aus Anlaß des Etats von 1889/90, wie die Unterstellung der Feldartilleriebrigaden unter die Generalkommandos, die Aufhebung der Generalinspektion der Feldartillerie, der vier Feldartillerieinspektioneu, die Aufhebung der Stelle des Generalquartiermeisters, die Errichtung von drei Oberquartiermeisterstellen und so weiter.
Berlin, 19. März. Die unter dem 20. Juli 1872 Allerhöchst genehmigte Instruktion, betreffend das Etappen- und Eisenbahnwesen und die obere Leitung des Feld-Intendantur-, Feld-Sanitäts-, Militär-Telegraphen- und Feldpost-Wesens im Kriege, ist mittels Allerhöchster Kabinets- Ordre an den Reichskanzler, vom 21. Februar d. I., außer Kraft gesetzt worden.
Berlin, 19. März. Gegenüber den Zweifeln, ob die Ausdehnung des Sozialistengesetzes auf die „Volkszeitung" zulässig sei, bemerkt die „Norddeutsche": Das Gesetz biete allerdings keine Handhabe dar, nm rein demokratische Bestrebungen strafrechtlich zu verfolgen, es treffe lediglich sozialdemokratische, sozialistische und kommunistische Bestrebungen. Die „Volkszeitung" sei, obwohl sie sich noch heute demokratisch nenne, in Wahrheit schon länger in das sozialdemokratische Fahrwasser eingebogen und steuere auf den Umsturz des L>taates und der Gesellschaftsordnung hin. Daß die „Volkszeitung" sich selbst „demokratisch" nenne sei für die Beurtheilung ihres heutigen Verhaltens bedeutungslos. Die Volkszeitung ist demokratisch gewesen, heute ist sie sozialdemokratisch. Die Behörden seien verpflichtet, sie ihrem wirklichen Wesen entsprechend dem Sozialistengesetz zu unterstellen. Es handle sich also keineswegs um eine Ausdehnung des Sozialistengesetzes über dessen Grenzen hinaus, sondern um ein Blatt, welches seit Jahren sozialdemokratische, auf den Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung gerichtete Bestrebungen vertrat. (Fr. N.)
In jedem Jahre ertönen die Klagen über die Wanderlager und den Hausirhandel von neuem. Schon seit geraumer Zeit sind zahlreiche Anträge aus den verschiedensten gewerblichen Kreisen, wohl aus allen Theilen des Reichs, an den Reichstag gelangt, worin mit steigender Dringlichkeit die Beseitigung oder mindestens eine Reform der über den Gewerbebetrieb im Umherziehen geltenden Vorschriften gefordert wird. Auch in dieser Session ist eine ganze Reihe solcher Petitionen eingegangen und jedes neue Petitionsverzeichniß führt neue Wünsche nach dieser Richtung auf. Die Petitionskommission des Reichstages hat sich nun vor Kurzem mit den auf den Hausirhandcl und die Wanderlager bezüglichen Wünschen beschäftigt und beschlossen, die eingegangenen Petitionen dem Reichskanzler zur Erwägung zu überweisen. In der betreffenden Verhandlung mürbe übrigens Seitens des Vertreters der verbündeten Regierungen konstatirt, daß die letzteren bezüglich der Beschränkung des Aussuchens von Bestellungen auf Waaren nach Probe bei Personen, in deren Gewerbebetrieb Waaren der angebotenen Art keine Verwendung finden, den eine Beschränkung dieses Aussuchens befürwortenden Standpunkt des Entwurfs der Novelle zur Gewerbeordnung vom 1. Juli 1883 nicht verlassen hätten. Die betreffenden Petitionen werden gewiß noch in dieser Session zur Verhandlung im Plenum des Reichstags gelangen.
Ottensen, 18. März. Hier begeht ein Uhrmacher Namens Göring in diesen Tagen seinen 104. Geburtstag. Die Schicksale dieses Mannes sind bemerkenswerth. Göring ist 1780 in der französischen Schweiz geboren, hat unter Napoleon den Feldzug in Rußland mitgemacht, hatte sich glücklich über die Beresina gerettet, hat dann bei Waterloo gefochten, ist später unter die Garden des Papstes gegangen und hat dann noch als Uhrmacher Rußland und die Balkanländer durchstreift, ehe er in Ottensen gestrandet, um hier seine Tage zu beschließen. (M. Z.)
