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Beilage zu Nr. 207 des Hanauer Anzeiger.

t Zölle und Lebensmittel-Preise.

Eine berühmte wissenschaftliche Anstalt so wird erzählt setzte einmal einen Preis auf die gründlichste Beantwortung der Frage, warum todte Fische schwerer seien als lebendige. Zwanzig außerodentlich gelehrte Arbeiten über bieten Gegenstand wurden den Preisrichtern ein­gesendet, keiner der Herren Verfasser aber hatte eine Untersuchung darüber für nothwendig gehalten, ob es überhaupt wahr ist, daß das Gewicht todter Fische dasjenige der lebendigen übertrifft.

An diese alte Anekdote wird man erinnert, wenn man gewisse Volksredner und Zeitungsschreiber unaufhörlich davon raisonniren hört, daß und warum dieunentbehrlichen Lebensmittel" durch die Zölle ver- theuert würden. Der Auseinandersetzungen darüber ist kein Ende: der Hauptpunkt, die Frage nämlich, ob seit Einführung der Zölle auf Getreide und Vieh wirklich eine Vertheuerung der Lebensmittel Platz gegriffen hat, wird dagegen regelmäßig mit Stillschweigen Übergängen. Ganze Bibliotheken sind darüber zusammen geschrieben worden, daß der Zoll nicht vom Auslande, sondern vom Jnlande getragen werde und daß dieses letztere den Schaden zu tragen habe. Daß ein solcher Schaden d. h. eine Vertheuerung von Brod und Fleisch vorliegt, hat aber noch Niemand nachzuweisen vermocht. Im Gegentheil steht fest, daß die Preise für die Lebensmittel trotz der Erschwerung der Einfuhr aus dem Auslande nicht gestiegen, sondern gesunken sind. Welcher Lärm wurde nicht s. Z. wegen des Verbotes der Einfuhr von amerikanischem Schweine­fleisch erhoben. Heute weiß jeder Geschäftsmann, daß der Preis für Schweine seitdem um 20 und 25 pCt. zurückgegangen ist und daß die vor Erlaß des Verbots eingeführten amerikanischen Vorräthe großen Theils unverkauft und unverkäuflich auf Lager blieben. Aehnlich wie mit dem Fleisch ist es mit dem Getreide zugegangen, dessen Preise wesent­lich die früheren gewesen sind.

Einer Erklärung dafür wird es für praktische Leute kaum bedürfen. Jede Erschwerung der Einfuhr ermuthigt die einheimische Production, weil diese erhöhte Aussicht darauf gewinnt, überhaupt wieder verkaufen zu können. Die Klagen über schlechte Preise dauern fort, der Absatz aber ist nichts desto weniger erleichtert worden, weil die bloße Thatsache, daß auf die bezeichneten Gegenstände ein Zoll gelegt worden, der Ueber- fluthung aus dem Auslande einen gewissen Riegel vorgeschoben hat. Der Importeur hat mit der Gefahr zu rechnen, daß seine verzollte Waare unverkauft bleibt und daß ihm aus dem Versuch dieselbe speku- lationsweise auf den deutschen Markt zu werfen, directer Schaden erwächst. Die Folge davon ist, daß die Concurrenz sich innerhalb gewisser Schranken hält und daß der einheimische Producent einen erhöhten Anreiz zur Pro­duction empfindet.

Danach wird zu beurtheilen sein, was von den Klagen über Vertheuerung derunentbehrlichen Lebensmittel" zu halten ist und welchen Werth die Ausführungen der radicalen Freihändler über die Verderb- lichen Wirkungen der Zölle in Wirklichkeit haben: ungefähr denselben Werth, wie die gelehrten Abhandlungen darüber, daß todte Fische schwerer sind, als lebende.

Lokales, Provinzielles und Umgegend.

