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ganze Gesetz mit 151 gegen die Stimmen v. Stauffenberg's und v. Hörmanu's an.

Wien, 10. Jan. Heute Nachmittag 5l/i Uhr drangen zwei Männer in die Wechselstube von Eifert, in belebtester Gegend der Ma- riahilferstraße, ein, streuten demselben Sand in die Augen, verletzten ihn lebensgefährlich und raubten das Portefeuille aus. Von den auf die Hilferufe Eifert's aus einem rückwärtigen Zimmer herbeigeeilten Gou­vernante und zwei jüngeren Kindern wurde Erstere und ein Kind schwer verletzt, das zweite Kind mit einer Hacke erschlagen. Nach Eifert's An­gabe soll noch eine dritte Person an dem Attentate betheiligt gewesen sein. Den Thätern ist es gelungen, zu entfliehen.

Rom, 10. Jan. Der König empfing heute in feierlicher Audienz Mukthar Pascha und Kiamil Bey, welche den Nischanimtiaz- Orden nebst einem eigenhändigen Schreiben des Sultans überreichten. Beide Herren wurden sodann auch von der Königin empfangen.

Madrid, 10. Jan. In der Kammer erklärte auf eine An- frage des Republikaners Jerrano, welcher die auswärtige Politik des vorigen Cabinets tadelte, der Minister des Innern, das gegenwärtige Cabinet sei solidarisch betreffs der auswärtigen Politik des vorigen Ca­binets. Der Minister erklärte formell, es sei kein Vertrag oder Bünd- niß mit Deutschland oder einer anderen Macht geschlossen worden.

Paris, 10. Jan. Der Graf von Paris ist heute Morgen nach Spanien abgereist.

Paris, 10. Jan. Der Senat wählte mit 135 von 153 abgegebenen Stimmen Leroyer zum Präsidenten. Die vorgenommene Wahl des Viceprästdenten wurde wieder annulirt, weil die erforderliche Stimme-zahl fehlte.

Paris, 10. Jan. Die Kammer wählte Sadicarnot, Spaller, Philippotaux und Hoquet zu Vicepräsidenten. Eine große Anzahl De- putirter enthielt sich der Theilnahme an der Wahl. Eine Verstän­digung mit der äußersten Linken über die Wahl ist nicht zu erreichen gewesen.

Toulon, 10. Jan. Die TransportschiffeAnuamite", Poitou" undSaint Germain" gingen heute mit für die Verstär­kungstruppen in Tongking bestimmten Ergänzungen ab.

London, 10. Jan. DerStandard" meldet aus Tamatave 26. Dezember: Die Friedensunterhandlungen zwischen den Franzosen und Hovas sind gescheitert. Die letzteren refusirten das Protektorat der Franzosen und halten ihr Ultimatum aufrecht.

Petersburg, 10. Jan. Das Journal de St. Petersbourg meldet, Giers werde infolge einer durch Lobanoff nach Montreux über- brachten Einladung des Kaisers von Oesterreich nach Wien reisen. Das Datum der Ankunft ist Familienverhältnissen wegen jedoch noch unbe- stimmt. Bezüglich der Handschreiben des deutschen Kaisers an die Berliner Stadtbehörden sagt dasselbe Blatt: Beide Schreiben bezeugen den Willen des Kaisers, das Vertrauen in die Erhaltung des Friedens und zu den herzlichen Beziehungen der Mächte allenthalben zu ver­breiten.

Washington, 9. Jan. Die Repräsentantenkammer nahm eine Resolution an, welche die Commission für Handelssachen anweist, die Motive für das Einfuhrverbot von amerikanischem Schweinefleisch nach Deutschland und Frankreich zu prüfen und etwa nothwendig wer- dende Gesetzentwürfe vorzuschlagen; ferner wurde eine Resolution geneh­migt, dahingehend, der Commission für auswärtige Angelegenheiten auf- zutragen, darüber zu berichten, welche Maßregeln der Congreß zum Schutz der amerikanischen Interessen zu ergreifen habe gegenüber Regie­rungen, welche den Import von amerikanischen Lebensmitteln verboten haben, sei es durch Retorsions-Maßregeln oder auf andere Weise.

