Einzelbild herunterladen
 

»69

der Territorialarmee (Landwehr) bereits für Ende April macht augen­blicklich viel Aufsehen, ebenso daß man einen außerordentlichen Kredit von 14 Millionen Francs für Lebensmittel und Fourage von der Kam­mer verlangen will. Ob man indeß diese Maßregeln in direkten Bezug mit den jetzigen europäischen Wirren bringen darf, ist bestritten.

Rom, 1. März. Der Papst hat, um etwaige Kundgebungen fern zu halten, beschlossen, am nächsten Sonntag nach der Krönung in der Sixtinischen Kapelle keine kirchliche Feier in der Basilika des Vati­kans abzuhalten.

R om, 2. März. Die in Hinsicht auf die Krönung begon­nenen Vorbereitungen auf der innern Loggia von St. Peter, wohin die Cardinäle vssiciel zu morgen eingeladen waren, sind deshalb eingestellt worden weil die Regierung dem vertraulichen Unterhändler erklärte, nicht für Demonstrationen einstehen zu können. Officiel hat der Vatic.an kein Militär requirirt, also hat die Regierung es auch nicht abgeschla­gen. Ob nach der Krönung der Segen ertheilt wird, und zwar im Innern, hängt von der Haltung der Volksmenge ab.

London, 2. März. Sämmtliche auf Urlaub befindliche Offiziere, einschließlich derer vom Jntendanzdienst, erhielten nach einem Telegr. derKöln. Ztg." Befehl, sich bereit zu halten, auf telegraphische Ordre sofort zu ihren Regimentern bezw. Abtheilungen zu stoßen Die Flottenvoranschläge 1878/79 betragen 11,053,901 L. gegen 10,971,829 im Vorjahre; die Bemannung betrügt unverändert 60,000 Mann.

- Petersburg, 1. März. Der Aeußerung des Standard gegenüber, wenn Rußland keine Zugeständnisse mache, müsse das Schwert entscheiden, hebt die Agence Russe hervor, die britische Regierung habe doch erklärt, einen Krieg nur um englischer Interessen willen unternehmen zu wollen, Rußland aber habe die englischen Interessen vollkommen be­rücksichtigt Der Standard müsse demnach entweder schlecht unterrichtet sein oder die britische Regierung schicke sich an, ihren förmlichen Er­klärungen zuwiderzuhandeln. Betreffs der Zageständnisse Rußlands sei den Kabinetten bekannt, daß Rußland entschlossen sei, die wesentlichen Ergebnisse des Krieges ungeschmälert aufrechtzuerhalten, daß es aber auch jeder Zeit geneigt sei, Abänderungen gutzuheißen, wodurch die Unver- letzlichkeit des Kriegsergebnisses mit den Interessen dritter Mächte in Einklang gebracht werden könne. Drohungen und militärische Vorbe­reitungen seien aber wenig geeignet als Mittel einer friedlichen Ver­ständigung.

St. Petersburg, 2. März, Vormittags. DerRegierungs­bote" veröffentlicht eine Kaiserliche Verordnung, betreffend die Bildung von 4 Reserve-Jnfanterie-Dioisionen. Für dieselben sollen 16 Reseroe- Fußbatterien formirt und in 4 Artillerie-Brigaden zusammen gezogen werden. (R. u. St.-A.)

New-Dork, 1. März. Der DampferErin" von der Na- tional-Dampfschiffs Compagnie zC. Messingsche Linie) ist hier einge­troffen.

Depeschen aus der Extra-Beilage zurNeuen Frankfurter Presse" vom 4. März 1878.

Petersburg, 3. März, Abends Der Friedensvertrag ist unterzeichnet.

London, 4. März.Reuter's Bureau" meldet aus Konstan­tinopel vom 3. ds., Mitternachts: Der Friede ist unterzeichnet. Groß­fürst Nicolaus verkündete den Soldaten bei der Revue die Unterzeich­nung. Es heißt, Rußland habe auf die Verpfändung der Tribute von Egypten und Bulgarien verzichtet.

