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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

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Nr. 27.

Freitag den 1. Februar

1884.

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.

Entlaufen: Ein grau-brauner Pinscher mit gestutzten Ohren und Ruthe.

Gefunden: Ein ev. Gesangbuch. Ein Rechnenbuch. Ein Schild mit der AufschriftCigarren".

Hanau am 1. Februar 1884.

Aus Königl. Landrathsamt.

Politische Wochenschau. (Inland)

R. F. (Deutsches Reich.) Unser Kaiser ist von dem leichten Unwohlsein, welches ihn jüngst infolge einer Erkältung befallen, nun- mehr wieder gänzlich hergestellt. Er wird darum auch auf dem nächsten großen Hofball im königlichen Schlosse erscheinen können, welcher jedoch vom 31. Januar auf den 4. Februar verschoben worden ist, da die Aerzte dem hohen Herrn noch einige Tage Schonung angerathen haben.

Das Abgeordnetenhaus hat in dieser Woche wieder einmal eine Culturkampfdebatte" zu verzeichnen, wie sie von der Berathung des Cultusetats fast unzertrennlich erscheint. Gelegentlich der am Dienstag begonnenen zweiten Berathung des Cultusetats konnte es sich Abg. Dr. Windthorst nicht versagen, das Culturkampfgebiet wieder zu berühren, indem er an den Minister v. Goßler die Frage richtete, ob -die Regie­rung eine organische Revision der Maigesetze beabsichtige oder doch in der jetzigen Session Specialgesetze zur Abhülse der vom Redner vorge- , brachten Beschwerdepunkte, die sich namentlich auf die Aufhebung der Priesterkonvikte bezogen, vorzulegen beabsichtige. Namens der Conser- vativen gab Abg. v. Hammerstein die Erklärung ab, daß seine Partei einer organischen Revision der Maigesetze nicht abgeneigt sei, doch müsse man vorher über die Absichten der nationalliberalen Partei unterrichtet fein, infolge dessen Abg. v. Eynern auf die von den Nationalliberalen am 17. April 1883 abgegebene Erklärung hinwies. Der Cultusminister erwiderte dem Abg. Windthorst, daß die Erklärungen, welche die Re­gierung bezüglich der Revision abgegeben habe, in aller Händen seien und von denen könne sie weder etwas hinzufügen noch etwas hinweg­nehmen. Die Frage der Revision der Maigesetze veranlaßte noch eine langwierige Debatte, an welcher sich besonders die Abgeordneten v. Schor- lemer Alst, v Hammerstein und von nationalliberaler Seite die Herren v. Eynern und Psaff betheiligten und welche schließlich auf die Frage nach der Stellung der Nationalliberalen imCulturkampf" hinauslief. Die recht unerquickliche Verhandlung endete damit, daß das erste Capitel des Cultusetats bewilligt wurde.

Der preußische Bolkswirthschaftsrath hat am Montag seine Session mit der fast einstimmig erfolgten Annahme derGrundzüge" des Unfall­versicherungsgesetzes geschlossen. Es ist dieses Resultat um so erfreu- licher, als sich sowohl in der Generaldiscussion Äs auch bei der Spe« zialberathung ein nicht unerheblicher Widerspruch aus der Mitte des Volkswirthschaftsrathes gegen verschiedene Bestimmungen des Entwurfes erhoben hatte. Der Vorsitzende, Staatsminister v. Bötticher, dankte der Versammlung in warmen Worten für ihren Pflichteifer und ihre Thä­tigkeit und sprach die Hoffnung aus, daß sich dieselbe immer mehr die allgemeine Anerkennung erringen werde.

In dem Befinden der so schwer erkrankten Prinzessin Georg von Sachsen ist leider noch keine Besserung eingetreten. Infolge der Er- , krankung der hohen Frau sind auch die für die nächsten Wochen in Aus- sicht genommenen größeren Festlichkeiten am Dresdener Hofe wieder abgesagt worden.

Auf dem Gebiete der hohen Politik ist seit acht Tagen wieder das Capitel von der mitteleuropäischen Tripelallianz an der Tagesordnung. In erster Linie wird hierbei das Verhältniß Italiens zu den beiden Kaisermächten erörtert und hieran so viel herumgedeutelt und gedüftelt, daß eigentlich kein Mensch aus der Sache klug werden kann. Die In­sinuation derKöln. Ztg ", Italien könne der deutsch österreichischen Allianz vielleicht nur deshalb beigetreten sein, um sich in einem event. Kriege gegen Frankreich Savoyen und Nizza wiederzuholen, wird von den italienischen Blättern mit Heller Entrüstung zurückgewiesen und leg­ten dieselben unisono plötzlich eine auffallende Hrneigung zu Frankreich an den Tag. Es ist indessen schwerlich anzunehmen, daß in der italie­nischen Politik nunmehr eine demonstrative Wendung nach der französi­schen Seite hin eintreten werde und im römischen Cabinet wird man nur

zu gut wissen, welch einen sicheren Rückhalt Italien in der Freundschaft zu Oesterreich und Deutschland hat.

