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M. 252. Di enstag den 28. Oktober 1890

Amtliches.

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.

Nachstehende Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts' Friedberg wird hierdurch veröffentlicht.

Hanau am 25. Oktober 1890.

Der Königliche Landrath.

V. 7569 I. V.: Baabe.

Bekanntmachung.

Auf Grund der §§. 1922 des Reichsgesetzes betr. die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen und des §. 64 der hierzu erlassenen Reichsinstruktion wird hierdurch verordnet:

1) Die Gemeinde Heldenbergen und deren Gemarkung werden gegen das Durchtreiben von Wiederkäuern und Schweinen gesperrt und ist auch die Verwendung von Rindvieh zum Fahren durch diese Gemarkung untersagt.

2) Aus dem genannten Orte und dessen Gemarkung dürfen Wiederkäuer und Schweine nur mit schriftlicher Erlaubniß unterzeichneter Behörde ausgeführt werden.

Diese Erlaubniß wird nur für nachweislich gesunde Thiere, die zum Zwecke sofortigtr Abschlachtung ausgeführt werden, ertheilt wer­den. Diesbezügliche Gesuche sind bei der Großh. Bürgermeisterei anzubringen.

3. Jede Zuwiderhandlung gegen die vorstehenden Anordnungen wird nach §. 66 des cit. Gesetzes mit Geldstrafe bis 150 M. oder mit Haft bestraft.

Die vorstehenden Bestimmungen treten sofort in Kraft. Friedberg den 24. Oktober 1890.

Großh. Kreisamt Friedberg.

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Vom Wasenmeister am 27. d. M. eingefangen: Ein rother- glatthaarigen Hund.

Gefunden: Auf dem Wochenmarkt stehen geblieben: ein großer Korb zur Aufnahme von Spanferkeln. Ein schwarzer Damen-Regenschirm. Ein Hundemaulkorb.

Verloren: Ein Brodbuch. Zwei weiße Taschentücher, A. W. gez.; dem Wiederbringer eine Belohnung. Ein 20-Markschein.

Hanau am 28. Oktober 1890.

Tagesschau.

Berlin, 27. Oktbr. Se. Majestät der Kaiser und König bega­ben Sich gestern Vormittag vom Neuen Palais nach Berlin, fuhren hier in das Generalstabsgebäude und beglückwünschten in Gegenwart Sr. Ma­jestät des Königs von Sachsen, der Großherzoge von Baden, Sachsen und Hessen, der General-Feldmarschälle, kommandirenden Generale und General- Inspekteure 2C. sowie in Anwesenheit der Fahnen und Standarten des Gardekorps und der Fahnen des Grenadier-Regiments Graf Gneisenau in Allerhöchstihrem Namen und in dem der Armee den General-Feldmarschall Grafen Moltke zu dessen 90. Geburtstage. Se. Majestät^ hörten dem­nächst im Königlichen Schlosse zu Berlin die Vorträge des Staatssekretärs Freiherrn v. Marschall und des Chefs des Militärkabinets und empfingen ebendaselbst den neuernannten spanischen Botschafter Grafen Bunclos in feierlicher Antrittsaudienz. Am Abend fand bei den Kaiserlichen Majestä­ten im Neuen Palais ein größeres militärisches Diner zu Ehren des Feld­marschalls Grafen Moltke statt.

Berlin, 27. Oktbr. Die Ansprache , welche Se. Majestät der Kaiser und König an den Feldniarschall Grafen v. Moltke zu richten ge­ruhte, lautet nach demReichsauz." wie folgt:

Mein lieber Feldmarschall!

Ich bin am heutigen Tage mit erlauchten Herren und den Führern Meines Heeres gekommen, um Ihnen unsere herzlichsten und tiefgefühltesten Glückwünsche auszusprechen. Der heutige Tag ist für uns ein Tag des Zurückblickens und vor allen Dingen ein Tag des Dankes. Zunächst spreche

Ich Meinen Dank aus im Namen derjenigen, die mit Ihnen zusammen geschaffen und gefochten haben und die dahin gegangen sind, deren treuester und ergebenster Diener Sie aber gewesen. Ich danke Ihnen für Alles, was Sie für Mein Haus und damit zur Förderung der Größe unseres Vaterlandes gethan. Wir begrüßen in Ihnen nicht nur den preußischen Führer, der unserer Armee den Ruhm der Unüberwindlichkeit geschaffen hat, sondern den Mitbegründer und Mitschmieder unseres Deutschen Reiches. Sie sehen hier hohe und erlauchte Fürsten aus allen Gauen Deuschlands, vor Allen des Königs von Sachsen Majestät, der, ein treuer Bundesge­nosse Meines Großvaters, es sich nicht hat nehmen lassen, Ihnen persön­lich seine Anhänglichkeit zu bezeigen. Alles erinnert an die Zeit, wo er mit Ihnen für Deutschlands Größe hat fechten dürfen.

