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Amtliches Organ für Ktaöt- und Lanökreis Hanau.
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Nr. 142.
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Montag den 21. Juni
1897.
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■ Amtliches.
In Verfolg meiner Bekanntmachung vom 23. Mai v. I. (Amtsblatt Nr. 317 S. 130) setze ich die Herren Landräthe und Kreisthierärzte davon in Kenntniß, daß z. Z. folgende Nachbargebiete als verseucht gelten:
1) Preußen : Regierungsbezirke Magdeburg, Merseburg, Erfurt, Hannover, Hildesheim, Münster, Minden, Arnsberg, Wiesbaden,
2) Bayern; Sämmtliche Regierungsbezirke, außer der Rheinpfalz,
3) Württemberg: Sämmtliche Kreise,
4) Baden: Landeskommissariate Konstanz, Freiburg, Mannheim,
5) Hessen: Provinzen Starkenburg, Oberhessen, Rheinhessen,
6) Sachsen Weimar, 7) Braunschweig, 8) Sachsen-Mei- t Hingen und Sachsen-Altenburg, 9) Anhalt, 10) Schwarzburg- Sondershausen, 11) Waldeck, 12) Reuß j. L., 13) Lippe, 14) Elsaß-Lothringen. (A. III. 6001.)
Cassel am 8. Juni 1897.
Der Regierungs-Präsident.
Wirkl. Geh. Ober-Reg.-Rath. Haussonville.
^anö^ret^ ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Den Viehbesitzern wird hiermit bekannt gegeben, daß alle Anträge auf Viehuntersuchungen und Ausstellung von Gesunde eitsscheinen auf Staatskosten gemäß meiner Bekanntmachung vom 24. Februar d. Js. (Nr. 17 der Amtlichen Beilage zum Hanauer Anzeiger) fortan bei den Ortsvorständen zu stellen sind, welche die Anträge sammeln und zu den festgesetzten Terminen den mit der Untersuchung beauftragten Thierärzten einsenden.
Hanau am 18. Juni 1897.
Der Königliche Landrath
V. 5860 v. Schenck.
Vierybuukriititm aus dem Kreise.
Gefunden: Eine schwarze Spitzenschürze.
Verloren: Ein Damenregenschirm mit kleinem Metall- griff. Ein kesgl. in der Festballe.
Hanau am 21. Juni 1897.
Zwei bedeutsame Kaiserreden liegen im Wortlaut vor.
Tie Rede, welche der Kaiser bei Entgegennahme des Ehrer trunks auf dem Sparenberge hielt, hatte folgenden Wortlaut:
Kleines Feuilleton.
Aus Kunst und Leben.
Das Auto im Wiener Rathhause. In das Wiener Kunstleben hat sich — so berichtet das Wiener „Fremdenblatt" — etwas durchaus Neues eingefügt: der Versuch — und sagen wir sogleich der unzweifelhaft geglückte Versuch — eine geistlich-dramatische Aufführung vor einem großen Publikum zu unternehmen. Die öffentliche Darstellung eines der vielen autos sacramentales, die halberen de la Barea hinterlassen, war der Gegenstand les interessanten Beginnens. Natürlich mußte das „Geschehniß", das Auto, unter freiem Himmel vor sich gehen. Und, wenn möglich, sollten die Scenerien an jene erinnern, mit der in der Heimath die Calderon'scken Autos gespielt wurden: an