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Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.
Erscheint täglich außer Sonn- und Festtags.
Als Gratisbeilage täglich erscheinendes Unterhaltungsblatt.
Nr. 26.
Montag den 1. Februar
1897.
Hierzu
„Amtliche Beilage" Nr. 8
$ien|tMdindifm aus llem Kreise.
Zugelaufen: Ein weißer Foxterrier mit schwarzen Flecken, m. Geschl.
Gefunden: Ein blauer Kinderhandschuh. Mehrere Wellen Tannenreis.
Hanau am 1. Februar 1897.
4Maöt£reie ^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.
Anleihen der Stadt Hanau.
Ziehung am 30. September 1896.
Auszahlung am 31. März 1897.
I. Anleihe vom 30. September 1880.
Reihe I zu 4°/o (XVI. Ziehung).
Lit. A. Nr. 64 118 â 1000 M.
„ B. „ 37 64 169 237 242 249 276 308 â 500 M.
„ C. „ 84 126 286 296 324 368 431 464 478 536 621 699 760 766 790 a 200 M.
Rückständig: A. Nr. 120 â 1000 M.
C. „ 236 663 â 200 M.
Reihe II zu S^/o (VII. Ziehung).
□it. A. Nr. 26 127 â 1000 M.
„ B. „ 67 153 210 246 â 500 M.
„ C. „ 37 54 125 154 249 276 367 487 536 549 559 634 â 200 M.
II Anleihe vom 1. Oktober 1889.
II. Serie zu 3^/2"/« (VII. Ziehung). uit A. Nr. 123 â 2000 M. „ B. „ 194 217 253 â 1000 M. „ C. „ 206 295 342 394 â 500 M.
„ D. „ 272 313 366 372 394 412 422 426 455 466 467 â 200 M.
Dieselbe Anleihe, I. Serie (V. Ziehung).
Liit. A. Nr. 50 â 2000 M.
„ B. „ 26 â 1000 M.
„ C. „ 24 117 â 500 M. „ D. „ 9 70 78 79 126 165 185 229 â 200 M.
Rückständig: C. Nr. 36 â 500 M.
Hanau am 2. Oktober 1896.
Der Stadtrath.
Dr. Gebeschus. 1541
Kleines Feuilleton.
Ein neues Heilverfahren mittels des elektrischen Stromes.
Zur Ergänzung unserer Mittheilung über die elektrische zinüberleitung von Heilstoffen in den menschlichen Körper eben wir nach der „Frankf. Ztg." nähere Einzelheiten:
Es handelt sich um nichts Geringeres, als um den di- ekten Transport von Heilstoffen in den menschlichen Orga- anismus mittels elektrischen Stromes. An Versuchen, die as Gleiche bezweckten, hat es auch früher nicht gefehlt, nur rbeiteten Munk, Gärtner, Edison, Kronfeld u. A. mit Ju- uktionsströmen und ihre Resultate fanden blos beschränkte ^reapeutische Anwendung. Sollte es nunmehr gelungen sein, 1 entscheidenden Ergebnissen zu gelangen, so wird die Me- izin, die bekanntlich bereits die Findung und Anwendung eS Chloroforms der Zahnheilkunde verdankt, der letzteren ach diese neue Entdeckung, von der man heute noch gar ichl weiß, zu welchen Zielen sie hinleitet, gutzuschreiben Iben.
Den Ausgangspunkt bildet abermals der Wunsch, zunächst ir Zahnoperationen ein verläßliches Anästhetikum (Be- iubungsmittel) zu finden. Professor Morton in New-Dork t der Erste, der in einer kürzlich erschienenen Publikation der die elektrische Anwendung von Guajacol-Cocain berichtet, ad namhafte Aerzte bestätigen den günstigen Erfolg dieser lektrisch-medikamentösen Diffusion, mit der sich beiZahn-Jm- lantationen, -Extraktionen u. s. w., Entfernung von Mutter- ralen, Schmerzlosigkeit hervorbringen lasse.
Der dortige Zahnarzt, Herr Robert Marcus beschäftigte ch nach den erfolgreichen Versuchen des Dr. Respinger in >asel praktisch und experimentell gleichfalls mit dem neuen
Polnische Versammlungen.
Das Sprichwort: „Ein gebranntes Kind scheut das Feuer'" scheinen die Polen nicht zu kennen; sonst hätten sie nach der entschiedenen Zurückweisung, die ihre Klagen und Forderungen vor etwa drei Wochen im preußischen Abgeord- mtenhause vom Ministertische aus erfahren haben, schwerlich wieder eine Polendebatte heraufbesckworen. Es war vorauszusehen, daß ihre Interpellation über die Auflösung von Versammlungen in Westpreußen, in denen polnisch geredet wurde, ebenso nachdrücklich und deutlich beantwortet roürbe Wie in Oberschltsien, so handelte es sich auch in Westpreußen um Versammlungen polnischer Volksvereine. Diese Vereine sind namentlich nach der Pelpliuer Konferenz von 1894 aus der Erde geschossen, wie Pilze nach einem Sommerregen. Man hat überall Arbeiter-, Gesellen-, Jünglings-, Jungfrauen und Bürgervereine, kaufmännische Vereine, Sokols gegründet, dazu zahlreiche rein kirchliche Vereine. Alle fallen dem Wortlaut ihrer Statuten nach nicht unter das Vereinsgesttz,weil sie sich angeblich nicht mit politischen Fragen beschäftigen.
