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Nr. 185, Montag den 11. August
1890
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Gelandet: Ein Zuber.
Zugelaufen: Zwei Enten Mainkanal 18.
Hanau am 11. August 1890.
Berlin, 9. August. Der heutige „Reichsanz." veröffentlicht folgende Allerhöchste, an den Reichskanzler gerichtete Kundgebung: Auf Ihren Vortrag bestimme Ich, daß bis zur verfassungsmäßigen Regelung der Verhältnisse Helgolands im Wege der Reichsgesetzgebung die Regierung der Insel in Meinem Namen, auf Grund der dort bestehenden Gesetzgebung und unter Schonung der vorhandenen Verwaltungs Organisation, durch den Reichskanzler geführt werden soll. An Bord Meiner Nacht „Hohenzollèrn", den 9. August 1890. Wilhelm 9. R. v. Caprivi.
Berlin, 9. August. Der „Reichsanzeiger" berichtet: Auf Helgoland sind die Vorbereitungen für den morgigen Empfang des Kaisers im vollen Gange; an der Landungsbrücke sind Tribünen erbaut und der ganze Weg vom Unterland bis zum Gouvernementhaus, welchen der Kaiser zu Fuß zurücklegen wird, ist mit Fahnen in deutschen und Helgoländer Farben geschmückt. Der Kaiser wird etwa fünf Stunden verweilen und die Spitzen der Behörden zu einem Mahle um sich versammeln, nachdem von dem Kaiser eine Proklamation an die Helgoländer erlassen worden.
Berlin, 9. August. Medizinischer Kongreß. Virchow theilte ein Schreiben Crispis mit, worin die Genugthuung über die Wahl Roms als künftiger Kongreßort ausgedrückt ist; fe ner ist aus Chicago eine Einladung für den 11. Kongreß eingetroffen. Beglückwünschungstelcgramme gingen von der Universität Tomsk und der Stadtvertretung von Teplitz ein. Außerdem wurde ein Telegramm der Großherzogin von Baden an den Kultusminister v. Goßler verlesen, worin ausgedrückt ist, daß die Kaiserin Augusta dem Kongreß mit vielem Interesse gefolgt wäre. Hierauf hielt Wood (Philadelphia) einen beifällig aufgenommenen Vortrag über Anästhesie. Die Kaiserin besuchte Vormittags die medizinische Ausstellung. (K. Z.)
Berlin, 9. August. Die in Berlin sich aufhaltenden Franzosen werden sich heute Abend im Hotel Monopol zu einem Festmahl, wozu Virchow und Baccelli eingeladen sind, vereinigen, um erster« als den Präsidenten des gegenwärtigen, letzter» als den des zukünftigen internationalen Kongresses in Rom zu begrüßen.
Berlin, 10. August. (Fr. Jl.) Der internationale medizinische Kongreß in Berlin wurde mit einer Rede des Präsidenten Dr. Virchow geschlossen, auf welche die Delegirten der sämmtlichen hier vertretenen Nationen antworteten, an letzter Stelle der Italiener Baccelli in lateinischer Sprache. Heute Morgen fand der offizielle Empfang der Delegirten durch die Kaiserin statt.
Ratibor, 9. August. Oberschlesische Großgrundbesitzer veranstalten eine Erhebung über den Vertragsbruch des ländlichen Gesindes, um die Ergebnisse der Staatsregierung vorzulegen, die unter Umständen gebeten werden soll, Maßregeln zu ergreifen. (K. Z.)
Helgoland, 9. Aug. Der Dampfer „Seamew" mit dem englischen Küslenwächter ist heute Mittag abgefahren. Um ^k Uhr kam die Kreuzerkorvette „Viktoria" in Sicht und um l1/« Uhr erschien der Aviso „Pfeil" vor dem Südhasen. Beide Schiffe umfuhren die Insel nach dem Nordhafen. Um Yk Uhr bestieg Staatssekretär von Boetticher das dem „Pfeil" angehängte Boot und um 3'/s Uhr trafen die Schiffe an der Landungsbrücke ein, wo der Gouverneur, die englische Ofsizierswache, Marinesoldaten, der Arzt und der Gesandte Eisendecker sie erwarteten, von Boetticher in Begleitung des Korvettenkapitäns Geißler, der Geheimräthe Wermuth, Lindau und des Gouvernementssekretärs Gaetke begaben sich nach dem Gouvernementshause, vor dem englische Matrosen die Ehrenwache hatten. Hier verlas der Gouverneur die Artikel des Abkommens, worauf von Boetticher die Verwaltung übernahm und wurde dann, yk Uhr, unter Hochrufen und dem Gesang des Liedes „Deutschland, Deutschland über Alles" die deutsche Flagge gehißt. Hierauf brachte von Boetticher ein Hoch auf die Königin von England aus, welches der Gouverneur mit einem Hoch auf den deutschen Kaiser erwiderte. Um 4 Uhr begaben sich die Herrschaften nach dem Konversationshaufe. ' (Fr. N.)
