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Beilage zu Nr. 254 des Hanauer Anzeiger.

f In Sachen der Getreidezölle liegt eine neue lehrreiche Thatsache vor. Während bei uns über die Rathsamkeit eines Zollschutzes der einheimischen landwirthschaftlichen Produktion noch gestritten und das Stroh fortschrittlicher Warnungen vorVertheuerung der unentbehrlichsten Lebensmittel" unermüdlich weiter gedroschen wird, sind unsere westlichen Nachbarn bereits drauf und dran, sich die Gefahr eines Ruins ihrer Bauern zu Gunsten der Amerikaner vom Leibe zu halten. Bei Gelegenheit einer im Uebrigen von der Mehrheit abgewiesenen Interpellation hat der französische Ministerpräsi­dent Ferry am 18. d. M vor der Deputirtenkammer die Erklärung abgegeben, daß seine Regierung mit der Einführung mäßi­ger landwirthschaftlicher Zölle einverstanden sei.

Diese Erklärung ist aus doppelten Gründen von Interesse. Sie beweist ein Mal, daß man höchstliberal" undvorgeschritten" und dennoch von der Nothwendigkeit durchdrungen sein kann, die Haut der eigenen Produktion, bez. der nationalen Landwirthschaft zu wahren. Zum Andern aber erscheint höchst beachtenswerth, daß gerade in Frank­reich Getreidezölle eingeführt werden sollen. Seit nächstens 100 Jahren ist Frankreich das Land der kleinern Grundbesitzer wie kein anderes: nirgends ist die Zersplitterung des Grund und Bodens so weit gediehen, wie in diesem Lande, das mehr als 11 Millionen, sage elf Millionen Grundeigenthümer zählt, und in welchem Großgrundbesitzer nur noch als Ausnahmen vorkommen. Nach fortschrittlicher Theorie müßte die große Mehrheit französischer Landleute mithin der Einführung der Ge­treidezölle durchaus abgeneigt und an der Erhaltung der freien Korn­einfuhr aufs Höchste interessirt sein. Thatsächlich aber ist das Gegentheil der Fall. Die französischen Bauern bestehen so einstimmig und so ge­bieterisch auf den Schutz ihrer Korn-, Fleisch- und Weinproduktion gegen die Konkurrenz des Auslandes, daß ihnen nachgegeben werden muß, und daß die politischen Parteien des Landes einander an Eifer für die Auf­richtung landwirthschaftlicher Schutzzölle förmlich überbieten. Bereits vor einiger Zeit wurde berichtet, daß die Republikaner im Begriffe seien, auch aus diesem Gebiete vor den Conservativen und Monarchisten einen Vorsprung zu gewinnen.

Den richtigen deutschen Fortschrittsmann genirt das nicht, weil Thatsachen ihn überhaupt nicht geniren. In seinem politischen Kate­chismus steht geschrieben, der entschieden Liberale müsse alle Male zu­gleich entschiedener Freihändler sein und daran hält er sich, einerlei wie das Vaterland dabei sährt. In der gesammten Welt haben die Verhält­nisse sich unkenntlich verändert, allenthalben und namentlich in den Re­publiken Frankreich und Amerika die gemachten praktischen Erfahrungen die Geltung der alten Lehren von den Segnungen des unbeschränkten Freihandels und der unbeschränkten Concurrenz erschüttert oder über den Hausen geworfen. Der deutsche Fortschrittsphilister aber treibt es in der gewohnte« Weise und mit den gewohnten Redensarten weiter, weil er auf die Unerschöpslichkeit der Geduld seiner Wähler rechnen zu dürfen glaubt.

Hoffentlich werden die nächsten Wahlen beweisen, daß diese Rech­nung ohne den Wirth gemacht ist, und daß das deutsche Volk mehr ge- lernt hat, als seine angeblichen Freunde und Führer. Von dem reak- tionären Charakter der landwirthschaftlichen Zölle wird nicht mehr wohl die Rede sein können, seit das demokratischeste Land Europas sich zu denselben entschlossen und dadurch die Nothwendigkeit eines Schutzes gegen die amerikanische Ueberfluthung direkt anerkannt hat!

