Einzelbild herunterladen
 
  

Tagesschau.

Berlin, 8. September. Se. Majestät der Kaiser und König treten die Reise nach Baden-Baden heute Nachmittag 6 Uhr 30 Minuten mittelst Extrazuges vom Potsdamer Bahnhöfe an.

Berlin, 8. September. DieNordd. Mg. Ztg." dementirt die von verschiedenen Zeitungen gebrachte Nachricht, daß Fürst Bismarck wieder an seinen alten nervösen Schmerzen in den Oberschenkeln und in den Hüften leide, meldet jedoch zugleich, der Reichskanzler habe sich auf dem Rückwege von Gastein nach hier eine Muskelzerrung oder Zerreißung zu­gezogen. Zunächst habe der Fürst die Sache wenig beachtet, schließlich seien aber die Schmerzen so heftig geworden, daß dem Fürsten jede Be­wegung unmöglich geworden sei, weshalb er genöthigt sei, in liegender Stellung zu verharren. So schmerzhaft auch der Zustand des Fürsten sei, so gebe derselbe doch zu Besorgnissen absolut keinen Anlaß.

Berlin, 8. September. Kriegsminister Bronsart von Schellen- dorf ist von dem neulichen Unfall soweit wieder hergestellt, daß er am Samstag dem Kaiser nach Straßburg nachfolgen und an den Corps­manövern des 15. Armeecorps theilnehmen kann.

Mit den diesjährigen großen Herbstmanövern finden nach den F. N." auch Uebungen der Feldpost statt. Die Reichspost­verwaltung war bereits während der letzten fünfzehn Jahre darauf be­dacht, die Leistungsfähigkeit der Feldpost nach verschiedenen Richtungen hin für etwaige künftige Fälle zu erhöhen und die Thätigkeit derselben so wirksam als möglich zu gestalten. Nach Maßgabe der während des letzten deutsch-französischen Krieges auf dem Gebiete des Feldpostwesens neu gewonnenen Erfahrungen wurde von der Post- und der Militär­verwaltung gemeinschaftlich die im Jahre 1867 erlassene Dienstordnung für die Feldpostanstalten einer Revision unterzogen. Daneben wurde die Wiederherstellung der Feldpost-Ausrüstung vollständig durchgeführt und es erfolgte auch die Neubezeichnung des Personals. Die Feldpostbeamten, Unterbeamten und Postillone werden schon in Friedenszeiten von der Postverwaltung für die bezeichneten Stellen bezeichnet. Von der erfolgten Bestimmung des Personals wird dem Kriegsministerium unter Ueber- sendung von Namensverzeichnissen Mittheilung gemacht. Die Einberufung im Falle der Mobilmachung wird auf Grund der von dem Kriegs­ministerium an das Reichspostamt ergehenden Benachrichtigung durch das letztere bewirkt. Die Ausrüstung der Feldpostanstalten erfolgt nach den Bestimmungen des Mobilmachungsplanes und nach Anleitung des Regle­ments über die Geldverpflegung des Heeres im Kriege, unter Berück­sichtigung der in der neuen Dienstordnung enthaltenen besonderen Fest­setzungen. Bei den Herbstübungen kommt eine Manöverpostordnung zur Anwendung, welche den betreffenden Truppenteilen zur näheren Infor­mation zugesandt wird.

Der PariserFigaro" schreibt:Der Austritt des Zaren aus dem Dreikaiserbund würde die Welt stark beunruhigt, die Geschäfte ge­lähmt und die Entscheidung über Krieg und Frieden von einem Zufall abhängig gemacht haben. Herr v. Bismarck hat das nicht gewollt. Er hat die durch eine offene Opposition gegen die Pläne des Zaren ge­fährdeten allgemeinen Interessen gegen das abgewogen, was Bulgarien und sein Prinz werth sind, und keinen Augenblick gezaudert: die allge­meinen Interessen, diejenigen Deutschlands, unlösbar verknüpft mit den europäischen, erhielten das Uebergewicht. Man kann Herrn v. Bismarck zu seiner so männlichen Entschließung nur beglückwünschen und dazu, daß er mit völliger Mißachtung der Formen, welche den deutschen Kanzler zu einem alle überragenden Diplomaten macht, seinen Entschluß zur Aus­führung gebracht hat. . . . Wenn Fürst Bismarck in unsern Augen jemals groß werden könnte, so würde er es wegen dieser wahrhaft außer­ordentlichen That werden." Hierzu bemerkt dieK. Z.": Wir zweifeln nicht, daß Herr Eugen Richter von jetzt ab den Figaro zu der Bis- marckschen Reptilienblättern zählen wird.

