Abonnements- Preis:
IL-rli» 9 .X Hi.^ 504.
Wertrksährffch »^125 4.
Wir auswärtige tootttiaiten mit tat betreffenden Wostanflchlng.
Die einzelne Mmsser 10 ^»
f)niiniitr Anzeiger.
ArnIticH^s gtrgan för Ktaöi- und Lcrnökreis Kancru.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Preis: DK Ifpactige Gannondzerle fth^ jtfwiiShnMt 10 4. Dkl^sp. Zeile 15 4.
Die 2fvalt Zeile 20 4.
Die 3foa!t. Zeile PO
Nr. 27.
Freitag den 1. Februar.
1895.
Amtliches.
^taOt&reis ^anau.
Bekanntmachungen des Sberbürgermeisteramtes.
Lit.
II Lit.
A. Nr.
' / " i der Stadt Hanau.
Ziehung am 27. September 1894.
Auszahlung am 31. März 1895.
Anleihe vom 30. September 1880.
Reihe I zu 4°/o (XIV. Ziehung). 75, 8 â. 1000 Mark.
312, 218, 271, 95, 70, 294, 110, 3 4 500 Mark.
133, 240, 751, 434, 498, 262, 141, 87, 267, 742, 306, 338 â 200 Mark.
Rückständig: c. 330, 709, 747 4 200 Mark.
Reihe II zu 3Vs0/» (V. Ziehung).
Lit. A. Nr. 124, 62 4 1000 Mark.
„ • B. „ 102, 68, 80, 272 4 500 Mark.
„ C. „ 389, 1, 220, 504, 513, 212, 396, 768, 493, 344 4 200 Mark.
Rückständig: A. 55 4 1000 Mark, 0. 653 4 200 Mark.
II Anleihe vom 1. Oktober 1889.
II. Serie zu S'VsVo (V. Ziehung).
Lit. A. Nr. 143 4 2000 Mark.
„ B. „ 174, 259, 279 4 1000 Mark.
„ C. „ 234, 368, 353, 384 4 500 Mark. „ D. „ 268, 348, 281, 358, 303, 424, 355, 330 4 200 Mark.
Rückständig: C. 209, 351 4 500 Mark.
Dieselbe Anleihe I. Serie (III. Ziehung).
Lit. A. Nr. 3 4 2000 Mark.
„ B. „ 23 4 1000 Mark.
„ C. „ 168, 170 4 500 Mark.
„ D. „ 171, 230, 170, 232, 97, 124, 191 4 200 Mark.
Rückständig: D. 68, 246 4 200 Mark.
Hanau am 27. September 1894.
Der Stadtrath :
Dr. Gebeschus. 9
Der Antrag Kanitz.
I.
Das Unglück für die Landwirthschaft sind die gegenwärtigen niedrigen Getreidepreise. Gegen die Strömung durch die Verkehrsverhältnisfe, durch die Wirkung des Weltmarkthandels und seiner Spekulation kann die deutsche Landwirthschaft nichts machen. Nicht die Getreidezölle haben die rückläufige Preisbildung aufhalten können, zumal dieselben auch noch aus politischen wie industriell-wirthschafilichen Gründen herabgesetzt wurden, noch auch die unlautere Spekulation der Produktenbörse trägt die Schuld, sondern das Sinken des Weltmarktpreises für Getreide. Deutschland kann weder mit Amerika konkurriren, wo die Sonne für den Landwirth arbeitet, noch mit Rußland, wo die Arbeitskräfte billiger sind.
Von 1860 bis 1890 haben sich im Gebiete der deutschen Landwirte)- schaft alle Gutsankäufe, Erbregulirungen und Pachtungen auf der Grundlage des Durchschnittspreises des Roggens von 15 bis 16,5 Mk. pro Doppelzentner vollzogen. Erst die letzten drei Jahre mit ihren sinkenden Preisen führten dahin, niedrigere Durchschnittspreise zu Grunde zu legen, woraus sich naturgemäß das Sinken der Kauf- und Pachtpreise ergab. Für die vorangegangene Zeit ist aber der Durchschnittspreis von 15 bis 16,5 Mk. der Einkaufspreis, dem heute ein Verkaufspreis von 11 bis 11,3 Mk. gegenübersteht. Es ist also der Fall eingetreten, daß der Landwirth seine Waaren 40 vom Hundert unter dem Einkaufspreis, also mit 40 vom Hundert' Verlust abgeben muß. Dies ist die gegenwärtige Lage der Landwirthschaft. Daß unseren Landwirthen geholfen werden muß, liegt auf der Kand, zumal im deutschen Reiche 26 Millionen Menschen von der Londwirthschaft leben. Vor allem muß der Getreidepreis erhöht werden.