Aus Stadt, Provinz und Umgegend.

Frankfurt a. M., 28. Oktober. Dem Mundkoch des Fürsten von Jsenburg-Wächtersbach, Herrn Frank, und Herrn Otto aus Berlin, seither Dirigent einer der ersten Hotels in Berlin, wurde die Restauration im Palmengarten übertragen. Die Mitglieder des hie­sigen Metzgerhandwerks werden morgen zur Gründung einer freien In­nung zusammentreten. An derselben können auch die Handwerksgenossen theilnehmen, die der seitherigen Genossenschaft nicht angehören. Die Betonarbeiten am Hafenbau gehen rüstig vorwärts. Der Beton, auf welchen die Mauer zu ruhen kommt, ist 20 Fuß breit und 4 Fuß dick. Die Quaimauer wird von der Sohle aus bis zum Uferrand 4 Fuß hoch. Bis Jahresschluß muß die Hälfte der 800 Meter langen Quai­mauer, an deren Herstellung einige Hundert Personen beschäftigt sind, beendigt sein. (G.-A.)

Frankfurt a. M., 29. Oktober. Bei den gestrigen Reichs­tags Wahlen im Wahlbezirk Frankfurt a. M. wurden im Ganzen 22012 Stimmen abgegeben, das sind 4938 Stimmen mehr als bei den Reichs­tagswahlen vor 3 Jahren. Von den gestern abgegebenen Stimmen fielen 7967 auf Sabor, den Candidaten der Socialdemokraten, 7384 auf L. Sonnemann, 3601 auf den nationalliber«len Candidaten Hohenemser, 1614 auf Faßhauer, den Candidaten der Handwerkerpartei und Conser­vativen, und 1358 auf den Centrums-Candidaten Dr. Lieber. Ungiltig waren 49 und zersplittert 39 Stimmen. Ein Vergleich mit den Resul­taten der Wahlen vor 3 Jahren ergibt, daß die Zahl der Stimmen, welche sich aus den sozialdemokratischen Candidaten vereinigten, von 4704 auf 7967 gestiegen ist, dagegen ist die Stimmenzahl für L. Sonne­mann von 7812 auf 7384 zurückgegangen. Die Zahl der für den Candidaten der Nationalliberalen abgegebenen Stimmen betrug vor 3 Jahren 1448, jetzt 3601, die für den Candidaten der Conservativen und Handwerker vor 3 Jahren 1965, jetzt 1614, und die für den Candidaten des Centrums vor 3 Jahren 1067 und jetzt 1358. (Fr. N.)

Patent-Ertheilungen.

Rr. 29 751. Neuerung an der Karrenbewegung für Schnellpressen, Faber u. Schleicher in Offenbach a. M., vom 10. Mai 1884 ab. Kl. 15.

Nr. 29 650. RotirendeMaschine, E. Lieberknecht in Eschwege, vom 30. April 1884 ab. Kl. 59.

Rr. 29 654. Neuerung an Centrifugalpumpen und Ventilatoren; Zusatz zu P. R. 24421, C. Schiele in Frankfurt a. M., Sömme- ringstraße 4, vom 16. Mai 1884 ab. Kl. 59.

Nr. 29 717. Fleischwiegmaschine mit auf oscillirendem Schlitten rotirendem Klotze, Ph. Wachtel in Frankfurt a. M., vom 18. März 1884 ab. Kl. 66.

Nr. 29 637. Magazingewehr mit Cylinderverschluß, C. Neu« bronner in Wiesbaden, Walramstr. 19, vom 22. Januar 1884 ab. Kl. 72.

Auszüge aus dem Amtsblatt Königlicher Regierung zu Kassel.

Ulmbach. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die im Grundbuche von Ulmbach auf den Namen des Moses Ochs (Abrahams Sohn) von Ulmbach eingetragenen, in der Gemarkung von Ulmbach belegenen Grundstücke am 16. Dezember 1884, Vormittags 9 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgericht zu Salmünster versteigert werden.

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