Wilhelmshafen, 8. Sept. Das PanzerschiffFriedrich". Capitän z. S. Stempel, ist, aus dem Mittelmeer kommend, wohlbehalten auf der hiesigen Reede eingetroffen.

Düsseldorf, 8. Sept. Die heute hier eröffnete 40. Haupt­versammlung des Gustav-Adolf-Vereins sandte an den Kaiser folgendes Telegramm:Zum erstenmale auf rheinischem Boden tagend, an Deutsch­lands Strom, aber nicht an Deutschlands Grenze, läßt nach Gebet und Gottesdienst die vierzigste Hauptversammlung des Gustav-Adolf-Vereins ihr Erstes sein, im Gotteshause selbst dem erhabenen Protektor des Vereins, dem Vater seines ganzen, durch ihn gesegneten Volkes ohne Unterschied der Konfession, unserem allverehrten und geliebten Kaiser die ehrerbietigsten Gebetswünsche zum ferneren Frieden und Segen zum Heile unseres ganzen Volkes einmüthig darzubringen."

Halle, 8. September. Landrentenbanksecretär Naundorf in Dessau ist unter Mitnahme von 75,000 Mark flüchtig geworden. (K.Z.)

München, 8. September. (K. Z.) Es bestätigt sich, daß in den nächsten Tagen eine Verordnung des Prinzregenten zu erwarten ist, wodurch für die gesammte bayerische Armee als Kopfbedeckung der soge­nannte Gendarmeriehelm (Pickelhaube mit bayrischem Wappen) eingeführt wird; der schwerfällige Raupenhelm sonach verschwindet.

Nürnberg, 8. September. Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz hat Sich bereits heute früh 6V2 Uhr zu den Truppenmanövern bei Großhabersdorf begeben.

Nürnberg, 8. September. Der Kronprinz kehrte heute Mittag mit Sonderzug vom Manöverfelde zurück, nahm im Königssalon des Bahnhofes einen Imbiß ein und setzte nach kurzem Aufenthalte unter stürmischen Hochrufen der zahlreich anwesenden Volksmenge die Reise über Donauwörth nach Kelmünz fort.

Sigmaringen, 8. Sept. Der König von Portugal ist gestern Abend hier zum Besuche des fürstlichen Paares von Hohenzollern einge- troffen. Die Fürstin ist bekanntlich die Schwester des Königs von Portugal.

Die Frage, ob die Cholera in Oberitalien herrsche und ob Reisende einer Gesundheitsmaßregel unterworfen werden, beschäftigt an­haltend das reiselustige Publikum. Wir erfahren nun aus Lugano von einem Touristen, welcher an den verschiedensten Punkten Oberitaliens sich aufgehalten hat, daß Bellagio, Cadenabbia, Menaggio, Porlezza, Lugano, die Ufer des Lago Maggiore, Mailand, Coma und Menarisio völlig seuchenfrei sind. In Porlezza soll ein aus Verona eingeschleppter Fall vorgekommen sein, doch geht die Ortsgemeinde gegen das angeblich falsche Urtheil der Aerzte gerichtlich vor. Außerdem liegt uns ein Anschlag-' zettel für die italienischen Bahnhöfe u. dgl. vor, in welchem die Stadt­gemeinde von Mailand, die Präfektur der Provinz Mailand und die fremden Consuln betonen, daß keinerlei Räucherungen oder sonstige Maß­regel nöthig sind, weil der Gesundheitszustand ein völlig guter sei

Paris, 8. Sept. Wie mehrere Blätter wissen wollen, wäre der bisherige Gesandte Frankreichs am portugiesigen Hofe, Billot, für der Botschafterposten in Berlin ausersehen.

