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Hanauer Anzeiger.
Jugteich Amtliches $rgcm für Ktcröt- und Landkreis Kcrnau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 245.
Montag den 20. Oktober
1890
Amtliches.
Bekanntmachungen König!» Landrothsamts.
Der General-Feldmarschall Graf von Moltke vollendet am Sonntag den 26. Oktober d. Js. sein 90. Lebensjahr. Aus diesem Anlaß haben Seine Majestät der Kaiser und König zu befehlen geruht, daß Tags zuvor in den Unterrichtsanstalten der regelmäßige Schulunterricht ausfallen und eine entsprechende Schulfeier stattsinde.
Die Königliche Regierung beauftrage ich, demgemäß für die Seiner Aufsicht unterstellten Schulanstalten meines Ressorts das Erforderliche zu veranlassen.
Berlin den 14. Oktober 1890.
Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten.
gez. v. Go ßler.
An die Königliche Regierung zu Cassel.
Die Herren Bürgermeister ersuche ich, von der vorstehenden Allerhöchsten Anordnung den Herren Lokalschulinspektoren und Lehrern sofort Kenntniß zu geben.
Hanau am 20. Oktober 1890.
Der Königliche Landrath.
V. 7391 I. V.: Baabe.
Nach einer Mittheilung des Kgl. Landrathsamtes Gelnhausen ist . unter dem Rindvieh des Bürgermeisters Ruhl zu Helfersdorf die Maul- unb Klauenseuche ausgebrochen.
Hanau am 18. Oktober 1890.
Der Königliche Landrath.
V. 7365 ___J. V.: Baabe.
Das Großherzogliche Kreisamt Büdingen hat mit Rücksicht auf die große Verbreitung der Maul- und Klauenseuche auf Grund des §. 28 des Reichsgesetzes über die Abwehr und / Unterdrückung von Viehseuchen und des §. 64 der hierzu erlassenen Reichs-Instruktion den Auftrieb von Rindvieh, Schafen, Schweinen und Ziegen auf die Viehmärkte zu Büdingen am 21. und 22. Oktober, zu Ortenberg am 27., 28. und 29. Oktober, zu Altenstadt am 20. Oktober und zu Hitzkirchen am 20. und 27. Oktober d. I., ebenso das Feilbieten von Thieren der genannten Gattungen im Umherziehen im Bereiche der Gemarkungen der genannten Marktorte an den genannten Markttagen untersagt.
Zuwiderhandlungen werden auf Grund des §. 66 des angeführten Gesetzes bestraft.
Hanau am 18. Oktober 1890.
Der Königliche Landrath.
V. 7490 I. V.: Baabe.
Nach einer Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts Friedberg wegen des Ueberhandnehmens der Maul- und Klauenseuche tm Kreise Friedberg bis auf Weiteres die Abhaltung von Viehmärkten — Pferdemärkte ausgenommen — verboten. Ebenso ist der Hausirhandel mit Klauenvieh im Kreise Friedberg untersagt. Der Friedberger und Butzbacher Schweine- ^ markt, ebenso der Friedberger Faselmarkt finden nicht statt.
Hanau am 18. Oktober 1890.
V. 7366
Der Königliche Landrath.
Z- V.: Baabe.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
. . ©nrf ^^" gelbes Halblitermaß. Ein Lehrvertrag, ausgestellt
Verloren: Ein Zehnmarkstück.
Entflogen: Eine Gaus.
Hanau am 20. Oktober 1890.