Sackgassen, von deren Häusern aus jedem Fenster Zuschauer und Zuschauerinnen eine Art Zugabe zu dem auf den Sitzen versammelten Publikum bildeten. Um diesen und anderen Anforderungen zu entsprechen, fand man das Glücklichste, was man finden konnte: dem Auto wurde der Arkadenhof des neuen Rathhauses zugewiesen. Damit war allen Anforderungen genügt. Die Vorstellung konnte im Freien stattfinden; sie fand einen würdigen Rahmen in dem Rathhaus-Arkadenhose. Dieser war mit Stühlen besetzt, an der Stirnseite war die Bühne errichtet, die sich in die hinter ihr liegenden Bogengänge verlor. Sie zerfiel in eine Mittelbühne und zwei Seitenaus gänge. Um Einen völlig in die Zeit zurückzutäuschen, da Calderon's Autos in den Straßen spanischer Städte gegeben wurden, zeigten sich alle Fenster und Balkons des Arkaden- hsfes dicht von Menschen besetzt — ein merkwürdiges Bild mit lebhaft bewegter Staffage. Die Bühne hatte keine abschließende Kourtine. Auch fand keine Theilung in Aufzüge
„Auf geweihtem Boden stehend, geweiht durch den Fuß eines der gewaltigsten Meiner Vorfahren, wie ihn schon zu seinen Lebzeiten und zwar zuerst seine Feinde, den Großen Kurfürsten nannten, ergreife Ich den Mir von der Stadt gebotenen Pokal, gefüllt mit deutschem Wein. Gleichwie er auf seinen Zügen nach dem Westen rastend hier oben auf dem Sparenberge Rath pflog und mit seinem Adlerblick vorausschauend die Entschlüsse faßte, welche die wehrhaften Brandenburger in ruhmvolle Thaten umsetzen sollten, dabei aber bedacht war auf den Schutz und die Hebung der Linnenindustrie des Rovensberger Ländchens, so habe auch Ich Mir Rath, Muth und Zuversicht geholt, freilich zu einem anderen Kampfe, als dem mit Waffen. Mit staunender Bewunderung habe Ich die überwältigenden Leistungen und Erfolge jenes gottbegnadeten, von Gott uns gesandten Mannes (des Pastors v. Bodelschwingh) gesehen. So weit der Blick reicht und noch darüber hinaus im deutschen Vaterlande spürt man den Segen dieses wahrhaften Jüngers unseres Herrn. Tief durchdrungen von dem siegreichen Erfolge evangelischer Liebesthätigkeit, die gerade auf westfälischem Boden in Bielefelds Mauern so herrliche Früchte gezeitigt hat, erhebe Ich den Pokal in der Hoffnung, daß Westfalens Söhne nicht zurückstehen werden mit ihrer Hilfe zur Unterstützung Meines Programms: Schutz der nationalen Arbeit aller produktiven Stände, Kräftigung eines gesunden Mittelstandes, rücksichtslose Niederwerfung jedes Umsturzes und die schwerste Strafe dem, der sich untersteht, einenNeben- menschen, der arbeiten will, an freiwilliger Arbeit zu hindern. Ich trinke auf die westfälische Treue, welche fester steht als die alten, ehrwürdigen Steine der Sparenburg, und auf das Blühen und Gedeihen der Stadt und der Bürger Bielefelds."
