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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Mittwoch den 20. August

1890

Tagesschau.

Berlin, 19. August. Ueber die Polowzew'sche Ville, wo Ihre Russischen Majestäten und Se. Majestät der Kaiser Wilhelm während Ih­res Aufenthalts in Narwa Wohnung genommen haben, sowie über die nächste Umgebung wird demReichsanz." von dort berichtet:Die Po­lowzew'sche Villa liegt am Ende der Vorstadt Iwangorod mitten in einem prächtigen Park. Die Polowzew'sche Fabrik und die ganze Vorstadt sind ^ auf das Reichste mit grünen Kränzen, Guirlanden und Fahnen in russi­schen Farben geschmückt. In der Nähe der Fabrik, wo das Eisenbahnge­leise und die. Chaussee sich kreuzen, ist ein provisorischer Halteplatz für die Allerhöchsten Herrschaften, bestehend aus einer Plattform mit geräumiger Empfangshalle, hergerichtet. Etwa 300 Schritte weiter ist für die Aller­höchsten Herrschaften eine Ehrenpforte erbaut, welche mit russischen Fahnen drapirt ist und die Namenszüge des russischen Herrscherpaares zeigt. Eine Krone, welche die Pforte überdacht, ist von bildlich dargestellten Sonnen­strahlen umgeben und trägt die InschriftGott schütze den Kaiser". Der Weg von hier bis zum Park ist in eine herrliche Feststraße umgewandelt worden; Reisig, Fahnen, Guirlanden schmücken ihn zu beiden Seiten. In dem Park führen sorgfältig geebnete Wege zu der einfachen Villa, in wel­cher die Majestäten und Ihr hoher Gast Wohnung genommen haben. Die Villa besteht aus zwei durch einen Korridorbau mit einander verbundenen Flügeln; zu ihrer Rechten sind zwei lange und breite Zelte für die Be- wirthung des beiderseitigen Gefolges und der Offiziere aufgeschlagen. Von der linken Seite aus betritt man die Villa, nachdem man an einem großen mit exotischen Gewächsen und Palmen geschmückten Rondel vorübergeschritten. Zu ebener Erde befinden sich die Gemächer für die Russischen Majestäten: ein Empfangs-, ein Gesellschaftssalon, Schlaf-, Arbeits- und Badezimmer und noch einige kleinere Räume; ein Gartenzimmer, vor welchem ein treib- - hausartiger Raum mit seltenen Gewächsen liegt, bietet einen schönen Blick st auf den Park. Im ersten Stock liegen die Zimmer für Se. Majestät den ^ Kaiser Wilhelm und Se. Königliche Hoheit den Prinzen Heinrich. Die »Zimmer sind räumlich etwas beschränkt, das Meublement, wenn auch ein- I fach, so doch elegant gehalten; Wohn-, Schlaf- und Arbeitszimmer sind einfach, aber geschmackvoll ausgestattet. Auch fehlt es nicht an einigen Räumen für die Kammerdiener in demselben Stock, während die übrige Dienerschaft im zweiten Stock untergebracht ist. Parterre und erster Stock sind durch eine Treppe verbunden, welche mit schweren Stoffen bedeckt ist. Die Aufsicht über die ganze Villa ist während des Aufenthalts Ihrer Majestäten dem Kapitän der Kaiserlichen Marine Grafen de Breuil et Chappart übertragen.

Berlin, 19. August. S. M. DachtHohenzollern", Kommandant Kapitän zur See von Arnim, ist am 17. August in Reval eingetroffen, an demselben Tage wieder in See gegangen und am 18. August in Kron­stadt angelangt, von wo sie am 23. die Rückreise anzutreten beabsichtigt.

Die ,,K« Z." schreibt: Zu den wiederholt seitens einzelner Han­delskammern geäußerten Wünschen gehört der in den jüngsten Wochen wie­derum mehrfach besprochene, daß die Namen der Personen, welche einen Offenbarungseid geleistet haben, von der zuständigen Gerichtsbehörde in ein Verzeichniß eingetragen und regelmäßig in geeigneter Weise, insbesondere durch Bekanntmachung in den Amtsblättern veröffentlicht werden. Das Reichsjustizamt hat sich bisher diesem Wunsche gegenüber ablehnend verhal- ten. Zn Haudelskreisen erfreut sich derselbe einer lebhaften Sympathie, und J es ist 'audf in der That nicht zu leugnen, daß es für die Verkehrssicherheit ' von bedeutendem Werthe fein würde, wenn aus einer amtlich veröffentlich­ten Liste zu ersehen wäre, welchen Personen der gewissenhafte und umsich­tige Kaufmann keinen Kredit geben kann; der Benachtheiligung gutgläubiger Personen durch arglistige und böswillige Schuldner würde dadurch in einem nicht zu unterschätzenden Maße Einhalt gethan beziehungsweise vorgebeugt werden. Man hat zwar von anderer Seite darauf aufmerksam gemacht, daß es für die wirthschaftliche Existenz und das Fortkommen der Personen, welche einen OffenLarungseid ausgeleistet haben, sehr bedenklich wäre, wenn diese Thatsache allgemein bekannt würde, allein einerseits kann diese Be­hauptung nicht als zutreffend anerkannt werden. anderseits hat der Gesetz­geber dafür zu sorgen, daß der gutgläubige Kreditgeber sich in einer sichern Weise über die Vermögenslage solcher Personen Auskunft verschaffen kann,

