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Amtliches Organ für Staöt- unö LanöKreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 270.
Donnerstag den 18. November
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Amtliches.
^anöârei^ ^anau«
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Unter dem Rindviehbestande des Müllers und Landwirths Konrad Zindorf zu Ostheim ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen; es wird daher bis auf Weiteres dir Orts- und Gemarkungssperre für Ostheim angeordnet. Das Durchtreiben von Wiederkäuern und Schweinen durch den Ort und die Gemarkung Ostheim ist sonach verboten.
Die Bestimmungen der Bundesraths-Jnstruktion zur Ausführung des Reichsviehseuchengesetzes (Reichsges.-Blatt für 1895, Seite 358 ff.) — §§ 58, 59 ff. — sind genau zu beachten.
Die Herren Ortsvorstände wollen Vorstehendes sofort ortsüblich bekannt machen.
Hanau am 18. November 1897.
Der Königliche Landrath
v. Schenck.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Gesunden: Ein Steinkohlenkaffenbuch im schwarzen Bären. Ein graues Knabenmäntelchen (Rad). Eine Fahrrad- Nr. 657.
Verloren: Ein großer schwarzer Henkelkorb (am 16. ds. Mts. aus dem Neust. Markt stehen geblieben).
Hanau am 18. November 1897.
4Haöt&ret0 ^anau.
Bekalllltmachungeu des Oderbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Wie in den Vorjahren hat im allgemeinen Interesse die Ausführung von Hausentwâfserungen während der Wintermonate zu ruhen.
Es dürfen daher in der Zeit vom 1. Dezember 1897 bis 28. Februar 1898 keine Hausentwässerungen ausgeführt werden und wird während dieser Zeit auch keine diesbezügliche Baugenehmigung ertheilt.
Hanau am 11. November 1897.
Städtische Polizeiverwaltung. Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 16097
Fremdenhast in China.
Schon vor zwei Jahren war in China eine Station deutscher katholischer Missionare überfallen und zerstört worden. Die chinesische Regierung leistete damals nur zögernd
Feuilletsu.
I. Abomrmrnts-Komert des Oratorien- Uerrins.
Hanau, 18. Novbr.
In dem am vorigen Dienstag veranstalteten Konzert des Oratorien-Vereins wurde uns — hier zum ersten Male — das Bruchsche Werk: „Das Lied von der Glocke" von Schiller dargeboten. Ehe wir an die Besprechung des für Soli, Chor und Orchester geschriebenen Werkes herantreten, sind wir dem Oratorien-Verein zu großem Dank verpflichtet, der uns eine so großartige und in allen ihren Theilen durch fesselnden Eindruck sich auszeichnende Komposition vermittelte. Max Bruch, ein mit den vokalen und instrumentalen Mitteln auf das innigste vertrauter Meister, hat uns in glänzender und tiesdurchdachter Verwendung derselben ein Werk geschaffen, welches sich durch lebendige, kraftvolle Rhythmen, glänzende Formen, kühne Stimmführung und geniale orchestrale Bearbeitung auszeichnet und dem die dramatische Spannung bis zum Schluffe erhalten bleibt. Und was das Interesse und die Aufmerksamkeit in besonderer Weise rege hält, ist die Popularität der herrlichen Schillerschen Dichtung, wodurch der größte Theil der Zuhörer in der Lage ist, die Bruchsche Bearbeitung in ihrer textlichen Anpassung leichter zu verstehen und dementsprechend zu würdigen.
Das ganze Werk in seiner genialen Anlage und seinen gesanglichen und instrumentalen Schönheiten hier zu beleuchten, würde im Rahmen einer kurzgehaltenen Besprechung zu weit führen, deshalb wollen wir unsere Leser nur auf einige Schönheiten und charakteristische Bearbeitungen einzelner
die geforderte Genugthuung. Jetzt liegen neue Ausbrüche von Fremdenhaß in China gegen Deutsche vor. In Wut- schang war nach Offizieren von S. M. S. „Kormoran", die ans Land gegangen waren, mit Steinen geworfen worden, auch die Dampsbarkasse, die die Offiziere an Land gebracht hatte und auf der die deutsche Flagge wehte, hatte man mit Steinwürfen anzugreisen versucht. Ferner hat der chinesische Pöbel in Jentschu eine Missionsanstalt überfallen, wobei ein oder zwei Missionare deutscher Nationalität — über den zweiten Missionar liegt noch keine genaue Nachricht vor — getödtet wurden. Infolge dieser Vorfälle hat sich die deutsche Regierung entschlossen, ihrer Forderung einer sofortigen Sühne mit H'.lfe der ostasiatischen Kreuzer-Division unter dem Befehle des Admirals Diederichs Nachdruck zu geben. Die Schiffe „Kaiser", „Prinzeß Wilhelm", „Arcona" und „Kormoran" sind Ende voriger Woche in der Kiautschu-Bucht an der Küste der Provinz Schantung, in der die Stadt Jentschu, der Ort der letzten Unthat, gelegen ist, eingelaufen, haben dort Truppen gelandet und wie es scheint, den Hafen in Pfand genommen.
