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Februar hätten die Russen alle nöthigen Vorbereitungen getroffen, um am 25. Februar über den Pruth geben zu können. Die Lebensmittel sind auf zwei Monate gesichert, 3000 Mann vom russischen Geniewesen und 4800 Mann Pontonniers wurden nach der Donau dirigirt, auch soll dem Vernehmen nach ein drittes Schienengeleise auf der rumänischen Eisenbahn gelegt werden. (»«,«, «tg.)
— London, 10. Febr. Die officiellr Antwort auf das russische Rundschreiben wird wahrscheinlich in nächster Woche erfolgen. Noch herrscht darüber lebhafte Correspondenz zwischen den Mächten. Zwei Punkte scheinen frstgrstellt: 1) Vermeidung einer identischen Antwort, 2) Vermei^un- einer Rückfrage, was Rußland zu thun Vorschläge oder selber beabsichtige; weil dadurch die Nothwrudigkeit weiterer Schritte präsumirt erscheinen würde. Die „Times" bemerkt über das türkische Rundschreiben, daß die Pforte sich darin nicht gegen die Wiederaufnahme von Verhandlungen binde und diese durch den Nachfolger Mid- Hat's geschehen könnte; in welchem Fall England seine Vermittlung trotz der Abwesenheit des Botschafters abermals anstreben sollte. Der für Montag angekündigte Antrag Lord Russell'», daß England mit dem babarischen Türkenstaate nur mehr feindselige Beziehungen unter, halten könne, wird nicht ernsthaft erörtert oder zeitig zurückgezogen werden. Min. gtg.j
— Madrid, 10. Febr. Das nunmehr nach der „Köln. Ztg." publizirte königliche Dekret, wodurch der Senat aufgelöst wird, setzt dir Neuwahlen auf den 5. April an.
— New - Nork, 10. Febr. Der Dampfer „Helvetia" von der National-Dampfschiffs Compagnie (C. Messing'sche Linie) ist hier einge- tioffen.
Lokales.
Ha»su 12. Februar 1877
— Gslegenlich der gestrigen Feier des KrönungS- und Ordens- festes zu Berlin haben folgende Beamten der Provinz Hesscn-Nsssau Auszeichnungen erhalten.
Den Rohen Adler-Orden zweiter Klasse mit Eichenlaub: Dr. Albrecht, Erster Präsident des Appellationsgerichts zu WieSbaden.
Die Schleife zum Rothen Adler-Orden dritter Klasse: Dr. Firn« haber, Geheimer Regierungs-Rath a. D. zu Wiesbaden.
Den Rothen Adler-Orden dritter Klasse mit der Schleife und Schwertern am Ringe: v. Meyerinck. Oberst und Commandeur des 2. Hessischen Husaren-Regiments Nr. 14.
Den Rottzen Adler Orden dritter Klasse mit der Schleife: de la Croix, Ober^Rrgierungs-Rath zu Wirs>> ade». Graf v. Herzberg, Oberst und Commandeur des 1. Nassauischen Infanterie-Regiments Nr. 87. Wagner, Ober-Forstmeister zu Kassel.
Den Rothen Adler-Orden vierter Klasse: Sollet, Major a la suite des Pomrserschen Fuß-Artillerie-Retziments Nr. 2 und Direktor der Pulverfabrik bei Hanau. Dr. Dietrich, Professor an der Universität zu Marburg. Gutheil, Post Direktor zu Rinteln. v. Hantelmann, Garni- fon-BerwaltunzS-Ober Inspektor zu Frankfurt a. M. Dr. Heisterhagen, Ober-StabSarzt II. Klasse und Regiments-Aizt beim 3. Hessischen Infanterie-Regiment Nr. 83. v Holbach, Ober-Postkommissarius zu Frankfurt a. M. Humburg, Post-Direktor zu Eschwege. J««ghenn, fiädtischer SchulJnspekior zu Hanau. Koch, StrafanstaltS-Geistlicher zu Kassel. Köhler, Appellationsgerichts-Rath zu Kassel. Kreker, Post- Direktor zu Frankfurt a. M. Dr. Lncae, Professor, praktischer Arzt und Lehrer der Anatomie zu Frankfurt a. M. Mackeldky, Oberst- Luutenant im 1. Hessischen Infanterie-Regiment Nr. 81. v. Moren- hoffen, Appellationsgerichts-Rath zu Wiesbaden. Müller, KreiSge- lichtS-Direktor zu Hanau. Reifner, RechnunZs Rath beim Königlichen Theater zu WieSbaden. Dr. Renner, AppellationSMichts-Rath zu Frankfurt a. M. Scheumann, Vermessung^ Revisor zu Kassel. Schumann, Staatsanwalt zu Hanau. Schwarz, Regierungs-Rath zu Kassel. Sternrück, Haupt Steueramts-Controleur zu Frankfurt a. M. Wagner, Post-Direktor zu Fulda.