Von allen vorgeschlagenen Mitteln zur Abhülfe des landwirthschaft- lichen Nothstandes kommt nur dieses eine ernstlich in Betracht. Der Antrag Kanitz will den Ankauf des importirten Getreides durch den Staat monopolisiren, damit der Staat auch als Verkäufer den Preis feststellen kann. Im Inland soll nach wie vor der Getreidchandel sich frei bewegen und entwickeln, es wird nur Schutz des selbst auf deutschem Boden gebauten Getreides verlangt, gegenüber der Spekulation des Weltgetreidegeschäftes mit feinen Weltmarktpreisen, und das geschieht vollständig durch Einführung der Monopolisirung des ausländischen Getreides.
Mn warnendes Beispiel.
Der Parlamentarismus, die Errungenschaft unseres Jahrhunderts, kann nicht bestehen ohne politische Parteien. Er legt denselben die sittliche Pflicht auf, das Wohl des Vaterlandes über das der Partei zu stellen; aber er bringt die Parteien immer wieder in die Gefahr, umgekehrt das Wohl der Partei dem des Vaterlandes vorzuziehen. Daran krankt die politische Entwickelung in nahezu allen Staaten, es ist dies die Achillesferse des Parlamentarismus, die ihn so vielfach in bösen Ruf bringt. Zustände, wie sie in der französischen Republik jetzt vorliegen, kann kein Volk auf die Dauer ertragen, und wäre sein Respekt vor Parlamentarismus auch noch so groß. Eine größere Verworrenheit ist kaum denkbar; kein Staatshaupt von machtvollem Einfluß ist vorhanden, das Ministerium ist der Diener einer zerfahrenen Kammer, alle amtliche Autorität ist untergraben, in der Kammer gilt nicht das Interesse und das Wohl des Vaterlandes, sondern Eigennutz und Skandalsucht, der Ruf der einzelnen Volksvertreter wird planmäßig zerstört, wer irgendwie sich Hervorthut durch besondere Begabung, kann sicher sein, beschimpft und verdächtigt zu werden. In einem monarchischen Staate mit fester Zügelleitung und mit klaren Zielen haben solche Parteizustände weniger zu bedeuten, wenn sie auch hier großen Schaden anstiften können. In einer Republik aber muß auf die Dauer solcher Wirrwarr, der heute aufreißt, was vor Wochen oder Monaten mit Mühe und Sorgfalt fest gefügt war, zu den unleidlichsten Zuständen und zum schließlichen Umsturz führen.
Lassen wir uns in Deutschland bei Zeiten warnen, ehe es zu spät ist. Der kleinliche Parteigeist strebt auch bei uns nach der Herrschaft und sucht jede gesunde Entwicklung zu hemmen. Große Gesichtspunkte sind vielfach abhanden gekommen, es gibt nur einen Maßstab, den Parteiprofit, und nur einen Rathgeber, den Parteiführer. So bei den Wahlen, so bei den Vorlagen, welche die Regierung im Reichstage und im Landtage macht. Mit wahrer Wonne wird die Uneinigkeit bis in die kleinsten Kleinigkeiten durchgeführt und keine Gelegenheit oder Angelegenheit unbenutzt gelassen, um nicht daran eine Rede mit Parteilehren und Parteizielen anzuknüpfen. Aus dieser Uneinigkeit der Parteien zieht lediglich die Sozialdemokratie ihren Vortheil. Ein Eintreten für Kaiser und Reich ist das nicht. Der Kaiser hat in Königsberg das Einigungswort für „Sitte, Ordnung und Religion" ausgegeben. Aber ein Zusammenschließen im Kampfe gegen die Umsturzpartei steht noch in weitem Felde. Lernen wir von unserem Nachbarvolk, wohin es führt, wenn ausschließlich das eigene Ich die Richtschnur politischen Denkens und Wirkens wird; wenn ein Volk weder die Autorität noch die Freiheit ertragen kann. Sorgen wir dafür, daß nicht auch bei uns die deutsche Volksvertretung so tief in der öffentlichen Meinung sinkt und so sehr gegen den Bestand und das Interesse des Vaterlandes wüthet, wie das augenblicklich die französische Volksvertretung thut. Und helfen wir vor allem, das Schwert des Staates gegenüber den Umsturzparteien schärfen.
Tagesschau.
Berlin, 31. Jan. Bei Ihren Kaiserlichen und Königlichen Majestäten fand gestern Abend im Königlichen Schlosse Hofball statt, zu welchem gegen zwei Tausend Einladungen ergangen waren.
Berlin, 31. Jan. Der Kaiser erhielt folgende Antwort auf die Beileidskundgebung für den Marschall Canrobert: „Paris, 30. Januar. Kaiser Wilhelm. Berlin. Der Marschall Canrobert hätte die hochherzigen Gesinnungen tief empfunden, die Ew. Maj. zugleich im Namm des Garde- du-Korps ausdrücken. In ihrem Schmerze richtet die Familie des Mar-