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— Moskau, 29. Sept. Die Moskauer Zeitung sagt, der von General Kaulbars angeschlagene feste Ton bekunde, daß, wie die Diplomatie sich auch gebaren möge, der Wille des Lenkers der Geschicke Rußlands unbeugsam in seinen Beschlüssen sei und über jeder Täuschung stehe. Europa werde zu der Ansicht gelangt sein, daß man Rußland die ihm gebührende Stellung in Bulgarien lassen müsse.
— Sydney (Australien), 28. Sept. Die Eisenbahn nach Tenter- field innerhalb 10 Meilen von der Queensland-Grenze wird von dem Gouverneur und den Mitgliedern des Ministeriums am 19. Oktober eröffnet werden. Wenn die Eisenbahn auf der Queensland-Seite der Grenze fertiggestellt ist, werden Adelaide, Melbourne, Sydney und Brisbane durch einen Schienenweg in Verbindung gesetzt sein.
— New Novk, 29. Sept. Gestern wüthete in dem der Mündung des Rio grande del Norte benachbarten Gebiete ein heftiger Sturm; in Brownsville (Texas) wurden 200 Häuser zerstört und viele andere beschädigt; in Matamoras (Mexiko) wurden 300 Häuser zerstört und viele beschädigt. In Matamoras sind gegen 400, in Brownsville 150 Familien obdachlos. (Rh. K.)
— Bremen, 30. Sept. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Donau" ist in Baltimore eingetroffen.
Aus Stadt, Provinz und Umgegend.
— Geflaggt. Zu Ehren des hohen Geburtsfestes Ihrer Majestät der Kaiserin unv Königin hatten die Staatsgebäude gestern geflaggt.
— Einjährig-Freiwillige. Zur Ableistung ihres Dienstjahres sind heute 17 Einjährig-Freiwillige in die beiden hiesigen Bataillone eingetreten.
— Poflverbindttngen. Durch einen Aushang in dem Vorplätze des hiesigen Postamts wird bekannt gemacht, daß die Schlußzeit für Briefsendungen nach der Provinz Starkenburg, Baden, Württemberg, Schweiz und Italien vom 1. Oktober d. J. ab von 75 auf 756 Nachm. ausgedehnt worden ist.
— Lotterie. Die Ziehung der 1. Klasse 175. Königlich preußischer Klassen-Lotterie wird nach planmäßiger Bestimmung am 6. Oktober d. I., früh 8 Uhr, ihren Anfang nehmen.
— Jahresversammlung. Nach Erledigung der Vorträge und Anträge gelegentlich der 17. Jahresversammlung des Hessischen Volks- schullehrervereins in Gelnhausen erfolgte nach der „H. M." die Wiederwahl der ausscheidenden Mitglieder des Vorstandes. Als nächstjähriger Ort der Versammlung wird Melsungen gewählt. Nachdem ein Schreiben des Bürgermeisters Lotz aus Melsungen, das im Auftrage der gesammten Bürgerschaft die freundlichste Einladung enthielt, unter lebhaftem Beifall verlesen worden war, wurde um 3 Uhr die zweite Sitzung geschlossen. Nun wurde eine Besichtigung Gelnhausens unternommen. Abends V28 Uhr bot die Stadt ihren Gästen eine Ueberraschung von großartiger Wirkung durch die bengalische Beleuchtung der Dreifaltigkeitskirche. Bei dem Festessen, das im „Hessischen Hof" und „Zur Hoffnung" stattfand und an dem viele Bürger Gelnhausens theilnahmen, war die Stimmung die beste und fröhlichste. Von der langen Reihe der Trinksprüche galt der erste selbstverständlich unserm Kaiser Wilhelm. Es folgten Trinksprüche auf Seine Excellenz den Herrn Cultusminister von Goßler, auf die königl. Regierung zu Cassel, auf Herrn Geh. Oberregierungsrath Opitz, Herrn Regierungs- und Schulrath Dr. Falckenheiner, auf die Stadt Gelnhausen, deren Damen u. s. f. Herr Regierungs- und Schulrath Dr. Falckenheiner toastete auf den ganzen, auch nicht durch confessionelle Unterschiede getheilten Lehrerstand. Dem Festessen reihte sich ein Commers an, bei dem die Fidelitas voll in ihr Recht trat.