Den Königlichen Kronen-Orden zweiter Klasse: v. Hemskerk, vormals Präsident der Herzogl. nassauischen Hofkammer zu WieSbaden.
Den Königlichen Kronen Orden vierter Klasse: Grau, Zahlmeister beim 1. Hessischen Husaren-Regiment Nr. 13. Rosenthal vom Hof, Gutsbesitzer zu Homdressen, Kreis HofgeiSmar.
Den Adler der Inhaber: Sinn, Strasanstaltslehrer zu Ziegenhain.
Das Allgemein« Ehrenzeichen: Belz, Telegraphenbote zu Frankfurt o. M. B-nr.tr, Postschaffner zu Frankfurt a. M. Bretthauer, Fußgendarm zu HerleShausen, Kreis Eschwege. Äüodmg, Kreisbote zu Borken. Dupphorn, Fußgendarm zu Oberkaufungen, Landkreis Kassel. Engelbrecht, Postschaffner zu Cassel. Gleim, Steuer-Aufseher zu Orb, KreiS Gelnhausen. Hauschild, Feldwebel im 3. Hessischen Infanterie- Regiment Nr. 83. Jäger, Fußgendarm zu Netra, KreiS Eschwege. Latwesen, Werkmeister bei der Hannoverschen StaatSbahn, zu Cassel. Puth II, Bürgermeister zu Wachenbuchen, KreiS Hanau. Reich:!, Bürgermeister zu Ginnheim, Kreis Hanau. Rieth, Steuer-Aufseher zu Niederhone bei Cassel. Sauer, Steuer-Exckutor zu Hanau. Schäffer, Bürgermeister zu Erbstadt, Kreis Hanau. Siebert, Vice-Feldwebel beim Artillerie-Depot in Cassel. Ulrich, Schichtmeister zu Floh, KreiS
Schmalkalden. Weider, Lokomotivführewbei der Main-Weser-Bahn zu Kassel. -------------
— Stadt-Theater. „Dir Reise durch Berlin in 80 Stunden", Posse von Salingr6 Musik von Lehnhardt.
Bon allen Novitäten heiteren Genres, welche wir diesen Winter zu sehen bekamen, hatte diese den meisten Erfolg. Der Verfasser verstand es, Bilder zu schaffen, welche unS unwillkührlich zur Heiterkeit zwingen und dazu die trefflichen Couplets und die glückiche Zusammenstellung des musikalischen Theiles — mit einem Worte: alle Anforderungen, die man vernünftigerweise an eine Posse stellen kann, sind erfüllt und die Direktion hat mit dem Erwerb dieses ProducteS einen entschieden günstigen Griff gethan.
Die Darstellung auf unserer Bühne verdient das Präd kat „vortrefflich".
Der „Rentier Bielefeld" (welcher eigentlich die Materie dieser 80- stündigen Berliner I rfahrt ist) fand in Hrn. Schwarz einen tüchtigen Vertreter. Er war Herr der Situation und seine Komik frei von Ueber Werbung. Einzelnes vielleicht könnte er etwas moderiren, z. B. den Abgang am Schlüsse des 6 Bildes, wo er vor feiner ihn verfolgenden Gattin flieht, da erscheint der als Lanze vorgehaltene Schirm und die Berthridigungsart etwas zu übertrieben, ebenso das Mä-ää-ä als aukhelfenser Schneider ist übelflüssig und unnatürlich, wir haben wenigstens in Wirklichkeit noch keinen Schneider mäckern kören. Im Uebrigen aber war seine Leistung eine gute und auch der Vortrag sei« seiner Couplets verständnißvoll.
