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Hanauer Anzeiger

4. Mai

schaft widmeten und widmen noch heute ihre ganze Kraft der ihnen anvertrauten gewichtigen Aufgabe, damit das junge Reis gedeihe und wachse". Der Fürst sprach hierauf den Professoren, als den geistigen Baumeistern der Universität Straßburg namens des Landes tiefgefühlten Dank für ihre treue Arbeit aus und spendete gleichzeitig dem Reiche und Lande Dank für das Entgegenkommen und die Mittel, welche sie gewährt hätten, um das große Werk auszubauen und immer weiter entfalten zu können.Die idealen Güter sind es", fuhr der Fürst fort,welche gepflegt werden müssen, denn sie bilden die Grundlage für unser wissenschaftliches und staatliches Gedeihen. Deshalb war es auch eine der ersten Thaten unseres großen Kaisers und seines großen Kanzlers, nach der Wiedergewinnung des Landes eine Pflegestütte für die idealen Güter zu schaffen, die trotz allen Widerspruchs mächtig wirkt und auch ferner wirken wird. In der Pflege dessen, was Kaiser Wilhelm I. hier geschaffen hat, ist unser Erhabener Kaiser bemüht, den Wegen zu folgen, die Sein unvergeßlicher Großvater für alle Zeiten gewiesen hat". Der Statthalter gab hierauf die Zusicherung, daß er bestrebt sein werde, für die Bedürfnisse und das Wohlergehen der Hochschule nach Kräften zu sorgen, und schloß mit der Mahnung, daß die kommenden Geschlechter stets dankbar der Gabe gedenken möchten, die Kaiser Wilhelm der Große und die deutsche Ration vor 25 Jahren gewährt haben, und daß auf der Straßburger Hochschule stets die Liebe zum Vater- lande gepflegt und gesördert werden möge. Der Statthalter- schloß :Mit froher Zuversicht auf die Zukunft unserer Alma mater trinke ich auf das Wohlergehen der Kaiser Wilhelms-Universität und fasse meine Wünsche zusammen in Seu Ruf:Der Hohe Protektor unserer Hochschule, Seine Majestät der Kaiser lebe hoch!" Der Trinkspruch wurde mit großer Begeisterung ausgenommen.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 3. Mai 1897.

Der Reichstag beschäftigte sich beute mit der Inter­pellation des Abg. Grafen Kanitz (kons.), ob die verbündeten Regierungen angesichts der bevorstehenden Erhöhung wichtiger Petitionen des Zolltarifs der noidamerikanischen Union, ins­besondere der verschärften Differenzirung der deutschen Zucker- einfuhr an dem Uebereinkommen mit den Ver­einigten Staaten vom 22. August 1891 ftstzuhalten beabsichtigen. Der Interpellant betont, daß seit wenigen Jahren zum dritten Male tiefeingreisende Veränderungen an dem amerikaniscken Zolltarif geplant seien, woraus für die deutschen Exportindustrien eine neue schwere Gefahr erwachse. In Oesterreich hätten die Industriellen bereits eine euro­päische Koalition gegen Nordamerika angeregt, falls der Dingley-Tarif Gesetz werden sollte. Auch er, Redner, halte diesen Vorschlag der Erwägung werth. Jedenfalls liege in dem Vorgehen Nordamerikas eine gewisse Demüthigung für uns, die wir uns nicht gefallen lassen könnten.

