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Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 230.
Freitag den 1. Oktober
1897.
Amtliches.
Königl. Oberprâsldium beehre ich mich meinen verbindlichsten Dank auszusprechen für die zuvorkommende und freundliche Ausnahme, welche die Königlick Bayerischen Truppen während der nunmehr beendigten großen Manöver allerseits gefunden haben. Ich verbinde damit das ergebenste Ersuchen, dieses den beiheiliglen Königlich Preußischen Behörden sowie der Bevölkerung bekannt geben zu wollen.
München den 16. September 1897.
gez.: Prinz Leopold.
Gereral-Obelst der Kavallerie.
An das Königlich Preußische Oberpräfit ium der Provinz Hessen-Nassau.
Vorstehendes bringe ich hierdurch zur öffentlichen Kenntniß. Cassel den 20. September 1897.
Der Ober-Prâsident.
gez.: Magdeburg.
Dieastnachrichten aus dem Kreise.
Vom Wasen meist er eingefangen: Ein schwarzer Pudelhund; ein weißer Foxterrier mit gelben Abzeichen; ein schwarzer Dachshund mit gelben Abzeichen, sämmtlich männl. Geschl. Ein schwarzer Spitz, w. Geschl.
Gefunden: Ein Portemonnaie mit etwas Geld. Eine Knabenmütze. Eine Militärmütze.
Entflogen: Ein Kanarienvogel.
Verloren: Eine Stahldamenuhr mit Anhängsel und Monogramm. Ein dreijähriger Kinderwagen (abhanden gekommen).
Hanau den 1. Oktober 1897.
Die Politik der Sammlung
aller produktiven Stände, die der Vizepräsident des preußischen Siaatsministeriums, Dr. v. Miquel, im Juli in Solingen angekündigt hatte, ist in verheißungsvoller Weise eingeleitet worden. In der im Reichsamt des Innern zur Vorbereitung der Handelsverträge abgehaltenen Konferenz haben sich die drei großen Erwerbsgruppen: Landwirthschaft, Industrie und Handel entschlossen, möglichst einig vorzugehen. Nebensächliches und alles das, was einen trennenden Einfluß ausüben könnte, soll im Interesse unserer wirthschaft- lichen Zukunft beiseite gelassen werden. Es soll die Thatsache in die Praxis übersetzt werden, daß die Interessen der drei großen Erwerbsgruppen im wesentlichen dieselben sind.
Ein solches Zusammenarbeiten von Landwirthschaft, Industrie und Handel gewinnt angesichts der nächsten Reichstagswahlen eine besondere Bedeutung. Die produktiven Stände können sich, wenn sie sich verständigen, endlich den Einfluß
Feuilleton«
G-eLweine.
Von Ludwig Bühl.
(Nachdruck verboten.)
Die fröhlichste der Ernten hat begonnen. Unter Singen und Jauchzen werden die Trauben gepflückt, deren Blut uns das köstlichste aller Getränke liefert, und alle Weinfreunde — und wer zählte sich nicht zu ihnen? — warten mit begreiflicher Theilnahme auf die Nachrichten über den heurigen Jahrgang, die ihnen verkünden sollen, ob sie einen verächtlichen „Rachenputzer" oder „Garibaldi" von ihm zu erwarten haben, oder ob er ihnen, mit Romeo zu sprechen, „Freuden über alle Freuden" verheißt. Ja, den echten Liebhaber überkommt eine wirkliche Andacht, wenn er des edlm RebenblutS und vor allem wenn er jener auserlesenen Gewächse denkt, die als die fürsten unter der großen Familie der Weine da- stehen. Sage, Geschichte und Poesie haben einen ganzen Mythenkranz um diese klassischen Edelweine gewoben und sie auch kulturhistorisch in hohem Grade interessant gemacht.
