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Wr. 135.
Samstag den 12. Juni
Amtliches, ^anölkrci^ ^anau. Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Das auf den 14., 15., 16. n. 18. d. M. angesetzte Schietzen des Infanterie-Regiments Nr. 166 bei Hüttengesätz findet nicht statt.
yanau am 12. Juni 1897.
Der Königliche Landrath v. Schenck.
NmstuaâiMten aus dem Kreise.
Gefunden während der Feier im Schloßpark: Drei Schlüssel. Ein Stockgriff. Ein schwarzer Kinderschirm. Zwei Schirme. Zwei Kannen. Vier weiße Taschentücher. Ein Paar Damenhandschuhe. Ein schwarzer Damenumhang. Ein wollener farbiger Baschlick. Ein leeres Portemonnaie. Ein Paar weiße wildlederne Han schuhe. Vier einzelne (2 @Ia?é- und 2 andere) Handschuhe. Ein grauer langer Stauchen. Ein Zwicker. Ein Portemonnaie mit Geld rc. Außerdem gesunden: Eine Cylindcruhr mit Kette. Ein weißes Taschentuch (von der Post). Ein Eisenbahn-Kursbuch.
Zugelaufen: Ein großes graues Huhn.
Verloren: Eine schwarze Metall-Damenremontoiruhr. Eine Damenuhr mit Kette. Ein Packet von grauem Papier mit Adresse: K. Pulverfabrik. Ein goldner Fingerring mit schwarzem Stein. Ein Kamm. Eine goldne Uhr nebst goldner Kette. 1000 Mark in Gold. Ferner im Schloßpark verloren: Ein Fächer. Ein Schirm. Ein weißer Sonnenschirm. Eine Vorstecknadel. Ein Damenschirm. Ein Notizbuch. Eine silberne Vorstecknadel (Hirschgranl). Ein Portemonnaie (Inhalt 1.40 Mk.). Ein Umhängekragen. Ein Zwicker. Ein schwarzer Frauenkragen. Eine Schmetterlings- broche. Eine goldne Broche.
Entflogen: Drei weiße Tauben mit schwarzen Flügeln. Hanau am 12. Juni 1897.
Handelskammer zu Hanau.
Oesienttiche Sitzung
am Montag den 14. Juni 1897, nachm. 4*/» Uhr, im Bureau der Handelskammer.
Hanau den 10. Juni 1897.
Die Handelskammer
Can that. 8604
Feuilleton.
Allerlei Gedanken.
Hanau, 12. Juni.
Heute Morgen bin ich mit einem schweren Seufzer er wacht, einem Seufzer, wie er sich nur der gequälten Brust eines unglücklichen Erdensohnes entringen kann, den sein Geschick dazu verdammt hak, eine anstrengende, aufreibende, fünftägige Feier von Anfang bis zu Ende durchzumachen, der geduldig in dem festes frohen, rücksichtslosen Menschenstrom mittrieb und sich ohne Klagen, ohne Murren stoßen, zerren, drücken, treten ließ, immer bedacht, aus dem Chaos von Unannehmlichkeiten und Unbequemlichkeiten ein Gefühl des Vergnügens herauszuschälen. Und nun ist es vorbei, das Fest, auf das man seit langer Zeit alle Hoffnungen, alle Wünsche aufgespeichert hat, um das sich alle Gedanken drehten und das alle Gedanken verdrehte, vorbei, dahin und nur ein toller Schwarm von Empfindungen und Erinnerungen, von Schreckgespenstern und wilden Kobolden tanzt noch sinnverwirrend um die aufgeregte Seele und flüstern abgebrochene, höhnische, neckische Worte in das Ohr des Gequälten und dazwischen tönt immer krächzend und unangenehm das inhaltsreiche Wörtchen „vorbei!".
Ich möchte wissen, ob meine Leier auch unter dem Einfluß dieser allgemeinen Verstimmung steht. Darf ich in Ihrer Gegenwart einen Versuch machen? (Mein prophetisches Auge sieht hier einige hundert schöne Mädchenlöpfe sich zustimmend neigen.) Zu gütig ....
Verrauscht das Fest, verweht der Glanz
Der goldnen Jubeltape;
Ihr liegt, ein welker Blüthenkranz Auf ernstem Sarkophage.
Zur Lage auf Kuba.
Daß die antispanische Partei auf der Perle der Antillen noch keineswegs zu Kreuze gekrochen ist, wie GeneralWeyler es gern binstelleu möchte, beweisen die in diesen Tagen nach längerer Pause austarchenden Telegramme in der ausländischen und zwar namentlich in der französischen Presse. Das Gros dieser Drahtmtldungen, die von frischen Triumphen der Insurgenten zu melden wissen, scheint diesmal keineswegs in Newyoik oder Florida fabrizirl zu sem, sondern kommt direkt aus Hcvanna, derjenigen Provinz, die bisher vor allen anderen den Greueln des Krieges ausgesetzt gewesen ist. Nach wie vor halten sich um hielte Banden der Aufständischen im nächsten Umkreis der Hauptstadt auf, und eine der neuesten Depeschen berichtet über ein Dynamit-Altentat gegen einen Passagierzug, bei dem mehr als 100 Mitreisende, zum größten Theil Soldaten, getödtet oder verwundet worden seien.
