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Nr. 27. Mittwoch den 1. Februar 1882.
Amtliches.
In Abänderung der Verordnung vom 24sten Februar 1877 (Eisenb. -Verordn.-Bl. de 1878 S. 157), betreffend Abänderung einiger Bestimmungen der Ausführungs-Verordnung vom 16. Juni 1876 zu dem Reichsgesetz vom 25. Februar 1876 (Reichs-Ges.-Bl. S. 163), betreffend die Beseitigung von Ansteckungsstoffen bei Viehbeförderung auf Eisenbahnen, wird unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung des Herrn Reichskanzlers vom 6. Mai 1876 zu Nr. 4 (S. 152 a. a. O.) bestimmt, daß heißes Wasser (Nr. I b der Verordnung vom 24. Februar 1877) allein und ohne Verbindung mit alkalischer Lauge (Nr. I c der Verordnung vom 24. Februar 1877) zur Desinfektion der Viehwagen nicht mehr zu benutzen ist.
Berlin den 22. November 1881.
Der Minister der öffentlichen Arbeiten. Maybach.
Den Ortspolizeibehörden wird die sorgfältigste Beobachtung der vorstehenden Verfügung zur Pflicht gemacht.
Hanau am 30. Dezember 1881.
Der Landrath
Zugelaufen: Am 24. v. Mts. ein schwarzbrauner dänischer Doggenhund mit weißer Brust und 4 weißen Pfoten, m. Geschlechts; Empfangnahme beim Ortsdiener Kronenberger zu Großauheim.
Gefunden: (Auf der Post liegen geblieben) eine Briefmarke, ein Portemonnaie mit etwas Geld und eine Postkarte. Ein neuer wollener hellgrauer Strumpf. Ein Theil v»n einer Nähmaschine. Ein Damen-Ballschuh. Ein brauner Pelzstauchen.
Hanau am 1. Februar 1882.
Aus Königl. Landrathsamt.
Bekanntmachung.
Um dem Publikum die Möglichkeit zu gewähren, Einschreibbrief- sendungen zu solchen Postbeförderungsgelegenheiten, welche außerhalb oder kurz nach Beginn der für den Verkehr mit dem Publikum bestimmten Dienststunden sich darbieten, in Ausnahmefällen bis kurz vor Abgang der betreffenden Gelegenheit einzuliefern, ist den Postanstalten die Verpflichtung auferlegt worden, derartige Sendungen auf Verlangen auch außerhalb der Dienststunden anzunehmen. Bedingung ist, daß nicht allein dre Einlieferung bis spätestens eine halbe Stunde vor dem Abgänge der Besörderungsgelegenheit erfolgt, sondern zur Zeit der Einlieferung auch ohnehin ein Beamter bei der Postanstalt zur Wahrnehmung von Dienst- geschäften thätig ist.
Für derartige außerhalb der Dienststunden eingelieferte Einschreibbriefsendungen ist vom Aufgeber eine besondere Gebühr von 20 Pfennig für jede Sendung zu entrichten.
Kassel, den 6. Dezember 1881.
Der Kaiserliche Ober-Postdirektor.
In Vertretung:
v. Rumohr.
Tagesschau. Europäische Aussichten.
(A b. Schw. Mert)
Wenn man um die Jahreswende einen prüfenden Blick auf die Lage Europa's wirft, um sich Rechenschaft über unsere Aussichten zu geben, so zeigt sich, daß von drei Seiten her eine Störung des Friedens wenigstens denkbar ist: von Rußland, vom Oriente aus, endlich von Frankreich. Rußland hat in Zentralasien im Januar 1881 die hel- denmüthige Nation der Achal-Tekke- Turkomanen mit seinen überlegenen Waffen niedergeworfen und sich damit eines zähen Gegners entledigt, welcher ihm einigermaßen die Hände gebunden hatte; in Asien kann es seitdem nach seinem Belieben gefahrlos stille stehen, wenn es dieß räth- lich findet, oder auch zur Besitznahme von Merw vorschreiten. Seine Lage im Innern aber ist weit weniger tröstlich; der Ruf nach einer Verfassung ist noch nicht erfüllt, die Nihilisten noch nicht gebändigt, die Befreiung der Bauern noch nicht ganz vollzogen, wenn auch für 1. Januar 1883 in sichere Aussicht genommen, die Verderbniß im Beamten-