Unter unseren Rheinweinen nimmt nach wie vor der Schloß Johannisberger die Stelle des Königs ein. Schon in alten Zeiten berühmt, rückte er doch erst seit dem 18. Jahrhundert in den Rang ein, der ihm heut nicht mehr bestritten wird. Freilich gibt es solcher, die ihn ganz beurteilen können, nur ganz Wenige, denn die alleredelsten Gewächse wandern in den fürstlich Metternich'schen Keller, und wer nicht zufällig zur Metternich'schen Familie gehört oder als Potentat ei^e Verehrung auS ihren Schätzen empfangen hat — was ich von der Mehrzahl meiner Leser nicht annehme —, der muß seine Phantasie zu Hilfe rufen, um sich das Edelste des Rheingaues vorzustellen. Allerdings, was sich so „Johannisberger" nennt, das ist nicht zu wenig; aber
auf die Gesttzgeburg Der jd offen, der ihmn gebührt. Wegen ihrer Ureinigkeit hat es ilnen bisher daran gefehlt. Inden Parlamenten führen title dos große Wort, die an der nationalen Arbeit nickt betbeiligt sind. Den Ausschlag geben vielfach nicht die Bedürfnisfe des praktischen Lebens, sondern Fraktiovsinteressen. Taß dieseZusiände n’^t das allgemeine Wohl söidern, davon hat He Geschichte unseres Reichstages manches Beispiel oufzvweisev. Ein Wahlbündniß zwischen Landwirthschaft, Industrie und Hantel würde hier Wandel schaffen. Grundsätzlich erscheint es bereits jetzt als gesichert, nachdem von ihren Vertretern ter ernste Wille bekundet ist, über Meinungsverschiedenheiten hinwegzusehen und das Gemeinsame, Verbindende in den Vordergrund zu stellen.
Der Berührungspunkte gibt es wahrlich genug. Die Industrie wünscht vor allem die Erhaltung des Weltfriedens und eine normal fortschreitende Entwicklung des nationalen Lebens. Auch Londwirthschast und Handel können in Kriegszeiten und bei Störungen in der inneren Politik nichts gewinnen, wohl aber verliertn. Alle drei sind deshalb Anhänger und natürliche Vorkämpfer einer wahrhaft nationalen Polnik.
Die Bestrebungen ihrer Gegner dagegen sind nicht den nationalen Daseinsbedingungen angepaßt. Man gebe ihnen die Bahn bei den künftigen Wahlen frei, und man wird es erleben, was für Rückwirkungen ein weiteres Hinabgleiten unserer Verfassungszustände auf btr schiefen Ebene zu einer Parlamentsherrschaft ausüben muß, die dem maßgebenden Einflüsse einer kaum monarchischen noch reichsfreundlichen Reichslagsmehrheit gehorcht. Taß der Friede nach innen so wenig wie der Friede nach außen dabei gewinnen können, liegt in der Natur der Sache.
Zum Schutze dieser unschätzbaren Güter sind nicht diejenigen Parteien berufen, deren Schwerpunkt außerhalb der Grenzen des nationalen Gedankens liegt. Hier müssen vielmehr jene Volkskreise heran, welche mit allen Fasern ihres Lebens im Boden des Vaterlandes wurzeln und welche wissen, daß sie ihr eigenes Interesse wahrnehmen, indem sie die Interessen von Kaiser und Reich fördern. Das Zusammengehen der produzirenden Stände kann begrüßt werden in der Hoffnung, daß bei den nächsten Wahlen jeder mit allen Kräften dafür sorge, daß eine national gesinnte Mehrheit ihren Eivzug in den Reichstag halte.
Lagesschau.
Von der Marine. Laut telegraphischer Meldung an das Oberkommando der Marine ist S. M. S. „Arcona", Kommandant Kapitän zur See Becker, gestern in Chefoo angekommen.