Das die Vorsehung spielende Studiosen-Kleeblatt wurde von den Herren Rohland, Herrmann I. und Hochberg gegeben. Herrn Rohland's Leistung — dessen Pacthie überhaupt die bedeutendere ist — überragte die seiner Comilitonm, wenngleich auch sie ihr wesentliches Theil zum Gelingsn beitrugen. Für Herrn Hochberg ist diese Aufgabe zu schwer, aber trotzdem müssen wir seinen Fleiß anerkennen; Herr Herrmann I war schauspielerisch anerkennenswerth, daß ihm der Baß—Baß—Baß Schwierigkeiten machte begreifen wir. Als „Drillinge" verdienen alle unser Lob.
Frl. Sylla trat als „Helene MöweS" hier wieder zum ersten Male auf. Sie bewies in der Rolle, daß sie sowohl als Sängerin wie Darstellerin während ihrer Abwesenheit noch gelernt habe und wußte diese Fortschritte in's rechte Licht zu sitzen. Der Vortrag des „Liedes ohne Worte" sowohl, als auch die Metamorphose als Chansonnette- sängerin — worin sie allerliebst auSsah — verdiente und fand attfeiti^e Anerkennung.
Frau Ber thold spielte „Bielefelds Frau Friederike" humoristisch und wußte der Rolle alles Gute abzugewinnen.
Als besonders gelungen bezeichnen wir das 5 und 6. Bild. Die reiche Abwechselung und die überraschenden witzigen Pointen lassen den Zuschauer thatsächlich nicht zur Besinnung kommen und die ausge- laffendste Heiterkeit ;st die Folge.
Wenn wir noch der glücklichen Jnscenirung und der corncten Ausführung des musikalischen Theils durch unser Orchester, unter Leitung des Herrn Triebel, erwähnen, so ist für heute unsere Pflicht erfüllt und rathen wir zum Schlüsse nur noch Jedem zum Besuch d eser wahrhaften und soliden Posse.
— Kommenden Freitag wird unser Charakterdarsteller, Herr Güldenstein, ein, wie allgemein hier bekannt, recht strebsames und gern gesehenes Mitglied unserer Bühne, sein Benefice haben. Wie uns aus guter Quelle mitgetheilt wurde, ist von demselben die Aufführung eines zwar alten aber vorzüglichen Schauspiels in 5 Akten von Adami „Königin Margot und die Hugenotten" in Aussicht genommen. Nach dem Vorhergesagten wird es Herrn Güldenstem an einem vollen Hause nicht fehlen.
Versteigerungs- und Verpachtungs-Kaleuder.
für Dienstag den 13. Februar 1877.
Holzverst>igerungen: Oberförstern Bruchköbel, Distrikt Kohlbrunnen, Abth. b: Vormittags 9 Uhr in der Lehning'schen Gastwirth- fchaft zum „goldenen Faß" dahier: außer bedeutenden Partiten Brennholz verschiedener Art, 24 Eichen, 104 Hainbuchen-, 21 Buken-, 44 Erlen-Abschnitte und ca. 600 Eichen-Stangen (s. Nr. 31 „Han. Anz."). Marköbeler Gemeindewald: Distrikt Steinkopf: Vorm. von 10 Uhr ab: 100 Raumm. Buchen-Scheit-, -Stammprügel- und Stockholz (s. Nr. 32 „Han. Anz.").
Sonstige Versteigerungen. Im Landkrankenhaus kommen Nachmittags 2 Uhr eine Partie getragener Kleidungsstücke gegen Baarzahlung zum Verkauf (f. Nr. 31 „Han. Anz.").
— Fastnachtsdienstag. Vormittags Concert im „Dmtschen HauS" und in den „3 Gänsen". — Hanauer Stadttheater: Kindervorstellung „Die drei Haulemännchen", Komödie für Kinder von C. A. Görner; Anfang Nachmittags 3 Uhr. — Großauheim: Nachmittags Tanzvergnügen in der „Krone", in der „Rose" und in der „Restauration Lenz".
— Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht: der Wahl des Gymnasial-Oberlehrers Dr. Heinrich Julius Rothfuchs in Hanau zum Direktor des Gymnasiums in GüterSloh die Allerhöchste Bestätigung zu ertheilen.