des Extraordinariums des Budgets der Finanzminister Tirard sich eingehend über die gegenwärtige finanzielle Lage Frankreichs verbreitete. Herr Tirard widerlegte in längerer Rede die imaginairen Erzählungen und übelwollenden Urtheile, womit Seitens nicht nur der Gegner der französischen Republik der Credit derselben zu schädigen versucht worden sei. Nach den Darstellungen des Finanzministers ist das Deficit Frankreichs aus dem Budget von 1882 im Betrage von 65 Millionen Francs mehr ein scheinbares, da über 100 Millionen zur Amortisation verwendet worden seien. Allerdings erscheine Vorsicht geboten, besonders müsse jede Ueberstürzung bei den projektirten großen Bauten vermieden werden, aber im Ganzen sei die Finanzlage Frankreichs prosperirend und sein Credit ungeschwächt. Die Rede Tirard's fand entschiedenen Beifall und nur von bonapartistischer Seite wurde ein schwacher Versuch gemacht, die Darstellungen des Finanzministers zu bemängeln.
— Madrid, 12. Dez. Heute brach in dem Gebäude des Kriegs- Ministeriums Feuer aus, durch welches die Bibliothek und ein Theil der Archive zerstört und 20 Personen verwundet wurden.
— Madrid, 12. Dez. Nach hier eingegangener Nachricht ist das russische Schiff „Constantina" gestern bei Tarifa in Folge Zusammenstoßes mit dem französischen Transportschiff „Sarthe" untergegangen.
— Dublin, 13. Dez. Das gerichtliche Verfahren gegen Healy und Davitt ist auf unbestimmte Zeit vertagt worden.
— St. Petersburg, 13. Dezbr. Wie die „NeueZeit" erfährt, hat die Kommission zur Regelung der Judenfrage in ihrem Bericht die Nothwendigkeit betont, eine Zählung der gesammten jüdischen Bevölkerung in Rußland zu veranstalten.
— New-I ork, 13. Dezbr. Eine Depesche aus Kingston auf Jamaica meldet, daß der vorwiegend von Karsteuten und Geschüfttrei- benden bewohnte Theil Kingstons am Montag niedergebrannt ist; der Schaden wird auf sechs Millionen Pfund Sterling geschätzt; Hunderte sind obdachlos; viele Banken, Magazine und Waarenniederlagen zerstört; es herrscht großer Mangel an Lebensmitteln. — Bei Shawneetown (Illinois) explodirte der Dawpskessel eines Sägewerks; acht Personen wurden getödtet, drei verwundet.
— New-Aork, 12. Dezbr. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Salier", von Bremen kommend, stieß, als er gestern in den Hafen lief, auf und blieb sitzen. Die Passiere wurden gelandet, die Ladung entlöscht. Man glaubt, der Dampfer werde bald wieder flott werden.
Reichsgerichts-Entscheidungen.
— Die Fälschung der von der Leihanstalt in dem Pfandschein beigesetzten Werthangabe des verpfändeten Gegenstandes, um bei der Veräußerung des Pfandscheins dafür einen höheren Preis zu erzielen, oder zum Zwecke einer sonstigen Täuschung davon Gebrauch zu machen, ist, nach einem Urtheil des Reichsgerichts I. Strafsenats, vom 19. Oktober d. I., als Urkundenfälschung zu bestrafen.
— Die Bestimmung des §. 211 der Reichs-Konkursordnung, wonach Schuldner, welche ihre Zahlungen eingestellt haben, mit Gefängniß bis zu zwei Jahren bestraft werden, wenn sie, obwohl sie ihre Zahlungsunfähigkeit kannten, einem Gläubiger in der Absicht, ihn vor den übrigen Gläubigern zu begünstigen, eine Sicherung oder Befriedigung gewährt haben, welche derselbe nicht oder nicht in der Art oder nicht zu der Zeit zu beanspruchen hatte, findet, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, II. Strafsenats, vom 10. Oktober d. I, nur dann Anwendung, wenn der Schuldner sich bewußt war, daß durch die Befriedigung die übrigen Gläubiger benachtheiligt würden oder doch benachtheiligt werden könnten. Sucht dagegen der Schuldner einen ihn vor den übrigen Gläubigern sehr drängenden Gläubiger durch Hingabe an Zahlungsstatt zur Ruhe zu bringen, in der Meinung, dadurch im wahren Interesse der übrigen Gläubiger zu handeln und nach seiner Erholung diese vollständig zu befriedigen, so ist der Schuldner aus §. 211 der Konkursordnung nicht zu bestrafen.
Lokales.
Hanau, den 14. Dezember 1882.
Personal-Chronik (aus dem „Amtsblatt".)
Der Gefangenenaufseher S trott bei dem Königlichen Landgerichtsgefängniß zu Hanau ist pensionirt.
Der Gerichtsdiener Hartmann zu Hanau ist vom 1. Januar 1883 ab zum Gefangenaufseher bei dem Königlichen Landgerichtsgefängniß daselbst bestellt worden.
Die Geschäfte des Standesamtes zu Hanau sind nach dem Ableben des Standesbeamten Huber dem Stadtrathsmitglied Grobe daselbst vom 1. Januar k. I. an übertragen worden.
