in Hanau. Das Haus der „Zuckerhut" genannt (letzt Herrn Serfenfabr. I Gioth gehörig. D. Red). Das Gebäude allein, ohne die Keller, ist iür 8100 fl. im 24 fleuss gerichtlich taxirt und in der Brandkasse asse- kurirt." Wer damals der glückliche Gewinner war, konnten wir nicht in Erfahrung bringen. Später wurden die Ziehungen der Lotterie, deren Ertrag sür die Armen verwendet wurde, in dem Finanzkammergebäude (jetzige Kaserne) abgehalten.
— Ueber die russische Hosschausprelenn Frau Barson-Hofmann, welche heute Abend als Marguerite Gauthier in „Die Cameliendame" hier auftritt, lesen wir in der „M. Z." folgendes:
„Das gestrige Auftreten der russischen Hosschausprelenn Frau Aug. Baison als „Cameliendame" war von glänzendem Erfolge begleitet. Bei offener Scene, nach jedem Aktschlusse wurde die Künstlerin gerufen und sie verdiente diese Auszeichnung durch ihr vortreffliches Spiel in vollem Maße. Mit Gewandtheit, inniger Gefühlswärme und reizender Natürlichkeit wußte sie ihre schwierige, an eine Darstellerin nicht geringe Ansorderungen stellende Rolle wiederzugeben und ihre Marguerite so vortrefflich zu verkörpern, daß eine nachhaltige Wirkung nicht fehlen konnte. Das Publikum war durch diese Kunstleistung im höchsten Grade besrie- digt. Auch die übrigen Darsteller waren bemüht, ihr bestes zu leisten und das gute Ensemble trug nicht wenig zur Verherrlichung des Abends bei. Frau Baison hat sich durch ihre beiden ersten Gastspiele die Gunst der Theaterfreunde in sehr hohem Grade erworben und es unterliegt daher wohl keinem Zweifel, daß auch ihre „Widerspenstige" heute Abend eine besondere Anziehungskraft auf das hiesige Publikum ausüben wird, was wir dem verehrten Gaste, sowie Herrn Direktor Faust von Herzen wünschen."
Da die geehrte Künstlerin ebenso wie ihr heute mitwirkender Gemahl hier im besten Andenken stehen, so dürfte auch deren heutiges Auf. treten einen sehr genußreichen Abmd versprechen.
— Vergangenen Samstag Abend wurden einem in der Schirnstraße wohnenden Geschäftsinhaber aus einem an den Laden grenzenden Gemache etwa 150 Mk entwendet. Die Polizeibehörde ermittelte die Diebe in zwei oft in dem Hause verkehrenden jungen Burschen, die sich für das Geld Kleider und Stiefel gekauft und den Rest versteckt hatten. Natürlicherweise wies man den Beiden im „Hotel Bangert" Quartier an.
E i n g e s a n d t.
D. (Vorträge.) Vielfachen Wünschen entsprechend, hat sich Herr Fr. Fischbach bereit erklärt seine kunstgewerblichen Vorträge, welche bekanntlich in vielen Städten und Vereinen mit großem Beifalle ausgenommen wurden, auch in Hanau zu halten. Der hiesige Knnstindustrie- Verein beruft principiell nur auswärtige Kräfte und somit werden diese Vorträge vom Verein zur Förderung des Hanauer Kunstgewerbes arran- girt. Herr Fischbach hat die ganze Einnahme (die Karten für zwei Vorträge kosten zusammen nur 2 Mk) zur Unterstützung unbemittelter Akademieschüler bestimmt und wird Ansang April oder im nächsten Winter, sobald nämlich 200 Karten gezeichnet sind, die Vorträge über folgende Themata halten:
1) Die Bedeutung und historische Entwickelung der Webe-Ornamentik ;
2) Die künstlerische Ausstattung der bürgerlichen Wohnung.
Sollte gegen Erwarten kein genügendes Interesse in unseren Kreisen für solche Themata vorhanden sein, so werden die gezeichneten Beträge später zurückbezahlt. In beiden Buchhandlungen sind Karten zu haben.
— Für heute. Hanauer Stadttheater: Zur Vorfeier des Allerhöchsten Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm I.: Prolog, gesprochen von Herrn Dir. Frey ; hierauf: Einmaliges Gastspiel der k. k. russischen Hofschauspielerin Frau Auguste Baison-Hsfmann und des Herrn Jean Hofmann vom Frankfurter Stadttheater: „Die Cameliendame", Pariser Sittenbild, in 5 Akten von A. Dumas fils; Ansang 7 Uhr.
— Der Termin sür den Beginn der Sommerfahrpläne, für den bisher der 15. Mai jedes Jahres seststand, wird in Zukunft und zwar bereits von diesem Jahre an, auf den 1. Juni verlegt werden.
— Der Thierarzt Hermann Schmitt zu Hersfeld ist zum Kreis- thierarzt des Kreises Hersfeld ernannt worden.
— B o cke n h e im, 20. März. Am vorigen Samstag fand unter Vorsitz des Herrn Provinzialschulrath Kretschel die Abiturientenprüfung an hiesiger Realschule statt. Wie uns aus zuverlässiger Quelle mitgetheilt wird, hat dieselbe einen sehr günstigen Verlauf genammen, und hat der Herr Regierungskommissarius sich höchst anerkennend über die dabei zu Tage tretenden Leistungen ausgesprochen. (B. A.)
— Kassel, 20. März. Die Ausstellung von Nadelarbeiten und Geweben früherer Jahrhunderte im Gewerbemuseum wurde in den ersten 8 Tagen nach ihrer Eröffnung von 1473 Personen besucht und erfreut sich einer fortdauernden Theilnahme und Anerkennung des Publikums. Gestern beehrten auch der Oberpräsident Graf zu Eulenburg und Gemahlin dieselbe mit ihrem Besuche. (H M.)