(Bezahlte Rückantwort.) Beim Empfange eines Tele­gramms mit bezahlter Antwort glaubt man meist, daß man diese Ant­wort nur an den Auftraggeber des ersten Telegramms richten dürfte, ja, Viele nehmen an, daß die Antwort, wenn der vorausbezahlte Betrag ausgenutzt werden sollte, sofort erfolgen müsse. Beides ist unrichtig. Das von der Ankunfts-Telegrophen- (oder Post-) Station dem Empfän­ger mit dem Telegramm zugestellte Antwort-Formular (von gelber Farbe, berechtigt diesen, in den Grenzen der vom Auftraggeber vorausbezahlten Gebühr ein Telegramm an eine beliebige Adresse innerhalb 6 Wochen aufzugeben. Will der Empfänger das Formular nicht benutzen, so kann er innerhalb 6 Wochen schriftlichen Antrag bei der Ausgabeanstalt auf Rückerstattung des vorausbezahlten Betrags stellen, die alsdann an den ursprünglichen Auftraggeber erfolgt. Uebersteigt die Antwort durch ihre Wortzahl den vorausbezahlten Betrag, so ist das Fehlende zuzuzahlen, eine Rückvergütung dagegen, wenn die Antwort jenen Betrag nicht er­reicht, findet nicht statt.

(Zur Richtigstellung.) In unserer letzten Samstagsnum­mer veröffentlichten wir eine derH. M." entnommene Notiz, wonach der Neustettiner Kriegerverein aus dem deutschen Kriegerbunde aus­geschlossen sei, weil er sich an den präsidirenden Vertreter des deutschen Kriegerbundes in Berlin mit der Bitte gewandt habe, den Juden das Recht zu verweigern, sich in den Kriegerbund aufnehmen zu lassen. Bezüglich dieser demBerl. Tgbl." entstammenden Nachricht lesen wir imD. Tgbl." folgendes:

Nach den von derNordd. Presse" direkt beim Vorstände des Neustettiner Kriegervereins eingezogenen Erkundigungen ist der obige Be­richt desBerl. Tgbl." vollständig erdichtet, und es sind bereits

die nöthigen Schritte seitens des Vereins eingeleitet, um denjenigen, der diesen Unfug angestiftet, zur Verantwortung ziehen zu können."

Frankfurt a. M., 3. September. Die diesjährige Herbst­messe läßt bis jetzt im großen Ganzen viel zu wünschen übrig. Fast bei sämmtlichen Artikeln wird über den langsamen Verkauf sehr geklagt. Indeß mögen die Meßfremden die Hoffnung nicht aufgeben, ihren Ersatz in der zweiten und der letzten, der Hauptwoche, zu finden. Im Ganzen ist die Messe von Verkäufern sehr gut besucht. Ja es konnte sogar der Nachfrage nach Plätzen nicht vollständig genügt werden, und mußten die Nachzügler, die z. B. von Kassel rc. in der zweiten Woche erst eintreffen, mit schlecht gelegenen Plätzen vorlieb nehmen. Die Judengasse ist trotz eindringlicher Mahnung von Seiten der Stadtkämmerei noch nicht von ihren Bewohnern und den Trödlern geräumt; 8 der letzteren und 12 Familien wohnen noch daselbst. Dieselben geben an, keine passenden Lokalitäten und Wohnungen finden zu können; sie erklären deshalb, es auf die Exmissionsklage der Stadt ankommen lassen zu wollen. (Fr. I.)

Der Fremdenverkehr in unserer Stadt erreichte im verflossenen Augustmonat eine außerordentliche Höhe und steht nur gegen die Fre­quenz während des Ausstellungsjahres (1881) zurück, übertrifft dagegen diejenige von 1880 (Turnfest). Es verkehrten in den hiesigen Hotels. 15 950 Fremde, 14 840 im August 1883, 14 550 in 1882, 17 370 in 1881, 14 520 in 1880). Vor 14 Tagen brannte auf der Braun­schweiger Messe eine Weißwaaren-Bude total nieder und hätte noch ein größeres Unglück entstehen können, wenn nicht sofort energische Hilfe dagewesen wäre. Hier in Frankfurt kann es leicht ebenfalls dazu kom­men, da sich die Unsitte unter einem Theil der Meßfremden eingebürgert hat, mit Spiritus- und Petroleum. Kochapparaten in den Buden zu kochen. Bei diesen alten, aneinanderhängenden Bretterbuden kann da­durch leicht großes Unglück verursacht werden. Im Interesse der allge­meinen Sicherheit dürste derartiges Kochen nicht mehr gestattet werden.

