fröhlichere Osterbotschaft für ganz Europa hätte uns kaum gespendet werden können, als die Ernennung des Hrn. V. Giers zum Minister der auswärtigen Angelegenheiten in Rußland an Stelle des greisen und altersschwachen Hrn v. Gortschakow. Es scheinen damit die letzten trüben Wolken, die dem europäischen Frieden von Osten her drohten, vom Horizont bis auf Weiteres verschwunden zu sein und freudiger als bisher dürfen wir den sonnigen Tagen des Frühlings und der «Sommerzeit entgegensehen.
— St Petersburg, 13. April. Der „Regrerungsanzelger enthält die Mittheilung, daß zur Entwickelung der Handelsbeziehungen ein neues Handelsgesetzbuch entworfen werden soll, und daß Staatsrath Tuhr mit der Abfassung desselben beauftragt ist.
— (Russische Verschleuderungen.) In Leipzig bei Duncker und Humblot, die so viele Schriften über Rußland verlegen, sind „Lose Blätter aus dem Geheimarchiv der russ. Regierung" herausgekommen. Der ungen. Herausgeber erklärt, daß ihm Gelegenheit geboten wurde, einen Einblick in die geheimen Berichte zu thun, welche die Reichèkontroleure über sämmtliche Zweige der russ. Staatsverwaltung an den Kaiser Alexander II. erstattet haben. Unterschleife fanden einmal im Heere statt, namentlich während des Feldzuges. Zuerst wollte die Militärverwaltung die gefürchtete Reichskontrole überhaupt gar nicht zulassen. Als es endlich geschah, wurden den Controleuren die größten Schwierigkeiten bereitet. Warum, war erklärlich, denn alsbald ergab die Revision der Futterniederlage z. B. im Odessaer Bezirk, daß kaum der 10. Theil des Heues tauglich war. Die Hälfte war völlig verfault, der Rest so verdorben, daß die Soldaten bei der Untersuchung baut wurden. Von der schädlichen Verpflegung der Soldaten und grausigen Nachlässigkeit in der Lieferung werden viele Beispiele angeführt. Konserven wurden von der Kriegsverwaltung in unnützer Menge angekauft, und als am 1. Febr. 1878 Revision gehalten wurde, stellten sich 600 000 Portionen als vollständig untauglich heraus. In. Kieschenew faulen schließlich die Lebensmittel in so starkem Maßstabe, daß der Großfürst- Oberbefehlshaber auf dringlichste Vorstellung des Feld-Generalkontroleurs eine Untersuchung zweier Magazine befiehlt. Bei Untersuchung dieser beiden Magazine entdeckte die Kommission bedeutende Verschleuderungen und stellt die durch die Versäumnisse und Mißbräuche veranlaßten Verluste der Krone auf 1130 000' Rubel fest. Mindestens ebenso arg, wenn nicht noch ärger als bei der Donauarmee unter den Augen des Kaisers, wurde in dem asiatischen Feldlager gestohlen. Bei der Kaukasusarmee hatte ein Intendant unter Umgehung aller Konkurrenten einem einzigen Lieferanten Lieferungen für 7 MrU. Rubel übergeben und demselben aus freien Stücken fast überall die Preise erhöht, selbst in solchen Fällen, wo sogar dem Lieferanten die Preisfestsetzung zu unverschämt erschien. Noch ärger ist es in der Marine zugegangen, die unter ihrem Chef, Großfürst Ksnftantin, 10 Jahre lang sich mit Erfolg weigerte, irgend eine Rechenschaft abzulegen. Bei der Fregatte „Herzog von Ediuburg" und dem Klipper „Opnitschuck" war das Geld susgegeben, ehe noch der Bau der Schiffe begonnen hatte. 100 Mill. Rubel wurden zum Bau von Krigsschiffen ausgegeben und dafür nur 1 Panzerschiff, 2 unbrauchbare Popowken, 3 halbgepanzerte Fregatten und eine Anzahl kleinerer Schiffe angeschafft. Während derselben Zeit hat England die Hälfte mehr Geld auf den Schiffbau verwandt, aber 6mal mehr Schiffe dafür angeschafft. (Schw. Merk.)
— Plymouth, 11. April. Der Hamburger Postdampfer „Wieland" ist hier eingetroffen.