Dieses energische Vorgehen war zum Schutze der Deutschen und zur Wahrung unseres Ansehens und Einflusses in Ostasten geboten. China verdankt es unserer Mitwirkung an der Seite Rußlands und Frankreichs, daß es nicht den Streichen der japanischen Waffin völlig erlegen ist. Bei der Festsetzung unserer Schiffe in der Kiautschu-Bucht handelt es sich zunächst darum, eine energische Genugthuung durchzusetzen. Es erscheint uns voreilig, von einer dauernden Besitzergreifung in Ausübung von Hoheitsrechten zu sprechen. Ist auch der alte Wunsch ganz berechtigt, daß wir einen Stützpunkt für unsere Flotte in Ostasien erwerben möchten, so muß doch vorerst daran festgthalten werden, daß der Ausgangspunkt der Aktion unserer Schiffe in der Kiautschu-Bucht in der Sühne für grobe Ausschreitungen gegeben ist.
Auswärtige Konflikte und die deutsche Kriegsmarine.
Als sollte dem Reichstage kurz vor der wichtigen Entscheidung über die nöthige Verstärkung unserer Kriegsmarine durch den Zwang der Thatsachen selbst eine ernste Mahnung ertheilt werden, ereignen sich zugleich auf drei verschiedenen Stellen des Erdballs Konflikte oder Angriffe auf deutsche Reichsangkhörige und Rechte, welcher ein energisches Einschreiten unserer Kriegsmarine erfordern können oder bereits nöthig gemacht haben. Die Vorfälle in China, Haiti und Brasilen sind bekannt. Allerdings scheint ja die brasilianische Regierung ohne weiteres Genugthung für die ungerechtfertigte Mißhandlung Deuischer zugesagt zu haben. Immerhin sind I die politischen Verhältnisse in den meisten süd- und zentral- ' amerikanischen Staaten derartig unzuverlässige, daß deutsches
Einer Mahnung gleich von großer Eindringlichkeit ertönt der Eingangschor: Vivos voco. Mortuos plango. Fulgura frango. Reich an melodischem Glanz, an herzerfrischender Innigkeit sind die lyrischen Stellen und die Schilderungen des Naturlebens. Mächtig und erschütternd gestalten sich die entfesselten Elemente, dessen musikalische Darstellung bis ins einzelnste getroffen ist. Düster und ernst ist die Macht des Todes zum Ausdruck gebracht. Wie trefflich, dabei charakteristisch ist die Orchesterbegleitung in verschiedenen Soli und Chören! Wir erinnern an die Tonmalerei des Vortrags: „Weiße Blasen seh' ich springen" und „Er strömt ins Leben wild hinaus" mit dem trefflichen Tenorrecitativ. Von unbeschreiblich schöner Wirkung, — wohl die Krone des Werkes —, ist das im II. Theil vorkommende Terzett: „Holder Friede, süße Eintracht", das in einigen Takten im Orchester uns an das bekannte Weihnachtslied: „Stille Nacht, heilige Nacht" erinnert. Von geradezu packender Wirkung ist der am Schluß des Werkes vereinte markige Zusammenklang von Soli, Chor und Orchester: „Friede sei der Glocke erst' Geläute!"
Vom Werke selbst nunmehr zu der durch den Oratorien- Verein gebotenen Ausführung! Die Chöre waren mit Genauigkeit und Sorgfalt einstudirt, welches an der Präzision der Einsätze, der Treffsicherheit der schwer zu singenden Intervalle, der dynamischen Abstufung zu erkennen war, ein Verdienst des Leiters des Oratorien-Vereins, des Herrn Dr. F. Limbert, welcher sowohl den Chor, als auch die Soli und das Orchester mit Sicherheit und Beherrschung des polyphonen Stimmgewebes zu glänzendem Erfolge führte. Wie der Chor an manchen Stellen imponirend hervortrat, wußte er auch unter der zielbewußten Leitung sich mit der angepaßten Feinheit und Biegsamkeit den Soli nnd dem Ensemble in schönster Weise anzuschmiegen.