Die Entgegnung des Kaisers auf den Trinkspruch des Oberbürgermeisters Becker bei dem Festmahl im Gürzenich zu Köln lautete wie folgt:
„Verehrter Herr Oberbürgermeister! Der heutige Tag ist ein Tag der Erinnerung, weihevollen Gedenkens. Wiederum hat eine preußische Stadt dem großen Kaiser ein Denkmal gesetzt. Seitdem er uns durch Gottes Rathschluß entführt wurde, erhebt sich allerorten im Vaterlande in kleinen und großen Stävten das Standbild des verewigten Herrn. Jüngst noch in der Ostmark war ich Zeuge des Patriotismus der Liegnitzer, als der Grundstein zu einem Denkmal des Allerhöchsten Herrn gelegt wurde im Glorienschein der hunderrjährigen Feier Meines geliebten Königs- Grenadier- Regiments, und heute fällt im alten Köln die Hülle von den wohlbekannten Zügen, die in ernster Mahnung zu uns reden. Wohl entsinne Ich Mich des herrlichen Tages, an dem Mein höchstseliger statt. So wurden im vollsten Sinne des Wortes die Einheiten von Ort und Zeit gewahrt. Die Regie führte Herr- Leo Friedrich, der eine ungewohnte Aufgabe mit dem Geschick des erfahrensten Bühnenmannes löste. Im Zuschauerraume hatte sich ein überaus zahlreiches Publikum eingefunden. Das dargestellte Auto führt den Titel: „Das große Welttheater". Es zeigt den Meister (Gott), das Gesetz der Gnade, die Welt, den König, die Weisheit, die Schönheit, den Reichen, den Landmann, den Bettler, das Kind. Das Leitmotiv ter Aktion liegt darin, daß der Meister die Rollen vertheilt, die der Mensch zu spielen hat, daß die Mitspielenden im „Großen Welttheater" von der Seite der Wiege eintreten, sobald ihr Part aber zu Ende geführt ist, auf der Seite des Sarges wieder abgehen, und daß der Meister endlich Alle aufnimmt, ausgenommen das Kind, das sich noch nicht durchgerungen zur Erlösung, und den Reichen, der in „stolzen Lüsten" befangen war. Sollen wir berichten, welche Wiedergabe das Auto gefunden, so müssen wir betonen, daß hier keine Be- russdarsteller in Frage kommen, sondern Liebhaler, die ans Begeisterung für die Sache das Wort des Dichters verkörperten. Bei aller Sicherheit in der Beherrschung des Wortes, bei aller begeisterten Hingabe an die Sache blieb ein Bodensatz von Dilettantismus übrig. Aber gerade dieser Beigeschmack verlieh der Aufführung eine Eigenart, die sich weit über das Theatralische erhob. Zum Schlüsse erscholl stürmischer Beifall, als die Welt das letzte Wort behielt mit den Versen:
' „Und da dieses ganze Leben
Eben nur ein Schauspiel vorstellt,
O, so werde Dem wie Jenem
Nachsicht hier wie dort zum Lohne". H.
Der Doileitenzauber bei den Jubiläumsfesten in London verspricht großartig zu werden. Wie der „Konf." mittheilt, überbieten sich die Pariser „Toilettendichter", die
Großvater und die herrliche Gestalt Meines Vaters in Köln unter Ihnen wandelten und an diesem Orte empfangen wurden vom Jubel der Bürgerschaft über die Befreiung der Stadt von lästigen Banden, die sich nun ungehindert ausbreiten konnte, und sehe heute die Folgen dessen, was Mein Großvater für Köln gethan hat. Nach menschlicher Berechnung hätte an dem heutigen Tage Mein seliger Vater hier stehen können und Ihnen in noch viel beredterer Weise den Dank für das, was Sie gethan, auâ- sprechen. Die Vorsehung hat es anders gewollt, und so ist Mir das Amt überkommen. Ich spreche Meinen herzlichsten und tiefgefühltesten Dank aus und den der Kaiserin für den wunderschönen, zu Herzen gehenden Empfang, den die alte Stadt mit ihrer treuen patriotischen Bürgerschaft Uns bereitet hat. Ich spreche Ihnen Meinen Glückwunsch aus, daß sich die Stadt in der Zeit, seitdem ich sie zuletzt gesehen, in bewundernswürdiger Weise entwickelt und entfaltet hat, ein Zeichen des Segens, des Friedens, den Mein Großvater Uns erhalten hat. An dem Postament des Denkmals sah Ich die beiden Figuren: Köln mit dem Oelzweige in der Hand, das Bild des Friedens, in dem der Gewerbefleiß des Bürgers unter dem Schutze des Monarchen sich entwickelt. Auf der anderen Seite: der Meergott mit dem Dreizack in der Hand, ein Zeichen dafür, daß seitdem unser großer Kaiser unser Reich von Neuem zusammengeschmiedet, wir auch andere Aufgaben auf der Welt haben: Deutsche aller Orten, für die wir zu sorgen, deutsche Ehre, die wir auch im Auslande aufrecht zu erhalten haben. Der Dreizack gehört in unsere Faust, und Ich denke, die Kölner Bürgerschaft ist eine von denen, die dies am besten verstehen. So ist es Mein Wunsch, daß Gott es Mir verleihen möge, in den Bahnen Meines Großvaters zu wandeln, der Welt den Frieden zu erhalten, der ja erst existirt, seitdem das Deutsche Reich wieder da ist, desgleichen aber nach außen die Ehre des Reiches in jeder Weise hochhalten zu können, unserer vaterländischen Arbeit und der Industrie der produzirenden Stände die Absatzgebiete zu sichern und zu erhalten, die wir brauchen. In dieser Gesinnung erhebe Ich Mein Glas und trinke auf das Wohl, Gedeihen und Vorwärtskommen von Köln und seiner Bürgerschaft. Alaaf Köln!"