— New-Jork, 11. April. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Main" und die Dampfer der National-Dampfschiffs.Company (C. Messingsche Linie) „Denmark" und „Spam" sind hier angekommen.
Lokales.
Hanau, den 13. April 1882.
— Unter sehr zahlreichem Geleite, worunter wir viele von Auswärts gekommene Verwandten und Freunde erblickten, wurden gestern Nachmittag 4 Uhr die sterblichen Ueberreste unseres vor wenigen Wochen zu Nervi bei Genua verstorbenen hochgeachteten Mitbürgers, des Landtagsabgeordneten Herrn Heinrich Friedrich Ziegler, sowie dessen ebendvrtselbst verstorbenen Tochter, zu ewiger Ruhe gebettet.
Nachdem man die über und über mit Kränzen, Blumen und Guirlanden geschmückten Särge von der Friedhosskapelle aus zur letzten Stätte verbracht, hielt Herr Pfarrer Dr. Heuser, als langjähriger treuer Freund des Hauses Ziegler selbst tief ergriffen, die Allen zu Herzen gehende Grabrede, nach welcher Herr Gemeindeausschuß-Vorsteher Carl Kehl, indem er der Verdienste des Verstorbenen um die Stadt Hanau gedachte, Namens derselben einen Lorbeerkranz auf das Grab niederlegte. Zum Schluffe geschah ein Gleiches durch Herrn Fabrikanten Wurmbach aus Bockenheim, der dieses letzte Andenken im Namen der Parteigenossen des Verstorbenen aus Stadt und Amt Bockenheim überbrachte. — Unter den zahlreichen Kränzen bemerkten wir auch einen, der von der Gas» Werksgesellschaft zu Frankfurt a. M. übersandt war.
Nach beendeter Feier verließen alle Theilnehmer die Stätte des Klebens mit dem Bewußtsein, einem Ehrenmann in des Wortes vollster Bedeutung bie letzte Ehre erzeigt zu haben '
^m Kreise (excl. Stadt Bockenheim) kamen im Laufe des
Monats März 1882 zur Anzeige: 13 Personen wegen Diebstahls; 3 Personen wegen Unterschlagung und Betrugs; 2 Personen wegen Hochverraths; 8 Personen wegen Ruhestörung; 49 Personen wegen Bettelns ; 1 Person wegen Thierquälerei ; 1 Person wegen Körperletzung; 190 Personen wegen Uebertretungen.
— (Begießungs-Angelegenheiten.) In gestriger Vor- standssitzung des Begießungs-Vereins erstattete die zur Prüfung der Pläne und greife gewählte Commission Bericht über bie behufs Anfertigung eines weiteren Sprengwagens eingegangenen Submissionen. Nach kurzer Debatte wurde die Ausführung der Firma I. D. Weinig u. Sohn als den Wenigstfordernden für die Summe von im Ganzen M. 985 übertragen. Die Schmiedearbeiten werden in der Werkstätte des Herrn Wilscheck, die Wagnerarbeiten in der des Herrn Fischer und das Faß selbst von obengenannter Firma angefertigt. — Weitere Offerten waren eingegangen von den Firmen G. D. Bracker Söhne für die Summe von Mk. 1015; Wagnermeister Peters: Mk. 1025 und A. Henrich u. Söhne: Mk. 1125.
— Gestern Morgen Vs 10 Uhr trafen 16 Chargirte vom 2. Bat. des 97. Infanterie-Regiments von Kassel zur Ablegung eines Examens hier ein.
— Dem Kaufmann Philipp Daniel Bernhard Lossow zu Hanau ist erlaubt worden, die von Sr. König!. Hoheit dem Landgrafen von Hessen und Sr. Hoheit dem Landgrafen Ernst von Hessen verliehenen Hofprädicate annehmen und führen zu dürfen.
— Der früher im Bezirk der Spezialkommission Hanau beschäftigte Feldmesser Pfeiffer 2r ist der Spezislkommission IV in Kassel zugetheilt.
Versteigerungs- und Verpachtungs- re. Kastender für Freitag den 14. April.