— Erfreulich. Von Herrn Domänenpächter Spam er auf dem Kinzigheimerhof ging uns gestern folgende Karte zu: „Zur Richtigstellung Ihrer betr. Notiz über den Viehmarkt in Hauptblatt vom 29. ds. die ergebene Mittheilung, daß die von Ihnen als unverkauft bezeichnete Kuh mit einem Kalbe von mir am Nachmittage des Markttages im Gasthaus zum „goldenen Faß" käuflich erworben worden ist, daß der Markt dadurch also ausverkauft wurde. Es wird dies vielleicht eine Seltenheit bleiben, ist aber stets ein gutes Zeichen für den Markt.
— Firmenschilder. Nach vor einigen Monaten gegebener Anregung ist ein sehr erfreulicher, das Schönheitsgefühl befriedigender Fortschritt im Anfertigen der Firmenschilder zu verzeichnen. So sind in letzter Zeit wieder recht geschmackvolle Aufschriften angebracht worden, z. B. „Zur großen Krone", Steinheimerstraße; „Carl Lanz", Krämerstraße; „Ohler'sches Kleidergeschäft", Hammergasse; „W. Loh- mann", Steinheimerstraße; „Frankfurter Bau" rc. rc. Hoffentlich können wir in einiger Zeit über eine weitere Serie solcher, unsere Stadt verschönernde Anschriften berichten.
— Jubiläum. Morgen, Samstag, feiert, wie die „H. Z." mel- det, Herr Pfarrer Wittekindt in Roßdorf sein fünfzigjähriges Amts-
jubiläum. So viel uns bekannt, hat derselbe lange Zeit in Kempfenbrunn, Mittelbuchen und Roßdorf als Seelsorger amtirt und überall sich die Liebe und Hochachtung seiner Gemeindeglieder erworben. Möge dem ehrwürdigen Jubilar noch ein langes, glückliches Leben und Wirken Belieben sein.
— Unfallversicherung. Der von der Genossenschaftsversammlung und dem Vorstände der Glas - Berufsgenossenschaft einstimmig angenommene Gefahrentarif, welcher sehr einfach gehalten ist und nur zwei Gefahrenklassen aufweist, ist vom Reichs-Versicherungsamte bestätigt worden. Es werden nunmehr rasch die nothwendigen Einschätzungsarbeiten vorgenommen werden, so daß dieselben im Laufe dieses Jahres noch zu Ende gebracht werden können. Wir hören, daß auch der von sämmtlichen deutschen Textil-Berufsgenossenschaften einstimmig angenommene Gefahrentarif für die Textil Industrie im Wesentlichen vom Reichs-Versiche- rungsamte genehmigt worden ist.
— Eisenbahnverkehr. Im Eisenbahnverkehr mit Rußland ist wiederum eine Erleichterung eingetreten. Ende vorigen Jahres war bereits gestattet worden, die aus dem Auslande mit Schnellzügen eintreffenden frischen Fische, Fleischwaaren, frischen Früchte, Lebensmittel und andern schneller Verderbniß oder Fäulniß ausgesetzten Gegenstände ohne Ein- reichung besonderer Erklärungen zu verzollen, wenn die beiliegenden Frachtbriefe die für die Erklärung erforderlichen Angaben über Menge und Beschaffenheit der Waare enthielten. Diese Erleichterung ist jetzt auf alle Züge ausgedehnt, so daß die vorgenannten Gegenstände unbeschränkt ohne besondere Erklärung auf Grund der Frachtbriefe verzollt werden können.