So harmlos, wie sie scheinen, sind diese Vereine aber nicht. Sie sind vielmehr der Hauptherd der polnischen Agitation, deren Ziel ist: die Herstellung eines qroßpolnischen Staates auf den Trümmern des deutschen Reiches! Zur Kennzeichnung der polnischen Vereine dient folgendes Beispiel, das vor einiger Zeit durch die Blätter ging: Ein „landwirthschaftlicher" Verein wird gegründet; der Gründer aber hat nicht das mindeste mit der Landwirthschaft zu thun, denn er ist Agitator und Zeitungsverleger und Redakteur. Der erste Vortrag beschäftigt sich mit dem Nutzen der Spinnen, der zweite mit dem Schaden der Schnecken, der dritte mit der Gedächtnißfeier für den Dichter Mickiewicz, und die vierte Sitzung ist schon bei der Säcularfeier für Kosciuszko angelangt, wobei dessen Bild auf einem rdthweiß drapirten Aufbau steht, rechts und links, wie auf dem Altar, brennende Wachskerzen. Dementsprechend sind dann die Reden und Gesänge; von Landwirthschaft ist nichts mehr zu hören. Es ist eine offene polnische Agitation. Und doch geht ein Gezeter durch die polnische Presse, wenn nun die Behörde kommt und eine solche Versammlung, zu der aus zehn Meilen in der Runde der ganze polnische Grundbesitz mit den Städtern zusammenströmt, auflösen muß, wenn der beaufsichtigende Beamte die Sprache nicht versteht. Daß es sich in solchen Fällen nicht darum handelt, der polnisch redenden Bevölkerung ihr Versammlungsrecht zu beeinträchtigen, daß vielmehr lediglich eine rein politische Frage vorliegt, ist vom Minister des Innern auch jetzt wieder vor jedem Zweifel sicher gestellt worden.
In der That ist der Gebrauch der polnischen Sprache allein kein Grund zur Auflösung einer Versammlung. Aber darin wird man dem Minister zustimmen müssen, daß ein
Verfahren. In etwa 35 Fällen von hochempfindlichen Zahnbein-Operationen, Zahn-Extraktionen u. s. w. so heißt es, habe er die Guajacol-Cocain-Anästhesie angewendet, und in 34 Fällen sei ein außerordentlicher Erfolg erzielt worden. Mit ganz minimalem Strome, der von Patienten nicht empfunden wird, habe er das Medikament in das Gewebe gelangen lassen und nach höchstens 7^2 Minuten eine vollständige Anästhesie erreicht, die etwa 15 Minuten angehalten. Die Patienten seien bei klarem Bewußtsein gewesen und hätten nicht den geringsten Schmerz empfunden. Die Guajacol-Cocain-Anästhesie sei absolut gefahrlos, da das Guajacol als Nichtleiter die wässerige Cocainlösung lokalisire.
Soweit wäre nun diese Sache, sofern das Verfahren sich thatsächlich bewähren sollte, gewiß von Wichtigkeit für die Zahnheilkunde. Das eigentlich Bedeutungsvolle für die gesummte Medizin, ja vielleicht für die Naturwissenschaft überhaupt beruht indessen auf folgenden gewissermaßen als Nebenergebnisse sich herausstellenden Thatsachen:!