Staatsminister Frhr. v. Marschall führt aus, daß die vorliegende Angelegenheit noch in der Schwebe sei, die verbündeten Regierungen hätten daher noch keine Stellung dazu genommen, was sie etwa künftig thun würden. Er könne nur sagen, was von unserer Seite geschehen sei, um den unserem Erwerbsleben zweifellos drohenden Gefahren entgegenzutreten. Was unser bestehendes Verhältniß zu Amerika betreffe, so sei man diesseits stets der Ansicht ge­wesen, daß die früher von Preußen mit Amerika geschlossenen Verträge durch die Gründung des Deutschen Reiches nicht hinfällig geworden seien. Auch von der anderen Seite sei dies wiederholt ausgesprochen und uns das Meistbegünstigungs­recht zuerkannt worden. Dies sei also eine durch langjährigen Gebrauch anerkannte Thatsache. Der Vorredner übersehe, wenn er alle Schwankungen in unserem Handel mit Nord­amerika lediglich auf die Tarifverhältnisse zurückführe, die übrigen mitwirkenden Umstände. Er, Redner, fürchte aller­dings, daß man drüben vielfach glaube, wir hätten ein größeres Interesse an dem bestehenden Verhältniß als Amerika. Er könne das nur als einen bedauerlichen Irrthum bezeichnen. Und wenn man aus dieser Grundlage drüben zu gesetz­geberischen Maßnahmen schreiten sollte, so könnten Ent­täuschungen nicht ausbleiben. In dem Zuschlagszoll ans Zucker liege thatsächlich eine Beeinträchtigung unseres Rechtes; der Präsident der Vereinigten Staatm habe dies auf unseren Protest hin auch anerkannt, aber seinem Vorschläge, den Zu­schlagszoll wieder aufzuheben, habe der Senat nicht statt-' gegeben. Wenn wir unseren Protest nicht weiter verfolgt hätten, so liege das daran, daß sich hinterher Herausgestell: habe, daß unser Zuckerexport durch diesen Zuschlagszoll dennoch nicht gelitten habe. Infolge der neuen Vorgänge sei der Protest erneuert worden, und es sei vorläufig die Antwort gekommen, daß der Protest dem Vorsitzenden des Senats übermittelt worden sei. Die Dingley-Bill bedrohe uns mit großen Schwierigkeiten hinsichtlich unseres Absatzes nach Nordamerika. Es sei aber zunächst Sache der dortigen Interessenten, sich gegen die für sie entstehenden Zollerschwerungen zu wehren. Ferner sei nicht zu übersehen, daß die Autonomie der beiderseitigen Tarifgesetzgebungen unbeschränkt sei. Heute sei noch alles in der Schwebe. Heute schon entscheidende Beschlüsse zu fassen, wäre der schwerste Fehler und die schwerste Versündigung gegen die Interessen, deren Schutz und Pflege den verbündeten Regierungen anvertraut sei. Er, Redner, könne in diesem Augenblicke nur bitten, der Reichs­tag möge zu der Regierung das Vertrauen haben, daß sie sich der Schwierigkeiten ihrer Aufgabe bewußt sei und daß sie ihre entscheidenden Beschlüsse fassen werde mit Festigkeit, zu der uns unser Recht vollen Anlaß gebe, und auf welche die weitverzweigten Interessen, die hier im Spiele seien, vollen Anspruch hätten.

In der Besprechung der Interpellation weist der Abg. Barth (freist Ver.) darauf hin, daß es ein sehr großer Fehler wäre, wenn Deutschland sich von der Grundlage unserer Beziehungen zu Nordamerika, dem Vertrage von 1828, abdrängen ließe. Hielten wir an diesem Vertrage fest, so könnten wir auch verlangen, daß Amerika uns die Meistbegünstigung gewähre. Wir könnten uns aber nicht beklagen, wenn Amerika uns in gleicher Weise behandle wie die anderen Staaten, uud wenn es von seinem autonomen Recht, den Zolltarif sestzusetzen, Gebrauch mache. Gegen den Zuckerzollzuschlag seien wir allerdings zu protestiren berechtigt gewesen. Eigenthümlicher­weise werde jedoch unsere Zuckerausfuhr durch den Zuschlag nicht beeinträchtigt. Auch gegenüber dem Dingleytarif warne er vor leidenschaftlichen Retorsionsmaßregeln. Abg. Frhr. Heyl zu Herrnsheim (natlib.) erklärt, st ine Freunde hätten volles Vertrauen zu dem jetzigen Reichskanzler wegen seiner großen diplomatischen Erfahrungen und seiner Be­fähigung. Zu dem früheren Reichskanzler hätten sie dieses Vertrauen nicht gehabt. Im Gegensatz zu dem Vorredner meine er, wir hätten 1891 Nordamerika mehr zugestanden als wir an Gegenzugeständnissen erhalten hätten. Auch unter­schätze der Vorredner die uns drohende Gefahr. Werde doch auch schon allen Ernstes in Amerika auf eine Zollunion zwischen Nord- und Südamerika hingearbeitet zum^Nachtheil der europäischen Importeure. Es müsse unbedingt ein ent­schiedenes Vorgehen gegen Amerika verlangt werden ohne Aengstlichkeit.