Heer noch nicht abgestellt: Aufgaben, so riesengroß, daß der mächtigste Geist an ihnen Genüge finden kann, der eifrige Patriot sie zu losen suchen muß; und zugleich Aufgaben, welche nicht durch einen siegreichen Krieg von der Schwelle gewiesen werden können, sondern. nach jedem Krieg, wie das Beispiel von 1877—78 gelehrt hat, nur dringlicher Hervortreten, ja nur schwerer zu lösen sein würden. Man kann es somit wohl verstehen, daß Zar Alexander III. die Herabsetzung der Militärausgaben, welche vor 4 Jahren 183 Mill. Rubel im Ordinarium betrugen, um 23 Mill, anbefohlen hat; nur ein im Innern bankerottes Rußland, das va banque spielen wollte, könnte einen Krieg anfangen, und diese Lage wird auch das eitle Weib Frau Edmond Adam nicht ändern, das zur Zeit, wie es heißt, als Commis voyageur der Rachepolitik von Paris nach Petersburg gereist ist. Im Orient wird Oestreich der Widerspenstigen sicher Meister werden, welche in Süd- dalmatien und der Herzegowina sich der Wehrpflicht mit bewehrter Hand entziehen wollen; denn Bismarcks Einfluß in Konstantinopel wird wohl stark genug sein, um eine Unterstützung der Aufständischen durch türkische Paschas zu verhüten, und Montenegros Neutralität zu erzwingen, wird es wahrlich Mittel geben. In Egypten aber sorgt die Eifersucht der europäischen Mächte unter einander wohl am besten dasür, daß nicht eine allein sich zum Herrn des Nillsndes machen und so einen allgemeinen Zusammenstoß herbeiführen kann; auch ist der nationalen Richtung nicht zu vergessen, deren feste Haltung nicht ohne Beachtung bleiben kann und den Gedanken an einen afrikanischen Krieg auch Abenteurern bedenklich erscheinen lassen ^r^. Bleibt Fran kreich, das nach 10 Jahren emsiger Vorbereitung an Verwirklichung seiner Rachepläne gehen könnte. Mein noch steckt ihm der tunesisch-algerische Pfahl im Fleisch, und wie theuer kriegerische Verwicklungen werden können, das hat die Mehrzahl der Franzosen an eben diesem afrikanischen Beispiel so deutlich ersehen, daß sie, möge nun Gambetta an ihrer Spitze stehen oder nicht, wohl auf weitere Erfahrungen verzichten wird — insolange wenigstens, als sie die Wucht des deutschen Schwertes ungemindert weiß! Ihr diese Wissenschaft zu erhalten, das haben wir in unserer Hand. Die Gefahr für uns würde erst beginnen, wenn zu den Bestrebungen auf Herabsetzung der Präsenzzeit in unserem Heerwesen die auf Herabminderung unserer Präsenzzi ff er hinzuträten und obsiegten. Die erste Frage mag diskutabel sein, obwohl unsere dreijährige Dienstzeit immer noch die niedrigste in Europa ist; die zweite ist nicht diskutabel, ja unsere Regierung fordert in Wahrheit eher zu wenig als zu viel, und sie müßte mehr fordern, wenn nicht die Tüchtigkeit und Durchbildung unserer Soldaten und Offiziere das qualitativ ausgleichen würde, was uns quantitativ fehlt. Allerdings fehlt — denn die nackte Wahrheit, die nicht oft genug gesagt werden kann, ist die, daß Rußland 763 000, Frankreich 497 000, wir aber bloß 427 000 Mann unterhalten, und auch mit den 18 000 Offizieren nur etwa 445 000 Mann. Die sog. „Unersättlichkeit" unseres „Militärmolochs" aber beleuchtet die einzige Thatsache, daß die 45 Mill. Deutschen für Heer und Flotte 369 Mill. Mark aufbringen müssen, die 37 Mill. Franzosen aber 588 Millionen!
— Berlin, 31. Januar. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen heute den Polizeipräsidenten von Madai und nahmen in Gegenwart des Gouverneur« und des Kommandanten militärische Meldungen sowie hierauf die Vorträge des Chefs der Admiralität, Generals von Stosch, und des Obersten von Brauchitsch vom Militärkabinet entgegen.
— Berlin, 30. Jan. Der Gesandte v. Schlözer wird auf seiner Reise nach Rom noch einen kurzen Aufenthalt in München nehmen. Auch heute war er vom Fürsten Reichskanzler wieder zur Tafel geladen. Am Vormittage hatte er die Ehre, vom Kronprinzen empfangen zu werden; der Kaiser hatte ihm schon früher eine Audienz ertheilt.
— B erlin, 31. Jan. In der heutigen (5 ) Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde die erste Lesung des Etats fortgesetzt. Zedlitz rühmt die Ergebnisse der Eisenbahuverwaltungen. Rickert rügt die Maßregelungen der Eisenbahnbeamten wegen Betheiligung an Petitionen und fragt, ob dem Landtage nicht eine Vorlage über die Steuerreform zugehen werde. Finanzminister Bitter erwidert, daß im Finanzministe-