Die Reden unsers Kaisers haben sich von jeher ausgezeichnet durch Kraft der Anschauung, schwungvolle Sprache und Bilder, die das Gemüth ergreifen. Was aber den kaiserlichen Reden einen besonderen Werth verleiht, ist die landesväterliche Fürsorge, die sich darin immer wiederspiegelt. Wir sehen aus solchen Kundgebungen, wie unser Kaiser darauf bedacht ist, das Wohl seiner Unterthanen zu fördern, wie er nicht müde wird, sein Fühlen und Denken und seine Kraft in den Dienst des Volkes und des Vaterlandes zu
schon jetzt mit Aufträgen überhäuft sind, mit genialen Ideen. Einer der ersten Pariser Konfektionäre fuhr nach Nizza, als Königin Viktoria dort weilte, um die Bestellungen entgegen- zunehmen. Die Sensationsneuheit sind Courschleppen aus gesticktem Tüll. Die Modelle erinnern an jene, welche die Ritterfräuleins des Mittelalters trugen. Die junge Herzogin von Marlborough, geborene Vanderbilt, ließ die erste Verkäuferin eines bekannten Pariser Hauses nach London kommen, um mit ihrem Gatten und der sachkundigen Dame einige „sensationelle Roben" auszuklügeln. Ein Trauerfall in der herzoglichen Familie hat aber das Erscheinen der Herzogin bei den Hoffesten in Frage gestellt, und so wird man die listen Geschmacksäußerungen des Herzogs, der, wie behauptet wird, alle Toiletten seiner jungen Frau selbst wädlt, vielleicht gar nicht bewundern können. Einige sparsame Damen der englischen Königsfamilie, sowie verschiedene fremde Prinzessinnen haben in Paris inkognito Toiletten bestellt, von der traurigen Gewißheit durchdrungen, daß Prinzessinnen nie wohlfeil ein tauft u. Erst nachdem alle Preise festgesetzt worden, lüfteten sie ihr Inkognito. Eine spanische Prinzessin, die Erfinderin dieser List, bezifferte ihre auf diese Weise gemachten Ersparnisse auf etliche Tausend Franken und zeigte sich so stolz darob, daß sie überall davon erzählte, worauf viele hohe Damen ihr Beispiel befolgten und gleichfalls unter fremden Namen ihre Aufträge gaben.
Vom Glück. Herr Professor Lombroso hat die Welt mit einer Reihe von Werken beglückt, deren „Wissenschaftlichkeit" sich mit dem durchaus nicht deckt, was wir exakte, nüchterne Nordländer unter diesem Begriff verstehen. Nun fängt auch noch Frau Lombroso an, „wissenschaftliche Untersuchungen" anzustellkn. Sie hat ergründet, ob der Mann oder die Frau mehr das Zeug dazu habe, glücklich zu sein und kommt zu folgendem Ergebniß : Die Frau ist die Glücklichere. Die Begründung stützt sich aus Zahlen. Sie hae