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Nr. 35.
Montag den 11. Februar
1884.
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Tagesschau.
— Berlin, 9. Februar. Se. Majestät der Kaiser und König hatte heute Vormittag eine längere Conferenz mit dem Staatssekretär, Grafen Hatzfeldt.
P. (Aus dem Abg eordnete nh ause.) Berlin, 8. Febr. Bei der heute fortgesetzten Berathung des Kultusetsts stand zunächst daS Kapitel, welches „Kunst und Wissenschaft" betrifft, zur Debatte. Hierbei erhob Abg. Dr. Lieber den Vorwurf gegen den Herrn Minister, daß er die Pflege der Wiffenschaft zu Gunsten der Künste zurückfchiebe und speziell bezüglich der königlichen Bibliothek weder für geeignete Räume, noch für auskömmliche Mittel für das Personal Sorge trage. Der Herr Minister wies diesen Vorwurs mit dem Hinweise daraus zurück, daß viele Ausgaben, die für Kunstsammlungen rc. gemacht, wesentlich zugleich der Wissenschaft zu Gute kommen. Auch betonte er, daß durch den vorgenommenen Anbau allein die Unterbringung von 153 000 Bänden der königlichen Bibliothek ermöglicht und zweckmäßige Leseräume rc. geschaffen seien. Sobald das Schicksal des Akademiegebäudes sestgestellt sei, werde auch der Plan zu einem definitiven Neubau sür die Bibliothek vorgelegt werden können. Im Nebligen treten in seinem Ressort zahlreiche, wohlbegründete Anforderungen hervor; aber in Rücksicht auf die Finanzen des Staates und auf die gleichmäßig begründeten Ansprüche anderer Ressorts müsse er sich bescheiden, wenn er zur Zeit immer nur mit einzelnen Anforderungen durchdringe. — Ein im Verlauf der wei. leren Debatte geäußerter Wunsch nach Errichtung von pädagogischen Seminaren für die Kandidaten des höheren SchulamtS auch in den West- lieben Provinzen fand seitens der Regierung eine wohlwollende Aufnahme. — Anläßlich verschiedener zum Ausdruck gebrachter Wünsche auf Konservirung von Alterthümern in den einzelnen Provinzen, stellte der Herr Minister die demnächftige Einbringung eines diesbezüglichen Ge- sitzcs in Aussicht. — Bei Gelegenheit der Position, welche die Akademie der Künste betrifft, wurde die Frage der Verlegung der Akademie nach Charlottenburg berührt und seitens des Vertreters der Regierung die Erklärung abgegeben, daß man einen Theil der Baumschule in Char. lottenburg als Bauplatz ins Auge gefaßt habe, daß aber ein vom Senat der Akademie geforderter Bericht über diesen Gegenstand noch nicht an die Regierung gelangt sei. — Einigen beim Etat der technischen Unterrichtsanstalten geäußerten Wünschen gegenüber, welche dahin gingen, den Unterricht in der Nahrungsmittelchemie sowie nationalökonomische Vorlesungen in den Rahmen der an den technischen Hochschulen gelehrten Gegenstände ausnehmen zu wollen, wurde seitens der Regierung nur bezüglich des zweiten Berücksichtigung in Aussicht gestellt. — Betreffs eines Wunsches, den katholischen Stadtmissisnaren Entschädigungen auS dem Fonds für Geistliche aller Bekenntnisse gewähren zu wollen, mußte der Vertreter der Regierung erklären, daß dieser Fonds seiner Bestimmung nach nur fest angestellten Geistlichen zu Gute komme. — Morgen um 10 Uhr werden die Berathungen des Kultusetats fortgesetzt bezw. beendigt werden.
— Berlin, 9. Februar. In seiner heutigen (45.) Sitzung verhandelte bei Fortsetzung der Berathung des Cultus - Etats das Abgeordnetenhaus zunächst den Antrag deS Abg. Dr. Bitter, wonach die Ersparnisse aus dem Stolgebührenentschädigungsfonds auch an solche Geistlichen, Kirchenbeamten und jüdischen Religion-diener, bezw. Kirchengemeinden als Beihülfe gegeben werden sollen, denen ein Ersatz für den AuSfall an Stolgebühren nicht zustehe. Nach längerer Diskussion wird dieser Antrag der Gemeindekommission zur Vorberathung überwiesen. r Im folgenden Kapitel „Medizinalwesen" wurde ohne erhebliche DiSkus- f sion das Ordinarium des Etats, ebenso auch die ersten 35 Titel deS ExtraordinariumS genehmigt.
— Berlin, 9. Febr. DaS Armee-VerordnungSblatt »eröffent. licht eine Cabinetsordre über die diesjährigen größeren Truppen-Uebun- gen. Danach findet bei dem 7. «nd 8. Armercorps Parade, großes Corpsmanöver gegen einen markirten Feind und dreitägige Feldmanöver gegeneinander vor dem Kaiser statt.
— B-erlin, 9. Febr. Der Reichsanzeiger meldet: Die Regierung bot der Berlin-Hamburger Eisenbahn-Gesellschaft nunmehr definitiv eine Rente von 16*72 Procent nebst baarer Zuzahlung von 60 Mark pro Actie an, gegen Uebernahme des Unternehmens ab 1. Januar 1884. Für die Annahme des Anerbietens ist bis zum 1. April Frist gesetzt Der Vertragsentwurf ist mit den bisherigen Verstaatlichungsverträgen wesentlich übereinstimmend.