WC** DasDeutsche Montags-Blatt" ist bis zum Schluß der Redaklion nicht eingetroffen.

Lokaler.

Hanau, 4. März 1878

HMt" Wie uns aus guter Quelle mitgetheilt wird, hat die An­frage in Nr. 41 desHanauer Anzeiger", betreffend die Errichtung von Frucht- und Viehmärkten an hiesigem Platze, in hierbei interessirten Kreisen ihre Wirkung nicht verfehlt. Es soll, wie wir weiter vernom­men, in aller Kürze eine Bürgerversammlung einberufen werden, worin die Sache eingehend zur Besprechung kommt. Ein Mitbürger hat in dankenswerther Weise das nöthige Material bereits gesammelt, so daß die hoffentlich stark besuchte Versammlung eine fruchtbringende zu wer­den verspricht.

Gestern wurde zur Erinnerung des 80. Geburtstages Carl v. Holtei's im Verein Frohsinn dahierDer alte Feldherr" auf­geführt und soll die Aufführung, wie uns mitgecheilt wurde, eine recht gelungene gewesen sein. Der Verein Frohsinn, welcher in den nächsten Tagen sein 53. Stiftungsfest feiert, gibt uns wiederum Beweise, daß demselben noch immer ein gesunder und kräftiger Kern innewohnt und daß er einer der wenigen Vereine ist, die mit eigenen Kräften eine der­artige Aufführung zu Stande bringen können.

In einer hiesigen beliebten Wirthschaft befindet sich ein Stamm­tisch, an dem sich allabendlich 12 Gäste einfinden, von denen die 6 ältesten zusammen 492 Jahre zählen (1 mit 90, 1 mit 86, 3 mit je 80 und 1 mit 76 Jahren). Dabei besitzen die Gedachten noch einen recht guten Humor. Mögen die alten ehrenwerthen Männer noch recht lange in gesundem Zustande ihr Seidel leeren.

e. Vergangene Nachtk 12 Uhr fiel in der Richtung nach Nord- Ost ein prachtvoll leuchtender Meteor.

Die Bewirthschaftung derReichskrone" hat Herr Jacob Jo­seph, welcher gelegentlich des Feuerwehrtags die Wirthschaft im Aus­stellungslokal geführt, übernommen.

Einem Fuhrmann, welcher seinen Wagen mit Langholz über­laden und die Tragkraft nicht berechnet hatte, brach am Samstag Mor­gen vor der Kaserne ein Rad; es dauerte längere Zeit bis das Fuhr­werk wieder flott gemacht war.

Eine Wittwe nebst ihrem Zuhälter, einem Schuhmacher, verüb­ten in Meiningen bedeutende Schwindeleien und flohen sodann im guten Glauben, sicher zu sein, nach der Schweiz. Dieselben wurden jedoch dortielbst festgenommen und bis hierher dirigirt, wo sie heute Morgen von zwei Meiningen'schen Gensdarmen in Empfang genommen und wei­ter transportirt wurden.

Versteigerungs- und Verpachtungs-Kalender für Dienstag den 5. März.

Vormittags von 1011 Uhr findet bei Königl. Amtsgericht II dahier erster Termin zum Verkauf des zur Joseph Remetter'schen Con- curssache gehörigen Grundeigenthums statt (s. Nr. 16Han. Anz.").

Für heute und morgen Heute: Brandwache und Ret­tungscorps bei Beck (Wichtige Angelegenheiten). Spritze Nr. 4 in den3 Schwanen" ; Nr 5 imgoldenen Herz." Spritze Nr. 21 Abends 9 Uhr: Gemüthliche Zusammenkunft bei E. Dörr. Mor­gen:Neue Anlage" : Morgens 9 Uhr Carnevalistische Kappeniahrt. Dörr's Felsenkeller: Von Vorm. 9 Uhr ab, sowie Nachmittags Carne­valistische Unterhaltung der Komiker August und Meyer. Bei Schu­mann am Steigerhauie: Musikalische Unterhaltung. Hanauer Stadt­theater: Extra-Vorstellung für Kinder:Die Galloschen des Glücks", Zauberposse mit Gesang in 3 Akten (7 Bildern) rc ; Anfang Nachmit­tags 3 Uhr.