Laut Meldung des Eisenbahn-Betriebsamts zu Allenstein ist der Verkehr auf der Strecke Mehlsack—Zinten, und laut Meldung des Eisenbahn - Betriebsamts zu Königsberg i. Pr. der Betrieb auf der Strecke Insterburg—Lyck wieder hergestellt.
Pest, 19. März. (K. Z.) König Milan ist heute Vormittag in Begleitung des deutschen Gesandten Grafen Bray hier eingetroffen und am Bahnhöfe vom serbischen Vize-Konsul, vom Oberstadthauptmanu und vom Direktor der Staatsbahn empfangen worden. Der König nahm sein Absteigequartier in einem Gasthofe. Um 1 Uhr wird derselbe vom Kaiser in Audienz empfangen werden und später an der Hoftasel theilnehmen.
Prag, 19. März. Bei Cerean-Pischely verunglückte ein Eisenbahnzug. Der Zug bestand aus elf Personenwagen. In -Folge eines Radreifenbruchs rissen sich die Maschine und der Gepäckwagen vom übrigen Zuge ab. Während diese stehen blieben, kippten sieben Personenwagen um und stürzten die Böschung hinab. Die Insassen der fast durchgängig zertrümmerten Waggons dritter Klasse sind meistentheils verwundet. Vier Personen wurden getüdtet, drei davon sind Ocsterreicher. Gerichtliche Untersuchung ist eingeleitet.
Haag, 19. März. Die Aerzte des Königs und Professor Rosenstein erklären, nach den „Fr. N.", der Zustand des Königs gebe, obgleich augenblicklich keine Lebensgefahr vorhanden sei, zu Besorgnissen Anlaß. Die vorhandene leichte Blutvergiftung trete gegenwärtig mehr hervor.
In Paris hat sich ein konservativ-republikanisches Komitä (l’union liberale) gebildet, an dessen Spitze der Vizepräsident des Senats, Bardour, steht, und welchem auch die Senatoren Leon Say und Trarieux angchören. Das Konnte hat dieser Tage einen Aufruf „an alle Männer der Ord
nung, alle aufrichtigen Konservativen und alle hellblickenden Republikaner" erlassen: „Wir müssen um jeden Preis in der nächsten Kammer eine Majorität finden, die im Stande ist, die Ordnung in der Regierung, in der Verwaltung, in den Finanzen wieder herzustellen. Eine konservative Regierung wird uns gestatten, in Europa, im Rathe der Völker den uns gebührenden Platz wieder zu erobern, eine richtige Verwaltung für die Rechtsprechung für Alle wieder Herstellen, sie wird uns von dem Kampf-Beamtcn- thum erlösen und sich von den politischen Coterien, welche es unterstützen, frei machen. Sie wird den religionseindlichen Hetzereien in den Schulen, bei der Armenpflege und in den Hospitälern ein Ziel setzen. Man muß mit jener finanziellen Politik, der Politik der Wahlverschleuderung, brechen, die, wenn sie von einem Privatmann angewandt würde, ihn schnell jum Ruin führen würde. Endlich muß man klar sagen, daß man keine der angeblichen radikalen Reformen will, weder die Einkommensteuer, noch die Trennung der Kirche vom Staate, noch alle jene Maßregeln, welche, nur gegen die Mehrheit der Bürger gerichtet, Drohungen oder Unterdrückungshandlungen sind. Frankreich ist der unfruchtbaren Agitationen satt. Es will in Ruhe leben und arbeiten. Am Vorabend von Wahlen, die für die Zukunft des Landes entscheidend sein können, hat eine Anzahl von meist der aktiven Politik fernstehenden Männern es für nöthig erachtet, einen Antriebsmittelpunkt herzustellen, und um der Leitung mehr Einheit zu geben, hat sie einen Ausschuß errichtet, dessen Sitz in der Straße Baillich 9 zu Paris ist."