London, 8. September. DerStandard" schreibt, die Sache des Fürsten Alexander von Bulgarien sei die Sache einer jeden Macht, welche gegen die Herstellung der Herrschaft Rußlands in Konstantinopel sei. So langsam auch die Processe der Diplomatie sich vollziehen möchten, so dürfe Fürst Alexander doch zuversichtlich annehmen, daß er, falls er sich entschließe, die Geschicke seines Volkes zu theilen, im Kampfe nicht blos auf seine eigenen Hilfsquellen angewiesen sein würde.

Sofia, 7. Septbr. Fürst Alexander erließ eine Proklamation, also lautend: Nachdem ich mich von der schmerzlichen Wahrheit über­zeugt habe, daß meine Abreise aus Bulgarien die Wiederherstellung guter Beziehungen zwischen Bulgarien und Rußland erleichtert, und nachdem ich von der Regierung des Kaisers von Rußland die Zusicherung erhalten habe, daß die Unabhängigkeit, die Freiheit und das Recht unseres StaüM unangerührt bleiben und daß sich niemand in die inneren Landesange­legenheiten einmische, erkläre ich meinem vielgeliebten Volke, daß ich auf den bulgarischen Thron verzichte. Ich wünsche damit vor aller Welt zu beweisen, wie theuer uns die Interessen des Vaterlandes und daß wir bereit sind, für dessen Unabhängigkeit alles zu opfern, selbst was uns noch theuerer, wie das Leben ist. Indem ich aufrichtig danke, für die Ergebenheit, die mir das Volk in glücklichen wie in trüben Tagen be­wahrte, welche zwischen Volk und Thron seit meiner Ankunft in Bulgarien bestand, verlasse ich das Fürstenthum, indem ich Gott bitte und bis an das Ende meiner Tage bitten werde, daß er Bulgarien erhalte, ihm bei- stehe und dasselbe groß, stark, glücklich, einig und unabhängig mache. Ich ernenne zu Regenten Stambuloff, Karaweloff und Mutkuroff und befehle allen bulgarischen Staatsangehörigen, den Befehlen und Anordnungen der von mir eingesetzten Regentschaft sich zu unterwerfen und die Ruhe im Lande zu erhalten, damit bei der ohnehin schwierigen Lage des Vater­landes jede Verwicklung vermieden werde. Gott schütze Bulgarien! Ge­geben in meiner Residenz Sofia, den 7. Sept. Alexander.

Sofia, 7. Sept. Fürst Alexander ist heute Nachmittag um vier Uhr mit Stambulow und den übrigen Mitgliedern des Regent- schaftsrathes und den Ministern nach Lompalanka abgereist, wo er am Mittwoch Nachmittag eintrifft.

New-York, 7. Sept. Nach Meldungen aus Charleston be­trägt die Zahl der durch das Erdbeben umgekommenen Personen im Ganzen 96. "

Bremen, 7. Septbr. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd - Fulda" ist in New-York eingetroffen.

New-York, 7. September. Der DampferJtaly" von der National-Dampfschiffs-Compagnie (C. Messing'sche Linie) ist hier ange­kommen.

@ggE* Fortsetzung der Tagesschau in der Beilage. "3^8

Reichsgerichts-Entscheidimgeu.

Verkauft ein Kaufmann sein Geschäft unter der falschen Vor­spiegelung einer höheren Ertragsfähigkeit und höherer Einnahmen des Geschäftsbetriebes, als sie thatsächlich waren, indem er als Beleg für seine unwahren Angaben seine von ihm zu diesem Zweck gefälschten Ge­schäftsbücher dem Käufer zur Einsicht vorlegt, und erzielt der Verkäufer dadurch einen höheren Kaufpreis, als er bei der wahrhaften Darstellung der Geschäftslage erzielt hätte, so ist er, nach einem Urtheil des Reichs­gerichts, 111. Strafsenats, vom 21. Juni d. I., wohl wegen Betruges,