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Nr 105
Dienstag den v. Mai
1896.
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Depefchen-Bureau „Herold".
4. Mai, abends 9 Uhr:
Berlin, 4. Mai. Das Staatsministerium trat gestern Nachmittag 2 Uhr in der Wohnung des Reichskanzlers unter dessen Vorsitz zu einer Sitzung zusammen. An derselben, welche bis um 6 Uhr dauerte, nahm außer sämmtlichen Ministern auch der Schatzsekretär Posadowsky theil. Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, soll die Zustimmung zu dem Verbot des Getreideterminhandels beschlossen worden sein. Dem Anträge des Handelsministers auf Zurückziehung des Gesetzentwurses über die Handelskammern wird Folge gegeben werden.
Berlin, 4. Mai. In betheiligten Kreisen des Handelsstandes ist man der „Nationalztg." zufolge entschlossen, sich in das Termin-Register nicht eintragen zu lassen, sondern die Termingeschäfte nach wie vor lediglich auf Treu und Glauben abzuschließen, zumal es nach den Erörterungen in der Kommission und nach einem neuerlichen Erkenntniß des Reichsgerichts zweifelhaft ist, wie weit die Eintragung der Kontrahenten eines Termingeschäfts dieselben gegen den Spieleinwand sichern würden.
Berlin, 4. Mai. Um zu verhindern, daß nach Annahme des Verbots des Terminhandels in Getreide- und Mühlenfabrikaten sich die Spekulation nach ausländischen Plätzen zieht, wird, wie die „Post" meldet, bei der drillen Lesung der Vorlage im Reichstage ein Antrag eingebracht werden, daß im Auslande erzielte Urtheile in Prozessen, die sich aus Termingeschäften ergeben, nicht vollstreckbar sind.
Berlin, 4. Mai. Die Reichstags-Baukommission trat heute Mittag unter dem Vorsitz des Staatssekretärs Bötticher zusammen. Es wurde sicherem Vernehmen nach über die innere Ausschmückung des neuen Reichstagsgebäudes Beschluß gefaßt. In der Wandelhalle, im Hauptrestaurant, im Schreib- und Lesezimmer, sollen Bildnisse rc. aufgestellt werden. Für Ausschmückung der Wandelhalle soll ein Wettbewerb ausgeschrieben werden.
Berlin, 4. Mai. Gras Kanitz hat mit Unterstützung der Konservativen im Reichstage zur dritten Lesung des Börsengesetzcs den Antrag eingebracht: Der Reichstag wolle beschließen, die solgende Resolution anzunehmen : den Reichskanzler zu ersuchen, mit denjenigen Staaten, in welchen ein börsenmäßiger Terminhandel in Getreide und Mühlenfabrikation besteht, wegen Untersagung dieses Handels in Verhandlung zu treten und über die Ergebnisse dem Reichstage Mittheilung zu machen.
Berlin, 4. Mai. Der Verein deutscher Zeitungsver leger hält am 1. Juni in Berlin eine außerordentliche Generalversammlung ab.
Berlin, 4. Mai. Der bulgarische Ministerpräsident Stoilow hatte gestern eine anderthalbstündige Konferenz mit dem Staatssekretär Freiherrn von Marschall.
Berlin, 4. Mai. Infolge Unvorsichtigkeit entstanden heute früh 5 Uhr im Laboratorium der Gesellschaft für flüssige Gase in der Usedomstraße zwei Explosionen. Das Gebäude wurde total zerstört, ein Arbeiter anscheinend leicht verletzt. .
Berlin, 4. Mai. Auf der Havel wurde gestern ein Ruderboot des Klubs „Venetia" vom Sturm umgeschlagen, wobei drei Rudeier ertranken. Drei weitere Insassen des Boots konnten gerettet werden.
Karlsruhe i. B., 4. Mai. Die Verhandlungen zwischen der Stadt und der Regierung wegen Erbauung eines Hafens und Kanals Karlsruhe—Rhein sind abgeschlossen und liegen dem Bürgerausschuß zur Genehmigung vor.
Aachen, 4. Mai. Auf der hiesigen elektrischen Straßenbahn stieße« gestern Abend zwei Motor-Wagen zusammen, wobei 11 Personen verletzt wurden, darunter drei schwer. Die Katastrophe wurde dadurch verursacht, daß auf einer Haltestelle der Führer des einen Wagens denselben auf kurze Zeit verließ und der Wagen auf noch nicht aufgeklärte Weise ins Rollen kam.
Rom, 4. Mai. Der „Messagers" meldet, General Baldissera habe am gestrigen Sonntag telegraphirt, er werde die Abessynier sofort angreifen. Das Blatt glaubt, daß bereits ein Kampf stattgefunden habe.
London, 4. Mai. Der Standard erklärt den Urtheilsspruch des Gerichtes in Bonn» in der Sache Lothair Stockes für unsinnig und meinte, das Urtheil werde vom Appellgericht geändert werden.