Paris, 19. März. Laguerre, Turquet, Laisant und Raquet, welche heute vom Untersuchungsrichter unter der Anschuldigung der Theilnahme an einer geheimen Gesellschaft verhört werden sollten, verweigerten jede Antwort und erklärten, da sie das Ziel politischer Verfolgungen seien, welche nichts mit der Gerechtigkeit und dem Rechte gemein hätten, würden sie nur vor dem Zuchtpolizeigericht, vor den Augen des Landes und der öffentlichen Meinung Erklärungen abgeben. Man glaubt, daß die Angelegenheit nächste Woche vor den Gerichtshof kommt. (Fr. N.)
Paris, 19. März. (K. Z.) Lanterne kündigt an, der frühere Reichstagsabgeordnetc Antoine werde morgen Nachmittag um 40- Uhr in Begleitung von mehreren Deputaten von Nancy in Paris eintreffen. Die Vereinigungen der Elsaß-Lothringer, viele Schützen- und Turngefellschaften und der Verein der Pariser Studenten würden ihn am Bahnhof in Empfang nehmen.
Washington, 19. März. In den hiesigen Kreisen gilt es für fraglich, ob die diesseitigen Delegirten der Samoa-Konferenz vor Mitte April nach Berlin werden abreisen können.
Kairo, 18. März. Der Reichskommissar, Hauptmann Wißmann, ist heute nach Aden abgereist.
New-Uork, 18. März. Der Dampfer „Holland" von der National-Dampfschiffs-Compagnie (C. Messing'sche Linie) ist hier eingetroffen.
Reichsgerichts Entscheidungen.
Die Liberirung eines Grundstücksbesitzers von seiner persönlichen Verbindlichkeit für eine eingetragene Hypothek anläßlich seiner Veräußerung des Grundstücks, bei welcher der Erwerber die Hypothek in Anrechnung aus das Kaufgeld übernimmt, muß nach einem Urtheil des Reichsgerichts, V. Civilsenats, vom 13. Oktober v. I., Seitens des Hypothekengläubigers ausdrücklich und schriftlich erfolgen, und sie kann nicht aus der unbeanstandeten Kenntnißnahme des Besitzwechsels und der Uebernahme der Hypothek in Anreck>nung auf das Kausgeld gefolgert werden.
Aus Stadt, Provinz und Umgegend.
Pastiousgottesdienst wird heute Abend 8 Uhr in der Marienkirche abgehalten.
Für Eltern schulpflichtiger Kinder. Der Schulranzen war neulich Gegenstand einer Besprechung von preußischen Schulmännern und verdient auch die Beachtung der Eltern, denen die gesundheitliche Entwickelung ihrer Kinder, besonders in ihrer Schulzeit, am Herzen liegt. In manchen Orten und Gegenden hat die Sitte, die Bücher im Ranzen unterzubringen, diesen auf den Rücken zu nehmen, so den Schulweg zurückzulegen, mehr und mehr abgenommen und die Kinder, besonders die Mädchen, bedienen sich der Schultaschen, die mit den nöthigen, oft auch unnö- thigen Büchern vollgepfropft, unter dem Arme oder an Bändern, Henkeln rc. getragen werden. Es kann aber hiervon nicht genug abgetanen werden, und der Schulranzen ist sowohl für Mädchen wie für Knaben sehr jn empfehlen. Man gebe sich einmal die Mühe, den mit beladenen Schul- taschen dahingehenden Kindern nachzuschauen und man wird diese bemitleiden, wenn man ihre schräge Haltung wahrnimmt, wenn sie täglich eine gefüllte Schultasche im Gewicht von 3—5 Kilogramm 10—20 Minuten weit jur Schule und von da nach Hause tragen. Wie leicht dagegen läßt sich eine solche Bücherlast im Ranzen auf dem Rücken tragen! Der Rücken ist ja vor allen Körpertheilen geeignet, Lasten zu tragen, ohne die Gesundheit zu gefährden. Außerdem hat das Kind die Hände frei, ein Umftaub, der bei Regenwetter oder Kälte besonders zu beachten ist. Besonders bei Mädchen ist das Tragen der Schultaschen von nachtheiligen Folgen; sie gefähr-