denen gegenüber eine Zwangsvollstreckung erfolglos verlaufen würde. In denjenigen Bundesstaaten, in welchen eine solche Veröffentlichung schon jetzt regelmäßig stattfindet beispielsweise in Hamburg, haben sich Uebel­stände hieraus nicht entwickelt, und es erscheint deshalb angemessen und ein Vortheil für Handel, Verkehr und die Rechtssicherheit im Reiche, wenn die Reichsregierung dem bezeichneten Wunsche nachkommen und das, was in einzelnen Bundesstaaten schon jetzt eine dauernde Einrichtung ist, für das ganze Reich einführen wollte; der Deutsche Handelstag wird sich vermuth­lich in seiner nächsten Sitzung mit diesem Gegenstände beschäftigen.

Wilhelmshaven, 18. Aug. Die Korvette Victoria ist zu einer Kreuzfahrt in See gegangen. Briefsendungen sind bis zum 20. nach Borkum, bis zum 26. nach List auf Sylt und vom 27. ab nach Wilhelms­haven zu richten.

Königsberg i. Pr., 19. August. Se. Königliche Hoheit der Prinz Albrecht kehrte nach der Vorstellung der 4. Infanterie-Brigade, welche heute früh auf dem großen Exerzierplätze stattfand, um 9'/» Uhr nach beni Schlosse zurück und nahm daselbst das Frühstück ein. Um 12 Uhr 40 Minuten erfolgte die Abreise über Insterburg zum Manöverfelde nach Wiekischken bei Darkehmen.

Halle a. d. S., 19. Aug. Die Hauptversammlung des Vereins deutscher Ingenieure beschloß, die Verleihung der Korporationsrechte an den Verein zu beantragen. Das Vereinsvermögen beträgt 139,000 M., die Einnahmen des letzten Jahres waren 219,380 M. Zum nächsten Ver­sammlungsort wurden Duisburg und Düsseldorf gemeinsam gewählt.

Zittau, 19. Aug. Nachdem Böhmen seuchenfrei erklärt worden, hat der sächsische Minister des Innern die Einfuhr von Rindvieh aus Böhmen wieder gestattet. (K. Z.)

Wildbad, 18. August. Dr. Karl Peters ist mit Herrn Oscar- Borchert in Wildbad angekommen und im Hotel Klunipp abgestiegen.

Wien, 19. August. Die Mehreinnahme der österreichischen Staats­bahnen in den ersten sieben Monaten 1890 betrugen 1946 246 Gulden gegen das Vorjahr. Die Einnahmen des Monats Juli 1890 betrugen 216,538 Gulden mehr als im Juli 1889. Die Frequenz hat sich im Juli auf den Staatsbahnlinien, wo der Zonentarif einqeführt ist, um 68 Prozent gesteigert. _ Gr. N.)

Wien, 19. August. Kaiser Wilhelm trifft in der zweiten Hälfte des September hier ein. Tgbl.)

Wien, 19. August. Laut Mittheilung des Militär-Verordnungs­blattes hat der Kaiser die Aufstellung eines 42. Kavallerie-Regiments an­geordnet, welches am 1. Januar 1891 als Dragoner-Regiment Nr. 15 errichtet werden wird.

Wien, 19. Aug. Das Sängerfest beschäftigt, wie dieK. Z." bemerkt, sehr lebhaft die czechischen Blätter. Die Politik droht mit dem vollständigen Zerfall Oesterreichs, derHlas Naroda" mit der Vereinigung der Slawenvölker, an deren mächtigen Wölbungen sich bald das Echo des Krachs der Wiener Sänger brechen werde,Narodni" erhoffen vom Zaren, daß er, vereint mit Frankreich, das westliche Slawentum vor der aggresiven Germanisation schütze. Graf Kalnocky empfängt heute den serbischen Ge­sandten Simitsch, da die Entscheidung der ungarischen Regierung bezüglich der Schweiuefrage eingelaufen ist.

Ischl, 19. Aug. Die Kaiserin von Oesterreich ist heute üher Passau, Mainz und Köln nach Holland abgereist.

Bern, 19. Aug. Das Militärdepartement hat mit Rücksicht auf die Neutralität der Schweiz die Kantonsregierungen im Auftrage des Bun­desraths aufgefordert, durch ihre Polizei-Organe das Auffliegenlassen von Brieftauben stitens ausländischer Vertreter oder Gesellschaften von schweize­rischem Boden aus zu untersagen. Die Eisenbahnverwaltungen sind ersucht worden, die Ausführung der bezüglichen Anordnungen der Kantonsre­gierungen nach Kräften zu unterstützen.

Biel, 19 August. Gestern Nachmittags fand, nach denFr. N", zwischeu Biel und Neuenburg ein Zusammenstoß zwischen einem Güterzug und einem Personenzug statt. Die Maschinen beider Züge sind ganz inein­ander gekeilt, und mehrere Wagen sind demolirt; die beiden Maschinisten und Heizer sind schwer verwundet, auch die Zugführer und Controleurs sind verwundet, ein Controleur ist bereits seinen Verletzungen erlegen. Von den Reisenden sollen zehn mehr oder weniger stark verletzt sein.