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Zugleich Amtliches Organ für KreiS und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Samstag den 21. Oktober.

1876.

BekauutMKchuNgeK Kömgü LaKdraLhsaWLS dahin.

Die Herren Bürgermeister werden an sofortige Erledigung meines Circular-ErlasseS vom 29. September V. 7284. betreffend Bericht über die Beseitigung einzelner kirchlicher Abgaben und Leistungen für Schul-, Kommunal- und Armenzwecke, erinnert.

Hanau am 17. Oktober 1876._______________________________

Wochenschau.

H. H. 0. Die Dinge im Oriente haben sich in den letzten Tagen mit Riesenschritten weiter entwickelt. Wie nicht anders zu erwarten stand, hat sowohl Rußland als auch Serbien erklärt, den von der Pforte offerirten ömonatlichen Waffenstillstand nicht annehmen zu können und haben sie erklärt, daß nur ein 46-wöchentlicher am Platze sei. Ruß­land hat dies den Mächten durch ein telegraphisches Rundschreiben be­kannt gegeben und darin ausgeführt, daß Serbien unmöglich auf so lange Zeit hinaus gerüstet bleiben könne, und die serb. Regierung hat den großmächtlichen Vertretern in Belgrad vertraulich den Rath ertheilt, den Versuch, sie für den türk. Vorschlag zu gewinnen, zu unterlassen. Von 46 wöchentlichem Waffenstillstände soll sie freilich auch nur ge­sagt haben, daß sie ihnvielleicht" acceptiren würde. Daraufhin haben nun die Vertreter Fiank-eichs, Englands, Oesterreichs und Deutsch­lands in Konstantinopel den Versuch gemacht, die Pforte zur Annahme dieses russisch-serb. Gegenvorschlags zu bestimmen, der aber wohl er­folglos sein wird. Wie sich die türk. Regierung aber auch entscheiden wird, der russisch-türkische Krieg wird auf keinen Fall verhindert werden. Die in Livadien versammelten moskowitischen Staatslenker sind das zeigt sich immer klarer fest entschlossen, die türkische Frage jetzt zu einer radikalen Lösung zu bringen, und schwerlich wi'd irgend eine Macht den Russen entgegentreten. Nach den neuesten Nachrichten steht das mehrfach erwähnte russisch-italienische Bündniß über all:m Zweifel erhaben und soll man der römischen Regierung den Erwerb der nord- afrikanischen Provinz Tunis, des alten Karthagos, in sichere Aussicht gestellt, falls Oesterreich nicht als Gegner Rußlands auftritt. Würde Oesterreich jedoch die Partei der Türken ergreifen, so dürfte sich ge­nanntes Bündniß auch gegen den habsburgischtn Kaiserstaat richten und dürfte den Italienern der Erwerb auch der italienisch redenden Theile Oesterreichs versprochen worden sein. Die jüngsten aus Wien und Pest gekommenen Telegramme berichten jedoch, daß eine Verständigung zwi­schen Rußland und Oesterreich zu Stande gebracht worden sei, daß sich Letzteres zu vorläufiger Neutralität verstanden habe und daß auch der Preis für diese Neutralität festgesetzt worden sei. Wie dieser Preis beschaffin, darüber verlautete noch nichts Bestimmtes. Erwähnen wollen wir aber hier, daß sowohl dasFremdenblatt" in einem Leitartikel als auch der Cxminister Dr. Gis kca in einer Rede vor seinen Brünner Wählern ausgeführt haben, daß eine Theilung der europ. Türkei nur dann möglich sei, wenn Oesterreich die ganze westliche Hälfte inkl. Ma- cedonicn (also auch Salonichi) erhalte.

Mit Rumänien hat sich Rußland ebenfalls verständigt. Eine Bukarester Minister-Deputation war ja zu diesem Zwecke auf der Krim beim Czarrn. Rumänien soll die Erlaubniß zum Durchzug russischer Truppen nach Bulgarien gegeben haben. Gleichzeitig hat eS aber auch nicht nur seine aktive sondern auch seine Territorial-Armee mobil ge­macht, um die gesammten Streukräfte längs der Donau aufzustellen. Ohne Zweifel hat Rußland auch den Rumänen einen Gebietszuwachs versprochen. Rußland ist aber bemüht, sich auch noch andere Verbündete zu verschaff-n. Griechenland ist endlich von ihm auch dahin gebracht worden, daß es Miene macht, sich in den Kriegsstand zu versetzen. Die -oolksversammlungen in den griechischen Städten, welche die Befreiung ^.hessauens, Epirus', Kandia's und der übrigen griech. Inseln vom türk. ^oche fordern, mehren sich von Woche zu Woche und man erwartet bereits, daß alle waffenfähigen Männer vom 20. bis zum 30. Lebens­jahre zu den Fahnen gerufen werden. Auch die Nationalgarde soll in Stand gesetzt werden. Selbst die persische Regierung ist ersucht worden, sich oem Kampfe gegen die Türkei anzuschließen. Mit den kriegerischen Absichten Griechenlands in Verbindung steht unzweifelhaft der Besuch, den der König von Griechenland soeben dem deutschen Kaiser in Baden-