Um die Richtigkeit der Morton'schen Versuche zu prüfen, hat Herr Marcus in Gemeinschaft mit dem dortigen Chemiker Herrn Dr. Liebmann eine Reihe von experimentellen Versuchen angestellt, an denen sich später auch Herr Professor Dr. Freund betheiligte. Und nun gelang es, Jod, Brom, Quecksilber u. s. w. dem menschlichen Organismus auf elektrolytischem Wege direkt zuzuführen. Gegenwärtig sind die genannten Herren mit Versuchen beschäftigt, die darauf abzielen, Morphium, Salicylsäure, Eisen, Chlorzink, Quecksilber und ähnliche für die Therapie so wichtige Heilstoffe auf dem gleichen Wege unmittelbar dem Körper einzuverleiben. Welche Heilwirkung diese sozusagen im statns nascendi in den Körper strömenden Medikamente besitzen werden, — dies festzustellen wird Aufgabe der wissenschaftlichen Medizin sein, und von ihren Beobachtungen wird es abhängen, ob das
Grund zur Auflösung vorhanden ist, wenn in Versammlungen, die — wie jene polnischen — der Ueberwachung bedürfen, der Zweck der Ueberwachung dadurch vereitelt wird, daß der Beamte der Versammlungssprache nicht mächtig ist. Beim Oberverwaltungsgericht, das in letzter Instanz zu entscheiden hat, schwebt gegenwärtig eine Klage im Verwaltungsstreit- versahren, deren Ergebniß abgewartet werden muß. Sollte das Gericht die Auflösung von Versammlungen aus dem genannten Grunde für ungerechtfertigt erklären, so sind die leitenden Kreise entschlossen, das Ueberwachungsrecht auf dem Wege der Gesetzgebung sicherstellen zu lassen. Die erneute Versicherung des Freiherrn v. d. Recke, daß die Regierung alle ihr zu Gebote stehenden Mittel anwenden werde, um der wachsenden polnischen Agitation entgegenzutreten, lassen ein rücksichtsloses Vorgehen erwarten. Nach den Reden des Freikonservativen Gerlich, des Konservativen Grafen v. Lim- burg-Stirum und des Nationalliberalen Sattler ist die Regierung dabei der großen Mehrheit des Abgeordnetenhauses sicher.
Politische und unpolitische Nachrichten.
(Depeschen-Bureau „Herold".)
Berlin, 31. Januar. Der Kaiser wird sich nach den getroffenen Dispositionen die geretteten Mannschaften der „Iltis" am 8. Februar im königlichen Schlosse vorstellen lassen.
Berlin, 31. Januar. Der russische Minister des Auswärtigen, Graf Murawjew, ist gestern Abend hier eingetroffen und im Bahnhöfe von dem gesammten Personal der russischen Botschaft empfangen werden. Bei dem ihm zu Ehren in der russischen Botschaft veranstalteten Diner erschienen u. A. der Reichskanzler Fürst Hohenlohe sowie sämmtliche Mitglieder der russischen Botschaft. Staatssekretär Marschall hatte sich entschuldigen lassen. Nach Beendigung des heute Abend beim Reichskanzler stattfindenden Diners fährt Graf Murajew zum Kaiser nach Kiel, um dort morgen Mittag in Audienz empfangen zu werden. Morgen Abend wird Graf Murajew in Berlin wieder eintreffen und von hier nach kurzem Aufenthalt die Reise nach Petersburg fortsetzen.
Berlin, 31. Januar. Die „Nordd. Allg. Ztg." bestätigt, daß der Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, Oberst Liebert, die Gouvernements-Geschäfte in Dar-es-Salam übernommen hat.
Berlin, 31. Januar. Der Reichstagsabgeordnete von Vollmar war dem „Vorwärts" zufolge nur an einem Anfall von Influenza erkrankt, der bereits überwunden scheint, sodaß Her von Vollmar voraussichtlich schon in einigen Tagen wieder an den Reichtagssitzungen wird theilnehmen können.
Berlin, 31. Januar. Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet aus Wien, Graf Murajew sei mit dem österreichischen Minister, Grafen Goluchowky, über die auswärtige Politik der
elektrische Diffasionsoerfahren die Grundlage einer ganz neuen Therapie bilden wird.
Aus Kunst und Leben.
• Hanau, l. Februar.
„Lebenslügen", ein neues, den Abend füllendes Schauspiel von Ludwig Rohmann, einem jungen Frankfurter Schriftsteller, gelangt Anfang März zur Probe-Aufführung am Hanauer Stadttheater. Der Aufführung werden einige auswärtige Bühnenleiter beiwohnen.
Bon seltenem Glück begünstigt war ein Herr in Bochum, dem der Hauptgewinn der Weseler Geldlotterie in Höhe von 100,000 Mk. in den Schooß fiel. Fortuna ist in diesem Falle besonders günstig gewesen, denn der Betreffende hatte, wie man erzählt, zunächst nur „ein Halbes" erstanden; am anderen Tage besann er sich, daß es wohl nicht schaden könne, wenn er noch einen weiteren Antheil kaufe, und siehe da, als er diesen beim Kollekteur zieht, da hat ihm Fortuna die andere Hälfte des am Tage vorher gekauften Looses in die Hände gespielt. Anfangs soll es ihm garnicht so recht gepaßt haben, ein ganzes Loos von ein und derselben Nummer zu spielen — jetzt lacht er aber.
Den altgewohnten lieben Schiefertafeln, ohne die man sich bisher die kleinen A-B-C-schützen gar nicht denken konnte, wird das Grablied gesungen: den Vorstehern der Berliner Schuten ist von der Behörde anheimgegeben worden, statt Griffel und Schiefertafel für den ersten Schreibunterricht Bleistift und Papier einzuführen. Diese Neuerung wird allerdings von Pädagogen und Aerzten immer dringender empfohlen, weil die Schrift auf der Tafel oft undeutlich ist und das Schreiben mit dem Griffel die Leichtigkeit der Schrift beeinträchtigt.