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menade und hörten später die Vorträge des Ober-Hofmarschalls Grafen Perponcher und des Chefs des Militärkabinets, General-Lieutenants v. Albedyll. An dem gestrigen Diner bei Sr. Majestät hat auch der frühere Polizeipräsident von Berlin, Wirkliche Geheime Rath v. Madai, Theil genommen. Nach dem Diner unternahmen Se. Majestät eine Ausfahrt und wohnten Abends der Vorstellung im Theater bei. Zur heutigen Ta­fel waren geladen: der Fürst und die Fürstin Solms-Braunfels, der Ge­neral der Infanterie, v. Schachtmeyer, der frühere Chef der Admiralität, ü. Stosch, und der Ober-Landesgerichts-Präsident Albrecht aus Frank­furt a. M.

Berlin, 29. Juni. Fürst Bismarck ist heute Mittags nach Schönhausen gereist.

Berlin, 29. Juni. (K. Z.) Der Fehlbetrag des Reichs­haushalts beziffert sich laut Rechnung für 1885/86 auf 17V- Millionen. Daß derselbe trotz erheblicher Mehrbedürfniffe bei einzelnen Titeln hinter dem Ausfall der Rübensteuer, welcher bekanntlich 20 Millionen betrug, zurückbleibt, rührt daher, daß die Salzsteuer, Biersteuer und Branntwein­steuer namhafte Mehrerträge gebracht haben.

Berlin, 28. Juni. Zu der durch den neuen Lotterieplan im October d. I. beginnenden Lotterieziehung werden vor dem 16. August d. J. keine Loose verkauft. S. M. Kreuzer Nautilus, Commandant Corvetten-Capitän Rötger, ist vorgestern in Chemulpo eingetroffen und will heute wieder in See gehen.

Kiel, 26. Juni. Mit dem Hamburger Dampfer Roma sind folgende Officiere in's Ausland gegangen: für S. M. Kreuzerfregatte B i s m a r ck die Capitän-Lieutenants Schmidt und v. Arnoldi; die Lieutenants z. S. Schönfelder I, Heintzmann, Schneider, Geßler; die Unter-Lieutenants z. S. v. Holleben, Schütz, Glatzel; der Maschinen - Ingenieur Johannsen, der Stabsarzt Dr. Diehl und der Assistenzarzt 2. Klasse Dr. Ilse; für S. M. Kreuzercorvette Olga der Capitän- Lieutenant Fischer; für S. M. Kreuzer Nautilus der Capitän-Lieutenant v. Haven, der Lieutenant z. S. v. Pustau, der Unter-Lieutenant z. S. v. d. Osten. Es werden mit dem Dampfer Roma etwa Mitte October d. I. in die Heimath zurückkehren: von S. M. Kreuzerfregatte Bismarck der Corvetten-Capitän Wilm, die Capitän-Lieutenants Ascher und Stiege, die Lieutenants z. S. Meyer II, Mießner, Bachmann, Meyer III, Kölle und Henkel, der Maschinen-Jngenieur Beckers, der Stabsarzt Dr. Groppe, der Assistenzarzt 2. Cl. Dr. Daumann; von S. M. Kreuzercorvette Olga der Corvetten-Capitän Riedel; von S. M. Kreuzer Nautilus der Corvetten- Capitän Rötger und die Lieutenants z. S. Friedrich und Paucke. (K.Z.)

B rem en, 29. Juni. Gestern Abend kamen aus Rheinland, Westfalen, Sachsen und Süddeutschland einige achtzig von der hiesigen Handelskammer zur Besichtigung der Bremer Handels- und Industrie­einrichtungen eingeladene Gäste hier an. Dieselben wurden im Raths­keller von dem Präsidenten der Handelskammer, L. Eduard Meyer, be­grüßt, worauf Herr Janssen aus Dülken, Vorsitzender des Wirthschaftlichen Vereins in Düsseldorf, mit einem Hoch auf die Gastgeberin erwiderte. Den Grundton der Reden bildete die nationale und wirthschaftliche Zu­sammengehörigkeit des Handels und der Industrie. Nach dem Abendessen erfolgte die Besichtigung der Kellereien nebst Probetrunk von der Rose, von welcher jeder Tropfen, 1653er Rüdesheimer, mit Zinseszinsen 2346 Mark kostet. Freilich bezahlt diesen Preis keiner. Zum Festessen morgen und zur Eröffnung der Reichspostdampfer-Linie am Mittwoch werden einige Reichsminister und andere hohe Staatsbeamte, sowie der chinesische Gesandte aus Berlin hier erwartet. Das Wetter ist prachtvoll.