Aus Kurhessen, 1. März. In einer den Dirigenten der höheren Unterrichtsanstalten zugegangenen Verfügung des Provinzial- Schulkollegiums wird mitgetheilt, daß der Herr Minister sich vollständig damit einverstanden erklärt habe, daß Lehrerkollegien hessischer Gymnasien gegen die Theilnehmer von Schülerverbindungen, die nach Tendenz und Organisation verwerflich und verderblich seien, energische Maßregeln ergriffen hätten. Es wird auf Grund einer Ministerialverfügung den Rektoren zur Pflicht gemacht, vor der Aufnahme von Schülern, die wegen Theilnahme an einer Schülerverbindung ausgewiesen seien, bei dem Vorsteher derjenigen Anstalt, aus welcher sie hätten abgehen müssen, eingehende Erkundigungen über den betreffenden Fall eiuzuziehen und gleich bei der Aufnahme solchen Schülein die strengste Sträfe in Aus­sicht zu stellen, wenn sie sich wieder ein ähnliches Vorgehen zu Schulden kommen ließen. (Hess. Mgztg.)

Aus der Umgegend.

DerFrankfurter Anzeiger" schreibt unterm 2 März auS Frankfurt am Main : Seit dem Jnslebcntreten der Frankfurter Pferde­schlächterei im Jahre 1869 wurden dahier 5704 Pferde geschlachtet, im vorigen Jahre 490. Demnächst wird sich ein Metzger wegen Ver­kaufs verfälschter Wurst vor Gericht zu verantworten haben.

DemFrankfurter Jntelligenzblatt" entnehmen wir folgende Notizen aus Frankfurt a. M. vom 3 März: Der wegen Raubes und Unterschlagung einer größeren Geldsumme von hier flüchtig gewor­dene Schreiner Peter Schulz, der bereits vor das Schwurgericht ver­wiesen war, wurde am Donnerstag in Straßburg verhaftet. Ein Fischhändler hatte gestern Morgen auf seinem Verkaussplatze auf dem Judenmarkt ungefähr 25 Pfund Schellfische zum Verkaufe ausgelegt. Dieselben waren bereits in Fäulniß übergegangen und vollständig un­genießbar, weshalb sie konfiscirt und dem Wasenmeister übergeben wurden.

(Marktbericht v. 2. März.) Der heutige Heu- und Strohmarkt war mittelmäßig befahren. Heu kostete je nach Qualität per Zentner 2 Mk. 20 Pf. bis 3 Mk. 40 Pf. Stroh per Ctr. 2 Mk. bis 2 Mk. 50 Pf. Geschälte Erbsen pr. 100 Kilo 28-33 Mk, ganze Erbsen 24-28 Mk., Bohnen 2528 Mk., Linsen 28-36 Mk. Kartoffeln 6 Mk. 50 Pf. bis 7 Mk. Ochsenfleisch per Pfd. 70-75 Pf., Kuh-und Rind­fleisch 5564 Pf., Schweinefleisch 70-75 Pf., Kalbfleisch 6075 Pf., Hammelfleisch 5063 Pf. Butter im Großen 1. Qual. 90 Ps., 2. Qual. 80 Pf , im Detail 1. Qual. 1 Mk. 10 Pf., 2. Qual. 95 Pf. bis 1 Mk. Eier das Hundert 6 Mk. bis 7 Mk. Buchenscheck- holz per Quadratmeter 1012 Mk. 55 Ps., Tannenscheitholz 7-8 Mk. 55 Pf., Tannäpfel per Hectoliter 50 Pf.