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Amtliches Organ für Sfaöf- unö LanöKrels Hanau.

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Nr. 84.

Freitag den 9. April

1897.

Amtliches.

SlaölKrsis ^«nau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Die Militärpflichtigen hiesiger Stadt werden hierdurch aufgefordert, ihre Loo fungsfcheine binnen 8 Tagen anf dem hiesigen Meldeamte vor dem Kanalthor 1 in den Bureauftunden: vormittags von 1012V2 und nachmittags von 35 Uhr abzuholen.

Hanau am 7. April 1897.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 5189

Stadt, gkmkbl. Fortbildmgsschalt.

Ausstellung von Schülerarbeitcn.

Die Ausstellung der im Jahre 1896/97 angefertigten Schülerarbeiten wird Palmsonntag den 11. ds. Mts., vor­mittags 11 Uhr, eröffnet und dauert bis Montag den 19. April, täglich von 10 bis 4 Uhr.

Die Lehrherren, Eltern und Angehörigen der Schüler, sowie sonstige Interessenten ladet hiermit zum Besuche der Ausstellung ergebenst ein

der Dirigent

Thormählen. 5258 Hanau, April 1897.

Dimstuaimititm ans dem Kreise.

Verloren: Eine kleine Damenuhr.

Entlaufen: Ein weißer Foxterrier mit schwarz und braunen Abzeichen am Kopf, m. Geichl.

Gefunden: Ein brauner Glacehandschuh (rechter).

Hanau am 9. April 1897.

Staatssekretär v. Stephan f»

Von den wenigen überlebenden hervorragenden Männern aus der Zeit der Neubegründung des deutschen Reiches ist wieder einer hinübergegangen in die Ewigkeit: Staatssekretär Heinrich v. Stephan ist in der Nacht zum Donnerstage seinem Leiden erlegen. Mit ihm ist ein Mann dahingeschieden, der ein Muster altpreußischer Beamtentreue seine uner­müdliche Arbeitskraft, sein außergewöhnliches organisatorisches

Kleines Feuilleton.

Die Herren von Kuchen-Hannu und die Herren von DorseLden-Hanau.

Von Dr. O. Ankel.

Dämmemacht umfließt den Ursprung Hönaus. Hohen Alters scheint es nicht zu sein; weder die Merowinger, noch die Karolinger dürsten die sumpfige Kinzigniederung besiedelt haben. Jedenfalls ist diese Stadt weit jüngeren Ursprungs als Frankfurt, das nachweislich längst vor Karls des Großen Tagen bestanden hat und in der Uranlage bis in die römische Zeit hinaufreicht. Erst gegen die Mitte des 12. Jahrhunderts, im Jahre 1143, wird der Name Hagenowa, Hanau, zuerst urkundlich erwähnt und zwar in Verbindung mit einem in den Zeugenreihen der Mainzer Urkunden unter den comites, den Grafen, genannten Dammo, der wahrschein­lich identisch ist mit D a m m o v o n B u ch e n, der schon seit 1122 in den genannten Urkunden wiederholt als Zeuge auftritt. Neben ihm erscheint in gleich angesehener Stellung im Jahre 1144 sein Sohn Arnold von Hanau und Buchen, der 1158 zuletzt genannt wird, und 1148 ein jüngerer Bruder Arnolds, Dammo von Hanau, als dessen Sohn, Gerlach von Buchen zu gelten hat. Dieser war vermuthlich der letzte weltliche Herr seines Ge

*) I. Die Herren von Buchen-Hanau (11221175).

Dammo I. von Buchen und Gotfried I. von Nied (1131, 32) von Hanau (112244); von

Nied (1131). _____________________

Arnold von Hanau Dammo II. Gotfried II. von Nied (1148). und von Buchen von Hanau (114458). (1148, 51).

? A ' ? ' Christi an von Gerlach von Buchen Dammo III. von Hanau, Buchen (1160). (114668). Domherr zu Mainz (1175).

Talent und seine große staatsmännische Befähigung in den Dienst des Vaterlandes gestellt und nicht nur diesem, sondern der ganzen Welt die allergrößten Dienste geleistet hat. Nahe­zu 27 Jahre hat der Verstorbene an der Spitze unseres Ver­kehrswesens gestanden. Was der auf diesen Zeitraum zurück- schauende Blick erfaßt, das sind die wichtigsten Fortschritte im Ausbau des vaterländischen und des Weltverkehrs, Ergebnisse seiner Kraft, seines Willens.

Ein großes einheitliches Postverkehrsgebiet mit einheitlicher Gesetzgebung, gleichmäßigen Betriebseinrichtungen und fester Zentralleitung ersetzt die ehemalige Zerrissenheit deutschen Post­wesens, die unrühmliche Zerklüftung der Gebiete, die Zer- splittterung der Kräfte. Mit festen Klammern ist die staats­rechtliche und Verwaltungs-Organisation in das öffentliche Leben der Nation eingefügt. Gemeinsames Postrecht, einfache und billige Einheitstarife nach einheitlichem Maß-, Münz- und Gewichtssysem üben leichte Herrschaft, wo ehedem Viel­heiten, Wirrnisse, bunte Mannigfaltigkeit die Entwicklung erschwerten.

