Erstes Blatt.
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Ätu 136» Freitag den 12. Juni 1896.
Hierzu „Amtliche Beilage" Nr. 49.
Amtliches.
Dienstiiaihrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Geldstück. Eine kleine Ledertasche. Am 9. d. Mts. am Markt stehen geblieben ein Damensonnenschirm. Ein gelber Fingerring.
Hanau am 12. Juni 1896.
Grasverkauf.
Die diesjährige Grasnutzung von den Wegen, Dämmen und Gräben der Hanauer Bruchwiesen soll nächsten Montag den 15. dieses Monats, nachmittags von 2 Uhr ab, an Ort und Stelle öffentlich meistbietend verpachtet werden. Zusammenkunft auf der Bruchköbeler Landstraße.
Hanau am 9. Juni 1896.
Der Vorsteher der Bruchwiesen-Genosfenschaft.
Bell, Domainenrath. 7642
Frage übereinstimmen wolle. Auch der bekannte Professor Sohm weiß der Sozialdemokratie nicht genug Dankbarkeit und Achtung für ihre Verdienste um den Arbeiterstand zu bezeugen, namentlich dafür, daß sie eine „Arbeiterpartei" geschaffen hat. „Sie hat", so sagt er wörtlich in einer Schrift, „den Arbeiterstand an die Thür der deutschen Gesellschaft geführt und das Anklopfen an diese Thür besorgt; und er soll in der Gesellschaft willkommen sein, in dem Salon der Gesellschaft."
Aehnlich wie Sohm und Wagner steht der von Raumann vertretene christliche Sozialismus zur Sozialdemokratie. Ueberall bringt man ihr in den gebildeten Kreisen eine mehr oder weniger offene Sympathie entgegen. Der Salon-Sozialismus macht immer größere Fortschritte; das Spielen mit dem sozialistischen Feuer gewährt vielen Gebildeten Kurzweil und Anregung. Unwillkürlich wird man an das Dichterwort erinnert: „Dies Völkchen spürt den Teufel nie, und wenn er sie am Kragen hätte." Da wäre es fast zu verwundern, wenn die Sozialdemokratie das „ethische" deutsche Bürgerthum durch ihre Friedensschalmeien nicht noch mehr einzuschläfern suchte.
Um so mehr Wachsamkeit haben alle nüchternen Beurtheiler der thatsächlichen Verhältnisse zu üben. Hinter den Friedensschalmeien der Sozialdemokratie verbirgt sich nur der verhaltene Haß derselben, der sich bald genug in rohe Vergewaltigung umsetzen würde, wenn ja einmal der erwähnte „große Tag" anbrechen sollte.
Friedensschalmeren.
Die von den Vertretern der Sozialdemokratie wiederholt ausgegebene Parole, mit der Miene der Unschuld den revolutionären Charakter ihrer Bestrebungen abzuleugnen, wird in einzelnen sozialdemokratischen Broschüren prompt befolgt, und zwar mit einem — Freimuth, als wäre die Vergangenheit ein unbeschriebenes Blatt Und das entrüstete Wort unseres Kaisers von der „Rotte von Menschen, nicht werth, den Namen Deutscher zu tragen," niemals durch sozialdemokratischen Frevelmuth begründet gewesen.
So hat neulich der Leipziger (Sozialistenführet Lorenz in einer Rede und dann in einer Flugschrift diejenige Richtung in der Sozialdemokratie für eine ganz aussichtslose erklärt, die sich als vaterlandslos hinstellt, erst das Alte zusammenbrechen lassen und den Proletarier nur für den „großen Tag" erziehen will, „an dem dann — ja, ich weiß nicht, was „an dem dann", an diesem großen Tag geschehen soll." Lorenz meint, es wäre schon umständlich und mißlich, nach dem Sturz des Bestehenden auf Schutt und Kehricht zu bauen; und die, welche ihn weggcrâumt hätten, besäßen doch immer für einige Zeit kein Haus. Man solle daher auf friedlichem Wege vorgehen, in den Zukunftsstaat gewissermassen „hineinwachsen", denn die Keime der künftigen Gesellschaft seien schon in der heutigen vorhanden. „Der soziale Gedanke liegt in unserer Zeit; ihn wollen wir pflegen, allmählich, aber in steter planvoller Arbeit."