Was nützen da alle gegentheiligen Meldungen von einem besseren Einverstäntniß zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten? Gibt doch Sennor Canovas de Castillo, der spanische Premier, selber zu, daß die Kubaner nach wie vor wenig versöhnlich gestimmt seien, und an die Aufrichtigkeit der versprochenen von den Cortes im offiziellen Reoierungs- organ der Stadt Havanna bereits veröffentlichten Reformen nicht glaubten. Ebenso weist Sennor Canovas in Verzweiflung auf die von den Kcn'ervativen gemachten Anstrengungen zur Regelung der kubanischen Goldwährung bin, die ihm, wie er anzunehmen glaubte, doch sicher einige Sympathiebeweise hätten einbringen müssen.
Nichts davon! Störrischer denn je verlangen die Be- wobner der Antillen die sofortige Einführung durchgreifender Reformen. Unter bitfen Umständen kann man sich den Entschluß der Königin-Regentin Christina mit demselben Kabinet, dem Kabinet, welches unweigerlich an die bisherige Politik gebunden ist, auszuharren, nur schwer erklären. Das einzige, woracf die Königin Regentin in der gegenwärtigen Krisis Nachdruck gelegt hat, ist lie Rückbcrufung des Generals Weyler. Dem stimmen aber weder Sennor Canovas noch der Minister des Auswärtigen, der Herzog von Tetuan, bei. Um, obgleich die libeiole Part.i letzterem gegenüber alle Anstrengungen macht, die bekannte skandalöse Ohrfeigenaffaire auszunützen, und ibn zu stürzen, ist der Herzog doch die rechte Hand seines Chefs urd Sennor Canovas darf unter keinen Umständen wagen, sich von einem so wichtigen Gliede za trennen. —
Vorläufig ist die liberale Partei in Spanien auch viel zu schwach und zersplittert, um ihm ernste Hindernisse in den Weg legen zu können, und auch die unmittelbare Zukunst scheint eher auf eine Spaltung der Partei Sagasta'S hinzudeuten, als
Turch's Fenster ist ein mattes Licht
Gedämpft hereingedrungen
Und aus dem Strom der Zeiteu fischt
Das Herz Erinnerungen.
Vorbei! O grausam, hartes Wort,
Du nimmst von frohen Seelen
Den Schleier goldrer Freuden fort,
Um ihn für dich zu stehlen.
Auch mich rührst du so eisig an
Mit deiner stummen Klage,
Obgleich ich meinen Talisman
Im warmen Busen trage.
Und wenn die letzte Freude flieht,
Jn's Grab hinabgezwungen.
Und wenn das letzte leise Lied
Im Hauch der Nacht verklungen,
Dann sinket auch das letzte Leid
Tief in die Grabeshöhle
Und zieht den Flor der Traurigkeit
Für immer von der Seele.
Dann heißt's zum letzten Mal: vorbei!
Umschifft sind alle Klippen
Und lers verhallt der letzte Schrei
Von den erstarrten Lippen.
Dann senkt sich still auf uns die Last
Vergangner Seligkeiten
Und deckt uns schwer. — Halt' gute Rast,
Mein Herz — wir müssen scheiden.
Das klingt wieder einmal sehr melancholisch und man wird daraus den scharfsinnigen Schluß ziehen, daß mein Herz sowohl wie mein Kopf noch unter gewissen bösen Nachwirkungen zu leiden haben, die sich unfehlbar nach fünftägigen Festen einzustellen pflegen, besonders w«nn man den Knall dickleibiger Korke öfter als gut ist gehört hat und den „Festwein" nicht nur von Beschreibungen kennen lernte. Aber es ist noch etwas anderes, das solche blaßkränkliche Stimmungen in mir hervor rüst. Wem wäre es wohl während der Festtage nicht einmal begegnet, daß ihn eine Sturzwelle des Zufalls
auf ein geschlossenes Zusammengehen, das von der Presse allseitig befürwortet wird. Man kann nur hoffen, daß die Königin-Regentin dem Rathe der erfahrenen Militärs, mir denen sie täglich konferirt, folgen wird, indem sie Canovas vor die Wahl stellt, abzudanken, oder sich mit der Rückbe- rusung des Generals Weyler einverstanden zu erklären. Denn das System des letzteren hat trotz der scheinbaren Erfolge, die General Polavieja damit auf den Philippinen erzielt hat, doch seine bedenklichen Seiten und muß schließlich zu einem Ende führen, wie es Bolivar „der Befreier Süd- Amerikas" allen spanischen Kolonien prophezeite.
