daß man in Mülhausen Gelegenheit findet, seine Haut für Baarei Geld zu verkaufen. Es kamen schon seit einiger Zeit von dort aus junge Leute und fragten hier nach englischen Werbern; aber da bai Anwerber» für fremde Kriegsdienste auch hier ein unerlaubte- Geschäft ist, so weiß natürlich nicht Jedermann Auskunft zu geben und die Reisläufer fanden sich mitunter in großer Verlegenheit. Jnd fsen findet doch Mancher den gesuchten Weg und es gehen fortwährend kleine Trau-- Porte Angeworbener nach Belfort ab.
— Das leichtsinnige Spiel mit MobilisirungS-Berüchten scheint sich im Augenblick großer Beliebtheit zu erfreuen. Durch mehrere Wiener Blätter lief in diesen Tagen die angeblich aus dem Brucker Lager stammende Nachricht, die Direktion der Staatseisenbahn habe vom KciegSministerium den strikten Auftrag erhalten, längstens bis 15. August d. I. 400 Sanitäts-WargonS berettzuftellen. In Folge dessen lasse die Staate bahn je 200 Waggons in Wien und Prag adaptiren, außerdem würden sämmtliche Reservemaschinen in Stand gesetzt. Aehn« liche Aufträge hätten auch ungarische, mit dem Kriegsschauplätze in Verbindung stehende Bahnen erhalten. Diese ziemlich allrrmirend klingende Meldung schien von vornherein unglaubwürdig. Nach den Informationen, die darüber eingezogen wurden, ergab sich denn auch nur Fo'grn- des als richtig: „Seit mehreren Monaten schon schwebten zwischen der österreichischen Regierung und den Bahnvirwaltungen Unterhanölunzen, damit für einen .eventu llen Kriegsfall 600 gewöhnliche Lastwaggons in Sanitätswoggons umgewandelt werden können. Ein Termin für die Ausführung wurde überhaupt nicht gesetzt, und schon daraus ist der Charakter der ganzen Maßregel als der einer rechtzeitigen, durch die gewöhnlichste Vorsicht gebotenen Vorbereitung für den Kriegsfall zu entnehmen. Was die ungarischen Bahnen betrifft, so haben dieselben, wie unlängst in Pester Blättern zu lesen war, ähnliche Weisungen von der Regierung erhalten. <r»»)
— Wien, 24. Juli. Der „Schw. Merk." schreibt: Die Gerüchte von einem b« vorstehenden Eingreifen der Mächte in die Vorgänge auf der Hämus-Halbinsel nehmen bereits eine so feste Gestalt an, daß man den Zeitpunkt hiefür angeben zu können glaubt. Es heißt, man habe in Reichstadt vereinbart, einen Monat lang den KriegSereignissm zuzuschamn, dann aber die Entscheidung selbst in die Hand zu nehmen und innerhalb dieses Zeitraumes die Grundlage für die bezüglichen Verhandlungen zwischen den europäisch n Mächten herzustellen. Da die Rnchstadter Begegnung am 8. Juli stattgefunden, so würde der ein- monatliche Termin am 8. August ablaufen. Die Thatsache, daß ei keinem der Kämpfenden noch gelungen ist, einen wirklichen, ausschlaggebenden Erfolg zu erreichen, und daß die Kriegführung nach den allseitigen Berichten eine unerhört grausame ist, während gleichzeitig die Greuelthatcn in Bulgarien wirklich fortdauern, scheint allerdings geeignet, die Großmächte zu einem Aufgeben ihrer Zuschauerrolle zu bestimmen. ES ist gewiß nicht bedeutungslos, daß die anerkannt inspirirten Journale, wie die Wiener Abendpost und neuesten- die Montags Revue den religiösen Charakter des Krieges als feststehende Thatsache hinstcllen und von den vorfallenden Grausamkeiten bistätigend Notiz nehmen. Ebenso verdient der Umstand Beachtung, daß die Montag- Revue einen Thronwechsel in Konstantinopel alS möglich bezeichnet und nur den Wunsch äußert, das türkische Reich möge Hiebei nicht von einer inneren Erschütterung humgesucht werden, die gerade in diesem Augenblicke ver- Hängnißvoll