Warschau, 4. Mai. In ben letzten Tagen wurden zahlreiche russische Studenten, worunter Söhne hoher Beamten rc., wegen geheimer nihilistischer Umtriebe verhaftet.
Witteimrrgsbericht.
Voraussichtliche Witterung: Von Westen nach Osten langsam fortschreitende Besserung.
Verloosungen.
Bayerische 100 Thlr.-Loose vom Jahre 1866. Ziehung am 1. Mai. Auszahlung am 1. Juni 1896. Außer den bereits mitgetheilten Hauptpreisen wurden noch folgende Nummern mit je 1200 Mk. gezogen: Nr. 415 439 3943 6335 7082 7363 14395 14396 14397 15031 15301 15339 15513 15347 15538 17377 20003 20046 21070 21438 22367 22387 23620 28629 23904 23907 23945 27054 31384 31955 31966 31988 33774 37337 37345 38962 38968 41010 41047 50850 51682 56270 56282 56293 57753 71068 71074 71449 75135 76119 84755 84793 93427 94703 94734 103553 103592 103970 104412 109364 109379 111159 111195 112323 114662 121476 121477 121494 126005 130874 133434 133646 135413 138053 138069 138078 138088 146712 147768 148835 149453 153051 155975 157666. (Ohne Gew.)
Schwedische 10 Thlr. Loose vom Jahre 1860. Ziehung am 1. Mai. Auszahlung am 1. August 1896. Hauptpreise: Nr. 90691 â 5000 Thlr. Nr. 180423 â 1000 Thlr. Nr. 76772 110976 je 150 Thlr. (Ohne G.)
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* Geschäftsbericht. Am vergangenen Samstag fand die ordentliche Generalversammlung der Farbwerke vorm. Meister, Lucius u. Brüning in Höchst a. M. statt. Der Geschäftsbericht ergab einen Ueberschuß von 6 921 276 Mk. und nach Abzug der verschiedenen Abschreibungen einen Netto-Gewinn von 6 191 475 Mk. 20 Pf. Auf Vorschlag des Aufsichtsraths wurde beschlossen: 28 Prozent Dividende zu vertheilen, 200 000 Mk. dem Spezialreservefonds, 50 000 Mk. dem Beamtenpensionsfonds, 904 432 Mk. 45 Pfg. als Tantieme dem Aufsichtsrath, dem Vorstand und den am Gewinn betheiligten Beamten zu überweisen und 260 000 Mk. für Arbeiter - Unterstützungen, die Kaiser Wilhelm : und Augusta- Stiftung und für Arbeiter^Wohlfahrtseinrichtungen zu verwenden. 9 9 7 042 Mk. 78 Pfg. gelangen tantikmefrei zum Vortrag auf 1896.
Frankfurt a. M., 4. Mai. (Vieh markt.) Der heutige Vieh- markt war mit 504 Ochsen, 28 Bullen, 366 Kühen, Stieren und Rindern, 137 Kälbern, 199 Hämmeln, 955 Schweinen befahren. Die Preise stellten sich wie folgt: Ochsen 1. Qualität der Zentner Schlachtgewicht 61—64 Mk., 2. Qualität 48—52 Mk.; Bullen 1. Qualität 49—51 Mk., 2. Qualität 46—48 Mk.; Kühe, Stiere nnb' Rinder 1. Qualität 48—52 Mk.; 2. Qualität 40—44 Mk.; Kälber das Pfund 1. QualitL 65—70 Pfg., 2. Qualität 55—60 Pfg.; Hämmel 1. Qualität 60—62 Pfa., 2. Qualität 50—52 Pfg., Schweine 1. Qualität 45—46 Pfg., 2. Qualität 43-44 Pfg.
Frankfurt a. M., 4. Mai. (Produktenbörse.) Es wurde notirt nach Qualität: Weizen, hiesiger Wetterauer Mk. 16.75 16.90, kurhessischer Mk. 16.75—16.90, russischer Mk. 16—17.50, Redwinter Mk. 16.75—17.25, Laplata Mk. 16—16.50, Rumänischer Mk. 15.75 bis 16.75, Roggen, hiesiger Mk. 13.25, Pfälzer Mk. —, russischer Mk. 12.65-12.90, Gerste, hiesige Mk. 16.50-17.25, Wetterauer Mk. 16.50—17.25, Pfälzer Mk. 17—17.75, Fränkische Mk. -.-, Riedgerste Mk 17.50—18, Hafer, hiesiger Mk. 13—13.50, Württemberger Mk. _._ bayerischer Mk. 13—14.25, russischer Mk. 13—14.25, amerikanischer Mk. 13—13.25, Mais mixed Mk. 9—9.15 Laplata Mk. 8.50 bis 9.10. Alles per 100 Kilo netto effektiv loco hier. — Mehl unverändert. ES notirt nach Qualität: Weizenmehl, hiesiges Nr. 0 Mk. 24.50—25.50, feinere Marken Mk. 23.50—27.50. Nr. 1 Mk. 22.50—23.50, feinere Marken Mk. 24.25—24.75. Nr. 2 Mk. 21.50