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Montag den 16. August
1897
„Amtliche Beilage" Nr. 55.
Amtliches.
Dimstnachrichteu aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Rosenkranz, ein Brenneisen, ein dreireihiges Korallen armband mit goldenem Schloß.
Verloren: Ein dreireihiges Korallenalmband mit goldenem Schlößchen und darauf 2 Korallen.
Zugelaufen: Ein junger braun und weißer Jagd^ Hund männl. Geschl.
Hanau den 16. August 1897.
Verkauf von Grundstülktn.
Von dem in der Gemarkung von Oberissigheim belegenen Domanialgrundbesitz sollen die Stücke Kartenbl. 2 Nr. 156 bis 167 von zusammen 6 ha 19 ar 86 qm Acker im Bogelgesang in den einzelnen Parzellen öffentlich meistbietend verkauft werden.
Termin hierzu ist auf Montag den 23. ds. Mts., vormittags von ^28 Uhr ab in die Gastwirthschast des Jakob Schmidt in Oberissigheim anberaumt. Aus angemessene Kausgeldgebote erfolgt der Zuschlag ohne Abhaltung eines weiteren Termins.
Die Bieter Haden dem untcrzeichmten Beamten, auf Verlangen, ihre Zuschlagssähigkeit nachzuweisen, was durch bürgermeisteramlliche Bescheinigung oder durch Hinterlegung eines entsprechenden Theiles des Kausgeldes geschehen kann.
Hanau am 14. August 1897.
Der Königliche Domänenrath
Bell. 11451
Grundstücksverpachtung.
Von dem in der Gemarkung von Oberissigheim belegenen Domanialgrundbesitz sollen 40 ha 41 ar 30 qm Ackerlândereien, einschließlich einiger geringen Wiesenstückchen, in 128 einzelnen Parzellen öffentlich meistbietend vom 1. Januar 1898 ab aus zwölf Jahre anderweit verpachtet werden.
Termin hierzu ist auf Montag den 23. ds. Mts., vormittags von 9 Uhr ab in die Gastwirthschast des Jakob Schmidt in Oberissigheim anberaumt.
Aus angemessene Gebote erfolgt der Pachtzuschlag ohne Abhaltung eines weiteren Termins.
Hanau am 14. August 1897.
Der Königliche Domânenrath
Bell. 11452
Feuilleton.
Die Brandenburger bei Uionville- Mars-la-Tonr den 16. August 1870.
Als Bazaine, dessen sogenannte „Rhein-Armee" in der Stärke von 170 000 Mann nach der Schlacht von Spichern bei Metz versammelt war, Miene machte, die mißliche Stellung aufzugeben und gen Westen abmarschiren, griff ihn die preußische I. Armee am 14. August an und zwang ihn, Front zu machen und Stand zu halten. Um diesen Erfolg auszunutzen, erhielt die II. Armee den Befehl, nach Ueberschreitung der Mosel sich gegen die französische Rückzugstraße Metz — Verdun zu wenden, während die I. Armee östlich von Metz stehen blieb. Das 3. Armeekorps, General Konstantin von Alvensleben, überschritt in der Nacht vom 15. zum 16. August die Mosel und entwickelte sich zum Angriff gegen die französischen, bei Vionville gemeldeten Heeresmassen. Im Laufe des immer heftiger entbrennenden Kampfes wurde die feindliche Uebermacht immer fühlbarer; die tapferen Brandenburger drohten sich zu verbluten. Als die Franzosen den preußischen linken Flügel umfaßten, stürzte sich, um der dort fechtenden 6. Division zu Helsen, die Kavalleriebrigade Bredow, Kürassiere 7 und Ulanen 16, in den Feind und brachte den französischen Angriff zum Stehen. Das Regiment 16, nach einem Marsch von 5 Meilen eben auf dem Schlachtfelde eingetroffen, ging sofort zum Angriff vor. Als die 16er den tiefen Grund durchschritten, der sie vom Feinde trennte, wurden sie von vernichtendem Feuer überschüttet, so daß es nur wenigen gelang, den jenseit'gen Hang zu erklimmen.
Frankreich und England.
Für die Wünsche Großbritanniens bezeichnend sind die englischen Preßstimmen zur Reise unseres Kaiserpaares nach Rußland. In fast allen größten Blättern wird die Meinung vertreten, nach dem glänzenden Verlauf des deutschen Kaiser- besuches bleibe für den Präsidenten Faure nichts mehr übrig; die Franzosen möchten, da die deutsch-russische Freundschaft besiegelt sei, an Englands Seite kommen. Dieser Gedanke ist bereits früher in englischen Blättern erörtert worden und hat in London zur Bildung eines Komitees geführt, um eine Annäherung Frankreichs an England herbeizuführen. So verständlich die Versuche Englands sind, aus seiner glänzenden Jsolirtheit herauszukommen, so unverständlich ist es, daß das Liebeswerben Englands diesseits des Kanals Anklang gefunden hat; nicht nur bat in Paris ein ähnliches Komitee sich dieselbe Aufgabe gestellt, sondern — und das ist das erstaunlichste — der französische Botschafter in London, v. Courcel, hat vor einiger Zeit öffentlich erklärt, England und Frankreich würden nur durch Mißverständnisse gehindert, überall Hand in Hand zu gehen.
