Beilage zu Nr. 27 des Hanauer Anzeiger.
t Fürst Bismarck, der Vorkämpfer des Deutschthums.
Unter den vielen, hochbedeutsamen, seinen echten deutschen Sinn und seine Liebe zum deutschen Laterlande bekundenden Reden des Reichskanzlers Fürsten v. Bismarck bildet die, welche er bei der antipolnischen Debatte im Abgeordnetenhause am 28. Januar hielt, eine der hervorragendsten Kundgebungen, welche dem deutschen Volke Zeugniß ablegt von dem echt deutschen nationalen Empfinden seines größten Staatsmannes und welche dem deutschen Volke für alle Zeiten als Leitstern dienen mag.
Wer die Rede des Kanzlers liest, wird mit Beschämung sagen müssen, daß das Feuer echt deutschen Empfindens, so wie es in ihm glüht, doch leider nur zu leicht erlischt und — heute wie früher — in den Aufgaben des täglichen Berufs, der Tagespolitik, des Parteiwesens, der kosmopolitischen Ideen vergraben wird. Wie der Deutsche, wenn er ins Ausland geht, seine Nationalität aufgibt, wie er für jede fremde Nationalität besondere Hochachtung hat, wie er für Alles eingenommen ist, was „weit her" ist, das sind Thatsachen, die notorisch bekannt sind und an die wir uns leider schon lange zu sehr gewöhnt haben. Um so größer ist das Verdienst des Kanzlers, daß er diese Untugenden gebrand- markt und der deutschen Nation vor die Augen geführt hat. Das sind keine unbedeutenden Fehler, denen gegenüber man die Augen zudrücken kann, es sind Erbfehler, welche die Kraft und Energie deutschen Wesens lähmen und verunzieren. Auf diesem Boden des Mangels an deutschem Stolz konnten allein die Erscheinungen der Gegenwart wachsen: das Wort „national" wird von Leuten, die damit ihre kosmopolitische Ueberlegenheit bekunden wollen, mehr oder weniger verspottet; gewisse Parteien wirthschaften, wie sich der Reichskanzler in seiner Rede vom 29. ausdrückte — den nationalen Rechtsboden los, daß man sich wundern muß, wie lange das noch dauern kann; und so allein erklärt sich auch die polenfreund- liche Kundgebung der Majorität des deutschen Reichstags, die nur zu deutlich an das Schauspiel erinnert, welches die sortschrittliche Majorität des Abgeordnetenhauses bei der Polendebatte im Februar 1863 auf- führte.
Die Rede des Kanzlers ist ein Denkmal echt deutschen Fühlens und mahnt alle Deutschen aufs dringlichste, diesem großen Vorkämpfer des Deutschthums nachzueifern und ihn sich zum Vorbild zu nehmen. Es war am 2. März 1881, wo der Kanzler der damaligen Majorität des Reichstags die ernste Mahnung vorhielt, den nationalen Gedanken leuchten zu lassen, und seinerseits bekannte, daß er das nationale Ziel niemals auch nur einen Augenblick aus den Augen verloren habe. In erster Linie kommt ihm die Nation: „von dem Bau des deutschen Reichs — so sagte er —, von der Einigkeit der deutschen Nation, da verlange ich, daß sie fest und sturmfrei dastehe und nicht blos eine vorübergeh ende Feldbefestigung nach einigen Seiten hin habe." Von diesem Grund und Boden aus hat er auch die polnische Frage in Angriff genommen, und das ist der einzige Boden, auf dem sie überhaupt von einem Deutschen beurtheilt werden sollte. Aber da lassen sich gewiffe Parteien von des Gedankens Blässe ankränkeln und glauben diese Frage mit einer gewissen „weinerlichen Sentimentalität", von dem vagen Begriff der Humanität oder aus den Bedürfnissen ihrer Parteitaktik heraus behandeln zu müssen. Mit Anwendung solcher Ideen wäre niemals das deutsche Reich, die Einigung der deutschen Nation zu Stande gekommen —, mit ihnen kann sie auch nicht erhalten und gefestigt werden!
„Wenn ich einem Teufel verschrieben bin, so ist es ein teutonischer" — dieses bekannte Bismarck'sche Wort aus dem Jahre 1860 gilt auch heute noch von ihm und ist ein Ehrenzeichen für ihn. Möchten das doch mehr und mehr alle Deutsche von sich sagen können,, insonderheit die, welche das deutsche Volk vertreten. Aber im Reichstag ist der „teutonische Teufel" jetzt etwas im Kurse gesunken. Fürst Bismarck hat in seiner Rede vom 29. die unausbleiblichen Gefahren und Folgen dieses Verhaltens,
8pai>u.8piMajse zum gotltumLöwm.
(Carl Schüßler.)
Mittwoch, 3. Februar 1886,
Abends 9 Uhr: Genemsversammlung.
Tagesordnung: Rechnungsablage und
Verschiedenes.