> Dresden, 29. Juni. (K. Z.) Die heutige erste zahlreich besuchte Wanderversammlung der deutschen Landwirthschafts-Gesellschaft wurde programmmäßig um 11 Uhr eröffnet; gegen 12 Uhr erschien König Albert in Begleitung des Prinzen Georg und wohnte der Feier bis zum Schlüsse bei.

München, 29. Juni. DieAllgemeine Zeitung" veröffentlicht nachstehendes Handschreiben des Prinz-Regenten an den Kriegsminister: Nachdem ich die Regentschaft und den Oberbefehl über die Armee über­nommen habe, lege ich die Stelle als General-Inspektor der Armee nie­der. Ich behalte mir die Wiederbesetzung dieser Stelle vor, verfüge jedoch einstweilen den Einzug der etatsmäßig daran geknüpften Kompetenzen. Der Kriegs-Minister wird das hiernach Erforderliche veranlassen. gez.: Luitpold."

Bern, 29. Juni. Der Nationalrath hat heute das Land­sturmgesetz mit unwesentlichen Aenderungen in der Hauptabstimmung angenommen.

Luzern, 29. Juni. Der Prinz Napoleon Bonaparte ist gestern zu längerem Aufenthalt hier eingetroffen und im Hotel National abgestiegen, wo auch die Fürstin Dolgoruki, Wittwe Kaiser Alexanders, Wohnung genommen hat.

Madrid, 29. Juni. In der gestrigen Sitzung der Deputirten- kammer tadelte General Lopez Dominguez die Haltung des Kriegs­ministers und erklärte, daß, wenn die dringenden Bedürfnisse der Armee nicht befriedigt würden, Spanien bittere Früchte ernten werde.

Rom, 29. Juni. Cholerabericht. Von gestern bis heute Mittag in Brindisi 27 Erkrankungen und 7 Todesfälle, in Latiano 68

Erkrankungen und 18 Todesfälle, in Francaville 35 Erkrankungen und 11 Todesfälle, in Sanvito 21 Erkrankungen und 4 Todesfälle, in Mentomesola 8 Erkrankungen und 1 Todesfall.

Nach den Prinzen die Beamten! Kaum haben die aus' gewiesenen Mitglieder der Familien Orleans und Bonaparte Frankreich verlassen, so beginnt man dort an dieReinigung" des Beamtenstandes zu gehen. Mehrere Abgeordnete der Linken haben den Ministerpräsidenten ersucht, einen diesbezüglichen Entwurf an die Kammer gelangen zu lassen. Die Sache scheint der Regierung jedoch sehr unangenehm zu sein. Wieviel Jammer und Elend, wie viel Feindschaft gegen die Republik entstehen muß, wenn man anfängt, Beamte wegen ihrer politischen Gesinnung zu entlassen, das liegt auf der Hand. DieserReinigungsprozeß" wird zu­dem zu den gemeinsten Anschuldigungen Anlaß geben, wie das überall bei solchen Gelegenheiten der Fall ist. Nicht nur der Temps und das Journal des Debats, auch dieRepublique Fran^aise" richtet eindringliche Warnungen an die republikanische Partei. Das letzgenannte Blatt findet sogar den Muth, den ganzen Feldzug gegen die Beamtenschaft einen Wahnsinn zu nennen, aber es ist sehr zu bezweifeln, ob die Mehrheit der Kammer, die sich auf den unblutigen Konvent hinausspielt, für die Er­mahnungen der Blätter zugänglich fein wird. (Dfz.)

