A. 2835 v. Schenck.
Dienstniilhlichtcn aus dem Kreise.
Zugeflogen: Eine gelbe s. g. Lachtaube mit schwarzen Streifen am Hals.
Gefunden: Ein Hundemaulkorb (in der Nähe der Pulversabri).
Hanau den 28. August 1897.
Politischer Wochenbericht.
Der Kaiser ist nit seiner hohen Gemahlin wieder in Potsdam eingetroffen, wo er am Donnerstag den König von Siam empfing, der dem König Albert von Sachsen einen Besuch abgestattet hatte. Am Sage vorder hatte das Kaiserpaar in Magdeburg der feierlichen Enthüllung des von der Stadt Magdeburg dem Andenken Kaiser Wilhelms des Großen gewidmeten Denkmals beigewohnt.
Die Reise des Präsidenten Faure nach Rußland gab in der abgelaufenen Woche mannigfachen Stoff, der sich zum Schluß um so reizvoller gestaltete, als bei dem Abschiedsmahl an Bord des französischen Kreuzers „Pothuau" nun doch noch das heiß ersehnte Wort gefallen ist. Zar Nikolaus hat von Rußland und Frankreich als von „den beiden befreundeten und alliirten Nationen" gesprochen. Nun kann Frankreich jubeln und die Häuser beflaggen. Das Bestehen einer Allianze zwischen den beiden Staaten ist aus des Zaren Munde bestätigt. Daß dieser Umstand an der seit längerer Zeit feststehenl en politischen Lage Europas nichts ändert, ist ohne Weiteres einleuchtend. So darf man denn den Franzosen die Freude gönnen, daß ihnen nach den ■i»&ara«re--«iiii™^,w«^aM«««a^ i....................
Engländer kritisch gestaltet hat. Der Aufruhr ist nicht nur auf der ganzen Linie längs der indisch afghanischen Grenzentbrannt, so daß Afridis, Swazis und Orakzais daran be- theiligt sind, die Afridis sind auch schon zum Angriffe gegen die britischen Streitkräfte vorgegangen, und dieser Angriff hat im Bezirke von Peschawur für die Engländer schwere Verluste im Gefolge gehabt. Es sind von den Aufständischen sogar einige Forts eingenommen worden. Bezeichnend ist es, daß die Afridis ben Engländern die Bedingungen vorgeschrieben haben, unter denen sie gegebenenfalls die Waffen niederleaen wollen. Die große Gefahr für die Engländer ist, daß sich die Mohamedaner im eigentlichen Indien empören und daß die unzufriedenen Hindus sich ihnen an- schließen.
Auch in Südafrika geht den Engländern nicht alles nach Wunsch. Der englische Kolonialminister Chamberlain hatte neulich behauptet, Transvaal stehe unter britischer Suzeränität. Darauf hat Präsident Krüger jetzt im Volksraad erklärt, daß eine solche Behauptung mit der Londoner Konvention von 1884 im Widerspruch stehe und daß Transvaal eine solche Suzeränität nicht anerkennen werde.
Aus Südamerika wird die Ermordung des Präsidenten der Republik Uruguay gemelb.t. Ob es sich um einen politischen Mord ober um einen Racheakt handelt, steht noch nicht fest. **
vorangegangenen kühlen Toasten zum Schluß noch dieser Trost zu Theil geworden ist. Die Teutchenfresser werden freilich noch immer enttäuscht bleiben; denn der Zar hat die franko-russische Allianz als eine weitere Garantie des Weltfriedens betont. Das „Loch in deu Vogesen" wird nicht verstopft werden. Es ist auch kein Zweifel daran, daß der vierte und letzte Zarentoast nicht eine Ueberraschung für die leitenden deutschen Kreise bedeute. Kaiser Wilhelm ist bei seinem Aufenthalt in Petersburg fraglos in vollem Umfange von dem Stande der russisch-französischen Freundschaft in Kenntniß gesetzt worden.
Der Prager Oberbürgermeister Podlipny benutzte den Besuch Faures, um in einem Telegramm an den Präsidenten des elsaß-lothringischen Verbandes in Paris „seine lebhaftesten und aufrichtigsten Glückwünsche den französischen Freunden zu übersenden". Diese an Landesverrath streifende Kundgebung zeigt, wessen man sich bei den Fragen der auswärtigen Politik von den C zechen zu versehen hätte, wenn diese in Oesterreich zur Herrschaft gelangten, wenn es ihnen gelänge, die deutschen Elemente, die den Grundstein der österreichischen Politik nach Kräften zu schützen fähig und bereit sind, zu unterdrücken.