Zar Bekämpfung der Sozialdemokratie erläßt das provisorische geschäftsführende Komitee des Gesammtverbandes der evangelischen Arbeitervereine Deutschlands folgenden „Aufruf" an die deutsche Christenheit:
Am 1. Oktober d. J. ist das Sozialistengesetz außer Kraft getreten. Der Sozialdemokratie sind damit Thür und Thor vollends geöffnet. Keck und immer kecker erhebt diese Partei ihr Haupt und träumt sich schon als Herrin unseres Vaterlandes. Um so entschiedener tritt an alle Männer von wahrhaft evangelischer und vaterländischer Gesinnung die Forderung heran, mit Einsetzung ihrer ganzen Person an der Lösung der unserer Zeit durch das Evangelium gestellten Aufgaben mitzuarbeiten. Dazu gehört ein planmäßiger Zusammenschluß aller Kräfte, namentlich auch im Arbeiterstande. Angeregt durch die großen sozialreformatorischen Gedanken unseres jugendstarkcn Kaisers haben sich die Anfänge zu solchem Zusammenschlusse schon gebildet. Es gilt nun, diese Anfänge zu stärken. Zu diesem Zwecke haben die Unterzeichneten die Gründung eines Gesammtverbandes aller deutschen evangelischen Arbeitervereine und ähnlicher, auf evangelisch patriotischem Grunde stehender Bürger-, Volks- und sozialer Vereine gethätigt. Ein Ausschuß, welcher Männer aus allen Theilen unseres Vaterlandes umschließt, wird einmal im Jahre zusammentreten. In der Zwischenzeit wird ein geschäftsführendes und ein Preßkomitee alle Verbandsangelegenheiten besorgen. Unsere Bitte an Euch, Ihr deutschen evangelischen Männer, ist nun diese: Schließt Euch zu diesem großen Verbände mit uns zusammen, damit wir mit vereinter Kraft den Kampf gegen die Sozialdemokratie auf der ganzen Linie aufnehmen können. Die Zeit ist ernst, der uns aufgezwungene Kampf riesengroß. Wir verzagen aber nicht, denn die gerechte Sache muß siegen. Darum mit entrollter Fahne „Vorwärts!"
Dem Aufrufe haben sich 518 Männer aus den verschiedensten Berufsständen angeschlossen, darunter 185 Geistliche, 102 Arbeiter, 56 selbstständige Handwerker, 49 Kaufleute und Gewerbetreibende, 44 Beamte, 39 Fabrikbesitzer und Fabrikdirektoren, 32 Lehrer und 11 Großgrundbesitzer und Landwirthe.
Tagesschau.
Berlin, 18. Oktbr. Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht den Geheimen Ober - Regierungsrath und vortragenden Rath beim Staats^Ministerium von Tepper Laski zum Präsidenten der Regierung in Wiesbaden zu ernennen.
Berlin, 18. Oktbr. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen heute Vormittag einen längeren Vortrag des Chefs des Militärkabi- nets entgegen und begaben Sich demnächst nach der Friedenskirche, um daselbst im engsten Familienkreise der Einweihungsfeier des für Se. Majestät den Hochseligen Kaiser Friedrich erbauten Mausoleums beizuwohnen.
Berlin, 18. Oktbr. An Ihre Majestät die Kaiserin und Königin Friedrich ist von vielen Personen, welche das Andenken des unvergeßlichen Kaisers Friedrich am Sarge desselben feiern möchten, die Bitte gerichtet worden, Zutritt zu dem heute geweihten Mausoleum bei der Friedenskirche zu Potsdam zu gewähren. Ihre Majestät ist tief gerührt über die bei diesem Anlaß hervorgetretenen Zeichen der Anhänglichkeit und Verehrung für den hohen Entschlafenen; Sie hegt keinen heißeren Wunsch, als diese Gefühle zu pflegen und zu erhalten. Für jetzt ist es jedoch nicht möglich, den Besuch des Mausoleums zu gestalten, weil noch Arbeiten in demselben ausgeführt werden müssen. Sobald diese aber zum Abschluß gediehen sind, wird die Stätte, wo Kaiser Friedrich's sterbliche Hülle ruht, den weitesten Kreisen der Bevölkerung zugänglich gemacht werden. (Reichsanz.)
Berlin, 18. Oktober. Unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters v. Forckenbeck hielten die Vertreter größerer deutscher Städte heute eine Versammlung ab, welche zur Förderung einer gemeinsamen Adresse der deutschen Städte an Moltke die Einsetzung eines Komitees beschloß. Das Komitee bilden: v. Forckenbeck (Berlin), Fritsche (Charlottenburg), Küper (Dortmund), Liebetrau (Gotha), Hellfritz (Greifswald), Stande (Halle), Bote (Potsdam), Hack (Stuttgart), Bankdirektor Koch (Vertin). (Fr. N.)
Berlin, 19. Oktober. Eine heute Mittag hier stattgehabte Ver sammlung, an der außer Studenten und Turnern auch Sänger- und Krie-