Baden und dem Kanzler Androssy in Wien abstattete. Daß Rußland mit größter Energie rüstet und mobilisirt, ist jetzt allbekannte Thatsache. Es corcentrirt nicht nur in Kleinasien (Anatolien), sondern auch an der rumänischen Grenze eine Armee, welch' letztere bereits 200,000 Mann stark sein soll. Bei cßebem nimmt der russische Zuzug nach Serbien immer größere Dimensionen an. Die Russen rücken jetzt doch uniformirt, bewaffnet, beritten bataillons- und schwadronenweise ein. Angesichts dieser Thatsachen wird es den Türken freunden in England sehr schwül zu Muthe, und dieTimes" erkühnte sich vor einigen Tagen, Deutsch­land aufzufordern, endlich in der Orientfrage Stellung zu nehmen und den frechen Russen ein energisches Wort zu sagen, dann würde der Friede gewiß gewahrt bleiben. Daraufhin hat nun dienicht mehr offiziöse"Nordd. Allgem. Ztg." bereits eine gründliche offiziöse Ant­wort gegeben, dahin lauten o, daß Deutschland kein Interesse habe, um eigene Opfer an Gut und Blut in der Orientfrage ta< ^bringen. DaS heißt doch sicher: Deutschland wird Rußland gewähren lassen. Der Widerstand Englands wird aber auch nicht schlimm werden. Die offi­ziösen Organe kündeten bereits an, daß sich Großbritannien darauf be­schränken werde, durch seine Flotte einen etwaigen Uebergang der Russen von Konstantinopel nach Kleinasien zu verhindern. Die Insurrektion in Bosnien und Bulgarien soll in letzter Zelt wieder an Ausdehnung gewonnen haben. Auf dem montenegrin.-türkischen Kriegsschauplatze haben sich wieder mehrere blutige Kämpfe zugetragen.

Der preuß. Landtag ist am 14. Oktbr. durch königl. Dekret auf­gelöst worden. Die Wahlmönnerwahkn finden am 20., die Abgeord- netenwatlen am 27. d. MtS. statt. Ueber den Reichskanzler wird be­richtet, daß er sich wieder angelegentlichst mit dem Reichseisenbahnpro- jekt btfasse und eine darauf bezüglichekräftige Depesche" an die daher, und die sächs. Regierung erlassen habe.

Die fravz. Deputirtenkammer wird demnächst wieder zusammen­treten, wo dann ihr Gambrtta seinen Entwurf zur Reform des Steuer­wesens unterbreiten wird.

In Dänemark steht der Kampf zwischen Folkethingsmehrheit und Ministerium wieder in voller Blüthe. Die Redner der Linken haben Letzteres unverblümt aufgefordert, zurückzutreten und verfassungstreuen Männern Platz zu machen._________________________________________

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Pforzheim, 18. Oktober. DerPforzheimer Beobachter" schreibt: Im Interesse alllr Familien halten wir es für Pflicht, immer wieder auf einen schon oft erwähnten Uebelstand zurückzukommen und jedes Umstandes zu erwähnen, den man hier oder dort versucht, dem­selben Abhülfe zu schaffen. Arbeitslöhne und Arbeitszeit werden ver­kürzt, Jedermann schränkt sich in seinen Bedürfnissen ein, Handel und Verkehr leiden, dabei erhalten sich Lebensmittel aber auf gleicher Höhe und werden durch gewissenlose Händler unnöthig vertheuert da scheint uns doch die Frage berechtigt: Wie soll es im Winter noch werdenI?! In Stuttgart wurde kürzlich, wie wir berichteten, in der GemeinderathLsitzung die Marktfrage erörtert und dabei der Ansicht nicht widersprochen, daß es gesetzlich gestattet sei, den Händlern den Besuch des Marktes und den Ankauf von Waaren vor einer bestimmten Stunde zu verbieten, wie es auch thatsächlich an manchen Orten schon geschehen ist und durchgefühlt wird. Es wurde der Stadtrath ange­wiesen, demnächst definitive Vorschläge zu machen. Ferner sind dort sämmtlichen Händlern gemeinsame von den Einzelverkäufen getrennte Verkaufsplätze angewiesen, so daß das Publikum wenigstens weiß, von wem es kauft. Es ist natürlich, daß wir nicht den Zwischenhandel meinen, der weit ins Land oder gar in andere Länder geht und unse­rem Markte Lebensmittel zusührt der ist freilich nothwendig und wirkt Vortheilhaft, sondern den verwerflichen wucherischen Zwischen­handel. Geradezu empörend ist es, wenn man beobachtet, wie solche Leute erst kurz vor Beginn des Marktes mit einer Menge leerer Körbe sich einstellen, die sich rasch füllen, indem jene den ankommenden Land­leuten ihren ganzen Vorrath abkaufen, um dann den Verkaufspreis fest* zustellen. Dieser verwerfliche Zwischenhandel hat sogar die Unverschämt­heit, sich zwischen Produzent und Konsumenten zu drängen und, wenn