— Für heute. Von Vormittags 9—12 und Nachm. 2—6 Uhr ist das Atelier des Malers Herrn G. Cornicelius, in welchem mehrere Gemälde ausgestellt sind, zur Besichtigung geöffnet. — Hanauer Stadttheater: Zur Eröffnung der Saison: Fest-Ouverture von Bach; hierauf zum ersten Male: „Tilli", Lustspiel in 4 Akten von Francis Stahl; Anfang 7 Uhr. — Sparkasse bei Brehm: Abends 8 Uhr Theilung. — „Zur guten Quelle": Abends von 8 Uhr ab Concert der Glaseuphonium- Virtuosin und Sängerin Jda Seliger. — Technischer Club: Abends 1/s9 Uhr Zusammenkunft in der „Allemania". — Abends 9 Uhr: Männerabtheilung der Turngemeinde: Turnen.
— Bockenheim, 30. Sept. Die Vorstände der freien Hilfskaffen Frankfurts und Bockenheims, welche am letzten Sonntage eine Versammlung in Frankfurt abhielten, haben, nach dem „B. A.", in einer Resolution anerkannt, daß eine Revision des Krankenkassengesetzes dringend nöthig sei. Zu diesem Zwecke wurde beschlossen, es sollen alle freien Kassen-Vorstände in Berathung treten und ihre Anträge dem Central- Comitö zuführen, ferner sich darüber klar machen, ob der Kongreß beschickt werden solle oder nicht.
— Ueber das schon gemeldete Hüufelder Brauduuglück schreibt das dortige „Krbl." Folgendes: „Gestern, den 28. d. Mts. Nachmittags V26 Uhr brach in hiesiger Stadt am Niederthor bei ziemlich heftigem Wind ein großer Brand aus und fielen demselben 9 Wohnhäuser mit sämmtlichen Neben- und Hintergebäuden, im Ganzen 20 Gebäulichkeiten, Schule mit Synagoge, Metzger M. Kaufherr, Wohnhaus; Ww. Schneider, Wohnhaus, Stallung und Scheuer; Richard Hodes, Färbermeister, Wohnhaus, Färberei, Stallungen und Steinkohlenmagazin, sowie das von Herrn Lehrer Weber bewohnte, Herrn Hodes gehörende Wohnhaus; die ganze Hofraithe des Oekonomen Conrad Scheer Ww., bestehend in Wohnhaus, Scheuer, großem Nebenbau mit Stallungen; die Scheuer des Herrn Joseph Malkmus zum Frankfurter Hof; die Scheuer des Herrn Kaufmann Rudolf Aha; Wohnhaus und Scheuer des Sattlermeisters Konrad Lenz; Wohnhaus des Herrn Biedebach und das Wohnhaus des KaufmaN Moses Stern. Stark beschädigt ist noch ein Nebenbau des Herrn Färbermeisters Eugen Hodes. Das Feuer fand in den vollständig gefüllten Scheuern leider nur zu viel Nahrung und bei dem stark herrschenden Winde oben angedeutete furchtbare Ausdehnung. Hilfe war von allen Seiten rasch und ausreichend vorhanden, jedoch fehlte es Anfangs leider an genügendem Wasser. Von den auswärtigen Feuerwehren waren es namentlich die Fuldaer, welche durch ihre Wasserzubringer Bedeutendes zu leisten im Stande waren, und ist es der angestrengten Thätigkeit sämmtlicher Feuerwehren zu danken, daß das Unglück nicht noch größere Ausdehnung genommen hat. Leider waren wieder 4 der Abgebrannten nicht versichert und trifft es dieselben besonders hart, davon 3 derselben die ganze Ernte ein Raub der Flammen wurde. Wiederum eine Warnung für Alle, welche glauben, durch diese Ausgabe einiger Mark Versicherungsprämie etwas zu sparen.
NU- Fortsetzung dieser Rubrik in der Beilage. *Äa
Thermometerstand.
30. Septbr. Mittags 2 Uhr + 171/»0, Abends 7 Uhr + U’/V; 1. Oktbr. Morgens 7 Uhr -st 8'/,°, Vormittags 10 Uhr 4- 13°/? „
Ein Mädchen gesetzten Alters, sowohl im Kochen
Gesucht pr. sofort ein junges Mädchen, das Juserate. < „ , .
Monatsdienst verrichtet. — Solche, die in der Mehr. Dienstmädch. sof. ges. Langg. 68. 9139 als auch in der häuslichen Arbeit sehr tüchtig,
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