Holzversteigerung in der Königl. Oberförsterei Wolfgang; Termin von Vormittags 11 Uhr ab in der Wittwe Haupt'schen Gastwirthschaft zu Niederrodenbach. Verkauft werden größere und geringere Posten Eichen-, Buchen-, Birken-, Ahorn - Weichholz- und Kiefern-Brennholz (f. Nr. 82 „Han. Anz.").
— Für heute. Weismantel's Brauerei: Abends von 8 Uhr an Concert und Gesangsvorträge der Damenkapelle Roscher. — Hanauer Beamtenverein.: Zusammenkunft im Vereinslokal. — Abends 9 Uhr: Spritze Nr. 2 im „König von Schweden" ; Nr. 3 bei Beck.
X. Langenselbold. Am zweiten Osterfeiertagabend hielt der Schleucher'sche Jugendgesangverein bei vollbesetztem Saale fein letztes für diesen Winter in Aussicht genommene Concert ab. Das Programm war fein und geschmackvoll gewählt und wurden sämmtliche Riegen sicher und präcis zur Ausführung gebracht. Besonders hervorzuheben ist ein Scene- cyclus aus „Troubadour" v. Verdi, in welchem gedachter Verein seinen Fleiß wie seine Liebe zur Kunst auf's Neue und Lebhafteste bewiesen. Es sei ferner erwähnt, daß „Schon naht die Todesstunde" sowie die Duette der Leonore und des Grafen Luno „Sieh meiner hellen Thränen Fluth", Azuczene des Maurice „Gern will ich schließen das Auge" mit großem Effect zum Vortrag gebracht wurden.
Und wünschen wir genanntem Verein, daß er in seiner so ernst aufgefaßten Weise und unter der tüchtigen Leitung seines Dirigenten fortfahren möge, so wird ihm für die Mühe etwas schönes zu leisten der Lohn sicher nicht ausbleiben.
— Bockenheim, 11. April. Der „B. A." erzählt: „Dieser Tage verkaufte ein hiesiger Einwohner einem Metzger eine Ziege zum Schlachten. An demselben Abend kam der betreffende Metzger zu dem Verkäufer der Ziege und fragte, ob er kein Geld vermisse, worauf derselbe erwiderte, daß ihm vor einiger Zeit zwei Zwanzigmarkstücke ganz spurlos verschwunden feien, welche nach seiner Meinung wahrscheinlich in das Ziegenfutter gefallen seien Der ehrliche Metzger legte ihm hierauf die 40 Mk. hin, welche er im Magen der Ziege gefunden hatte.
— Die Ziehung der 1. Klaffe 166. Königlich preußischer Klaffen- Lotterie wird nach planmäßiger Bestimmung am 18. April d. I., früh 8 Uhr, ihren Anfang nehmen.
— Kassel, 11. April. Der zum Tode verurtheilte Vatermörder Wilhelm Jakob aus Rotenburg a. d. Fulda wurde heute unter starker Bedeckung in Gemeinschaft mit seinen wegen Beihülfe zum Morde rc. zu zehn Jahren Zuchthaus verurtheilten Genossen, den Eheleuten Däche aus dem hiesigen Kreisgerichtsgesängnisse in das neue Zuchthaus bei Schönfeld überführt. Jakob wird dort verbleiben, bis die Allerhöchste Bestätigung des über ihn verhängten Todesurtheils bezw. die Umwandlung desselben in lebenslängliche Zuchthausstrafe eingetroffen ist, während die Eheleute Däche dortselbst ihre Strafe verbüßen werden. (H. M.)
— Fulda, 11. April. Die „Fuld. Ztg." schreibt: Mit dem Vormittags auf der hiesigen Station eintreffenden Schnellzuge der Frankfurt-Bebraer Eisenbahn reiste am Sonnabend eine in den 40er Jahren stehende Frau von Hanau nach Fulda ab, wohl um die Osterfeiertage in Müß bei ihren Anverwandten zuzubringen, allein sie sah dieselben nicht wieder. Während der Fahrt wurde die Arme von einem Schlagfluß getroffen und kam auf dem hiesigen Bahnhöfe als Leiche an. Alle Wiederbelebungsversuche, welche alsbald von dem zufällig anwesenden Arzte des Bades Salzschlirf gemacht wurden, blieben erfolglos.
— Fuld a, 12. April. Der revidirte Lehrplan der Realschule I.