Gerade jetzt haben unsere Landsleute in Oesterreich mit den Czechen einen harten Kampf zu bestehen, in dem die Czechen sich wiederholt zu groben Ausschreitungen haben hinreißen lassen. Um eine Versöhnung zwischen beiden Nationalitäten herbeizuführen, hatte Graf Badeni eine „Ausgleichskonferenz" anberaumt. Dieselbe wurde jedoch wieder abgesagt, nachdem eine Versammlung der deutschen Abgeordneten in Prag einstimmig den Beschluß gefaßt hatte, die Beschickung der Konferenz abzulehnen, solange die Sprachenverordnuugen aufrecht erhalten bleiben. Durch die Sprachenverordnungen werden in der That die nationalen Lebensbedingungen der Deutschen in ganz Oesterreich 'chwer bedroht.
Die Friedensverhandlungen in Konstantinopel stocken infolge der Haltung Englands vollständig. Anscheinend finden unmittelbare Verhandlungen mit den Kabinetten statt, nm den Widerspruch zu beseitigen oder gegebenenfalls auch ohne England den Präliminarfrieden abzuschließen. Wenn die europäische Ueberwachung der griechischen Finanzen eingeführt wird, ist für die Zahlung der Kriegsentschädigung die Anleihe durch gewisse Finanzkreise gesichert.
Bezüglich der in Konstantinopel verübten Bombenattentate hat die Untersuchung die Gewißheit erbracht, daß auch in diesem Falle die armenischen Geheimkomitees die Freoelthat angestiftet haben und daß der Herd dieser verbrecherischen Propaganda in Landen sich befindet.
Daß der Haß der Türken gegen England immer größer wird, ist daher nicht zu ve.wandern. Die lürkenseindache Haltung der Engländer ist umso unverständlicher, als sich die Lage auf dem indischen Kriegsschauplätze für die
Politische und unpolitische Nachrichten- (Depelchen-Bureau .Herold.")
Berlin, 27. August. Der Kaiser empfing heute Morgen 10 Uhr im Neuen Palais den Besuch des Königs von Siam. Heute Nachmittag wird der Kaiser auf der Matroseu-Station bei Potsdam einen Vortrag des Professors Slaby über Telegraphie ohne Draht entgegen nehmen.
Berlin, 27. August. Der König von Siam begab sich, wie aus Potsdam gemeldet wird, heute Vormittag nach dem Mausoleum und legte einen prachtvollen Kranz am Sarkophage nieder.
Berlin, 27. August. Zur Verkündigung derAllianz zwischen Frankreich und Rußland schreibt die „Post": „Wir haben keine Veranlassung, unsere Auffassung, daß diese Kundgebung die Bedeutung des Besuchs Kaiser Wilhelms in Rußland in keiner Weise beeinträchtige, zu ändern.
Berlin, 27. August. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge ist an maßgebender Stelle nichts davon bekannt, daß zwischen der deutschen und chinesischen Regierung Verhandlungen schweben mit dem Ziele, deutsche Offiziere für die Leitung der chinesischen Armee und Marine zu gewinnen.
Berlin, 27. August. Zu dem Besuch des Staatssekretärs Tirpitz in Friedrichsruhe theilen die „Berliner Neuest. Nachr." mit, daß der Kaiser bereits im März 1895 bei der Taufe des Aegir in Kiel gewünscht habe, der Name
Fenilletsn
Neuer römischer Fund bei Heddernheim.
Die ausgidihnte römische Niederlassung, welche von bem zweiten bis zum Ende des dritten Jahrhunderts n. Chr. zwischen Heddernheim und Prounheim bestand, hat uns schon so manche Zeugen des Lebens und Treibens in einer römischen Provinzialstadt jener Zeit hinterlassen. Und nun ist kürzlich wiederum ein hochinteressanter Fund in dem mit römischen Kulturresten vollständig durchsetzten Boden des sogenannten „Heedenfildes" gemocht worden. Ein Heddernheimer Ortsbürger stieß vor mehreren Wochen beim Durchgraben seines Ackers im nordwestlichen Bereicke der ehemaligen Römerstadt aus die Spuren eines Gebäudes. Zunächst trat eine etwa 70 Zentimeter starke Schicht durch Brand und Einsturz zerstörter Schieserplatten zu Tage, und zwar Schieserplatten jener bedeutenden Größe, wie sie die Römer in der hiesigcn Gegend zum Schutze der flachgeneigten Dächer ihrer Holzbauten zu verwenden pflegten. Darunter fand sich eine Trümmermasse von zahlreichen verkohlten Holzbalken, Ziegelsteinen, Estrichstücken und gebranntem Lehmbewurf, w e er vielfach rorlommt als Material zur Herstellung der Wände römischer Fachwerkbauten.
Nach Ausweis dieser Fundstücke stellte sich das so auge- grabene Gebäude als ein durch Brand und demzufolge Zusammensturz zerstörter kleiner römischer Holzbau dar mit Schiefirbedachung, Estrichfußboden rc.
