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Nr. 56.
Freitag den 6. März
1896.
Amtliches.
^anö^rei-ö ^unau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landraths »mtes.
Unter den Viehbeständen von Unterfranken und Aschaffenburg ist die Maul- und Klauenseuche in größerem Umfang ausgebrochen und ist wegen der damit verbundenen größeren Seuchengefahr die Abhaltung von Bieh- märkten in den betreffenden Regierungsbezirken vom 5. März d. Js. ab dis auf Weiteres verboten worden.
Hanau am 5. März 1896.
Der Königliche Landrath v. Schenck.
Tagesschau.
Se. Maj. der Kaiser stattete vorgestern dem italienischen Botschafter einen halbstündigen Besuch ab. Man geht nicht fehl, wenn man diesen Besuch mit dem Unglück der Italiener bei Adna in Verbindung dringt. Graf Lanza hat selbst in Massauah einst ein Kommando gehabt md kennt somit Land und Leute.
Die Bimetaüisten bereiten von Neuem eine Resolution vor, die dem Reichstag denrnächst unterbreitet werden soll und die bezweckt, die Agitation für eine internationale Währungskonferenz wieder in Fluß zu dringen. Wie wir hören, besteht die Absicht, die Stellungnahme des mglischen Unterhauses zur Frage der Wiedereröffnung der indischen Münzstätten, die am 17. d. Mts. fallen dürfte, abzuwarten. Sollte die Entscheidung im Sinne der Bimetallisten ausfallen, so wird beabsichtigt, gleichzeitig in den Parlamenten Englands und Frankreichs und dem Deutschen Reichstag eine Resolution in dein oben angedeuteten Sinne einzudringen.
Nieder mit dem Kabinet Crispi! das war das Feldgeschrei der italienischen Radikalen und der Schlachtruf der Demonstranten während der letzten Tage. Sie ahnten kaum, wie nahe sie damit am Ziele ihrer Wünsche angekommen sind, denn schon vorgestern gingen dieselben sämmtlich in Erfüllung: Das Ministerium Crispi hat seine Demission eingereicht und der König hat sie angenommen. So ist also der Rücktritt des Kabinets eine der folgenschweren Wirkungen, welche die große Niederlage der Italiener bei Adua herbeigeführt hat. Der Rücktrittsentschluß überrascht einigermaßen; man hatte daran sestg« halten, Crispi werde noch Mor die Kammer befragen, er soll indeß durch Interpellation zahlreicher in Rom eingetroffener Deputaten zu der Ueberzeugung gekommen sein, daß die Kammer, wenn das Ministerium im Amte bleibe, eine anti- Prikanische Demonstration veranstalten würde. Dies wollte er um jeden Preis vermeiden und deshalb beschloß das Ministerium, seine Demission zu geben und der Kammer alle Negierungsmaßregeln für Afrika und Anweisungen an Baratieri vorzulegen und zu erklären, warum diesem seine Ersetzung durch Balviffera nicht angezeigt worden war. Kurz nach der Annahme der Demission hatte der König eine Unterredung mit General Ricotti; dieser darauf mit Rudini. Der König beschied sodann die Prä- Hdknten beider Häuser zu sich, um ihre Ansicht zu hören. Ein Ministe- r>um Ricotti soll große Chancen haben. Es soll bereits des Beistandes Senators Finali, eines der kompetentesten Finanzmänner Italiens, Rer sein.
Die Anwesenheit des Präsidenten Faure in Nizza, wo dieser "uch den Besuch des Großfürsten-Thronfolgers von Rußland empfing, enterte nicht der politischen Pointe. Marr hatte Herrn Faure zu Ehren im Mino ein Festmahl veranstaltet und dazu auch die fremden Konsuln ein- âeladen, doch leisteten nur die Konsuln Rußlands und der Vereinigten Staaten von Amerika der Einladung Folge; die anderen Konsuln hatten W entschuldigt. Präsident Faure gab einen geschichtlichen Ueberblick über ^Vereinigung Nizzas mit Frankreich und rühmte die Anwohner Nizzas, welche damals die Vereinigung gewünscht hätten. Der Präsident sagte weiter: Alle Franzosen einander im Geiste der Eintracht \ des Friedens zu nähern und die Interessen der Nation über Alles ßtzen, das seien die wahren Mittel, um die Größe des Landes zu ver- ^üchen und der Republik den Platz zu sichern, auf welchen sie in der ein Recht hat.