Die hohen Auszeichnungen, die Mein verblichener Großvater Ihnen schon hat zu Theil werden lassen, haben Mir Nichts mehr übrig gelassen, um Meinen Dank Ihnen persönlich noch besonders bezeugen zu können; also bitte Ich Sie, eine Huldigung von Mir annehmen zu wollen, die ein­zige, die Ich in Meinen jungen Jahren Ihnen darbringen kann.

Das Vorrecht des Monarchen ist es, seine Fahnen, die Symbole, zu denen sein Heer schwört, die seinem Heere voranfliegen und die seines Hee­res Ehre und seines Heeres Tapferkeit in sich verkörpern, bei sich im Vor- zimmer stehen zu haben. Dieses Rechtes begebe Ich Mich mit besonderem Stolze für den heutigen Tag und bitte Sie, den Fahnen Meiner Garden, die so oft unter Ihnen in so manchem heißen Strauß geweht haben, bei sich Aufnahme gestatten zu wollen. Es liegt eine hohe Geschichte in den Bändern und zerschossenen Fetzen, die hier vor Ihnen stehen, eine Geschichte, die zum größten Theil von Ihnen geschrieben worden ist. Als ein per­sönliches Andenken von Mir bitte Ich Sie, dies Zeichen der Würde, mit äußerem Schmucke versehen, als Erinnerung an den heutigen Tag anneh­men zu wollen. Der eigentliche Feldmarschallstab, den Sie sich vor dem Feinde bereits im Feuer erworben, ruht lange schon in Ihrer Hand. Die­ser ist nur ein Symbol, eine Zusammenfassung Alles dessen, was Ich per­sönlich Ihnen an Achtung, Ehrerbietung und Dankbarkeit darzubringen habe.

Meine Herren, Ich bitte Sie, Alle mit Mir einzustimmen t* den Ruf: Gott segne, erhalte und schütze unseren greisen Feldmarschall noch lange zum Wohle des Heeres und des Vaterlandes! Dem Gefühl der Dankbarkeit dafür, daß er in seiner Größe es verstanden hat, nicht allein dazustehen, sondern eine Schule zu bilden für die Führer des Heeres in Zukunft und ulle Ewigkeit, die, in seinem Geiste erzogen, die Größe, Stärke und Kraft unseres Heeres ausmachen werden, geben wir Ausdruck durch den Ruf: Seine Exzellenz der Feldmarschall Graf Moltke, Hurrah!"

Berlin, 27. Oktober. Ihre Majestät die Kaiserin hat gestern in Potsdam dem Grafen Moltke eine Dose mit vier Solitairs und ihrem Namenszuge in Brillanten verehrt; im innern Deckel der Dose ist die An­sicht des Schlosses Gravenstein eingravirt, in dem Moltke während der Manöver bei Schleswig gewohnt hat.

Berlin, 27. Oktober. Heute Mittag wurden die Fahnen der Garderegimenter und des Kolberger Regiments durch die erste Kompagnie des zweiten Garderegiments und Elisabethregiments ans der Wohnung Moltke's abgeholt, ebenso die Standarten der gesammten Gardekavallerie durch die erste Schwadron der Gardekürassiere. Moltke, der die Anstreng­ungen des gestrigen Tages ansgezeichnet überstanden hat und mit Lesen, Ordnen und Registrieren der eingegangenen Depeschen (über dreitausend) beschäftigt ist, wohnte der Abholung der Fahnen vom Balkon aus bei und wurde von dem das Generalstabsgebände noch immer zahlreich umstehenden Publikum enthusiastisch begrüßt. Graf Moltke hatte heute die Ab­ordnungen des 71. ungarischen Infanterie-Regiments und seines Kolbergischen Grenadier-Regiements Graf Gneisenau nebst Verwandten geladen. Während der Tafel brachte Graf Moltke folgenden Toast aus: Ich bitte Sie aus das Wohl der beiden hohen Monarchen, Seiner Majestät des deutschen Kaisers und Seiner Majestät des Kaisers von Oesterreich und Königs von Ungarn, anzustoßen. Engverbündet wie sie beide sind dürfen wir auf ihr Wohl gemeinsam trinken. Sie leben hoch, nochmals hoch, lauge hoch. Später trank Graf Moltke dem Kommandeur des ungarischen Regiments noch besonders zu. (Fr. N.)

Berlin, 27. Oktober. DiePost" publizirt ein Dankschreiben des