Alle diese Fundstrcke lagen in dem Keller des Gebäudes in etwa 1,10 Meter Tiefe unter dem jetzigen Niveau des Bodens. Der Keller hatte eine Breite von 2,5 Meter, seine Lange konnte nicht ermittelt werden, da er sich noch weiter in den Nachkaracker hinein erstreckt; es war ein einfach aus
dem Erdreich ausgeschachteter Raum ohne Maueiung. An vielen Stellen waren die lehmigen Wände infolge der durch die brennend herabgestürzten Balkentrümmer verursachten Hitze hart gebrannt.
Der Boden des Kellers Baig dann jenen interessanten Fund, der oben erwähnt ist und uns im Folgenden etwas eingehender beschäftigen soll. In den Boden eingelassen standen hier nämlich, noch ganz in ihrer ursprünglichen Situation, sechs große, mächtige Thongefäße, zweihenkelig, von kugeliger Form und mit engem Halse, wie sie die Römer als Vorrathsbehälter für Oel, Wein 2c. zu verwend, n pflegten. Die in den Keller hinab gestürzien Bautheile des Hauses hatten natürlich tiefe zerbrechlichen Gefäße großenteils zerschmettert und nur die in die Eri e singt laffmen untersten Theile intakt gelassen, die nun von Taulevden von EcherbiN umgeben waren.
Sorgsam wurden diese Scherben gesav melt und in fünf Kisten noch dem historischen Museum gebracht. Hier wurden sie in mehrwöchiger Arbeit bis auf wenige fehlende Stücke wieder zusammengesetzt und so feierten denn die sechs römischen Weinfässer soeben ihre Auferstehung, leider allerdings ohne den gewiß trefflichen Inhalt, den ihr Inneres einst enthalten haben mag.
Die Gesäße, „Amphoren" vier „Dolien" genannt, haben eine Höhe von etwa dreiviertel Metern und einen duichsäniltlichen Bauchumsang von ungefähr l3/± Metern. Der kugelförmige Bauch ist unten nicht zur Standfläche abgeplattet, sondern läuft in eine stumpfe, niedrige Spitze aus. Die Amphoren bedurften eben keiner Standfläche, weil sie wie in unserem Falle in die Erde eingegraben oder wie sonst des Oefteren an die Kellerwände an gelehnt wurden. Auf den meisten befinden sich eingeritzte Buch- stabtn und zwar unmittelbar unter dem Halse auf dem Gefäßbauche. Nur eine dieser Inschriften läßt sich ent
ziffern, aber sie ist interessant genug; Q. V. VRSVLI steht da deutlich mit großen Buchstaben eingegraben, wohl der Name des Besitzers unb zu deutsch etwa „Eigenthum des Quintus Valerius Ursulus". Ein eigenthümliches Spiel des Zufalles ist es, daß wir diesen Namen hier finden in nächster Nähe des „U r s elbaches" und der altfränkischen Ansiedlung „Niederursel".
Sämmtliche Dolien zeigen in dem Untertheil der Außenseite einen deutlichen schwarzen Brandring; er ist erzeugt durch die brennenden Trümmer, welche von oben beim Brand und Einsturz des Hauses herabgefallen waren und auf dem Boden weiter glimmten. Die Obertheile der Gefäße wurden dabei zerschlagen und in der brennenden Trümmermaffe zerstreut, weshalb sie ganz unregelmäßig geschwärzt sind; die Spitzen aber der Amphoren, die eingegraben waren, blieben in der Erde und erscheinen daher in der ursprünglichen Farbe des Thones. Das Innere der Gesäße weist eine verschiedene Färbung auf; einige derselben sind auch hier einfach thonfarbig, andere aber in der oberen Hälfte einschließlich Hals und Mündung stark geschwärzt. Zur Erklärung dieser Thatsache müssen wir uns auf Vermuthungen beschränken. Möglicherweise waren sie im Gegensatz zu ihren Kollegen nur mehr theilweise gefüllt; es entstand dann infolge Einwirkung der äußeren Gluth in der oberen Gefäßhälfte eine Ueber- Hitzung und Schwärzung durch Rußablagerungen, welche später bei der außerordentlichen Feuerhitze einbrannten.
Diese ist von den versuchten Erklärungen die wahrscheinlichste; wir verdanken sie einer sorgfältigen Untersuchung unserer Dolien durch die Herren Professor Dr. M. Freund und Professor Dr. W. König. Allerdings gibt sie uns keinen Anhalt zur Bestimmung des Inhaltes, der in den Gefäßen aufbewahrt wurde; allein darüber läßt sich mit Sicherheit so wie so nichts behaupten, denn wir wissen heute überhaupt noch nicht, ob dieselben als Vorrathsbehälter für