werden müßte. Zu allen diesen bedeutsamen Kundgebungen gehört auch die ebenfalls von offiziöser Serie gebrachte Meldung, daß eS gar nicht wahr fei, daß der letzte große Ministerrath sich mit der Reformfrage beschäftigt habe. Es seien die hierauf bezüglichen Meldungen nur eine Täuschung Europas gewesen, in der Wirklichkeit habe sich der Miwsterrach nur mit dem Kriege und der Beschaffung bei nöthigen Geldes befaßt. Die hohen kirchlichen Würdenträger bei otto- manischcn Reiches hätten an der Sitzung nur therlgenommen, um den heiligen Krieg zu verkündigen und mit Rücksicht auf den Umstand, daß der Sultan noch nicht wirklicher Khalife sei, die Pflicht übernommen, die Gläubigen zum Schaaren um die grüne Fahne des Propheten und zur BeitragSleistung in Geld aufzufordern. Ich kann natürlich den Werth dieser Angaben nicht genau untersuchen; aber Alles zeigt darauf hin, daß nur metzr Ankläger wider die Pforte vorhanden sind, und daß eS vielleicht bald zu einem UrtheilSspruch kommen wird. — Auch der serbische Minister R st cs gehört zu diesen Anklägern wider die Pforte. Er bereitet jetzt eine Staatsschnft vor, die allen europäischen Kabrneten vorgelegt werden soll und angeblich die Lage bei Lande- erörtert und seine Strebungen vertheidigt. Auch soll Rrstics eine ganze M-nge von osfizikllm Berichten über Serbien richtig stell n wollen und in denielben Irrthümer und Entstelluugkn nachzuwersen unternommen haben. Jedenfalls sind die jetzigen Berichte aus und über Serbien, bte sogenannten ossiz ösen nicht ausgenomm N, in der That nichts weniger als verläßlich. — Die östreichische Regierung fährt inzwischen fort, alle erdenklichen Vorkehrungen zu treffen, um sich von keinerlei Wendung der Er« ergnrss: überraschen zu lass n. Man hat jetzt, ähnlich wie dies in Un- garn schon vor zwer Jahren geschehen ist, sämmtliche Jurisdiktionen aurgefo-bert, das genaue Verzeichniß derjenigen Beamten vorzulegen, welche auch tm Mobilrsirungrfalle unentbehrlich sind und demgemäß von der Einberufung ausgeschlossen werden müßten. Ferner hat man
die in der Staatsdruckerei angefertigten Drucksortes an die Bezirks- Hauptmanuschafte» vertheilt, diese toieberum haben die einzelnen Gemeinde-Vorstände zu einer vertraulichen Besprechung zusammengerufen, ihnen die Aufrufe und Plakate übergeben, die bezügliche» Instruktionen mitgetheilt und sie ausführlich über ihre Pflichten belehrt. Hier in Wien hat die politische Behörde an die Bürgermeister und Kommunal- Borständs eine Instruktion darüber gerichtet, waS dieselben im Falle der Einberufung der Urlauber und Reservisten zu thun haben. Diese Anordnung wurde, wie bereits angebeutet, nun schon für die ganze Monarchie getroffen.
— K on stant inopel, 26. Juli. Wie versichert wird, beschloß die Regierung eine Emission von Papiergeld im Betrage von drei Millionen LivreS in Metallenes unter Kontrole der Banque ottomane und gegen Garantie der Einkünfte aus den Steinkohlengrube» in Herakles.
— Konstantinopel, 27. Juli. Es bestätigt sich, daß die türkische Regierung dir Emittirung von Papiergeld beschlossen hat und zwar solle« zwei Millionen Pfund Sterling in Cirkulation gesetzt und eine Million für den Staatsschatz resersirt werden. Das Papiergeld wird einen ZwangsesurS haben und von allen Staatskassen, mit Ausnahme der Zoll- und Telegrophenkasien, angenommen werden. Die früher abgeschlossenen Geschäfte müssen in baarem Gelde abgewickelt werden. — Die Pforte hat Kadri Bey als Kommissar nach Kreta abgesandt um die Klage der Kretenser zu untersuchen.