Newyork, 10. Jan. Dem Newyork Herold wird aus Hongkong vom heutigen Tage gemeldet: Der Vicekönig von Canton notificirte den Consuln die Absicht, die Nordeinfahrt zur Stadt zu sperren und Torpedos zu legen. Die andere, unter dem Namen Macao- passage bekannte Einfahrt wird durch die Anlage einer Brücke nach dem Südende der Dameinsel versperrt. Die Dampfercapitäne sind von den Schiffseigenthümern angewiesen, die Nordeinfahrt zu vermeiden.

Lokales, Provinzielles und Umgegend.

Hanau, den 11. Januar 1884.

(Grimm-Denkmal) Bezüglich der Errichtung eines Denk­mals für unsere berühmten Landsleute, die Gebrüder Grimm, wird in nächster Zeit tüchtig agitirt werden. Bereits haben unsere beiden wissen- schaftlichen Vereine dieWetterauische Gesellschaft" und derGeschichts- verein" eine darauf bezügliche gemeinschaftliche Besprechung gehalten und für nächsten Montag Abend sind eine größere Zahl hiesiger Einwohner zu einer weiteren Vorberathung in den Hörsaal der Wetterauischen Ge­sellschaft eingeladen. Hoffentlich wird der Erfolg dieser Kundgebungen ein unserer Stadt Hanau würdiger sein.

(Numism atis ch es.) Gestern wurde uns eine silberne Denk­münze überbracht, welche ihrer Seltenheit wegen in mancher ansehnlichen Münzsammlung fehlen dürste. Die Vorderseite derselben zeigt ein Schlacht- feld, unter welchem zu lesen:Hanau d. 30. Oct. 1813 und trägt die Umschrift:Deutschland durch Muth u. Ein. befreit". Auf der Rück­seite sind die sich die Hände reichenden drei Herrscher: die Kaiser von

Rußland und Oesterreich, sowie der König von Preußen abgebildet, die Umschrift lautet:Bündniß der drei aliirten Monarchen." Wir ha­ben uns die Münze auf einige Tage leihweise erbeten und können In­teressenten sie im RedaktionLzimmer desHanauer Anzeiger" in Augen­schein nehmen.

(Fräulein Grigolatis.) Ueber die heute in unserem Stadttheater auftretende pardon auffliegende Dame lesen to'r weiter in der Württembergischen Landeszeitung: Donnerstag, 16. Aug. 1883. Viktorialheater in Cannstatt. Gestern trat zum ersten Male im Cannstätter Sommertheater Fräul. Grigolatis, dieMouche dor, auf. Die Künstlerin ist eine reizende Erscheinung: ein allerliebster Kopf auf einem tadellos gebauten Körper, jede Bewegung dezent und graziös! Die Grazie der Bewegungen ist es auch, welche entzückt und hinreißt. Der AusbruckFlugproduktion",Flugevolution" könnte zu dem Gedanken verleiten, die Leistungen der Mlle. Grigolatis fielen in die Kategorie solcher, wie man sie bei Miß Katerinodar und Miß Wanda gesehen; dies ist jedoch nicht der Fall. Die Mouche dor hebt sich und senkt sich sie schwebt in der Luft, gehalten von einem un­sichtbaren Mechanismus und berührt sie den Boden, so versteht sie auf demselben einen pas seul zu tanzen, welchen sich manche Ballerina zum Muster nehmen kann. Fräule'n Grigolatis erntete stürmischen Beifall.

(Stadtth eater.) Wir unterlassen nicht darauf aufmerksam zu machen, daß morgen, Samstag, ausnahmsweise eine Vorstellung (außer Abonnement) stattfindet. Zur Aufführung gelangtDeborah" und wird sich nach Schluß des StückesDie Goldfliege" nochmals produciren.

(Concert.) Die beiden Geschwister Fräul. Israeli, Pia- nistinnen aus Kopenhagen, beabsichtigen in den nächsten Tagen dahier ein Klavierconcert (Solo und vierhändig) zu veranstalten. Die Leistun­gen beider Damen sind nach den Besprechungen verschiedener bedeutender Blätter so künstlerisch vollendete, daß Musikfreunden der Besuch dieses Concertes empfohlen werden kann.