Gegen diese Auffassung des französischen Staatsmannes läßt sich nichts einwenden. Man müßte in der That blind sein, um Mißverständnisse nicht zu sehen, die schon so lange dauern. Es war ein Mißverständniß, als die Engländer in einem hundertjährigen Raubzuge Frankreich verwüsteten; es war ein Mißverständniß, als sie es aus Ostindien verdrängten; es war ein Mißverständniß, als sie ihm Canada abnahmen, und daß sie sich jctzt in Egypten häuslich niederlassen, ist natürlich erst recht ein Mißverständniß. Jene Ereignisse sind längst vergessen, sie haben jedoch in der Volksseele einen Niederschlag von Unmuth als unbestimmte und vielleicht auch unbewußte historische Empfindung zurückgelassen, die in unsern Tagen bereits stark abgeschwächt, aber noch lange nicht überwunden ist.
Diese historische Empfindung war besonders während der großen Revolution lebendig. Das ist merkwürdig und bezeichnend zugleich. Die Revolutionsmänner traten mit großen Völkerumarmungs-Bedürfnissen auf und träumten sich bereits ein Weltbürgerthum aller vom Tyrannenjoch erlösten Nationen zurecht. Wo wir die Berichte über die Sitzungen des Nationalkonvents aufschlagen, lodert der Haß gegen Albion hervor, und das Wort Mirabeaus aus dem Jahre 1790 : „Die Feindseligkeit Englands wird ewig sein!" kehrt hundertfach wieder.
In dieser Thatsache drückt sich das Gefühl aus, daß England der unversöhnliche Neider, der Erbfeind Frankreichs sei. Der zweiundzwanzigjährige, durch den Frieden von Amiens nur für kurze Zeit unterbrochene und erst bei Waterloo beendete Kriegszustand konnte dieses Gefühl nur noch bestärken. Anderthalb Jahrzehnte nach dem Tage von Waterloo ging erging es nicht besser. Wieder ging die Kavallerie todes- muthig zur Attacke vor, um die schwer gefährdete Schwesterwaffe zu retten.
Diesmal waren es die Garde-Dragoner, die sich den Verfolgern entgegenwarfen und unter furchtbaren Verlusten Lust schafften. Als dann französische Reitermassen nördlich von Mars-la-Tour auftraten, eilte die Kavallerie-Brigade v. Barby herbei, Kürassire 4, Dragoner 19, Ulanen 13, und erfocht, unterstützt von den Dragonern 13 und 16, sowie von den Husaren 10, einen volländigen Sieg über die feindliche Kavallerie. Das brandenburgische Korps hatte, wirksam unterstützt vom 10. Korps, in zwölfstündigem Kampfe das Schlachtfeld behauptet. Gegen 63 000 Preußen hatten 113 000 Mann im Gefecht gestanden. Der preußische Verlust betrug 15-00 0, der französische 16 00 0 Mann.
Die brandenburgischen Infanterie-Regimenter wetteiferten in Tapferkeit und Todesverachtung. Als beim Regiment 52 sämmtliche Offiziere der Kompagnie des Hauptmann Topper todt oder verwundet waren, rief der ebenfalls verwuntete Hauptmann seinen Leuten zu: „Kinder, folgt jetzt eurem braven Feldwebel, der wird Euch führen!" Und der bewährte sich als Heldenvater der Kompagnie; mit dem Rufe: „Siegen oder Sterben!" übernahm der wackere Feldwebel Enge das Kommando, und vorwärts ging's bis zum Siege!
Als um Mittag nach hartnäckigem Waldgeficht die Franzosen zu weichen begannen, erhielt Feldwebel Rese rom 3. Wäller-Bataillon den Auftrag, mit den gerade verfügbaren Mannschaften von der 1. und 2. Kompagnie, 3 Oberjägern und 16 Jägern, zur Erkundigung rechts in das Innere des Gehölzes vorzudringen. Alsbald stieß man auf eine star e, aber untergeordnete feindliche Abtheilung, die noch ca. 200 (Stritt fntfpmt war. Rese schickte einige Leute rechts und
die Regierung Louis Philipps darüber zur Tagesordnung über, als sie sich von Palmerston ins Schlepptau nehmen ließ, um jene famose Politik der Westmächte einzuleiten, in der Frankreich auf dem hohen Rosse zu sitzen glaubte, während es thatsächlich zu Fuß hintendrein lief und den Engländern unentgeltlich Handlangerdienste leisten mußte. Das Ende vom Liede war Sedan!