Mit weitem Blick hat Stephan neue große Aufgaben dem Wirkungsbereich des geeinten Post- und Telegraphenwesens zugeführt, mit williger Hand hat er alle Bedürfnisse eines das ganze Wirthschaftsleben befruchtenden Postverkehrs ge­pflegt. Verkehrsfreiheit, Verkehrsverbesserungen, Neuein­richtungen und Erleichterungen wo immer die materielle und geistige Wohlfahrt des Volkes ihre wechselnden An­forderungen stellten wurden Zielpunkte seiner durchdringen­den Schaffenskraft. Um das Sechsfache an Zahl vermehrte Postanstalten mit mehr als verdoppelten: Personal und mit neuen Verkehrsmitteln aller Art verbinden jetzt einheitlich alle Theile des Reiches und tragen mit dem Postverkehr das Kulturelement in die entlegenste Wohnstätte. Verwaltungs­und Betriebseinrichtungen erfreuen sich in fremden Staaten des Rufes der Mustergiltigkeit.

Mit allen zivilisirten Ländern der Welt verbindet uns die Weltpost, die, dem Geiste und der Thatkraft Stephans entsprungen, mit einheitlichem Band die ganze Erde umschlingt. In überseeischen Ländern blühen deutsche Postanstalten empor, auf allen Meeren weht die deutsche Postflagge, und zwischen beiden Hemtsphären schlagen deutsche Seeposten die verkehr- bindenden Brücken. Nicht zu vergessen sind die heute alle Landestheile und Volksschichten umschließenden telegraphischen und telephonischen Einrichtungen des Reiches, die um das Zwölffache vermehrten Telegraphenanstalten, das fünffach ver­dichtete Leitungsnetz. Weitverzweigte Kabellinien, die ersten in der Welt, durchschneiden das Reich in allen Richtungen und bilden im Frieden wie im Kriege ein sicheres Verkehrs­mittel. Dazu kommt eine Zunahme des Versendungsverkehrs, ""t""*,M" ^^ lllllL^JJumM^f im« ,,ji iiiiibihuwmi schlechts, da ein 1175 erwähnter Dammo von Hanau wohl dem geistlichen Stande angehörte H.

Die Herren von Buchen-Hanau, deren Stamm­burg zwischen Wilhelmsbad und Wachenbuchen gelegen war, waren die ältesten Besitzer, vielleicht Erbauer der Burg Hanau. Ueber den Ursprung dieses angesehenen wetterauischen Geschlechts ist so gut wie nichts bekannt; mit einiger Wahr­scheinlichkeit darf man jedoch annehmen, daß die Vorfahren fränkische Ministerialen waren, die vielleicht schon seit der Eroberung der unteren Mainlande durch die Franken (um 500), etwa als Verwalter eines königlichen Meierhofes oder als Gaugrafm, in dieser Gegend saßen, später als freie Herren die Burg Buchen nebst Zubehör erwarben 2). Der Wildreichthum dieses Wald- und Sumpflandls dürfte sie ft übe veranlaßt haben, auf einer Kinziginsel ein Jagdschloß, eine Burg zu errichten, um von hier aus ungestört das Weidwerk zu pflegen.

Im Jahre 1168, wo Gerlach von Buchen zuletzt erwähnt wird, oder bald danach kamen die Besitzungen der Herren von Buchen durch Erbgang in andere Hände ^); die Hanau da­gegen, Burg und Wildbann, ging durch Neuverlcihung des Reichslehens 4) über an dieHerren von D o r f e l d e n 5), die mit denen von Buchen in gar keinem verwandtschaftlichen Verhältniß zu' stehen scheinen.

Die Herren von D o r f e l d e n - H a n a u , die Ahnen des Hanauer Grafengeschlechts, erscheinen urkundlich zuerst mit Conrad von Dorfelden im Jahre 1166. Sie stammten vermuthlich sammt den blutsverwandten Herren von

2) Der NameBuchen" wird schon 798 genannt.

8) Etwa die Hälfte kam an die Herren von Lauda-Dieburg und von diesen durch Erbschaft und Kauf an die von Bolanden und Münzen­berg, während die andere Hälfte an das Haus Isenburg-Büdingen überging.

4) Für eine andere Form des Anfalls von Hanau an die Herren

von Dorfelden, etwa durch Heirath, oder gar für die Annahme des

Uebergangs der Burg Buchen auf die Dorfelder sind Beweise nicht zu erbringen. Die Verleihung geschah wahrscheinlich nicht direkt, sondern ging von Mainz aus.

b) Torfeiden wird als villa Turinvelde schon 767 erwähnt.

welche alle Erscheinungen der Kulturentwicklung früherer Ab­schnitte weit hinter sich zurückläßt. Mit sechsfacher Steigerung des Gesammtverkehrs und elffacher Vermehrung in einzelnen Versendungsgattungen stehen Post und Telegraphie im Dienste aller persönlichen und geschäftlichen Beziehungen und an be­vorzugter Stelle unter den lebenspendenden Kräften des Staates.