(Diebstähle.) Aus einem Hause der Frankfurter Straße wurde eine silberne Cylinderuhr entwendet und in einem Bleichgarten Abends Wäsche von Solchen abgehängt, die hierzu nicht im Entfern­testen berechtigt waren.

(Gemüse marder.) Es fiel das Gebühren eines Mannes auf, der verschiedene Male hohe Mahnen prachtvoller Gemüse aus dem Kinzigdorf heimschleppte. Man wußte wohl, daß der Mann auch ein Aeckerchen in genannter Gemarkung in Pacht habe, das aber so viel nicht hervorbringen konnte, und Paßte deshalb auf. Was geschah? Der Mann spielte den Marder aus einem anderen Gemüseacker, da der sei- nige bereits abgeerndet war. Polizeiliche Anzeige ist erfolgt.

(Straßenraub.) Eine Frau von Kili anstädten soll heute Morgen zwischen 6 und 7 Uhr auf dem Wege nach hier von ei- * nem Strolche angepackt und ihr das Portemonnaie mit Mk. 6 Inhalt abgenommen worden sein. An den beiden Gänsen, welche die Frau in: einer Mahne bei sich führte, hat sich der Straßenräuber nicht vergriffen; hoffentlich wird, falls sich die Sache bestätigen sollte, der Wegelagerer dingfest gemacht.

(Fül lstr i ch.) Für mehrere hiesige Wirthe wurde die neue Aich-Verordnung schon zum Verhängniß, d. h. man nahm ihnen Polizei- licherseits verschiedene Gläser weg, bei denen der Füllstrich nicht gesetz­lich angebracht war.

(Lotterie.) Die Ziehung der 4. Klasse 169. Königlich preußi­scher Klassen-Lotterie wird am 18. Januar d. I., Morgens 8 Uhr, im Ziehungssaale deS Lotteriegebäudes ihren Anfang nehmen.

(Petitionen.) Ein Correspondent derHess. Morgenztg." schreibt genanntem Blatt unterm 9. d. M. aus Berlin folgendes: Unter den während der Weihnachtspause im Abgeordnetenhause einge­troffenen Petitionen befindet sich eine ganze Reihe solcher, welche aus Hessen herühren. In erster Linie nennen wir die von den Herren Dr. Oetker, Nickel, Dr. Enneccerus, Rübsam, Gößmann und Pfannstiel überreichte Petition des Fürsten Friedrich Wilhelm von Hanau und Gen., Allodialerben des Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. von Hessen, welche die Verwendung des Hauses in Anspruch nehmen, dafür, daß den Privaterben des Kurfürsten von Hessen der nicht nach Maßgabe des Beschlagnahmegesetzes verausgabte Theil der in der Sequestration vereinnahmten Revenuen ausgehändigt werde. Ferner beantragen Parther und Gen., vereidete Protokollführer im Ressort der General- commission zu Kassel, die Anstellung von Protokollführern bei den Specialcommiffarien als unmittelbare Staatsbeamte. Der Vorsitzende des Kasseler Hausbesitzervereins, Herr Hochapfel, beantragt die Er­hebung von Zuschlägen zu der Gebäudesteuer behufs Aufbringung der dortigen Communalsteuern nicht weiter zuzulassen. Die Herren Dr. Wittich und Gen., Lehrer der höheren Unterrichtsanstalten in Kassel, beantragen die Ausdehnung des Relictengesetzes vom 20. Mai 1882 auf die Lehrer städtischer Anstalten und ferner die Gleichstellung der Lehrer an höheren Schulen mit den richterlichen Beamten in Bezug auf Rang und Besoldung. Endlich beantragt die Vertretung der Stadt Fulda den Bau einer Eisenbahn von Fulda nach Hersfeld. Letztere Petition ist an die Eisenbahncommission gegangen, die vorerwähnten an die Unterrichts-, die Gemeinde» und die Agrarcommission. Der Peti«