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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 295

Donnerstag den 18. Dezember

1890

Amtliches.

Bekanntmachungen König!. Landrathsamts.

Die Maul- und Klauenseuche in der Gemeinde Ravolzhausen ist erloschen und die Orts- rc. Sperre deshalb aufgehoben.

Hanau am 15. Dezember 1890.

Der Königliche Landrath

V. 9174 v. Oertzen.

Für den am 26. April 1875 zu Ahl geborenen Albert Huth in Großauheim ist um Entlassung aus dem Preußischen Unterthanenverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

Hanau am 16. Dezember 1890.

Der Königliche Landrath

9199__v. Oertzen._________________________

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Zu geflogen: Ein junger grauer Hahn.

Hanau am 18. Dezember 1890.

Diejenigen Eltern resp. Pflegeeltern, deren Kinder im laufenden ... Lahre impfpflichtig sind, wegen Krankheit rc. jedoch nicht geimpft , werben konnten, fordere ich unter Hinweis auf die hierunter folgenden §§. 12 und 14 des Reichsimpfgesetzes vom 8. April 1874 auf, dieses innerhalb 8 Tagen durch Vorlage eines ärztlichen Attestes bei hiesigem Standesamt nachzuweisen.

Hanau am 12. Dezember 1890.

*-_ Der Oberbürgermeister-

Westerburg.

§. 12. Eltern, Pflegeeltern und Vormünder sind gehalten, auf amtliches Erfordern mittelst der vorgeschriebenen Bescheinigung den Nachweis zu führen, daß die Impfung ihrer Kinder und Pflegebefohlenen erfolgt oder aus einem gesetzlichen Grunde unterblieben ist.

§. 14. Eltern, Pflegeeltern und Vormünder, welche den nach §. 12 ihnen obliegenden Nachweis zu führen unterlassen, werden mit einer Geld­strafe bis zu zwanzig Mark bestraft.

Eltern, Pflegeeltern und Vormünder, deren Kinder und Pflegebe­fohlene ohne gesetzlichen Grund und trotz erfolgter amtlicher Aufforderung ^ der Impfung oder der ihr folgenden Gestellung entzogen geblieben sind, werben mit Geldstrafe bis zu fünfzig Mark oder mit Haft bis zu drei Tagen bestraft.

Tagesschau.

Berlin, 17. Dezbr. Se. Majestät der Kaiser und König trafen gestern Abend kurz nach 9 Uhr von Königs Wusterhausen hier ein. Heute ; früh 8Vi Uhr empfingen Se. Majestät den Hausminister, arbeiteten von 9 ! Uhr ab mit dem Chef des Zivilkabinets Dr. v. Lucanus und mehreren Herren der Schulkonferenz und begaben Sich um 10 Uhr nach dem Kul- ^ tusministerium, um der Schlußsitzung dieser Konferenz beizuwohnen. Heute Nachmittag 51/« Uhr gedenken Se. Majestät der Einladung des großbri­tannischen Botschafters und der Lady Ermyntrude Malet zum Diner Folge zu leisten.

Berlin, 16. Dez. In der Kommission des Abgeordnetenhauses für das Volksschulgesetz wurde heute §. 14 der Vorlage, welcher von der Be- '^ücksichtigung der konfessionellen Verhältnisse handelt, berathen. Hierzu lag eine große Zahl von Adänderungsanträgen vor von Seiten der Abgg. Graf d'Haussonville, Dr. Windthorst, von Stablewski u. A. Schließlich erhielt der Paragraph folgende wesentlich veränderte Fassung: §. 14. Bei der Einrichtung der Volksschule sind die konfessionellen Verhältnisse möglichst zu berücksichtigen. §. 14a. Der Regel nach soll ein Kind den Unterricht durch einen Lehrer seines Bekenntnisses enipfangen. Ohne den Religions­unterricht durch einen Lehrer seines Bekenntnisses soll grundsätzlich kein Kind bleiben, welches einer vom Staate anerkannten Religionsgesellschaft ange­hört. Zur Theilnahme an einem anderen Religionsunterricht dürfen Kinder nur aus Antrag der Eltern oder deren Stellvertreter zugelassen werden.

Sind Kinder verschiedener Rcligionsgesellschaften in einer Volksschule ver­einigt, so ist möglichst für die Angehörigen einer jeden von ihnen ein be­sonderer Religionsunterricht einzurichten, wenn nicht ihre Zahl weniger als 15 beträgt. Gehören die betreffenden Kinder weder der evangelischen noch der katholischen Religionsgesellschaft an, so bedarf es außerdem in der Regel des Antrags seitens der zuständigen Organe der Religionsgesellschaft und des Nachweises eines zur Ertheilung des Religionsunterrichts befähigten Lehrers.