Alle diese Einrichtungen und Neugestaltungen auf vater­ländischem und internationalem Verkehrsgebiete tragen das Gepräge der starken Persönlichkeit des Herrn v. Stephan, welcher dadurch seinen Namen unvergänglich in die Geschichte des Verkehrswesens eingetragen hat. Und wenn dereinst in kommenden Jahrhunderten erzählt wird, welche Wohlthaten den deutschen Landen seit den glorreichen Wiedererstehungs- jahren des neuen Reiches erwachsen sind, so werden die Thaten Heinrich v. Stephans und seine Name nicht vergessen werden. **

Die Maifeier.

Der einmütige Beschluß der Berliner Arbeitgeberver­bände, den 1. Mai als sozialdemokratifchen Feiertag nicht freizugeben, hat in den Reihen der Sozialdemokratie Be­stürzuv g hervorgerufen. Denn damit ist die von der Par­teileitung an die Arbeiter ergangene Aufforderung,da, wo die Möglichkeit vorhanden ist, das heißt, wo es ohne nach­theilige Folgen geschehen kann, die Arbeit am 1. Mai ruhen zu lassen und unter den Klassengenossen für die Maidemon­stration zu werben", gegenstandslos geworden. Die Berliner Arbeiter werden der Sozialdemokratie zuliebe schwerlich ihre Stellung aufs Spiel setzen wollen.

DerVorwärts" macht seinem Zorne in einem gehar­nischten Leitartikel Luft, der trotz seiner Ausfälle auf dieeng­herzigen und hohlschädeligen Feinde der Arbeiter und der Arbeit" so nennt das führende sozialdemokratische Blatt die Arbeitgeber nur als eine Rückzugskanonade anzusehen ist. Wie wenig selbst die leitenden Kreise der Sozialdemo­kratie noch daran glauben, daß durch allgemeine Arbeitsruhe oder Arbeitsverweigerung in Form eines Weltstreiks das war ursprünglich der Zweck der Maifeier der Bourgeoise zum Bewußtsein gebracht werden kann, daßalle Räder still stehen", wennunser starker Arm es will", zeigt derVor­wärts" dadurch, daß er jetzt den Gedanken der allgemeinen Arbeitâ- ruhe alsUnsinn" bezeichnet. Kleinlautheißt es in dem genannten Blatte weiter:Die deutsche Arbeiterschaft feiert den 1. Mai genau so, wie sie ihn feiern will!"

Die Sozialdemokratie gesteht also ein, daß sie machtlos ist, wenn die Arbeitgeber einmüthig zusammenstehen. Nicht wenig mögen zu dieser Erkenntnis; die Übeln Erfahrungen beigetragen haben, die der Hamburger Ausstand für sie ge-

HainbausenEppstein von den Grafen von Idstein ab, die ihrerseits ein Zweig der Grafen von Laurenburg-Nassau waren. Ein Sohn jenes Conrad war Heinrich von Hanau, urkundlich 1191 zuerst genannt6), ein Bruder Reinhard I. vo u D o rseld en, mit dessen Enkeln Rein- hardlll. von Dorfelden und Hanau und Heinrichll. von Hanau, die Geschichte dieser Stadt beginnt. In einer Urkunde dis Jahres 1234 aus dem Kloster Eberbach erklärt der Aussteller, Reinhard von Hanau, er habe aus der ge­meinsamen Erbschaft seinem Bruder Heinrich Dorfelden über­lassen, selbst dagegen Hanau behalten und dem Cistercienser- Orden den Bau einer Kirche zu Hanau gestattet. Reinhard starb wohl vor 1237, Heinrich, ohne Kinder zu hinterlassen, etwa 1243, und es folgte als erster Herr von Hanau Reinhard I., der Sohn Reinhards III. von Dorfelden und Hanau 7). Er und sein Sohn Ulrich I. begründkten die geschichtliche Stellung des Hauses, in erster Linie durch günstige Familienverbindungen: jener durch die Heirath mit Adelheid von Münzenberg, dieser mit Elisabeth von Rieneck.

6) In diesem Jahre befindet sich also das Dorfelder Herrengeschlecht im (Lehen-) Besitz von Hanan; die Erwerbung geschah zwischen 1168 und 1191.

7) II. Die Herren von Dorfelden-Hanau (11661243 bez. 1736) (N. N. von Dorfelden, Bruder

? Gerhards I. von Hainhausen.)

Conrad von Dorfelden (1166). Reinhard I. vonDorfelden (1168).

Heinrich I.von Hanau ' Reinhard II. vonDorfelden(1191). (11911209).

J I

H einrich III. von Reinhard III. von Heinrich II. von ] Hanau, Domherr von Dorfelden und von Hanau (123441).

Mainz (1116, 22). Hanau 181634).

Reinhard I. von Hanau (124381.)