Staatsminister Frbr. v. Marschall hebt bervor, daß der Vorredner jedesmal Kündigung der Handelsverträge wünsche, aber er lasse jedesmal im Such, wenn man ihn frage, was wir denn an Stelle der Verträge setzen sollen. Sodann protestirt der Redner gegen die Behauptung des Abg. H yl zu Herrnsheim, daß wir in dem Notenwechsel von Saratoga Amerika lediglich Geschenke gemacht hätten. Fürst Bismarck habe 1885 ausdrücklich erklärt, daß Amerika that­sächlich auf Grund des Vertrages von 1828 Meistbegünstigung besitze. Unrichtig sei auch eine Behauptung desselben Abge ordneten, daß Amerika vertragswidrig von der deutschen Flagge besondere Tonnengelder seit dem Vorjahre erhebe. Der Vorredner habe der Regierung Aengstlichkeit vorgeworfen. Nun, der Kühnheit, die Handelsverträge einfach aufzuheben, ohne etwas an ihre Stelle zu setzen, stehe er, Redner, neidlos gegenüber.

Abg. Richter (freif. Volksp.) legt dar, daß die Abgg. Gras Kanitz und Frhr. v. Heyl lediglich eine Vertheuerung der Lebensmittel wünschten; sie verträten Arm in Arm ihre Interessen, und das nennten sie Solidarität von Landwirth­schaft und Industrie. Was sie jetzt den Amerikanern vor­würfen, das fei ja Alles ihr eigenes System. Wenn irgend etwas aus den ganzen gegenwärtigen Zuständen folge, so sei es die schärfste Verurteilung der ganzen bisherigen Schutz­zollpolitik. Die Konvention von Saratoga sei nichts als eine Bestätigung des früheren Vertrages. Und was die Zucker­zuschlagszölle betreffe, so sollte man in ihnen lieber die Auf­forderung erblicken, die Zuckerprämien auszuheben. Er appellire an den gesunden Menschenverstand der Amerikaner und rechne daraus, daß sie einsehen würden, wie sehr sie sich selbst durch so hohe Zölle schädigten. Es wäre ein großes Unglück, wenn wir uns jetzt wechselseitig die Zölle in die Höhe schraubten, und es wäre ein noch größeres Unglück, wenn wir die Meist­begünstigung aufhöben. Abg. v. K a r d o r f f (Reichsp.) legt dagegen Verwahrung ein, daß es sich hier um beabsichtigte Lebensmittelverteuerung handle. Gegen Amerika müsse eine entschiedene Sprache geführt werden. Abg. Graf Limburg- Stirn m (konf.) wirft der Regierung vor, daß sie sich in der Frage des Zuckerzollzuschlags gar zu bescheiden dem Be­schluß des nordamerikanischen Senats gefügt habe. Staats­minister Frhr. v. M a r s ch a l l erwidert, nicht aus Be­scheidenheit sei dies geschehen, sondern weil der Präsident der Vereinigten Staaten unser Recht anerkannt habe, und weil außerdem Außergewöhnliche Umstände eingetreten seien, näm­lich die Steigerung unserer Zuckerausfuhr. Abg. Freiherr v. Stumm (Reichsp.) betont, daß seine Unterschrift unter der Interpellation kein Mißtrauen gegen die Regierung be­deuten solle. Nach einigen Bemerkungen des Abg. A H1= wardt (b. t F.) schließt die Besprechung der Interpellation.

Nächste Sitzung Dienstag 2 Uhr: Servistarif; Relikten­gesetz ; Rechnungssachen.

Preußischer Landtag. Abgeordnetenhaus. (Sitzung vom 3. Mai.)

Das Abgeordnetenhaus setzte heute die zweite Berathung des Kultus et als in Verbindung mit der des Nachtrags zum Normal- etat tur die Leiter und Lehrer an höheren Unterrichtsanstalten und jfjck.der des Antrags Heydebrand, betr. das Dienlteinkommen der Geistlichen, fort. Bei dem TitelMeßbildanstalt für Denkmalauf- nahmen legt auf eine Anregung des Abg. v. RiepenHansen itons.) Kultusminister Bosse dar, daß bis jetzt noch kein Mann gefunden sei, der das Meidenbauersche Verfahren auf dem Wege der Lehrthatigkeit verallgemeinern könne, daß aber ein Rückgang des we-thvollen Institutes nicht zu besorgen sei.