Sofia, 29. Juni. Die Antwortadreffe der Kammer drückt die Befriedigung darüber aus, daß Nord- und Süd-Bulgarien unter dasselbe Scepter gestellt und die Vertreter derselben in einer Kammer vereinigt seien; sie dankt dem Volke und dem Heere und spricht ihr tiefstes Vertrauen zu dem Fürsten aus, sowie volles Vertrauen zu der Großmuth der Mächte, namentlich zu Rußland, welches Bulgarien mit Wohlthaten überhäuft habe.

Petersburg, 29. Juni. DasJournal de St. Peters- bourg" weist auf die offenen Verletzungen der Rechte der Türkei und der Beschlüsse der europäischen Konferenz in Sofia, sowie darauf hin, daß die Pforte hierüber keineswegs erregt, sondern mit dem Fürsten Alexander einverstanden zu sein scheine. Niemand könne die hierin liegenden Gefahren und bedenklichen Ermuthigungen verkennen. Rußland könne es nicht ob­liegen, als alleiniger Vertheidiger der europäischen Beschlüsse aufzutreten.

New-York, 28. Juni. Es sind heute Vorbereitungen zur Ab­findung von einer Million Dollars Gold nach Europa getroffen. Die Goldausfuhr in so großem Maße ist dem Verkauf amerikanischer Eisen­bahnaktien für Rechnung des Auslandes zuzuschreiben.

Chicago, 28. Juni. Der Lake-Shore-Gesellschaft gelang es heute mit Hülfe der Polizei, trotz der Fortdauer des Strikes, verschiedene Güterzüge abzulassen.

Bremen, 28. Juni. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd Aller" ist heute früh 6 Uhr in New-York eingetroffen.

New-York, 28. Juni. Der DampferSpain" von der National-Dampfschiffs-Compagnie (C. Messing'sche Linie) ist hier ange­kommen.

S8g*- Fortsetzung der Tagesschau in der Beilage. <^W

Reichsgerichts-Entscheidurrgerr.

Ein im inneren Verkehr zwischen dem Staatsanwalt und der ihm vorgesetzten Behörden über eine Strafsache erstatteter Bericht darf nach einem Urtheil des Reichsgerichts, I. Strafsenats, vom 8. April d. I., bei der Verhandlung dieser Sache nicht zur Verlesung gelangen.

Wird Arbeitern bei der Lohnzahlung der ganze Lohnbetrag zwar baar auf den Tisch aufgezählt, von dieser aufgezählten Summe aber so­dann der Betrag für die von Restaurateuren gegen Vorschubzettel den Arbeitern kreditirten Lebensmittel abgezogen und der Restbetrag den Ar­beitern überlassen, so macht sich nach einem Urtheil des Reichsgerichts, II. Strafsenats, vom 20. April d. I., der Arbeitsgeber dadurch der Ver­letzung des Gebots der Lohn-Baarzahlung (§§. 115, 119, 146,1 R.- Gew.-O.) schuldig.

Aus Stadt, Provinz und Umgegend.

Hanau, den 30. Juni 1886.

(Ernennungen) DerR. u. St.-A." bringt heute folgende Ernennungen: Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht den Regierungs-Vize-Präsidenten Magdeburg in Cassel zum Präsidenten der Regierung in Cassel, den Regierungs-Rath Schwarzenberg zu Cassel zum Ober-Regierungs-Rath, den Regierungs-Rath Poten zu Cassel zum Ober-Präsidial-Rath, den Regierungs-Rath Viehmann zu Cassel zum Mitglied des Bezirks - Ausschusses in Cassel und zum Stellvertreter des Regierungs-Präsidenten im Vorsitz dieser Behörde mit dem Titel Verwal­tungsgerichts - Direktor, und den Geheimen Regierungs-Rath v Reiche- nau zu Wiesbaden zum Mitglied des Bezirks Ausschusses in Wiesbaden und zum Stellvertreter des Regierungs-Präsidenten im Vorsitz dieser Be­hörde mit dem Titel Verwaltungsgerichts-Direktor zu ernennen.

W. (Begießungs-Verein.) Mit dem 30. Juni 1886 (also heute) ist ein zehnjähriger Zeitabschnitt verflossen von dem Beginn der praktischen Thätigkeit des Hanauer Begießungsvereins. Wie häufig ist im Laufe der Jahre die Thätigkeit des Vereins Gegenstand der Erörte-