Mit Bezug auf die vaterländische Idee vertritt Lorenz zwar die Ansicht, daß der deutsche Nationalstaat nur „Zwingburg des Kapitalismus" ist, dessen blendendem Glanze das Proletariat und Massenelend als Kehrseite und nothwendige Konsequenz gegenüberstehen. — Aber — „auch wir Sozialdemokraten lieben dieses Land (!), dem wir entsprossen sind, dessen Natur wir in uns tragen; das deutsche Land soll ein Heim des deutschen Volkes werden; der Sozialdemokrat, der vorgibt, es zu hassen, täuscht sich selber; er glaubt zu hassen, wo er eigentlich liebt; er haßt aus Liebe." In diesem" Sinne ergeht sich der sozialdemokratische Wortführer noch weiter, und er versichert mit Nachdruck, daß er mit feinen Ansichten in der sozialdcmokrgtischen Partei keineswegs allein steht. Wie dem auch sei, der Erfolg beweist, daß Lorenz sein Publikum richtig taxirt. Dos deutsche Michelthum verleugnet sich nie. Es gibt Leute genug, die sofort auf den hingehaltenen Köder anbeihen und überzeugt sind, daß die Sozialdemokratie auf dem besten Wege ist, sich zur sozialistischen „Reformpartei" umzuhänten.
Erst in den letzten Tagen hat der Rektor der Berliner Universität, Professor Wagner, offen bekannt, daß er lieber mit dem „ehrlichen" Bebel, als mit dem „nicht ernst zu nehmenden" Freiherrn v. Stumm in einer
,1fr M< heutige Nummer umkatzt außer
Tagesschau.
Ob die Rede des Prinzen Ludwig von Bayern auf dem Bankett des Moskauer Reichsvereins, welche jetzt so vielen Staub auf- wirbelt, nöthig war, mag dahin gestellt sein. Ist doch die vollste Wahrung und Achtung der verfassungsmäßigen Stellung der Bundesstaaten und Bundesfürsten zu Kaiser und Reich einer der charakteristischen Grundzüge der Reichspolitik, welche Kaiser Wilhelm I. unter dem Beirath des Fürsten Bismarck sestgelegt und als feste Tradition seinen Nachfolgern vererbt hat. Gerade die feste Ueberzeugung der Bundesstaaten und der Bundes- fürsten, daß sie bei Kaiser und Reich den denkbar sichersten Schutz für ihr eigenes Recht finden, bildet nach dieser alt hergebrachten Tradition eines der festesten Fundamente der deutschen Einheit und Einigkeit, und es mag gegenüber dieser Thatsache allerdings immerhin fraglich sein, ob ein staatsrechtlich unzweifelhaft schiefer Ausdruck in der improvisierten Rede eines Privatmannes zu einer so nachdrücklichen Wahrung der Stellung der Bundessürsten nöthigte, wie das seitens des Prinzen Ludwig geschehen ist. Ganz unbegreiflich aber ist die Sachbehandlung dieses Falles in der bayerischen, insbesondere der Münchener Presse, welche im Gegensatz zu der überaus ruhigen Auffassung, welche in dem Communiquè der N. A. Z. zu erkennen ist und auch für die Behandlung des Falles in der übrigen deutschen Presse maßgebend war, den Fall aufbauscht und stark in bayerischem Chauvinismus macht, anscheinend unter dem Drucke einer starken populären Strömung in der bayerischen Haupstadt. Die Reichspolitik wird von solchen Strömungen, zumal wenn sie stark genug erscheinen, um sich politisch geltend zu machen, wie von allen politisch wichtigeren, thatsächlichen Momenten, gebührend Akt zu nehmen haben. Sowohl nach der Richtung, daß alles sorgfältig vermieden wird, was auch nur den Schein berechtigter Beschwerden vom bayerischen Sonderstandpunkte sowohl in formeller wie in materieller Hinsicht erwecken könnte, als nach der Richtung wachsamer Aufmerksamkeit, daß dieser Standpunkt sich in der Reichspolitik nicht stärker geltend macht, als ihm gebührt.
Die Innungen haben beschlossen, in diesem Sommer eine ganz besonders lebhafte Agitation zu entfalten; sämmtliche Jnnungsverkände werden in diesem Sommer ihre Kongresse veranstalten, um in erster Linie über die Organisation des Handwerks nach Maßgabe der hierüber in Aussicht gestellten Beschlüsse der preußischen Staatsregierung zu berathen. Die Buchbinder werden vom 25. bis 28. Juli in Erfurt zusanunenkommen, die Schornsteinfeger treffen sich am 17. Juni in Bremen, die Schlosser am 14. bis 16. Juni in Mainz, die Drechsler am 1. bis 3. August in Berlin. Mit der Errichtung der Handwâr-Kreditgenosfenschaften geht es trotz einzelner Erfolge langsam; wie Berliner Jnnungèleiter erklären, soll dem NuterhaLtnugsvIntt 16 Seiten.