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Nr. 205.

Montag den 4. September

1882.

Amtliches.

Die Herrn Bürgermeister des Kreises werden hierdurch ergebens! eingeladen, Sonnabend den 9. September d. I. im Lokale des Landrathsamtes behufs Besprechung gemeinnütziger Angelegenheiten sich versammeln zu wollen. Beginn der Sitzung 2 Uhr.

Hanau am 28. August 1882.

Der Heinrich Lechleder, Sohn des Buchdruckereibesitzers Christian Lechleder von hier, hat um Ertheilung der Entlassungs-Urkunde be­hufs Auswanderung nach der Schweiz nachgesucht.

Hanau am 30. August 1882.

Der Landrath.

Zu einer Generalversammlung des Kreisvereins zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger werden die Mitglieder auf Sonnabend den 9. September c.,

Mittags 12 Uhr, in den Gasthof zum Riesen ergebenst eingeladen.

Vorlagen: Rechnungslegung.

Hanau am 28. August 1882.

Für den Vorstand des Kreisvereins zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger.

Schrötter, Landrath.

Tagesschau.

Berlin, 2. Sept. Da Ihre Majestät die Kaiserin und Kö­nigin durch die verzögerte Wiederherstellung Ihrer Gesundheit leider ver­hindert ist, mit Sr. Majestät dem Kaiser und König die Provinz Schle­sien bei den bevorstehenden Manövern zu besuchen, so hat Allerhöchst- dieselbe Ihre Kaiserliche und Königliche Hoheit die Kronprinzessin er­sucht, Ihre Vertretung zu übernehmen.

Berlin, 2. September. Aus Anlaß der Sedanfeier fanden in allen Schulen Festakte statt, Mittags ertönte vom Rathhausthurme Festmusik, Nachmittags und Abends waren von Vereinen und Korpora­tionen besondere Festseiern, sowie in vielen öffentlichen Lokalen Volks­belustigungen veranstaltet; in den Theatern finden Festvorstellungen statt. Die Häuser der Stadt sind mit Flaggen, viele Schaufenster mit den Büsten des Kaisers und des Kronprinzen geschmückt und die Straßen seit frühem Morgen von einer festlich erregten Menge gefüllt. Aus Dresden, Leipzig, Bremen, Weimar, Posen und anderen Städten liegen ähnliche Festberichte vor.

Berlin, 3. September. DerGermania" wird aus Bres­lau gemeldet: Auf Grund eines früheren Dekretes des apostolischen Stuhles hat der Herr Fürstbischof Robert nunmehr erklärt, daß die declaratio clementina von nun an auch in dem Delegaturbezirke in Kraft trete. Diese Ausdehnung wäre ohne Zweifel früher schon erfolgt, wenn nicht durch die Absetzung des Fürstbischofs Heinrich eine solche Maßregel unmöglich gemacht worden wäre. Somit ist jetzt ein gleiches Recht bezüglich der Mischehen in der gesammten Diöcese hergestellt.

(Fr. Ztg.)

Eugen Richter ist der souveräne Führer der Fortschritts- Partei, sein Grundsatz ist: Einer muß herrschen und dieser Eine bin Ich. Der Mitherrschaft des viel gemäßigteren Hänel, der die liberalen Par­teien zu einigen sucht, tritt er feindlich entgegen. Auch die Sezessionisten will er unter seine Herrschaft beugen. Von Rickert, Forckenbeck rc. for- derte er, sie sollten ihrDeutsches Reichsblatt" unter seine ausschließ­liche Leitung stellen, und als sie dies verweigerten, gründete er ein Kon- kurrenzblatt, denDeutschen Reichsfreund". (Nach N. I. Z.)

Hannover, 1. Sept. Als Se. Königliche Hoheit der Prinz Albrecht nach Beendigung des heutigen Feldmanövers von Remmlingen nach Wolfenbüttel in rascher Gangart zurückritt, stürzte der Prinz mit dem Pserde. Letzteres war durch einen im Weg liegenden Stein zu Fall gekommen. Se. Königliche Hoheit erlitt zum Glück nur eine Con- tusion der rechten Schulter, welche Höchstdenselben nicht verhindert hat, schon heute Abend wieder zu den Manövern nach Verden abzureisen.