— Die heute eingegangene „Corr. orient." vom 21. Juli bringt den Entwurf der von Midhat Pascha dem großen Rath übergebenen Verfassung. Derselbe lautet:
Art. 1. Vollkommene Gleichstellung zwischen Muselmanen und Christen.
Art. 2. Zulassung der Christen zu allen Aemtern, selbst zum Groß Vezierat.
Art. 3. Errichtung einer Deputirtenkammer, und Abordnung von Deputirten je nach der Zahl der Demeinden (4 auf jede Provinz und 16 für Konstantinopel).
Art. 4. Verantwortlichkeit der Minister den Kammern gegenüber. Art. 5. Aufhebung bei Artikels bei Gesetzes „Scheri", welcher das Zeugniß der Christen gegen Muselmanen zurückweist.
Art. 6. Unadfetzbarkeit der Richter und Beamten ohne begangener Verbrechen.
— Die Frage, ob die Ausstellung zu Philadelphia auch Sonntag geöffnet sein solle, ist jetzt endgültig im verneinenden Sinne entschieden worden. —
Dom Kriegsschauplatze.
Wien, 26. Juli. Der „Politischen Korrespondenz" wird aus Türkisch-Brod telegraphisch gemeldet: Unter der mohamedanischen Bevölkerung der Bezirke Banja Luka (Stadt am WrbaS, Nrfl. d. Sawe) und Zwornik, besonders in den Kaimakanaten von Derwenta (oder Derbend, südl. von Türk. Brod in BoSnien) und Teschanj (südl. von Der- bevd) werden zahlreiche grüne Fahnen vertheilt, dieHodzas bereiten die Rechtgläubigen auf die Entfaltung der Fahne des Propheten vor, die B'sorgniß unter der katholischen, der griechischen und der jüdischen Bevölkerung ist groß. Die österreichische Grenze ist durch türk sche Wachtposten abgesperrt, die Jedermann den Uebertritt auf österreichischer Gebiet wehren.
Belgrad, 26. Juli. General Tschernajeff ist mit einem Theile seines Armee-Corps zur Timok Armee abgegangen, wo eine entscheidende Schlacht erwartet wird. Der R st der Tschernajeffschen Armee befindet sich bei Alexinatz in verschanzten Positionen.
Konstantinopel, 27. Juli. Ein der Regierung zugegangeneS T lezramm bei Gouverneurs der Herzegowina, Ali Pascha aus Mostar vom 26. er. meldet: Moukhtar Pascha hat die Mittheilung hierher gelangen lassen, daß er vorgestern die bei Nevesinje gefchlagenen Montenegriner bis nach Studenitza verfolgt habe. B.i der Annäherung der türkischen Truppen zogen sich die Montenegriner in der Richtung auf Banjani ohne Kampf zurück, indem sie viel Lebensmittel und Vieh zu- rückließen. — Der Regierung wird aus Novibazar vom 24. er. gemeldet: Die Serben beschossen Turn bei Sieuitza, die türkischen Truppen brachten die Reihen der Serben in Unordnung und verfolgten sie bil zur Grenze. — Die Stärke der Montenegriner in dem Kampfe bei Nevesinje wird auf 7000 Mann geschätzt, ihre Verluste sollen 10 Mal größer gewisen sein, als die der Türken.
Wien, 27. Juli, Vormittags. Wie dem „Telegraphen-Korresp.» Bureau" aui Zara gemeldet wird, wurden am 24 b. M. die mit den Montenegrinern verbündeten Kuccianer von 1500 Türken an drei Punkten angegriffen. Die Montenegriner, hiervon benachrichtigt, drängten die Türken nach einem mehrstündigen Gefechte zurück und verfolgten sie bis vor Podgorizza. Die Verluste der Türken waren sehr bedeutend, die Montenegriner hatten nur ca. 50 Todte und Verwundete.
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Lokales von hier und Umgegend, sowie Provinzieller.
Hana«, 28. Juli 1878.
— Gestern Abend stürzte sich ein junger Mann (Spengler), der