Vor allem darf man aus die Haltung der Vereinigten Staaren gespannt sein, wenn der alte Kurs weiter verfolgt wiro. Es kommt noch dazu, daß der Spezialberichterstatter Mac-Kinley's, den dieser in Begleitung des vielgenannten amerikanischen General-Konsuls Lee behufs näherer Crientirung über die Rechtsverhältnisse der amerikanischen Bürger auf der Insel nach Kuba schickte, am 8. dss. Mts. wieder in New-Dork eingetroffen ist. Schon in den nächsten Tagen wird er dem Präsidenten in Washington den vom Kongreß lange ersehnten Bericht abstatten. Dann wird es sich in kürzester Frist zeigen, welches die richtige Stellungnahme der Königin-Regentin und oer Freunde Spaniens sein kann.
Eine Prophezeiung über die rusfische Thronfolge.
(Nachdruck verboten.) @ Berlin, 11. Juni.
Der Großfürstin Maria Pawlowna, der Gemahlin des Großfürsten Wladimir Alexandrowitsch, bekanntlich eine geborene Prinzessin von Mecklenburg-Schwerin, wurde, wie man aus Petersburg schreibt, einst von einer Zigeunerin prophezeit, daß ihre Nachkommen den russischen Thron besteigen würden. Diese Prophezeiung ist in Rußland allgemein bekannt, und vielfach blickt man auf die schönen, blühenden Söhne des großfürstlichen Paares, die theilweise bereits als elegante junge Offiziere in der Garde dienen, mit dem ganz besonderen Interesse, das durch den romantischen Nimbus einer glänzenden Verheißung aus braunem Zigeunermunde erweckt wird.
Wie die russischen Thronfolge-Verhältnisse jedoch thatsächlich liegen, scheint durchaus keine Aussicht vorhanden zu sein, daß diese Vorhersage jemals in Erfüllung geht. Auch zum zweiten Male ist allerdings dem Zarenpaare eine Tochter geboren worden. Selbst wenn aber sämmtliche noch in Zukunft zu erwartende Kinder des hohen Paares weiblichen Geschlechts sein sollten, wenn der kränkelnde Thronfolger, Großfürst Georg Alexandrowitsch, seinem schleichenden Brustleiden erliegen sollte, würde noch immer der jüngste Bruder des
von der Seite seiner Bekannten hinwegriß, so daß er als einsames Schifflein in den Flutben des Festes herumtreiben mußte? Die Meisten werden d es ein Mißgeschick nennen und mit dem Zufall grollen und hadern, aber wer eine solche Situation zu nützen weiß, der wird eine Fülle unschätzbarer Anregung finden, die ihn für des Zufalls kleine 'Neckerei reichlich belohnet. Ich war einer von den glücklichen Unglücklichen und in der mir anhaftenden Selbstlosigkeit kann ich nicht umhin, meine Beobachtungen zum allgemeinen Nutzen kund zu geben. Wenn ich dabei ein wenig rücksichtslos und indiskret verfahre, so liegt dies eben in der Natur der Sache und ist nicht zu vermeiden. Also:
1. Schauplatz: Ein Karoussel. Beteiligte Personen: Ein Backfischlein mit einem Stumpfnäschen und blonden Zöpfchen; ein strebsamer Jüngling mit einer Kartoffelnase und karrirten Beinkleidern; beide etwas schüchtern und unsicher. Der Jüngling mit der Kartoffelnase ist schon geraume Zeit mit aner- kennenswerther Ausdauer wie ein Adler um das blonde Back- fi'chlein gekreist. Jetzt ist in seinem kühnen Herzen die Absicht zur That gereist, er vergleicht sich schnell noch einmal mit keinem Ideale Julius Caesar, findet eine frappirende Aehnlichkeit und nun steht er in malerischer Pose vor der angejchmachtetin Blume, kält in der linken Hand seine Mütze, einen etwas ungewöhnlichen Spazierstock und ein Paar apfel- sinensarbene, baumwollene Handschuhe und mit der streitbaren Rechten reicht er der lieblichen Blonden eine im Sterben begriffene Rose, die er vielleicht hinter dem Festzuq aufgelesen hat, und nach einem schmelzenden Blick in die Augen seiner Querida faßt er alle die stürmischen Gefühle, die seine Bru't durchtoben, in den inhaltsschweren Ausruf zusammen: „Da!" — _ Nach solchen Anstrengungen lebhaftes Errötben auf beiden Seiten, dann Verhandlungen über das Karoussel, das man zu wählen habe. Endlich sitzt die Kleine in einem blau lackirten Wagen und der Jüngling mit der Kartoffelnase