Berlin. Es ist schon erwähnt worden, daß der Kaiser den Streik der Zigarrenarbeiter in Hamburg-Altona Ottensen mit größter Aufmerksam­keit verfolgt. Der Altonaer Magistrat hat, wie seinerzeit gemeldet, dem Kaiser über die Lage des Streiks Bericht erstattet. In den letzten Tagen haben nun die Sozialdemokraten Versuche gemacht, die Regierung für die Streikenden zu erwärmen. Der Abgeordnete Molkenbuhr (Zigarrenfabri­kant) hat im Handelsministerium eine längere Besprechung gehabt; über letztere hat sich der Kaiser wiederum Bericht erstatten lassen.

Berlin, 17. Dezbr. Der heutigen Schlußsitzung der Schulkonfe­renz wohnte, nach demReichsauz.", Se. Majestät der Kaiser an. Nach Erledigung der Tagesordnung dankte Se. Majestät in seinem Schlußwort den Mitgliedern der Konferenz für ihre Mühe und Arbeit und betonte die Bedeutung, welche die Religion im Unterrichtswesen einnehmen müsse. Kabi- netschef Lucanus verlas hierauf eine Kabinetsordre, welche eine weitere Ver­folgung der Reform aus dem Unterrichtsgebiete in Aussicht stellt und hierzu Vorschläge wegen Bildung eines Ausschusses von 57 Männern fordert, die das Berathungsmaterial sichten und prüfen und es nach der Besichti­gung besonders tüchtiger Schulanstalten in Preußen und anderer Bundes­staaten auch nach der praktischen Seite hin vervollständigen soll. Die Ein­führung des neuen Unterrichtsplanes sei für den 1. April 1892 beabsich­tigt. Der Kaiser hält bei den erheblichen Mehrfordcrungen an die Leistun­gen der Lehrerschaft auch die Regelung der Rang- und Gehaltsverhältnisse des Lehrerstandes für unerläßlich und wünscht auch darüber Bericht. Fürst­bischof Kopp dankte namens der Konferenz. An dem beim Kultusminister stattgehabten Frühstück nahm auch der Kaiser, welcher die Gemahlin des Ministers führte, in lebhafter Unterhaltung Theil.

Berlin, 17. Dezbr. Fürst und Fürstin Bismarck sind mit dem Grafen Wilhelm Bismarck und Graf und Gräfin Rantzau um 43/g Uhr auf dem Stettiner Bahnhof eingetroffen und von einem zahlreichen Publi­kum, welches den GesangDeutschland, Deutschland über alles" anstimmte, enthusiastisch begrüßt worden. Auf der Weiterreise nach Friedrichsruh um 7'/i Uhr passirte Fürst Bismarck den Bahnhof in der Friedrichstraße, wo ebenfalls ein zahlreiches Publikum anwesend war. (F. N.)

Berlin, 17. Dez. Wie die morgige Nummer der Medizinischen Wochenschrift berichtet, hat Professor Sonnenburg in der unter der Ober­leitung des Geheimraths Koch stehenden Abtheilung des städtischen Kranken­hauses mit der chirurgischen Behandlung von Lungenkavernen begonnen und bereits, wie derRH. K." schreibt, im Beisein Koch's bei drei Pa­tienten Operationen ausgeführt.

Berlin, 17. Dez. Die von landwirthschaftlichen Kreisen gewünsch­ten Versuche, die Koch'sche Lymphe auch zur Heilung der Tuberkulose des Rindes zu verwenden, sind, wie der Kreisthierarzt Klein in der gestrigen Sitzung des Teltower landwirthschaftlichen Vereins mittheilte, bereits einge- lcitet. _ (K. Z.)

Berlin, 17. Dezbr. Der Kaiserliche Gouverneur von Kamerun Freiherr v. Soden befindet sich auf der Rückreise von Zanzibar nach Deutschland.

DieKöln. Ztg." schreibt: Die Kopenhagener National Tidende bringt in bestimmter Form die Nachricht, daß der Prinz Christian sich in nicht ferner Zeit nach Berlin begeben werde, um seine Verlobung mit der Schwester des Kaisers, Prinzessin Margaretha, zu feiern. Die Abend­blätter, welche diese Mittheilung wiedergeben, bemerken dazu, die Nachricht habe zwar noch keine Bestätigung von deutscher Seite gefundeu. Da jedoch das genannte Blatt den dänischen Hofkreisen nahesteht und als deren Or­gan gilt, so mag ihrer Erwähnung geschehen. Prinz Christian von Däne­mark ist der älteste Sohn des Kronprinzen, also voraussichtlich künftiger König von Dänemark.

Magdeburg, 16. Dez. Heute brannte die Oelfabrik Gustav