Beilage zu Nr. 273 des Hanauer Anzeiger.
Die Zollreform.
Aus „Zwanzig Jahre 1862—1882". Von Ludwig Hahn.
Der Reformplan ves Kanzlers war, wie wir gesehen haben, zunächst auf eine entsprechende Aenderung der dem Auslande gegenüber zu erhebenden Zölle gerichtet. Den dringenden Anlaß zu dieser Vor- anstellung hatte einerseits die zunehmende Nöthlage der deutschen Ge- werbcthätigkeit, andererseits der Ablauf der Handelsverträge mit großen Nachbarstaaten gegeben; je mehr bei den Verhandlungen über die Erneuerung derselben sich das Bestreben der anderen Staaten geltend machte, zum Schutze ihrer Produktion die Zollschranke zu erhöhen, desto uner- läßlicher wurde die Pflicht der deutschen Zollpolitik, unserer heimischen Industrie gleichfalls eine wirksamere Fürsorge und Rücksichtnahme zuzu- wenden und das Augenmerk darauf zu richten, daß den „vaterländischen Erzeugnissen in erhöhtem Maße die Versorgung des deutschen Markies vorbehalten und dadurch die Vermehrung der inländischen Produktion gefördert werde."
Indem Fürst Bismarck sein Reformprogramm auf dieses Gebiet der deutschen Wirthschaftspolitik ausdehnte, konnte er nach gewichtigen Kundgebungen aus den Kreisen der Reichsvertretung heraus der Zustimmung eines bedeutenden Theils derselben von vornherein gewiß sein.
Auch den Kampf gegen einen großen Theil der Liberalen, der daraus hervorgehen follte, konnte man kaum vorhersehen; denn von dieser Seite erschollen damals von maßgebender Stelle u. A. folgende aufmunternden Worte:
„Versucht man, sich ein Bild von der Zukunft zu machen, und dabei das Sichere vorauszunehmen, so darf man mit großer Wahrscheinlichkeit als den Hauptniederschlag der jetzigen wirthschaftlichen Bewegung eine beträchtliche Erhöhung der indirekten Steuern in Rechnung setzen. Wir haben uns schon vorlängst in den geeigneten Grenzen mit einem solchen Verlauf einverstanden erklärt. Wir waren dabei der Ansicht gewesen, es handle sich um Maßregeln, deren Unpopularität nur durch die Einsicht in die Nothwendigkeit und Zweckmäßigkeit mühsam überwunden werden könnte. Heute hat es den Anschein, als wollte eine doppelte Hochfluth das schon so oft gestrandete Boot der indirekten Steuern mit Schnelligkeit und Eleganz über die Barre bringen. Das Stichwort „indirekte Steuern" ist ausgegeben und in zahlreichen Kreisen sieht man eS mit einem wahren Enthusiasmus ausgenommen.
Es wurde dem Kanzler zngestanden: er habe zu gestalten gewußt, was unklar in'den Köpfen von Millionen spukte, — dss gebe seinem Beginnen den Nachdruck."
In Bismarck's Sinne sollte die Reform zugleich einen neuen festen Kitt in die Fugen der deutschen Staatsgemeinschaft legen, er war seinerseits davon durchdrungen, daß das begonnene Werk „zum Heil, zum Glück und Gedeihen unseres Vaterlandes führen werde."
Die damals schon viel ausgesprochene und ausgebeutete Befürchtung, es könne durch die vorgeschlagenen Zollsätze eine Vertheuerung
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nothwendigster Lebensmittel eintreten, erklärte er von vornherein für vollständig grundlos. Aber selbst zugegeben, ein solcher Fall sei möglich, so würde sie sicherlich durch eine entsprechende Vermehrung der inländischen Produktion ausgewogen, und es würden die arbeitenden Klassen durch die Hebung der gesammten nationalen Erwerbsthätigkeit und durch die daraus resultirende Vermehrung der Nachfrage nach Arbeitskräften, sowie durch eine entsprechende Erhöhung der Löhne reichlich entschädigt werden.
Im Frühjahr 1879 fanden die Erörterungen des Reichstages über die Zollreform statt, und Fürst Bismarck hielt jene großen Reden, in welchen er die Grundsätze, die ihn leiteten, seitdem er auch in wirthschaftlichen Dingen „auf sich selbst gestellt war", und alle die reichen Erfahrungen, die er in seinem staatsmännischen Leben gemacht hatte, aussprach.
Wir lassen, dem Zwecke dieser Schrift gemäß, alle speziellen Fragen über direkte oder indirekte Steuern, über Landwirthschaft und Industrie, über Eisen- und Kornzölle rc. bei Seite, um nur die allgemeinsten Gesichtspunkte Bismarck's, zunächst bei der Zollreform, kurz anzudeuten. Als einen Hauptvorwurf, welcher der bisherigen Zollordnung zu machen sei, bezeichnete er es, daß der einheimischen, vaterländischen Arbeit und Produktion nicht das Maß von Schutz gewährt werde, das ihr gewährt werden könne, ohne die allgemeinen Interessen zu gefährden. Auf den Streit zwischen Schutzzoll und Freihandel solle man sich nicht einlassen, auch die neue Vorlage sei nur mäßig schutzzöllnerisch und erreiche nicht entfernt bu Prohibition, wie sie in anderen Ländern, mit denen wir zu thun haben, stattfinde.
„Die abstrakten Lchren der Wissenschaft", sagte er, „lassen mich in dieser Beziehung vollständig kalt, ich urtheile nach der Erfahrung, die wir erleben Ich sehe, daß die Länder, die sich schützen, prospe« riren, ich seh--, daß die Länder, die offen sind, zurückgehen, und das große mächtige England, der starke Kämpfer, der, nachdem er seine Muskeln gestärkt hatte, auf den Markt hinaustrat und sagte: wer will mit mir kämpfen? ich bin zu jedem bereit, — auch dieses geht zum Schutzzoll allmälig zurück und wird in wenigen Jahren bei ihm angekommen sein, um sich wenigstens den englischen Markt zu bewahren.
Nach meinem Gefühl sind wir, seitdem wir unsere Tarife zu tief heruntergesetzt haben, — in einem Verblutungsprozeß begriffen, der durch die verrufene Milliardenzshl um ein paar Jahre aufgehalten worden ist, der ohne diese Milliarden aber wahrscheinlich schon vor 5 Jahren soweit gekommen wäre wie heute. Die Frage, die vorliegt, ist keine politische, sondern eine rein wirthschaftliche Frage; wir wollen sehen, wie wir dem deutschen Körper wieder Blut, wie wir ihm die Kraft der regelmäßigen Cirkulation des Blutes wieder zuführen können, aber meine dringende Bitte geht dahin, alle Fragen der politischen Parteien, alle Fragen der Fraktionstaktik von dieser allgemeinen deutschen reinen Jateressenfrage fernzuhalten."
(Fortsetzung folgt.)
toin ÄWW MU Sonntag den 26. November 1882,
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