Die Franzosen thäten daher im eigenen Interesse besser, den englischen Sirenenklängen das Ohr zu verschließen. Was englische Versprechungen und Liebesworte werth sind, hat gerade die Aera der westmächtlichen Freundschaft gezeigt, die Frankreich so theuer zu stehen kam, daß es vielleicht bei der offenkundigen Feindschaft der frühern Zeit noch besser auf seine Rechnung kam. Sollten die Franzosen aber, den Lehren der Geschichte zum Trotz, den englischen Lockrufen doch Gehör schenken, so wäre das für uns kein Grund zur Beunruhigung. Wir werden unsere zielbewußte Friedenspolitik an der Seite Oesterreichs und Rußlands unbeirrt fortsetzen. Die Thatsachen werden schon das ihrige thun, um Frankreich zu überzeugen, daß ein französisch-englisches Eirvernehmen einem Vertrage zwischen einem Löwen und einem Esel gleicht, bei dem Frankreich nicht die Rolle des Löwen spielt.
Tagesschau.
Vom Polenthum Mit welcher Dreistigkeit das Polenthum gegen das Deutschthum vorzugehen wagt, zeigt folgende Meldung des „Graudenzer Geselligen" aus Mo- gilno: In einer Versammlung des hiesigen „Sokolvereins" wurde von dem Vorsitzenden angeordnet, daß derjenige, welcher in der Versammlung ein deutsches Wort spricht, für jedes Wort 5 Pfg. Strafe zahlen solle. Wie das genannte Blatt mittheilt, ist diese unerhörte Provokation des Deutschthums der Polizei angezeigt, und es ist bereits Termin zur Vernehmung von Zeugen, welche deutsche Worte gesprochen und die angeordnete Strafe bezahlt haben, anberaumt worden.
Die Deutschenhetze verbreitet sich von Böhmen auch auf die andern Kronländer. In Laibach veranstaltete der slowenische Pöbel lärmende Kundgebungen gegen die dort weilenden Mitglieder des Deutsch-österreichischen Alpenvereins, und es bedurfte eines Aufgebots der Polizeiwache, um Thätlichkeiten zu verhindern.
An den schweren Wafferkalaftrophen der letzten Zeit ist dem „Vorwärts" zufolge schuld der — Kapitalismus! Das sozialdemokratische Blatt schreibt: „In seiner Begrüßungsrede des Züricher internationalen Kongresses batte Genosse Bürkli ausgeführt: „Der Kapitalismus als Privat- Raubwirthschaft hat sogar die Natur verwüstet, die Wälder verheert, den Boden ausgesaugt und das Klima verschlechtert. Daher die Witterungsextreme, wie Fourier es schon vor 80 Jahren voraussagte: Dürre und Ueberschwem-
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links in die Flanken des Feindes und stürzte sich mit dem Rest seiner Braven geradewegs auf den dicksten Haufen los, mit Hurrah und dem Rufe â bas les armes! (die Waffen nieder!) Bestürzt leisteten die Franzosen dem Befehl Folge, nur drei Offiziere zögerten noch. Ein, großer stattlicher Hauptmann, auf der Brust das Kreuz der Ehrenlegion, entrüstet ob der Verwegenheit der kleinen Preußenschaar, ergreift eiu Gewehr und legt auf Rese an. Aber schnell wie der Blitz ist der Jäger Scheffler zur Hand und stößt dem Allzukühnen den Hirschfänger in die Brust. Rese bringt mit seinen 19 Tapferen 3 Offiziere und 283 Mann als Gefangene ein.
Auch die schneidigen brandenburgischen Füsiliere vom Regiment 35 können was erzählen! Füsilier Stropp^ war bei seiner Unerschrockenheit von einer Ruhe und Gemüthuchkeü, die den Kameraden oft Spaß machte. Als sein Zug bei einer Wassermühle auf Feldwache lag, nahm der Feind tue Mühle unter starkes Gewehrseuer. Alles klagte über brennenden Durst; aber niemand wollte sich in die Muhle wagen. Stillschweigend nahm Stropp vier Kochgeschirre und schlenderte, wie im Friedensbiwak zur Mühle, süllte dre Kochgeschirre und kehrte in demselben Tempo, umsaust von den feindlichen Geschossen, mit seinen Kochgeschirren zurück. Es war ihm nichts geschehen, obschon zwei Kochgeschirre und seine Bekleidung Kugelspuren zeigten.
Da denken wir unwillkürlich des alten Liedes, das die brandenburgische Tapferkeit im Türkenkriege besingt und mu den Worten schließt:
„Und nun lebt's in Volkes Munde,
Sagt es fernen Zeiten an, Daß am festesten von allen Steht der brandenburgsche Mann!" v. S.