Helgoland, 9. August. Staatssekretär v. Bötticher übernahm die Insel mit folgenden Worten: Auf Grund des Vertrages Ihrer Majestät
der Königin von Großbritannien und Irland und meines erhabenen Kaisers übernehme ich im Auftrage meines Monarchen die Verwaltung der Insel, die sich unter der weisen und gerechten Regierung Ihrer britischen Majestät befunden hat, hoffend, daß das Wohlergehen der Bewohner unter dem mächtigen Szepter meines erhabenen Herrn zu weiterer Blüthe gelange. Ich übernehme hiermit die Verwaltung der Insel. (Fr. Jl.)
Helgoland, io. August Ueber die Uebergabe von Helgoland und die Ankunft Sr. Majestät des Kaisers schreibt die „Franks. Ztg." u. a. Folgendes: Um 3/4Ü Uhr kam der Kaiser an. Das Seebataillon präsen- tirte unter Präsentirmarsch. Der Kaiser durchschritt die Lyndungsbrücke und nahm ein prachtvolles, die Insel darstellendes Blumenkissen aus den Händen der Helgoländerinnen entgegen. Darauf begab er sich sofort auf das Oberland. Bei dem Leuchtthurme hatte das Militär ein Viereck for- mirt, umgeben von einer tausendköpfigen Menge. Nach Ankunft des Kaisers begann der Gottesdienst. Die Musik intonirte: Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren, Marineprediger Langfeld hob die Bedeutung des Tages als eines friedlichen Sieges hervor, dann fang man „Nun danket Alle Gott!" Minister v. Bötticher verliest die Proklamation des Kaisers an die Helgoländer. Sie weist auf den Vertrag hin und betont, daß Helgoland auf friedlichem Wege zurückkehre zu Deutschland, mit dem es sprachlich und stammlich verbunden sei. Diese Verbindung sei Dank dem Wohlwollen Englands, nicht gelockert worden. Der Kaiser vertraue, indem er schon jetzt, vorbehaltlich gesetzlicher Regelung, Besitz ergreife, auf die unverbrüchliche Treue der Helgoländer. Er werde ihre Rechte schützen und ihre heimischen Gesetze fortbestehen lassen. Nach dem Hinweis auf den Vertrag heißt es : Mit Genugthuung nehme ich Helgoland auf in den Kranz deutscher Inseln; möge die Rückkehr zum Vaterlande Helgoland zum Segen gereichen." Der Kaiser sprach darauf selbst; mit klarer Stimme, nach einem Hinweise auf die Vereinigung Deutschlands durch Krieg, sagte er, dieses friedlich erworbene Eiland solle ein Bollwerk für die See werden, ein Hort gegen jeden Feind, dem es einfallen sollte, in der Nordsee zu erscheinen. „Ich grüße Dich Helgoland und ergreife hiermit Besitz von Dir, Ich, Wilhelm II., Kaiser und König von Preußen; Heil Dir". Der Kaiser befahl darauf die Flaggenhiffung, worauf das Reichsbanner und die Kaiser-Standarte emporstiegen. Das Militär präsentirte, die Musik spielte „Heil dir im Siegerkranz", Kanonendonner ertönte und die Menge ries brausend Hoch. Darauf folgte der Parademarsch.
München, 10. August. Das von Eberle gefertigte Erzdenkmal Gabelsberger's wurde, nach dem „Fr. Jl.", heute Mittag in Anwesenheit zahlreicher Jünger desselben, darunter Stenographen aus Amerika, Bulgarien, Dänemark, Finland, Italien, Norwegen und der Schweiz, nach einer Weiherede des Regierungsraths Fischer aus Gera enthüllt und von Oberbürgermeister Widenmayer in die Obhut der Stadt übernommen. Die Feier verlief auf das glänzendste.
Wien, 9. August. Der preuß. Minister für Landwirthschaft Dr. Freiherr Lucius von Ballhausen ist zum Besuch der landwirthschaftlichen Ausstellung hier eingetroffen.
Pest, 9. Aug. Der Staatskaffenausweis für das zweite Quartal verzeichnet, nach den „Fr. N." eine Gesammteinnahme von 83,034,729, also um 6,848,314 mehr, als im zweiten Quartal des Vorjahres, sowie eine Gesammtansgabe von 84,094,700, d. i. um 536,717 weniger, als im zweiten Quartal des Vorjahres; die Bilanz ist somit um 7,385,031 günstiger.
Bern, 9. Aug. Da die französische Grenze für Vieh aus Deutschland und Oesterreich-Ungarn ferner geschlossen bleibt, sind die schweizerischen Grenzthierärzte an der deutschen und österreichischen Grenze angewiesen worden, für Frankreich bestimmte Transporte von Rindvieh, Schafen und Schweinen zurückzuweisen. (Fr. N.)
Neapel, 9. Aug. Dr. Peters ist hier eingetroffen und von der italienisch-afrikanischen Gesellschaft empfangen worden.
Paris, 9. Aug. Nachrichten ans Buenos-Ayres vom 8. d. M. zufolge beabsichtigt die Regierung demnächst eine Nationalanleihe von 100 Millionen Pesos aufzunehmen. Die Finanzkreise stehen dieser Anleihe günstig gegenüber. (Rh. K.)
Petersburg, 9. August. Die Kaiserliche Familie ist gestern nach Krasnoje-Selo übergesiedelt. — Wie die „Nowoje Wremja" erfährt, würde