Beim KapitelBisthnmer' befürwortet Abg. Porsch den vom Abg. v d. Acht und Gen. (Ctr.) gestellten Antrag, die Staats­regierung zu ersuchen,eine Erhöhung der Bezüge der Domkavitu- larren, Domvikarien, Diözesanbeamten, Diözesananstalten und Dom- kirchen in Aussicht zu nehmen und behufs Feststellung des Bedarfs mit den katholischen Bischöfen in Verbindung zu treten". Die geist- üd)en Beamten dürften von der allgemeinen Besoldungsausbesserung nicht ausgeschlossen werden, zumal die Festsetzung ihrer staatlichen Bezüge noch vom Jahre 1821 stamme. Abg. Dittrich (Ctr.) spricht für den Antrag; Abg. v. Heydebrand (kons.) erklärt sich namens seiner Freunde, wenn sie im Allgemeinen auch die Geistlichen besser zu stellen wünschten, gegen den Antrag, weil gerade die Domgeist- ljchkeit meist gut gestellt sei und der Antrag in die rechtlich bestimmt fixirte Leistungspflicht des Staates eingreife; die Regierung sei der Bullede salute animarum vollkommen nachgekommen. Es müsse den Bischöfen überlassen bleiben, in Einzelfällen, wo ein wirkliches

Bedürfniß vorliege, Anträge zn stellen. Der Kultusminister pflichtet dem vollkommen bei. Der Antrag habe keine Aussicht, vom Staatsministerium gutgeheißen zu werden; der Staat habe nur in Fällen besonderen Bedürfnisses einzutreten und werde solche mit Ge­rechtigkeit prüfen. Abg. v Jazdzewski (Pole) erklärt, daß seine Fraktion dem Anträge zustimme. Abg. Stöcker (b. k. F) spricht gegen den Antrag, welcher gegen die Stimmen des Centrums und der Polen abgelehnt wird

Dem Kapitel 116aBedürfnißzuschüsse und einmalige Unter­stützungen, insbesondere für einen Bischof wird auf Antrag der Budgetkommission die UeberschriftAltkatholische Geistliche und Kir­chen' gegeben.

Beim KapitelPrüfungskommissionen" wünscht Abg. Schall (kons.), daß einheitliche Vorschriften über die Anforderungen aufgestellt werden, welche bei oer Prüfung von Mädchenschullehrerinnen gemacht werden dürfen. Abg. Weber-Halberstadt (natlib.) spricht Wünsche über den weiteren Bildungsgang der weiblichen Gymnasialabiturienten aus. Wirklicher Geheimer Oberregierungsrath Schneider legt als Richtschnur dar, daß die jungen Mädchen durch das Studium nicht an ihrer körperlichen Entwickelung leiden sollen; das Mädchengym­nasium solle nicht gelehrte, sondern gebildete Damen erziehen. Abg. Wetekamp (freif Volksp ) will, daß der Seminarunterricht für die Lehrerinnen vereinfacht werde. Abg. Stöcker (b. k F.) hält es für verfehlt, wenn es die Mädchen den Männern gleich thun wollten, zumal sie außer der angestrebten männlichen Bildung sich auch noth­wendigerweise weibliche aneignen müßten, also doppelt belastet würden. Der Kultusminister legt dar, daß es Sache der Eltern und Vormünder sei, Mädchen vom Studium abzuhalten, deren Gesundheit darunter leiden könnte. Die Prüfungsbehörden müßten aber gleiche Anforderungen an beide Geschlechter stellen, und die Mädchen ver­langten das auch selbst Die acht Damen, die letztes Jahr das Abi­turientenexamen gemacht, hätten übrigens Respektables geleistet und zum Theil mehr als die Jünglinge. Abg Dittrich (Centr.) hält dafür, Frauen- und Kinderärztinnen könnten auch auf anderem Wege als auf dem des Studiums für Männer herangebildet werden.

Beim KapitelUniversitäten" vertritt Abg. Virchow (frs. Vp.) den bestehenden Modus der Kollegiengelder, der auch rechtlich be­gründet sei. Abg. Vötting er (natlib.) schließt sich der Auffassung des Vorredners an, bemängelt, daß beim ärztlichen Studium die Jrrenheilkunde ungenügend berücksichtigt werde, und verlangt besondere Lehrstühle für die Nahrungsmittelchemie. Ministerialdirektor Alt­hoff legt dar, daß das letztere Verlangen zu weit gehe, erkennt an, daß für die psychiatrische Ausbildung der praktischen Aerzte mehr ge­schehen müsse, und rechtfertigt den neuen Honorarmodus. Die korpo­rative Selbstständigkeit der Universitäten zu wahren, sei die Regie­rung in erster Linie bestrebt.