h In der Entwickelung der spanisch-amerikanischen Bezieh- ^gen gewinnt ein ruhigeres Tempo die Oberhand. Dem Washingtoner
Senat erscheint die kubanische Resolution des R präuntanienhauses denn doch von gar zu großem Kaliber; er hat sie beanstandet und eine besondere Kommission zur Berathung mit der Kommission des Repräsentantenhauses ernannt. In Madrid erwägt man die Ersetzung des jetzigen Inhabers des Ressorts der auswärtigen Angelegenheiten, Elduaym, der in der Behandlnng der Beziehungen zu der Union nicht sonderlich glücklich gewesen ist, durch seinen Vorgänger, den Herzog von Tetuan, zu biffen diplomatischen Fähigkeiten die Regierung größeres Vertrauen hegt. ES ist immerhin für den Stand der Sache schon ein Gewinn, daß die nationalen Leidenschaften hüten wie drüben keine weitere Steigerung erfahren haben.
Deutscher Reichstag. (52. Sitzung vom 5. März 1 Uhr).
Der Reichstag beendigte heute die erste Lesung des Zucker- steuergesetzes.
Vor Eintritt, in die Tagesordnurrg ehrte das Haus das Andenken des in der vergangener Nacht verstorbenen früheren ersten V zeprâsidenten des Reichstags Abg. Buhl (notlib.) in üblicher Weise.
Abg. Hilpert (boyer. Bauernd.) bâlt es für ein unmögliches Verlangen, der Vorlage zuzustimmen, will aber einer Kommissionsberathung nicht widersprechen.
Abg. E h n i (südd. Volksp ) erklärt, das Gesetz ablehnen und auch gegen eine Kommissionsberachung stimmen zu wollen.
Staatssekretär Graf Posadowsky wendet sich gegen die gestrigen Ausführungen der Bbgg. Barth, Zimmermann und v. Staudp und betont dabei, daß er für das Jahr 1894/95 Mittheilungen über die Ertragsver- hâltniffe von 382 Zuckerfabriken eit gezogen habe; von diesen Fabriken hätten 97 gar keine Dividende gezahlt, 148 hätten mit einer Unterbrlanz von 400,000 und 500,000 Mark gearbeitet. Es handle sich um ungeheure Vermögen, die bei der Zuckerindustrie innt flirt seien. Bei 163 Fabriken, bei denen Aktionäre zugleich Rübenlieferanten seien, sei festgestellt worden, daß unter den 22,781 Aktionären dieser Fabrik n sich 19,642 Rübenlieferanten kn finden, — ein deutlicher Beweis, wie eng die Land- wirthschaft mit der Zuckerindustrie verknüpft sei. Der vorliegende Gesetzentwurf sei genau nach dem Antrag Paasche gearbeitet, und dieser sei von 144 Abgeordneten gestellt worden ; es sei daher unrichtig, was der Abg. v. Staut p behauptet habe, daß sich für den Entwurf in seiner jetzigen Gestalt kaum eine Stimme finden werde.
Abg. R ö s i ck e (b. k. F.) spricht sich gegen den Entwurf aus; das ganze Gesetz und insbesondere die darin vorgeschlagene Kontingentirung sei ein Stück Sozialismus. Das Gesetz sei nicht gerecht und nicht im Stande, seine Nachtheile gegen die Vortheile aufzuwiegen.
Abg. v. Plötz (kons.) begrüßt den Entwurf als geeignete Grundlage für die Berathungen der Kommission; in der vorliegenden Gestalt könne er freilich nicht bleiben, aber hoffentlich werde sich eine Verständigung hierüber erzielen lassen.
Abg. Schippel (Soz.) bezeichnet die Vorlage als den Niederschlag einer Jntereffenpolitik, die er nicht billigen könne.
Abg. Paasche (natlib.) weist gegenüber den Darlegungen des Abg. Rösicke darauf hin, daß die auswärtigen Staaten nicht daran dächten, ihre Prämien zu ermäßigen, weil sie sich fegten, daß sie dann auf dem Weltmarkt nicht konkurruen könnten.
Nachdem die Abgg. Barth (frf. Ver.) und v. S t a u d p (kons.) in potemifirenben Ausführungen gegen frühere Redner nochmals ihren ablehnenden Standpunkt gegenüber der Vorlagr dargelegt hatten, wurde die Debatte geschlossen und der Gesetzentwurf einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen.
Nächste Sitzung Freitag 1 Uhr: Zweite Lesung der Gewerbeordnungsnovelle.
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
(Sitzung vom 5. März.)
Im Abgeordnetenhause ist ein Antrag, betreffend den Stcllve treter des Direktors der Staatsarchive ein gegangen. Die Berathung des Kultus- et als wird bei dem Abschnitte „Katholische Kirchen uvb Geistliche" fortgesetzt.