— Der Reichsanzeiger Nr. 35 publicirt das Regulativ zum Gesetz über die Befähigung für den höheren Verwaltungsdienst
— Münch en, 9. Februar. (Landtag.) Beim Postulat „Reuer- richtung eines Gymnasiums in Würzburg" empfiehlt Rittler die Annahme unter Hinweis auf die Zusicherung des Cultusministers, nur ka« tholische Professoren anzustellen. Herz bedauert diesen Vorbehalt; angesichts des unabweisbaren Bedürfnisses werde aber die Linke zustimmen- Das Postulat wird einstimmig genehmigt.
— Wien, 10. Febr. Der Presse zufolge sind die Verhandlungen wegen Verlängerung des Handelsvertrags zwischen Frankreich und Oesterreich noch nicht abgeschlossen. Die gegenwärtig noch bestehende Differenz betrifft die Forderung der österreichischen Regierung, den Artikel „Zucker", welcher bisher von der Meistbegünstigung ausg' schloffen war, in dieselbe mit einzubeziehen. Der Abschluß des prov - sorischen Vertrages auf die Dauer eines Jahres dürfte zweifellos in de.: nächsten Tagen erfolgen.
— Astrachan, 10. Febr. Die Zahl der am 4. d. M. auf einer Eisscholle ins Caspische Meer hinausgetriebenen Fischer beträgt 150. Irgend welche Nachrichten über das Schicksal derselben sind bis jetzt nicht eingetroffen.
— Kairo, 10. Febr. Einer Meldung des Reuterschen Bureaus zufolge ist General Gordon gestern Abend wohlbehalten in Berber angekommen. Wie verlautet, soll die von englischen Officieren befehligte erste Brigade der egyptischen Armee nach dem ersten Nilkatarakt gesendet werden, sobald daselbst die zu deren Unterbringung erforderlichen Vorbereitungen getroffen sind.
— Rewyork, 9. Febr. Der Ohiofluß steigt in Cincinnati noch langsam und dürste feinen Höhepunkt am Sonntag Morgen erreichen. In mehreren Orten am Ohivflusse ist Lebensmittelmangel eingetreten; die Unterstützungs-Comites vertheilen Eßwaaren. In Tennesfee und Cumberland und Arkansas steigen die Flüsfe noch; viele Bewohner der Uferorte müssen ihre Häuser verlassen.
— New-Mork, 7. Februar. Der Postdampfer „Waesland", Kapt. Rändle, ist von Antwerpen angekommen.
— Rew-Aork, 8. Februar. Der Dampfer „England" von der National -Dampfschiffs- Compagnie (C. Messingscke Linie) ist hier eingetroffen.
— Philadelphia, 6. Februar Der Postdampfer „Zeeland" Kapt. Griffin, ist von Antwerpen angekommen.
Reichsgerichts-Entfcheiduuge».
— Die Kosten der durch einen vom Angeklagten gewählten Vertheidiger geführten Vertheidigung sind, nach einem Urtheil deS Reichsgerichts, III. Strafsenats, vom 29. November v. I., im Falle der Freisprechung des Ang klagten, selbst wenn Die Vertheidigung eine nothwendige war, nicht ohne Witeres der Staatskasse aufzubürden, vielmehr hängt dies in jedem Falle von dem Ermessen des Gerichts ab.
Lokales, Provinzielles nnd Umgegend.
Hanau, den 11. Februar 1884.
— (Landrath) Die zuerst vom „Hersf. Jnt.Bl." gebrachte Nachricht, wonach dem Herrn Landrathe des Kreises Hersfeld Freiherr» v Broich die vakante Stelle eines Landraths für den Kreis Hanau übertragen worden sei, hat sich bestätigt Derselbe wird am 1. März d. I. seinen neuen Wirkungskreis definitiv antreten.
— (Hanauer Beamtenverein.) Die am 9. abgehaltene gesellige Abenduntelhaltung hat bestem Vernehmen nach allgemeinen Beifill gefunden. Die beiden aufgeführten Theaterstücke: „Dir wie mir!" oder: „Diesem Herrn ein Glas Wasser!" und „Mondsüchtig" haben uns gezeigt, daß unsere Damen und Herren auch auf diesem ihnen noch neuen Felde Vorzügliches zu leisten vermögen und daß überall eine geschickte Verwendung stattgefunden hatte In dem Stücke „Mondsüchtig" erregte schon das Erscheinen von „Hugo Rollmops, Rentier, allgemeine Freude, die durch sehr gute Darstellung dieser Rolle noch erhöht wurde. Wir wollen weiter der Einzelnen hier nicht gedenken, glauben aber im Sinne aller Betheiligten zu prechen, wenn mir den verehrten Damen und Herren für die uns verschafften heiteren Stunden besten Dank sagen. Auch danken wir den Domen und Herren, welche durch Gesangs- und Musikoorträge zur Verschönerung des Festes beigetragen haben. Gegen 12 Uhr begann der Tanz, welcher erst Morgens