Bremen, 1. Sept. Die Rettungsstation Borkum der deut­

schen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger meldet: Am 1. September von dem russischen SchoonerSkander", Kapitän Michelson, mit Holz nach Southampton bestimmt, 8 Personen durch das RettungsbootEm­den" der Station Westland gerettet. Sturm aus NW., hoher Seegang. Boot 24 Stunden unterwegs.

In Neustadt (Schwarzwald) hatten der 22jährige Bauern­sohn Gfell von Schollach und sein Knecht einen Landstreicher, der Le­bensmittel gestohlen, dingsest gemacht, um ihn zum Bürgermeister zu transportiren. Unterwegs zieht der Strolch plötzlich ein Messer und verletzt den jungen Gfell so, daß dieser sofort tödtlich getroffen zusammen­bricht. Der Thäter entkam leider.

Köln, 2. Sept. Nach einem Telegramm derKöln. Ztg." aus Paris vom 2. d. ergibt die diesjährige Weizenernte in Frankreich, der Nachweisung eines Pariser Fachblattes zufolge, 112 400 000 hl ge­gen 85 500 000 hl im Jahre 1881 und gegen eine Durchschnittsernte von 102 800 000 hl.

Dublin, 2. September. Sämmtliche Polizisten, einschließ­lich der entlassenen, im ganzen 883 Mann, stellten ihre Thätigkeit ein. Nur die höheren Beamten, die Inspektoren und Sergeanten, sind auf ihren Posten geblieben. Heute Abend fanden Ruhestörungen statt, welche das Militär zuweilen mit gefälltem Bajonnette unterdrückte. Es werden fortgesetzt neue Spezialkonstabler eingestellt.

Spezial-Telegramme des Deutschen Montags-Blattes.

Petersburg, 3. September, 11 Uhr 50 Min. Mittags. Das Czarenpaar mit dem kleinen Thronfolger ist gestern Abend zur Flotten­revue abgereist.

Dublin, 3. September. Der größte Theil der streikenden Polizisten hat gestern Abend seine Funktionen wieder ausgenommen, nachdem die Polizisten ein Schreiben an den Vizekönig gerichtet hatten, in welchem sie ihre frühere Haltung lebhaft bedauern und ihn in den respektvollsten Worten ersuchen, ihre Beschwerden in Erwägung zu zie­hen. Eine gewisse Anzahl Polizisten beharrt jedoch in ihrer wider­spenstigen Haltung. Der Vizekönig besichtigte Abends die sieben­hundert Spezialpolizisten, welche sich gestern und heute hatten einschrei­ben lassen, und hielt hierbei eine Ansprache an dieselben, in welcher er ihnen im Namen der Königin sür ihre Loyalität und ihre durch Ueber­nahme des Polizeidienstes für das öffentliche Wohl bewiesene Gesinnung dankte.

Konstantinopel, 2. September. In Folge des Meinungs­austausches zwischen Athen und Konstantinopel ist an der griechischen Grenze der Status quo ante wieder hergestellt ; die Feindseligkeiten haben aufgehört; die streitigen Punkte sollen durch eine Besprechung Said Paschas mit Conduriotis geregelt werden; eine solche hat bereits statt­gefunden. Bezüglich der Frage der Militärkonvention glaubt man, daß dieselbe schließlich im Einverständniß mit Lord Dufferin vertagt wurde und daß man eine andere Lösung an Stelle der Konvention suchen werde.

London, 3. September. Es erhebt sich ein scharfer Tadel gegen die Regierung und die Militärbehörden wegen mangelhafter Train­vorrichtungen und unzureichender Transportmittel. Das betreffende Kommissariat macht genau wie im Krimkriege ungeheure Fehler. Es sind keine Arbeiter, keine Maulthiere rc. vorhanden, Medizinkästen man« geln. Nichts wurde in dieser Beziehung vorgesehen. Auch General Wolseley wird deshalb getadelt. Wolseley meldet übrigens unter vielen Entschuldigungen, daß jetzt diese Verhältnisse besser seien. Man befürch­tet, Aarabi werde den Süßwasserkanal oberhalb Kassassins vollständig zerstören.

Madrid, 2. September. Die Nachricht von dem Auftreten der Cholera in Tanger wird für unbegründet erklärt.

Lokales.

Hanau, den 4. September 1882.

(Impfung.) Den 6. September zu Bockenheim: Nachm. 3, 4^2 und 6 Uhr Revision der am 30. und 31. August geimpften Schüler und Schülerinnen.