Durch die Soli, Rezitative rc. sind die Chöre verbunden ‘•“^ 'ri frt et« AvnAMtfrfipa ßtnmp BeroeftellL Durch die
Recht und deutsches Prestige nicht genügend unsere Schutzbefohlenen, den deutschen Namen und die deutsche Ehre sichern können. Der Angreifer muß nöthigenfalls auch die faktische Macht dahinter sehen und fühlen. Gerade in den amerikanischen Gewässern aber ist unsere Kriegsmarine seit Jahren ganz ungenügend vertreten. Eine ständige Flottenstation existirt dort nicht, nur in langen Pausen lassen sich einmal deutsche Kriegsschiffe sehen. Es war nur ein glücklicher Zufall, daß während der chilenischen Revolution die endlich entsendete deutsche Kreuzerflottile noch rechtzeitig ankam, um am Schluß wirksam eingreifen zu können. Jetzt befinden sich in Amerika oder auf dem Wege dorthin einige veraltete deutsche Schulschiffe, die vielleicht dem verrotteten Kleinstaat Haiti imponiren könnten, im Ernstfalle aber vor der brasilianischen Flotte sich gar nicht sehen lassen dürften. Müßte aber die deutsche Kriegsflotte, wie das die jetzigen Ereignisse warnend zeigen, einmal an mehreren Orten zugleich in Aktion treten, so hätten wir ohne unzulässige Entblößung der eigenen Küsten gar nicht das nöthige Material. Und derzeit ist es nicht etwa Deutschland allein, welches vor solchen Eventualitäten steht; so muß z. B. die österreichisch-ungarische Flaue jetzt der Türkei die Zähne zeigen und eine durch effektive Macht wirksame Drohung mit Beschießung stellen. War doch auch bei der kretischen Blockirung Deutschland nur mit einem Schiff außerordentlich schwach vertreten. Die deutschen Interessen im Auslande wollen aber auch Diejenigen gewahrt wissen, welche betreffs der Stärkung unserer Kriegsflotte mit allzu karger Sparsamkeit vorgehen. Mögen sie sich, wenn nicht durch Ueberredung, durch den Zwang der Weltgeschichte, der politischen Situation belehren lassen.
Politische und unpolitische StachVichter-
(Depescheu-Bureau „Herold.")
Wien, 17. Novbr. Die Thronrede, welche heute anläßlich der Eröffnung der Delegationen gehalten worden ist, bezeichnet die politische Situation Europa's Dank der Cin- müthigkeit der Großmächte, welchen es gelungen ist den grichiesch-türkischen Konflikt zu lokalisiren, als äußerst friedlich. Die Aufgabe der Großmächte sei es nun, zur Regelung der Kretafrage zu schreiten und der Insel unter der Suzerenität des Sultans weitgehendste Autonomie zu gewähren. Die Thronrede bezeichnet sodann die Beziehungen Oesterreich- Ungarns zu allen Mächten, namentlich zu Rußland als die besten. Nach wie vor bilde das Bundesverhältniß zu Deutschland und Italien die unverrückbare Basis der österreichungarischen Politik. Mit warmer Genugthuung gedenkt des Weiteren die Thronrede des Besuches Kaiser Wilhelms in Wien und Budapest sowie des römischen Königspaares. Weiter wird konstatirt, daß die Kriegsverwaltung trotz der Ergänzungen und Neuanschaffungen den Etat nur mäßig
Vertreter der entsprechenden Rollen, Frl. Schmidt (Sopran), Frl. Luz-Behn (Alt), Herrn Hormann (Tenor), Herrn W a ß m u t h (Baß) wurde dem Werke erst die rechte würdige Fassung gegeben.
Mit ansprechender Tongebung, warmem belebtem Ausdruck und in den höheren Lagen mit gesteigertem klanglichen Glanz vertrat Frl. Schmidt die Sopranparthie. Frl. Luz- Behn brachte durch ihre Altstimme, deren Vorzüge angenehmer Wohllaut, Wärme und Wahrheit des Ausdrucks sind, die Soli zu wirksamer Geltung. Der lyrische Tenor des Herrn Hormann konnte sehr gefallen. Vor Allem muthete uns die warme, musikalische Empfindung an. In den Sologesängen, sowie in den Rezitativs fesselte der Sänger durch den schönen Klang des Organs und die zu Herzen gehende Vortragskunst.
Die Baßparthie lag in den Händen unseres Herrn W a ß- m u t h. Mit gewohnter Kraft und Fülle, schöner Tongebung wußte Herr Waßmuth die Rolle des Meisters markant und sicher zu gestalten. Namentlich fand der Sänger für die dramatischen Momente den entsprechenden Ausdruck. Das Orchester, bestehend aus der Kapelle des Infanterieregiments Nr. 166 und einigen hiesigen Künstlern, dem eine ziemlich große Aufgabe zufiel, löste dieselbe in recht anerkennenswerther Weise. Es zeigte große Hingabe für die Sache und war bemüht, auch bei dem begleitenden Theile Dezenz zu bewahren.
Der Gesammteindruck des Konzertes war einer der besten. Daß Mühe und Arbeit des Lohnes werth sind im Reiche der Kunst, das bewies der in reichem Maße gespendete Beifall.
AUHUipp I von Hanau-MüNMberg.
An der Hand des verdienten Geschichtsforschers Johann Adam Bernhard gab Herr Dr. R. Suchter in der Mo- natsversammluna des Geschichtsoereins am 15. November fol-