Schifssmangel. Während die Gegner unserer Flotte behaupten, der deutsche Handel habe über mangelnden Schutz
vom Schlosse kommen jährlich im Durchschnitt nur dreißig Stück (die Besitzung umfaßt 10—11 tragsähige Hektare) und auch das „Dorf", in dem übrigens gleichfalls einige sehr edle Sorten wachsen, ist für den üblichen Johannisberger nur ausnahmsweise verantwortlich zu machen. Die Geschichte deS Johannisbergs geht in älteste Zeiten zurück. Lange stand er unter dem Scepter von Leuten, die für Weine ein feines Verständniß zu haben pflegen; im Anfänge des 19. Jahrhunderts bei der Säkularisation wanderte er durch verschiedene Hände, bis ihn Napoleon dem Helden von Valmy, Kellermann, schenkte, der sich dieser fürstlichen Gabe bis 1813 erfreute. Dann besetzten ihn kaiserliche Truppen und Kaiser Franz I. verehrte ihn endlich seinem mehr berühmten als beliebten Staatsmanne. Den Johannisberg nennt Hamm mit Recht eine hohe Schule des Weinbaues und der Weinbehandlung; daß aber dies, wie die Franzosen neidisch behaupten, erst französischen, von Kellermann eingesührten Reben und Winzern zu verdanken sei, ist unwahr. Einen der höchsten Preise erreichte das beste Stück Johannisberger, das mit 16 000 Gulden (b. h. der Liter mit lâVs Gulden) bezahlt wurde. Wie nahe ihm aber sein Nachbar, der köstliche feurige Steinberger in seinen besten Lagen kommt, beweist der Preis eines Stückes 22er, das 1836 um 12 000 Gulden erstanden wurde. Noch edlere Sorten gingen in den herzoglich Nassauischen Keller über, aus dem vor einiger Zeit der Wiesbadener Rathskeller eine 1811er Auslese erworben hat. Hat also der Leser einige 50 Mark übrig, so weiß er, wo er ein Fläschlein vom Besten trinken kann. Die Steinberger Gemarkung, eine preußische Domäne, ist nur klein, und es ist daher natürlich, daß die Gewächse der ungleich größeren Gemarkung Rüdes heim, wo der berühmte „Berg" allein 100 Hektar umfaßt, seit Alters den weiteren Ruf genießen. Die Soge, die besonders durch Geibel einen frönen dichterischen Ausdruck gefunden hat, erzählt, daß zur
nicht zu klagen, und wo Deutschland ein greifen wolle, di könne eS auch eir greifen, bitten die Hamburger Kaufleute wegen der Revolution in Guatemala, wo ihre Interessen und ihre Besitzungen größer sind als die irgend einer ander en Nation, um den Schutz der deutschen Kriegsmarine und können ihn nicht erlangen. Unterdessen haben wir unser einziges Kriegsschiff, den Kreuzer 4. Klasse „Bussard", von Samoa, wo neue Verwicklungen von den Amerikanern drohen, wegnehmen müssen, um ihn nach Kaiser Wilhelmsland zur Unterstützung des Kreuzers „Falke" zu schicken. Zugleich gestalten sich die Verhältnisse in Marokko, wo gleichfalls erhebliche deutsche Handelsinteressen bestehen, so kritisch, daß alle Seemächte, selbst das ferne Amerika, Kriegsschiffe dorthin schicken; nur Deutschland hat kein Kriegsschiff dort. Warum? Die Antwort gibt die „Köln. Ztg." wie folgt: Das Kreuzergeschwader, bestehend, aus einem Panzerschiff 2. Klaffe und drei Kreuzern 2. und 3. Klasse, ist in Ostasien unentbehrlich; cs würde auch bis nach Guatemala Monate gebrauchen und noch Marokko nicht viel weniger. Die vier Kreuzer 4.Klaffe in Ostafrika, Westafrika und Ostasten sind auf ihren Stationen unabkömmlich und auch zu klein. Der Kreuzer 2. Klafft „Kaiserin Augusta" vertritt als einziges deutsches Kriegsschiff die deutsche Marine neben den großen Geschwadern aller Großmächte in den Gewässern von Kreta und Griechenland. So bleibt als unser einziger brauchbarer Kreuzer nur noch der Kreuzer 3. Klasse „Gefion" übrig, und der ist in den heimischen Gewässern zum Schutze unserer Küsten durchaus unentbehrlich. Dasselbe gilt von den wenigen brauchbaren Panzerschiffen, die wir zur Zeit haben. Wir müssen die heimischen Küsten in der bedenklichsten Weise entblößen, wenn wir diele Schiffe ins Ausland senden wollten, wo sie übrigens auch gar nicht am Platze wären.