Nächste Sitzung Dienstag 11 Uhr: Fortsetzung der heutigen Be­rathung.

Politische und unpolitische Nachrichten.

(Depeschen-BureauHerold.")

Berlin, 3. Mai. Auf Wunsch des Kaisers wird die Königin von Württemberg am 11. ds. in Danzig die Taufe des PanzersErsatz Freya" vollziehen. Es ist nicht aus- geschlossen,d daß auch der Kaiser dem Festakte beiwohnen wird.

Berlin, 3. Mai. Die Enthebung des General Obersten Freiherrn von Loë von seinen Stellungen als Oberbefehls- Habei in den Marken und als Gouverneur von Berlin, sowie die Ernennung des Generals Grasen Wedel zum Nachfolger werden nunmehr im Reichsanzeiger veröffentlicht.

Berlin, 3. Mai. Kontreadmiral Tirpitz wird sich der Post" zufolge bereits gegen den 20. Mai beim Kaiser mel­den. Einen etwaigen Erholungsurlaub wird er jedenfalls erst antreten, nachdem er vom Kaiser empfangen worden ist.

Wien, 3. Mai. Hier zirkulirt eine Nachricht von einer großen Schlacht bei Pharsala, in welcher die Griechen zmück- geschlagen seien und Pharsala von den Türken besetzt wor­den sei.

Athen, 3. Mai. Einer weiteren Meldung zufolge ist die Räumung Pharsalas durch die Griechen nun amtlich be­stätigt.

Konstantinopel, 3. Mai. Gestern hat ein Minister­rath stattgefunden. Die türkische Regierung ist überzeugt, daß sie unstreitig das Ausweisungsrecht besitzt und wird fer­nerhin jegliche fremde Einmischung nicht dulden.

Konstantinopel, 3. Mai. Der französische Botschafter hatte an die Mauern der Stadt Plakate anheften lassen, worin den griechischen Unterthanen mitgctheilt wird, daß sie fortan unter französischem Schutze stehen. Auf Befehl des Sultans wurden die Plakate entfernt.

Witterungsbericht.

Voraussichtliche Witterung: Zunächst noch heiteres und wieder etwas wärmeres Wetter.

Aus Stadt- und Landkreis Hanau.

(Nachdruck unserer Lokalnachrichten nur mit Quellenangabe gestattet.)

* Neustadt-Jubelfeier. Wie wir vernehmen, ist der Oberprästdènt unserer Provinz, Exz. Magdeburg, mit der Vertretung Sr. Majestät des Kaisers bei der Neustadt- Jubelfeier beauftragt worden.

* Jubiläumsfeier. Wir sind heute in der Lage, einige nähere Angaben über die Festhalle zu geben. In ziemlich gleicher Länge wie die seinerzeitige Turner-^esthalle, 63 gegen 52 Meter, hat der Bau bei wesentlich größerer Tiefe wie jene eine Höhe von 14 Meter, im Mittelbau eine solche von 22 Meter. Bei einer Gesammtbodenflâche von ca. 3000 Quadratmeter inkl. Wirthschaftsräumen sind 2000 Quadratmeter für das Publikum reservirt. Die Länge des Raumes vom Vorbau bis zur Bühne beträgt 40 Meter und zwar ist die Halle akustisch so berechnet, daß alle Theil- nehmer sich in ziemlich gleicher Seh- und Hörweite von der Bühne befinden. Die Halle faßt 3000 Personen, welche bequem an Tischen Platz haben. Die dekorative Ausstattung betreffend, werden ca. 500 Quadratmeter Lichtfelder mit Glasmalerei-Imitation auf ölgetränkter Leinwand von Herrn Akademielehrer Schultz ausgeführt. Die Felder der größeren Giebel werden theils historische Figuren, theils Wappen ent­halten, während die übrigen mit Emblemen und Ornamental­verzierungen versehen werden. Die Festhalle, welche von Herrn Akademielehrer Mittelsdorf entworfen ist, wird unter dessen Leitung von dem Bauunternehmer Herrn Jean Wörner