1123 Der Uorstand.
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Mittwoch den 3 Februar d. I.,
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welches sich in dem fortwährenden, wie die Betheiligten selbst wissen müssen, völlig aussichtslosen Kampfe gegen den Staatsmann und die verbündete« Regierungen bekundet, angedeutet: von der Absicht eines „Staatsstreichs", den man ihm andichtete, ist er himmelweit entfernt, aber es ist klar, daß die Vertretung des deutschen Volkes sich in ihr eigenes Fleisch schneiden muß, wenn sie nur Obstruktionspolitik treibt. Das muß jeden wahrhaft deutsch fühlenden und denkenden Patrioten in Betrübniß versetzen. Denn ein solches Verhalten arbeitet auch dem Ansehen und der gesunden Entwicklung Deutschlands entgegen, und das ist es, was Fürst Bismarck aus seinem echten deutschen Herzen heraus am meisten beklagt: nicht daß ihm hier oder dort ein Stein in den Weg gelegt wird, es ist die deutsche Sache, die er leiden sieht und deren wegen er selbst leidet, aber auch fortwährend kämpft. Ueberall steht er auf der Wacht, um die deutsche Sache zu schützen und zu vertheidigen, um gegen die „legale Zersetzung des Reichs" wie gegen die äußeren Feinde zu kämpfen.
Nun wir hoffen, daß die Nation sich noch auf ihre Fehler aufmerksam machen, sich belehren läßt und sich ermannen wird, in allen ihren Theilen und Parteien die Fahne des Deutschthums höher und immer höher zu halten, — dann werden wir auch wieder einen Reichstag bekommen, der sich von dem preußischen Abgeordnetenhause keine Lektion ertheilen zu lassen braucht.
Aus Stadt, Provinz und Umgegend.
— Fulda, 1. Februar. Wie man in Belgien „Deutsch" lernt, beweist folgende Adresse, welche uns kürzlich von einer Verlagsfirma aus Tournay zuging: „Monsieur Fuldaer Actiendruckerei (imprimerie sur actions de Fulde) Fulda." (Fld. Z.)
— Fulda, 1. Febr. Die Lage des Bahnhofs Gersfeld wird nach einer Mittheilung des Herrn Landtags-Abgeordneten Rübsam derart ««geordnet, werden, daß die Fortsetzung der Bahn Fulda - Gersfeld bis zur Landesgrenze zum Anschluß an eine etwaige Fortführung der bayrischen Bahn Neustadt-Bischofsheim bis eben dahin unter nicht ungünstigeren Steigungs.Verhältnissen als auf bayrischem Gebiete ermöglicht wird.
— Frankfurt a. M., 1. Februar. Der landwirthschaftliche Verein gewährte auf Grund eines Gesuchs des Vereius zum Schutze der Thiere demselben einen Beitrag zum Versuche der Wiederansiedelung der Nachtigallen im hiesigen Stadtbezirk. — Bekanntlich ist eine Anzahl Schutzleute im Untersuchen der Lebensmittel auf Fälschung ausgebildet worden und dürfte die Verwerthung dieser Kenntnisse im Interesse der Allgemeinheit insofern liegen, wenn die zu Markt kommende Butter genau untersucht würde. In der letzten Zeit ist es nämlich öfters vorgekommen, daß Butter gekauft wurde, die so hart war, daß sie selbst kaum aus dem Feuer schmelzen wollte. (Margarin.) (G.-A.)
— Frankfurt a. M., 2. Februar. In Folge des Regenwetters in den letzten Tagen ist die Ried aus ihren Ufern getreten und hat stellenweise Aecker und Wiesen unter Wasser gesetzt. — Gestern Mittag trat ein völlig abgerissener Mensch in eine Eigarrenhandlung ein, in welcher sich gerade mehrere Kunden befanden. „Nun, die verehrten Herrschaften treffe ich ja gut beisammen", erklärte er, „jetzt legen Sie einmal zusammen, jeder gibt 50 Pfennig oder eine Mark, dann kann ich wenigstens einmal ein paar vergnügte Tage verleben " Nachdem er seine Ansprache vollendet, wurde er vom Ausläufer der Eigarrenhandlung an die Luft gesetzt. — Der heftige Sturm am Sonntag Abend riß in der Rittergaffe zwei Schornsteine zusammen. Im Nizza wurden einige Bäumchen entwurzelt. Auf den Firsten vieler Häuser wurde das Zink aufgerissen und theilweise auf die Straße geschleudert. (Fr. N.)
Patent-Ertheilungen.
Nr. 34 896. Neuerung an Füll- und Reguliröfen, F. Lönh o ldt in Frankfurt a. M, vom 15. September 1885 ab. Kl. 36.
§ WD" Elastische Zahngebisse -Mg §
D. R.-Patent Nr. 23047. S co- Anerkannt das Beste und Natürlichste 5? was bis jetzt auf dem Gebiete der Zahn- ^ M technik erfunden wurde.
Alleiniger Patentinhaber für Hanau ^ A und Umgegend G J. I» Wink, Hanau.
S Nähere Auskunft über deren Vorzüge und ^ Güte wird gern ertheilt. 636 p
Ein ordentl. Dienstmädchen per fof. gesucht.
Näh. in der Exped. 1064