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Hanauer Anzeiger.

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Nr. 269.

Mittwoch den 17. November

1886.

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.

Die Herren Bürgermeister, welche mit der Erledigung meiner Kreis- blatts-Verfügung vom 30. Oktober cr., Nr. A 1455, bert. Personal­veränderung unter den in Gemäßheit des Viehseuchengesetzes bestellten Schiedsmännern noch im Rückstände sind, haben dieselbe binnen 2 Tagen zu bewirken.

Hanau, 15. November 18 6.

Der Königliche Landrath.

A. 1455. Gf. Bismarck.

Die Erledigung meiner Kreisblatts-Verfügung vom 31. August er., J.-Nr. V. 5958, betr.Schmiede-Jnnungs-Wesen", wird in Erinnerung gebracht und innerhalb 14 Tagen erwartet.

Hanau, 15. November 1886.

Der Königliche Landrath.

V. 5958 Gf. Bismarck.

Am 2. d. Mts. wurde auf der Gemeinde-Gemarkung von Stockstadt eine unbekannte männliche Leiche aufgefunden. Der Verstorbene war etwa 5560 Jahre alt, hatte starkes braunes Haar, hohe Stirne, starke Nase, gute Zähne, graumelirten, herabgekommen aussehenden Vollbart und war ungefähr 1,56 m groß. Bekleidet war die Leiche mit einem langen, blauen, sog. Schäferkittel, grauer Drillhose, weißem Hemd, alter brauner Unterjacke und Schaftstiefeln; bei derselben wurde ein eiserner Hacken, eine kleine Kette und 11 Pf. baar gefunden.

Nach Feststellung der Gendarmeriestation Stockstadt wurde der Ver­lebte Ende Oktober bei Großostheim betroffen, war st u m m, schien bereits krank zu sein und konnte über Namen und Heimath sich nicht verständ­lich machen.

Ich ersuche über diese Persönlichkeit im jenseitigen Bezirke recherchi- ren zu lassen.

Aschaffenburg, 9. November 1886.

Thaler, kgl. Bezirksamtmann.

Wird veröffentlicht.

Hanau am 15. November 1886.

Der Königliche Landrath

P. 5611. Gf. Bismarck.

Tagesschan.

Berti«, 16. Novbr. Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz ist heute Morgen 8 ^2 Uhr vom Lehrter Bahnhof zu den Hoch­zeitsfeierlichkeiten nach Schwerin abgereift. In der Begleitung Sr. Kai­serlichen Hoheit befinden sich die persönlichen Adjutanten Major Graf v. Schlieffen und Rittmeister Frhr. ü. Victinghoff.

Berlin, 16. Nov. Prinz Ludwig von Baiern bewohnt in unserm königlichen Schlöffe die schöne Zimmerflucht nach dem Lustgarten im Erd­geschoß rechts vom Mittelthor, in welcher König Albert von Sachsen ab- zusteigen pflegt, wenn derselbe nach Berlin kommt. Ein Doppel-Ehren­posten kennzeichnet die Anwesenheit des fürstlichen Besuches. Als der Prinz gestern Mittag aussuhr, hatte sich eine große Menschenmenge an­gesammelt, um den wahrscheinlichen künftigen König von Baiern von Angesicht zu Angesicht zu sehen. K. Z:

Berlin, 16. Novbr. S. M. AvisoLorelei)", Kommandant Ka­pitän-Lieutenant Draeger, ist am 15. November er. in Malta einge­troffen.

Die Wiesbadener Presse stellt folgende Betrachtung an:

Nachdem jetzt fast alle Handelskammern ihre Berichte für das Jahr 1885 veröffentlicht haben, ist es möglich, sich einen Ueberblick über das Jahr in Bezug auf die allgemeinen Erwerbsverhältnisse zu verschaffen. Sehen wir dabei von der Großindustrie ab, so nehmen wir wahr, daß über eine ungünstige Lage der Erwerbsverhältnisse im Mittelstände nicht geklagt wird, wenn auch nur in ganz vereinzelten Fällen von einer Bes­serung berichtet wird. Allgemein wird dagegen über einen Mangel an Geld geklagt, der sich allenthalben fühlbar zu machen scheint. Die Ursache für diesen Zustand ist nach der Meinung vieler Kammern wohl mit

Recht darin zu suchen, daß großentheils eine Steigerung der Lebens­ansprüche stattgefunden hat. Es wird u. a. namentlich auf die Menge der Stadt und Land immer stärker überwuchernden Vereine hingewiesen, welche entweder direkt und ausschließlich gesellige Vergnügungen bezwecken oder doch mittelbar zu solchen führen, und nebenbei auch auf die selbst in den Bauerndörfern immer mehr zur Mode werdenden nichts weniger als einfach gehaltenen Kinderfeste. Jene Vereine geben ihren Mitgliedern häufige Veranlassung zu übermäßigen Ausgaben für- und Trinkgelage, Tanzbelustigungen, Ausfahrten rc., wecken und nähren den Hang zum Nichtsthun, zur Bummelei, zum Wirthshausbesuche.