Tagesschau.

Berlin, 31. Januar. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen heute um ll1/» Uhr militärische Meldungen und darauf die Vorträge des Kriegsminister und des Generallieutenants von Albedyll entgegen. Nach 2 Uhr unternahmen Se. Majestät eine Spazierfahrt.

Berlin, 31. Jan. Im kronprinzlichen Palais fand heute ein größeres Diner statt, woran der russische, der türkische, der franzö­sische Botschafter und dessen Gemahlin, Minister Graf Hatzfeld, General 1 v. Caprivi, Staatssekretär Dr. Stephan und andere Notabilitä en theil- nahmen. An das Diner schloß sich eine größere Son^e, welcher der Prinz und die Prinzessin Wilhelm, sowie die Meiningen'schen Herr­schaften beiwohnten.

Berlin, 31. Januar. Das Abgeordnetenhaus setzte in seiner heutigen (38.) Sitzung die Berathung des Cultusetats fort. Genehmigt wurde das KapitelBisthümer"; der von verschiedenen Abgeordneten beantragten Streichung des Gehaltes für den altkatholischen Bischof wurde nicht Folge gegeben und schließlich Kapitel 118 (Prüfungskom­missionen) bewilligt.

Berlin, 31. Januar. Nach Mittheilungen aus Amsterdam hat die Niederländische Bibelgenossenschaft für den 18. Februar d. I., bis Nachmittags 2\s Uhr, eine Submifsion auf das Einbinden von 5500 Lutherifchen Bibeln in royal 8° und von 66 000 Exemplaren des Neuen Testaments mit Psalmen in 32°, beide nach Modell, ausgeschrie­ben. Die näheren Bedingungen sind bei J. van Leeuwen, Amsterdam, Keizersgracht Nr. 547 zu erfahren, an welchen auch die Angebote ein« zusenden sind.

Dresden, 31. Jan. Bei der Prinzessin Georg hat sich ein Hautausschlag ausgebreitet; die Milz hat sich stark vergrößert; die De­lirien dauern fort. Die Bäder wirken sehr beruhigend.

München, 31. Jan. Bei fortgesetzter Specialdebatte über den Münchener Universitätsetat wird der Antrag Rittler angenommen, neben Ersatz des Geschichtsprofessors Giesebrecht weitere 5000 Mark für einen katholischen Geschichtsprofessor einzusetzen.

Wien, 31. Jan. Eine Zuschrift des Minister-Präsidenten im Unterhause motivirt die heutigen Auknahmeverfügungen durch die jüngst vorgekommenen verbrecherischen Vorfälle und die steigenden Gefahren, bezüglich des Umsturzes der staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung, wogegen gewöhnliche Mittel nicht mehr ausreichen. Die Regierung be­hält sich eine nähere Darlegung bei der reichsräthlichen Behandlung des Gegenstandes vor.

Rom, 31. Jan. Die Azencia Stefani meldet aus Kairo, daß es der gesammten katholischen Mission von Khartum infolge der von den diplomatischen Agenten Frankreichs, Oesterreich-Ungarns und Italiens getroffenen Maßregeln gelungen ist, sich nach Assuan zu retten, wo sie der apostolische Vikar Sogaro empfing.

Rom, 31. Jan. Cardinal Bilio ist gestorben.

Paris, 31. Jan. Der Staatsrath sprach sich gegen die pro- jektirte Ettheilung der Concession für die Gesammtheit der Pariser Ei­senbahnen aus, welche das hauptstädtische Eisenbahnnetz biloen. , Ein derartiges Unternehmen liege im allgemeinen Interesse und sei ungeeignet als Gegenstand einer Concession an die Stadtgemeinde.

Bremen, 30. Jan. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd General Werder" ist in New-Dork angekommen.

Lokales, Provinzielles und Umgegend.

Hanau, den 1. Februar 1884.

Oeffentliche Sitzung des Gemeinde-Ausschusses vom 31. Januar.

r. Anwesend die Herren: Weish aupt, Vorsteher; Bey er, Bier, Bode, Fried gS, Gerhardt, Gruber, Herold, Hossmann, Hopff, Jung, Koch, Körner, Sanitätsrath vr. Noll, Schäfer, Schleißner, Treusch, Una, Walther, Weber und Wirth.

Berathungsgegenstand: Wahl der Commissionen rc.

Es werden gewählt:

1) als I. Schriftführer Herr Herold, als Stellvertreter Herr Gerhardt;