' — Kassel, 20. März. Das Abiturienten Examen auf dem Königlichen Gymnasium haben sämmtliche 18 Primaner glücklich bestanden.
— Fulda, 20. März. Die ersten Schnepfen in unserer Gegend wurden am 17. d. M. von Herrn Oberförster Graner zu Schloß Adolphseck geschossen.
Airs der
— Frankfurt a. M., 20. März. Für Lieferung von 180 gußeisernen Säulen für die Großviehställe des Biehbofes haben zahlreiche Firmen Offerten eingereicht. Die billigste Offerte machte die Sieg-Rheinische Gewerkschaft mit M. 6265.35, die höchste Vogel u. Co. in Leipzig mit M. 16 051.50. — Mit dem Abbruch des Hauptgebäudes der Patent- und Musterschutz-Ausstellung ist heute der Anfang gemacht worden. Was noch vom Inventar vorhanden war, wurde Ende voriger Woche versteigert und von denjenigen erstanden, welche die Hauptforderung an das Ausstellungs-Comitö hatten. Die erforderliche Summe, mit welcher man hoffte, den Gläubigern 75 pCt. geben zu können, ist bis jetzt noch nicht aufgebracht. — Ein männlicher Löwe ist von der Neuen Zoologischen Garten-Gesellschaft angekauft worden und gestern im Zoologischen Garten eingetroffen. Das Thier ist etwa dreijährig, von schönem, ebenmäßigem Bau und hat bereits eine stattliche Mähne. (Fr. I.)
— Es ist wohl bekannt, wie so sehr die Preise von Lebensmitteln, Wohnungen rc. rc. zwischen München und Frankfurt zu Ungunsten Frankfurts differiren. Es mag jedoch überraschen, daß z. B. der bekannte große Odeon-Saal in München sür die zweistündige Benutzung während eines Concerts ca. 120 M. kostete, während der hiesige Verein „Austria" für die gleiche Zeit für den Saalbau 513 M. zahlte. — Vor einigen Tagen besuchte ein Herr einen hiesigen fernen Ball. Im Lause des Abends übergab derselbe einer Dame seine Visitenkarte. Dieselbe trug neben dem Namen die sonderbare Bezeichnung „Philatelist". In der betreffenden Familie zerbrach man sich über dieses unbekannte Metier | den Kopf. Onkel, Tante, Basen und die ganze Freundschaft wurde in ! Bewegung gesetzt, den Beruf des freienden Herrn zu erforschen. Wir j wollen es der Kaffee-Gesellschaft verrathen: der noble Herr ist „Briefmarkensammler". (G.-A.)
— Wie das „Jnt.-Bl." vernimmt, soll nach dem 22. März von hier ab ein mit elektrischer Beleuchtung versehener Esienbahnzug nach Berlin abgelassen werden. Auf halbem Wege wird ihm ein anderer, mit Gas beleuchteter Zug, in dem sich Mitglieder des Ministeriums sür öffentliche Arbeiten befinden werden, entgegen kommen, um den Werth der neuen Einrichtung zu prüfen. (Fr. Ztg.)
Schiffsnachrichten.
(Mitgetheilt durch Agenr A. Treusch in Hanau.)
Dampfer „Rhynland", am 4. März von Antwerpen abgegangen, kam am 19. März in New-Jork an.
Thermometer st and.
20. März. Höchster Stand + 13°, Abends 7 Uhr + IO1/»0. 21. März Morgens 7 Uhr + 71/2°, Vormittags 10 Uhr + lO’A0’
Oeffentliche Auffordcrullg.
Hanau. Schneider Johann Wilhelm Fischer, geboren am 19. August 1809 zu Offenbach am Main, als Sohn der Eheleute Buchbinder Johannes Fischer und Maria Sybille, geb. Schulz, bescheinigiermaßen seit mehr als 40 Jahren verschollen, oder seine etwaigen Leibeserben werden, da Kaufmann August Albert zu Hanau als Vormund des Johann Wilhelm Fischer das Auf- geboisverfahren beantragt hat, aufgefordert, sich spätestens in dem Termin am 22. Mai 1882, 11 Uhr Vormittags, bei unterzeichnetem Gerichte zu melden, widrigenfalls Johann Wilhelm Fischer für todt erklärt und wegen Verabfolgung seines Vermögens an seine präsumtiven
^ H f e t a i t. Rechtsnachfolger das. Geeignete veranlaßt werden wird.
Hanau, 17. März 1882. 2838
Königliches Amtsgericht, Abth. II. Brockhoff.
(F. 1/82 Reccius.
Bekanntmachung.
Die Unterhaltungs-Arbeiten an den Kinzig- Ufern im „Bulau-Walde" und „Scheuer" pro 1882/83, veranschlagt nach dem Kostenanschlag
A. zu 1600 M.
und nach dem Kostenanschlag
B. zu 660 M., sollen in getrennten Losen in öffentlicher Submission vergeben werden.
Termin hierzu ist auf den 25. März d. I.,
Vormittags 11 Uhr, im Bureau der Königlichen Bau-Inspektion anberaumt, woselbst auch die Submissions-Bedingungen und die bezügl. Kosten-Anschläge zur Einsicht offen liegen. Of- serten sind bis zur bezeichneten Stunde mit der Aufschrift:
Kinzigbauten A. resp.
Kinzigbauten B. einzureichen.
Hanau, 20. Mürz 1882. 2830
Der Königliche Bau-Inspektor
Arnold.
Braunkodlen-Preßfteine können Mittwoch den 22. d M. am Mainkanal abgeholt werden. Bestellungen an's Haus in Hanau nimmt Herr Schäfer rn der goldenen Gerste entgegen. 2850