(G.-A.)

Frankfurt a. M., 4. September. Der Berger Markt war am Dienstag von hier und aus der Umgegend außerordentlich stark besucht. Man schätzt die anwesend gewesenen Fremden auf ca. 8000. Als der Gewitterregen eintrat, flüchteten sich die Gäste in die Häuser, Stallungen und Scheunen der Hauptstraßen, deren Räume kaum genüg­ten, um alle Schutz Suchenden aufzunehmen. In dem Straßengedränge kam dabei einem Viehhändler von Hofheim die Geldtasche mit Mark 600 Inhalt abhanden. Am Montag Mittag hielt ein Kartoffelbauer auf dem Baumweg vor einem Hause und als sich nach verschiedenmaligem Rufen Niemand am Fenster blicken ließ, trat er in das Haus ein und kam auch in den ersten Stock. Nachdem er wiederholt an die Vorplatz­thüre geklopft hatte, erschien endlich die Köchin; sie riß die Thüre auf, wies den Bauer kurz ab und schlug, als dieser etwas zudringlich wurde, die Thüre mit Gewalt zu. Dabei glitt sie von dem Rahmen der Thüre ab und fuhr mit dem Arm in die Scheibe, wodurch sie sich unterhalb des Ellenbogens nahezu den ganzen Arm herum aufschnitt; außerdem wurde beim Herausziehen des letzteren an dem einen Fingergelenke Haut und Fleisch bis auf den Knochen abgeschnitten. Der Schnitt am Arm ist mehr als 10 Zentimeter lang und 3 Zentimeter tief. Bei dem Congresse der deutschen Forstmänner sind solgende Exkursionen vorge­sehen: am 17. September in das Revier Unterwald, das meist mit Eichen bestanden ist, und am 19. September in den meist mit Buchen bestandenen Oberwald. (Fr. N.)

Offenbach, 4. Sept. Die Kanäle unserer Stadt werden zur Zeit einer Revision unterworfen, die bis jetzt stets das erfreuliche Re­sultat hatte, daß alle Kanäle in Ordnung befunden wurden. Uebrigens ist bei einer Anzahl derselben demnächst Tieferlegung in Aussicht ge­nommen. (O. M.-Z.)

Man schreibt uns aus E i s e n a ch: Der Monat September wird uns voraussichtlich vielen Besuch bringen. Während am 14. der deut­sche Aerzte-Tag, am 25. die Enthüllungsfeier des Bach^ Denkmals statt- finden wird, hat zum 21. September das Präsidium deS Deut­schen Kolonialvereins in Frankfurt a. M. eine außerordentliche Generalversammlung nach Eisenach einberufen. Dieselbe soll zur Be­sprechung der gegenwärtigen Lage der deutschen Kolonisationsbestrebun­gen wie der Stellung und Aufgaben des Vereins dienen, und haben hervorragende Redner aus dem Schoße des Kolonialvereins ihr Erschei- nen bereits zugesagt. Bei der centralen Lage unserer Stadt darf man wohl bei dem jetzt über 6000 Mitgliedern zählenden Verein auf eine sehr zahlreiche Versammlung rechnen, ^zumal außer ihnen alle Freunde der deutschen Kolonialpolitik zur Betheiligung eingeladen sind. Ja, vor­aussichtlich wird sich diese Versammlung zu einer allgemeinen bedeutungs­vollen Kundgebung der nationalen Zustimmung zum besonnenen wie energischen kolonialpolitischen Vorgehen unseres Reichskanzlers gestalten Die Verhandlungen werden im Saale der GesellschaftErholung", Vor.