Die Kinderfeste erzeugen in den Kindern Putzsucht und Naschhaftig­keit und verleiten viele Eltern, welche im Ausputze und in dem Traktement der Kinder hinter andern nicht zurückstehen wollen, zu Ausgaben, die ihre Vermögenskräfte übersteigen. Der größere Absatz der oben genannten Geschälte hat sonach eine wirthichaftlich und moralisch wenig erfreuliche Kehrseite. Es wird ferner darüber geklagt, daß der Mangel an Geld bei der Bevölkerung in den stehenden Geschäften geringen Absatz im Ge­folge hat; es werden besondersdie nöthigsten Bedürfnisse der Land­bevölkerung durch den viel zu niedrig besteuerten, überhaupt zu weit er­laubten, nur von den Fabriken und Großindustriellen in Folge Ueber- produktion unterstützten Hausirhandel befriedigt", so daß die stehenden Geschäfte, welche ihre hohe Steuer zu bezahlen haben, nahezu lahm­gelegt sind. . . .

Glücklicherweise macht sich die Geldknappheit nicht in einem gerin­geren Konsum von Lebensmitteln geltend. Allgemein wird konstatirt, daß der Absatz der Bäcker und Metzger und vielfach auch der der Kleider­händler ein sehr guter war. Das weist darauf hin, daß die Erwerbs- verhältniffe der großen Masse nicht schlechter geworden sind, womit auch die Thatsache übereinstimmt, daß die Löhne im Gewerbe nicht gefallen sind, sondern theilweise sogar eine Erhöhung erfahren haben. Es ist also im Ganzen ein erfreuliches Bild, das uns eine Betrachtung der Verhält- nisse des Kleingewerbes bietet.

Der Monite«r de Rome erklärt die Nachricht, daß für Breslau von der preußischen Regierung dem Vatikan ein Coadjutor vorgeschlagen sei, für verfrüht.

Münster, 15. Nov. Die hiesige kgl. Regierung läßt zur Zeit über die Besoldungsverhältnisse der an den Volksschulen des Regierungs­bezirks Münster thätigen Lehrpersonen durch die Kreisschulinspektoren genaue Nachweisungen aufstellen; wie man hört, soll eine angemeffene Erhöhung der den Durchschnittssatz nicht erreichenden Gehälter in Aus­sicht genommen sein. K. Z.

Kiel, 14. Nov. Briefsendungen für S. M. Aviso Loreley sind bis auf Weiteees nach Malta zu richten, woselbst das Schiff behufs Reinigung in ein Dock gehen wird.

Ueber die Ansiedelung in Posen und Westprentzen wird der Soff. Z." aus Flatow geschrieben, daß daselbst dieser Tage ein Mit­glied der Ansiedelungskommission eine Versammlung mit denjenigen Per­sonen abhielt, die sich um Landbesitz bewerben. Es wurde ihnen mit­getheilt, daß sowohl ein fester Verkauf des Landes an tie Interessenten, als auch eine Erbpacht gestattet sei. Ebenso sei es jedem Käufer resp. Erbpächter überlassen, sich die nöthigen Gebäude selbst zu bauen, event, ist der Staat auch bereit, die Bauten ausführen zu lassen. Jeder Re- flectant hat eine der von ihm begehrten Besitzung entsprechende Summe Geldes als sein Eigenthum nachzuweisen.

Schwerin, 16. Nov. Der Kronprinz des Deutschen Reiches ist heute Mittag um halb ein Uhr hier eingetroffen. Heute Abend wird demselben ein Fackelzug gebracht. RH. C.

Weimar, 15. Nov. Heute Mitternacht entgleiste zwischen Apolda und Oßmannstedt der Maschinentender des Personenzuges 12, der von Corbetha hier eintreffen sollte, einige Wagen sprangen aus den Schienen, das Zugpersonal und die Passagiere blieben unverletzt. Die Verkehrs­störung war, da an der betreffenden Stelle wegen Bauarbeiten nur ein Geleise im Betrieb ist, erheblich und führte Verspätungen der Nacht­schnellzüge und Posten mit sich. Seit 9 Uhr ist die Strecke wieder fahrbar.

Pest, 15. Nov. Der Heeresausschuß der ungarischen Delegation nahm das Ordinarium des Heeresbudgets unverändert an.