— (Theater.) Nächsten Sonntag wird uns wieder eine Novität „K y r i tz- P y ritz" gebracht, über welche die „Dresdner Nachrichten" schreiben:
„Mit der dreiaktigen Posse „Kyritz - Pyritz" von H. Wilken und Justinus bietet das Residenz-Theater jetzt ein außerordentlich amü-
■ santes Stück, in welchem man recht von Herzen lachen kann, ohne sich hinterher sagen zu müssen, daß man über beschämend abgeschmackten Blödsinn gelacht hat, denn Alles was in der A bis Z lustigen und dabei knappen Posse geschieht, ist, wenn auch possenhaft zusammengewürfelt, doch nicht undenkbar; der prächtige Humor steht also wie man sagen kann, auf „gesunden Füßen". Daß Provinzler in die Residenz reisen, um sich hinter dem Rücken ihrer Frauen einmal tüchtig lustig zu machen, daß die Letzteren heimlich weareisen, daß dadurch und durch Ortsnamen-Verwechslung — hier wird Kyritz mit Pyritz verwechselt — lustige Scenen geschaffen werden, das ist freilich an sich nicht neu, aber die Art, wie sich Eins aus dem Anderen ergibt, veranlaßt fortwährende Heiterkeit. Im dritten Akte wurde der auf der Bühne anwesende Herr Wilken mehrfach hervorgerufen."
— Die sehr beliebt gewordenen und deshalb stets stark besuchten liturgischen Gottesdienste werden auch in diesem Jahre wieder am Vorabend des heil. Weihnachtsfestes und am Sylvesterabend in der Marien- unb Johanniskirche abgehalten. Programme zu diesen Feierlichkeiten sind gegen geringes Entgelt vor Beginn der betr. Gottesdienste an den Eingängen zur Kirche zu haben.
— Von Königl. Prüfungs ■ Commission für Einjährig - Freiwillige zu Kafsel ist zur Vornahme der ersten Prüfung der Aspiranten für den einjährig-freiwilligen Militairdienst des Jahres 1883 als Anfangstermin der 21. Februar 1883 festgesetzt worden.
— Muß der Apotheker Nachts jede Waare verabreichen oder muß er nur Arznei unfertigen und abgeben? In Neustadt b. C. kam's zur Wette darüber. Die Einen klopften den Apotheker Mitternachts heraus und verlangten für 20 Pf. Pfeffermünzplätzchen. Der Apotheker leuchtete ihnen gründlich heim und verklagte sie wegen Mißbrauchs seiner Be- rufèpflicht. Der Strafrichter verurtheilte sie in eine Geldstrafe und in die Kosten. (D.-Z)
V ersteigerungs - und Verpachtungs- re. Kalender für Freitag den 15. Dezember.
Nachm. 2 Uhr versteigert Herr Vollziehungsbeamte Ziegler gegen Baarzahlung im Gasthause zum „goldenen Faß" dahier: 17 Schweine, 2 Wagen, 1 Pferd und 1 Kuh.
— Für heute. Nachmittags 5 Uhr: Oeffentliche Sitzung des Gemeinde-Ausschusses im unteren Saale des Neustädter Rathhauses. — Abends 71/a Uhr in den Sälen zur „großen Krone": Concert der „Kapelle des hiesigen Infanterie Regiments" und des Gesangvereins „Eintracht" zum Besten der durch das Hochwasser geschädigten Einwohner Hanau's und Umgegend. — Beamtenverein: Abends 8 Uhr Generalversammlung; Tagesordnung: Mitgliederaufnahme und Besprechung von inneren Angelegenheiten. — Abends 9 Uhr: Spritze Nr. 2 im „König von Schweden"; Nr 3 bei Beck.
— Für morgen. Frauenverein: Nachmittags 2*/^ Uhr letzter Nähtag in der „Centralhalle".
— Seitens des communalständischen Verwaltungsausschusses ist am Sonnabend eine Beileidsadresse an die verwittwete Herzogin von Meiningen anläßlich des Hinscheidens ihres Gemahls, des Herzogs Bernhard von Meiningen, abgesandt worden.
— Treysa, 11. Dez. In dem nahe gelegenen Dorfe Roppers- hausen ist einem Israelit, welcher schon mit einem reichen Kindersegen beschenkt worden ist, die seltene Freude zu Theil geworden, daß seine Gattin mit Drillingen niederkam. Die Kinder sind zwar sehr niedlich, aber völlig ausgebildet. (H. M.)
Aus der Umgegend.
— Frankfurt a. M, 13 Dezember. Während des Hochwassers waren hier 483 Wohnhäuser und 70 andere Gebäude überschwemmt. Wohnungen standen 159 unter Wasser, und haben dadurch 145 Familien mit 587 Angehörigen vorübergehend und 11 Familien mit 50 Familien- Angehörigen dauernd ihre Wohnungen verlassen müssen. In Oberrad standen zwei Wohnhäuser und eine Scheuer in Wasser, in Niederrad ein Wohnhaus mit Scheuer und in Hausen 27 Wohnhäuser. Zerstört wurde durch das Wasser eine Bude und ein Wohnhaus. — Auf dem Armen-Amte sind eben drei Personen den ganzen Tag über beschäftigt, die Anmeldungen der Wasserbeschädigten zu Protokolliren, von denen Einzelne recht schlau sein wollen und dabei zu Profitiren gedenken. Manchen Meldungen zufolge haben die ärmsten Leute Fässer voll Sauerkraut und Bohnen eingemacht und wenn man ihnen glaubt, ganze Fuhren von Steinkohlen in den Kellern gehabt. Kommt die Besichtigung an Ort und Stelle, so sind die Fässer sammt dem Kraut, Bohnen, Gurken, ebenso das im Keller gelagerte Holz sammt den Steinkohlen natürlich fortgespült. Dank der Umsicht und Aufmerksamkeit der mit der Vertheilung der Gaben Betrauten gelingen derartige Manipulationen nicht. (Fr. I.)
— Die von dem Herrn Justiz-Minister neuestens erlassenen strengeren Maßregeln gegen das Vagabunden- und Stromerwesen haben fast allerwärts eine wesentliche Verminderung von Gefangenen im Gefolge. So sind beispielsweise bis zum Monat Dezember d. I. dahier