Maschinengewehre. Seit 1893 haben wir in unserer Marine das 8 wm-Maschinengewehr, Konstruktion Maxim, eingeführt, welches bei einer Feuergeschwindigkeit von zehn Schuß in der Sekunde die am schnellsten feuernde Waffe ist, und die früher auf den Kriegsschiffen während des „Klar- Schiff" (Fertigsein zum Gefecht) vorhandenen Schützenzüge vollständig ersetzt. Neuerdings ist dazu in fremden Marinen und auch bei uns die 3,7 em-Maschinenkanone getreten, welche in derselben Weise wie das Maschinengewehr die Kraft des Rückstoßes zum Wiederladen und Abfeuern benutzt und 200 Schuß in der Minute abgeben kann. In Verbindung mit den Schnellladekanonen von 5 cm und 8,8 cm Kaliber bilden die beiden obengenannten Maschinenwaffen die Anti- torpedoboot-Armirung unserer Kriegsschiffe und können einen Geschoßhagel entsenden, welcher wenigstens bei Tage jeden Torpedobootsangriff aussichtslos machen würde. Sie feuern selbstredend wie alle Schnellladekanonen mit rauchschwachem Pulver, ohne welches ihre Feuergeschwindigkeit nur geringen Nutzen bieten würde. Damit wegen der Schießübungen mit
Zeit der Rebenblüthe der große Kaiser Karl aus seinem Grabe steige und die Reb^n segne. Dieser Monarch ist für die Geschichte des Rüdesheimer Weinbaues dadurch von großer Bedeutung geworden, daß er aus Orleans die ersten Reben hierher verpflanzt hat. Ein gutes Wort über den edlen Rüdesheimer hat Fischart gesprochen: „Der hat ein geistlich Art an sich, macht äußerlich und innerlich." Ein Edelwein erheblich jüngeren Datum ist der Rauenthaler, früher ein Wein ziemlich tiefer Klasse, der erst durch sorgfältige Behandlung allmählich in die vorderste Reihe der Rheingau- Gewächse gerückt ist, heut aber als „Fürstcnwein" auch eine gemisst bistorische Berühmtheit genießt, weil ihn beim Fürstenkongreffe von 1863 die Stadt Frankfurt ihren erlauchten Gästen spendete; es kostete damals die Flascke — bei Weinen darf man ja nach Paul Lindau den Preis sagen - 9 Thaler. So hohen Preis erreicht allerdings der Hochheimer, den Klopstock „als würdig den deutschen Geist nachzuahmen" gefeiert hat, nur ausnahmsweise; immerhin sind Gewächse vom Kirchenstück der Domdechanei bis zu etwa 12 000 Mark das Stück verkauft worden. Vor den eigentlichen Rheingauweinen hat der Hochheimer das voraus, daß er zum Gattungsnamen geworden ist. Denn die Engländer, die lange Zeit nur diesen altberühmten Wein kannten, haben ihre Bezeichnung für ihn, die Abkürzung Hock, zum Namen für die deutschen Weine überhaupt erhoben; und sie bezeigen ihm ihren Respekt durch das Sprichwort, daß good Hock den Doktor fernhalte. Sie haben sich auch ein altes deutsches Sprüchlein angeeignet, wonach „Moselwein nicht schaden thut"; indeß ist es zweifelhaft, ob diese immerhin bescheidene Werthung heute noch als zutreffend anerkannt werden wird. Der Moselweinbau ist der älteste in Deutschland, aber lange Zeit wurde er in nachlässiger und irrationeller Weise betrieben. Seit sich dies geändert hat, ist die Beliebtheit des Moselweins überaus gestiegen; und heute ist